2. Kurhessisches Infanterie-Regiment Nr. 82

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2. Kurhessisches Infanterie-Regiment Nr. 82
Aktiv 30. Oktober 1866
Land Königreich Preußen
Streitkräfte Preußische Armee
Truppengattung Infanterie
Unterstellung XI. Armee-Korps
Historische Stationierungsorte Hanau, Frankfurt am Main, Bad Homburg vor der Höhe, Göttingen, Northeim, Einbeck
Friedensuniform des Regiments

Das 2. Kurhessische Infanterie-Regiment Nr. 82 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband wurde am 30. Oktober 1866 als Infanterie-Regiment Nr. 82 in Posen aufgestellt und gehörte 1914 zu der 22. Division in Kassel.

Mit einem Stamm aus Personal des bis 1866 „2. Kurfürstliche-Hessischen Infanterie-Regiments Landgraf Wilhelm“ wurde nach der Annexion Kurhessens das preußische Infanterie-Regiment Nr. 82 aufgestellt. Im November traten zur Personalergänzung insgesamt zwölf Kompanien der Regimenter 6, 37, 46 und 50 hinzu.

Das Regiment bildete mit dem Infanterie-Regiment Nr. 83 die 43. Infanterie-Brigade der 22. Division im XI. Armee-Korps. Am 3. Juli 1867 erhielt es seine Fahnen und im Herbst desselben Jahres den Namen „2. Hessisches Infanterie-Regiment Nr. 82“.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1866: Stab, I. und II. Bataillon in Hanau, III. Bataillon (Füsilier-Bataillon) in Frankfurt am Main
  • 1867: Homburg, Jägerkaserne
  • 1871: Stab, I. Bataillon in Göttingen, II. Bataillon in Hameln, III. Bataillon in Einbeck
  • 1872: II. Bataillon in Northeim
  • 1890: II. Bataillon in Goslar
  • 1. Oktober 1896: III. Bataillon Göttingen
  • 1. April 1897: III. Bataillon Göttingen (Gesamtes Regiment nunmehr in Göttingen)

Deutsch-Französischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Deutsch-Französischen Krieg kämpften das II. und III. Bataillon in der Schlacht bei Wörth am 6. August 1870, das I. Bataillon war an diesem Tag zur Bedeckung des kronprinzlichen Hauptquartiers in Sulz abgestellt. Bei der Schlacht bei Sedan kämpfte das Regiment an der Nordfront und nahm ab dem 22. September 1870 an der Belagerung von Paris teil. Am 1. März 1871 rückte das Füsilier-Bataillon mit in Paris ein.

Am 24. Januar 1899 erhielt das Regiment den Namen „2. Kurhessisches Infanterie-Regiment 82“. Da es auch offiziell die Tradition des „2. Kurhessischen Infanterie-Regiments Landgraf Wilhelm“ fortführte, konnte das Regiment 1913 sein hundertjähriges Bestehen feiern.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 1914 erhielt das Regiment den Mobilmachungsbefehl und überschritt am 4. August 1914 morgens die belgische Grenze bei Malmedy mit Ziel Stavelot und La Gleize. Bis zum 13. August nahm es an den Kämpfen um und der Eroberung der Festungsstadt Lüttich teil und war anschließend vom 20. bis 24. August bei der Eroberung von Namur eingesetzt.

Am 30. August wurde das Regiment mit dem XI. Armee-Korps nach Ostpreußen verlegt, wo es am 3. September in Osterode eintraf. Am 11. September 1914 fiel dem Regiment als erste deutsche Einheit bei Erdauen eine russische Regimentsfahne in die Hände. Es handelte sich um die „St. Georgsfahne“ des 119. Russischen Infanterie-Regiments. Nach schweren Kämpfen bei Stallupönen gelang es dem Regiment, etwa 2000 russische Soldaten gefangenzunehmen. Der Verband kämpfte am 4. Oktober im Gefecht bei Opatow, vom 13. bis 20. Oktober an der Weichsel und unter General von Mackensen bei Wlozlawc, Kutno und Lodz. Bis zum 18. Mai 1915 lag der Verband in Stellungskämpfen an der Rawka.

Vom 12. bis 15. Juni 1915 folgte die Teilnahme an der großen Durchbruchsschlacht von Lubaczowka und die Rückeroberung von Lemberg. Vom 16. bis 18. Juli 1915 Kämpfe an der österreichisch-russischen Grenze bei Krasnostraw. Teilnahme an den Kämpfen von Wlodawa am Bug (13. bis 17. August), bei Brest-Litowsk, Tschernysch, Stellungskämpfe am Stochod und am Styr. Vom 23. März 1916 an lag das Regiment im Raume von Mitau, kämpfte bis Oktober 1917 aber häufig im Süden, um die österreichisch-ungarische Front zu stärken.

