Aminophenole

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Aminophenole (auch Hydroxyaniline; Summenformel C6H7NO) sind aromatische Verbindungen und leiten sich sowohl vom Anilin als auch vom Phenol ab. Durch unterschiedliche Anordnung der Substituenten ergeben sich drei Konstitutionsisomere. Sie dienen u. a. zur Herstellung von Arzneimitteln, Farbstoffen und photographischen Entwicklern. Die Methylether bilden die Gruppe der Anisidine, die Ethylether die der Phenetidine.

Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aminophenole
Name 2-Aminophenol 3-Aminophenol 4-Aminophenol
Andere Namen o-Aminophenol,
2-Hydroxyanilin
m-Aminophenol,
3-Hydroxyanilin
p-Aminophenol,
4-Hydroxyanilin
Strukturformel O-Aminophenol.svg M-Aminophenol.svg P-Aminophenol.svg
CAS-Nummer 95-55-6 591-27-5 123-30-8
27598-85-2 (Isomerengemisch)[1]
PubChem 5801 11568 403
Summenformel C6H7NO
Molare Masse 109,13 g·mol−1
Aggregatzustand fest
Kurzbeschreibung farbloser Feststoff
Schmelzpunkt 172–174 °C[2] 122 °C[3] 190 °C[4]
Siedepunkt 150 °C (15 mbar)[2] 164 °C (15 mbar)[3] 284 °C (Zers.)[4]
pKs-Wert 9,71[5] 9,87[5] 10,30[6]
Löslichkeit 17 g·l−1 (20 °C)[2] 26 g·l−1 (20 °C)[3] 6,5 g·l−1 (24 °C)[4]
wenig löslich in Wasser, löslich in Ethanol, Ether, Säuren und Basen
GHS-
Kennzeichnung
aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP)[7], ggf. erweitert
07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend
Achtung[2]
aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP)[8], ggf. erweitert
07 – Achtung 09 – Umweltgefährlich
Achtung[3]
aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP)[9], ggf. erweitert
08 – Gesundheitsgefährdend 07 – Achtung 09 – Umweltgefährlich
Achtung[4]
H- und P-Sätze 341​‐​332​‐​302[2] 332​‐​302​‐​411[3] 302​‐​332​‐​317​‐​341​‐​373​‐​410[4]
keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze
281[2] 273[3] 202​‐​261​‐​273​‐​281​‐​302+352​‐​304+340​‐​308+313​‐​501[4]

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu zahlreichen disubstituierten Benzolen hat sich für die Aminophenole kein eigener Trivialname herausgebildet.

So wie sich die Anisidine vom Namensstamm Anisol bzw. Toluidine von Toluol ableiten (stickstoffhaltige Derivate des Anisols bzw. Toluols), hätte man in analoger Weise ausgehend vom Namensstamm Phenol die Namensgebung Phenidine ableiten können. Dazu ist es jedoch nicht gekommen, der Name Phenidin wird hingegen für das N-(4-ethoxyphenyl)acetamid (= Phenacetin) verwendet.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aminophenole sind feste farblose Stoffe. Sie verfärben sich bei Einwirkung von Luft grau bis dunkelgrau. Sie sind wenig löslich in Wasser, löslich in Ethanol und Ether. Da sie sowohl eine Hydroxygruppe als auch eine Aminogruppe besitzen, sind sie in Säuren und Basen löslich. In basischem Milieu können 2- und 4-Aminophenol von starken Oxidationsmitteln reversibel zu den entsprechenden Chinoniminen umgesetzt werden (vgl. Indophenol, siehe auch Chinone).

Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

4-Aminophenol wird durch elektrolytische Reduktion von 4-Nitrophenol in stark schwefelsaurer Lösung hergestellt.[10]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Farbstoff Indophenol lässt sich durch oxidative Kupplung von 4-Aminophenol mit Phenol in alkalischer Lösung mit Natriumhypochlorit als Oxidationsmittel herstellen. Die Aminophenole dienen auch zur Darstellung zahlreicher Azofarbstoffe.

Momme Andresen entdeckte 1888, dass 4-Aminophenol als Entwickler für die Schwarzweißfotografie eingesetzt werden kann. Es ist unter dem Handelsnamen Rodinal bekannt.[10]

Aus 4-Aminophenol leiten sich u. a. Phenacetin und Paracetamol ab. Sie dienen beide als Arzneistoffe zur Schmerzbehandlung und Fiebersenkung.

Umsetzung von 4-Aminophenol mit Essigsäureanhydrid führt zum Paracetamol unter Abspaltung von Essigsäure.

Bei der Polykondensation von Aminophenolen mit Formaldehyd erhält man Kunstharze, die als Anionenaustauscher Bedeutung erlangt haben.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag zu Aminophenol, Isomere in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 11. August 2016 (JavaScript erforderlich).
  2. a b c d e f Eintrag zu 2-Aminophenol in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 11. August 2016 (JavaScript erforderlich).
  3. a b c d e f Eintrag zu 3-Aminophenol in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 11. August 2016 (JavaScript erforderlich).
  4. a b c d e f Eintrag zu 4-Aminophenol in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 11. August 2016 (JavaScript erforderlich).
  5. a b CRC Handbook of Tables for Organic Compound Identification, Third Edition, 1984, ISBN 0-8493-0303-6.
  6. chem.wisc.edu: pKa Data, Compiled by R. Williams (PDF, 78 kB).
  7. Eintrag zu 2-aminophenol im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 11. August 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  8. Eintrag zu 3-aminophenol im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 11. August 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  9. Eintrag zu 4-aminophenol im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 11. August 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  10. a b Beyer/Walter: Lehrbuch der Organischen Chemie, 19. Auflage, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-7776-0356-2, S. 527.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]