Im Oktober 1917 verließ das Regiment die Ostfront, besetzte am 21. Oktober Stellungen vor Verdun und blieb dort bis zum 10. Mai 1918. Anschließend folgte die Teilnahme an der Schlacht von Reims und der letzten deutschen Großoffensive beiderseits Reims vom 15. bis 17. Juli 1918. Hierbei gelang es, den Courton-Wald und die Höhe 230 bei Nanteuil zu erobern. Nach der Großoffensive folgten die großen Abwehrschlachten zwischen Soissons und Reims. Bei Kriegsende am 11. November 1918 befand sich die Einheit bereits auf dem Rückmarsch zwischen Douai und Valenciennes.

Das Regiment hatte während des Krieges Verluste von 88 Offizieren, 13 Offizierdiensttuenden und 2574 Unteroffiziere und Mannschaften zu verzeichnen.

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. November 1918 traf das Regiment wieder in seiner Garnisonsstadt Göttingen ein, wo es ab 28. November 1918 demobilisiert und schließlich aufgelöst wurde. Teile des Regiments bildeten nach der Demobilisierung das Freiwilligen-Regiment des Hessen-Thüringen-Waldeckschen Freikorps. Dieses wurde im Oktober 1919 zum I. Bataillon des Reichswehr-Infanterie-Regiments 20.[1]

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die 5. Kompanie des 17. Infanterie-Regiments in Göttingen. In der Wehrmacht führte das Infanterieregiment 82 die Tradition fort.

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum[2]
Oberst Ferdinand von Borries 30. Oktober 1866 bis 21. November 1870
Oberst Dietrich von Grawert 21. November 1870 bis 28. März 1871 (mit der Führung beauftragt)
Oberst Dietrich von Grawert 29. März bis 31. Dezember 1871
Oberstleutnant Rudolf von Hildebrand 01. bis 17. Januar 1872
Oberst Rudolf von Hildebrand 18. Januar 1872 bis 12. Oktober 1877
Oberst Felix von Erckert 13. Oktober 1877 bis 2. Februar 1881
Oberstleutnant Robert von Unger 03. Februar bis 13. Mai 1881 (mit der Führung beauftragt)
Oberstleutnant/Oberst Robert von Unger 14. Mai 1881 bis 25. März 1885
Oberst Hermann von Peschke 26. März 1885 bis 27. Februar 1888
Oberst Max Gottschalck 01. März 1888 bis 23. März 1890
Oberst Karl von Schierstedt 24. März 1890 bis 15. April 1892
Oberst Hans von Zschüschen 16. April 1892 bis 17. April 1896
Oberst Hugo Kohlhoff 18. April 1896 bis 24. März 1899
Oberst William von Voigts-Rhetz 25. März 1899 bis 6. Juli 1901
Oberst Ernst von Dassel 07. Juli 1901 bis 23. April 1904
Oberst Otto Kunau 24. April 1904 bis 20. März 1906
Oberst Ernst von Gladitz 21. März 1906 bis 23. März 1909
Oberst Wilhelm Müller 24. März 1909 bis 21. März 1912
Oberst Max Chalons 22. März 1911 bis 17. April 1913
Oberst Gustav von Förster 18. April 1913 bis 30. Dezember 1914
Oberstleutnant/Oberst Georg Schmidt 31. Dezember 1914 bis Dezember 1918

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemalige Exerzierplatz des Regiments in Göttingen hieß bis 1992 „82er Platz“, seitdem auf Betreiben der Grünen-Fraktion im Göttinger Stadtrat Hiroshimaplatz. Der alte Name wird im täglichen Sprachgebrauch aber weiterhin benutzt. Heute ist der Platz vor dem 1834 errichteten ehemaligen Kasernengebäude und dem 1978 errichteten Neuen Rathaus eine kleine Anlage mit Springbrunnen.

→ siehe auch: Kurfürstlich Hessische Armee

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2. Kurhessisches Infanterie-Regiment Nr. 82. Verlag Gerhard Stalling, Berlin 1922.
  • Dieterichs: Offizierstammliste des 2. Kurhessischen Infanterie-Regiments Nr. 82. Ludwig Funk, Hersfeld 1903.
  • Dieterichs: Offizierstammliste des 2. Kurhessischen Infanterie-Regiments Nr. 82. Ludwig Funk, Göttingen 1912.
  • Garnisonsstadt Göttingen. Göttinger Tageblatt, Göttingen 1983.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria. Wien 2007. ISBN 978-3-902526-14-4. S. 150.
  2. Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 214–215.