20-mm-Oerlikon-Kanone

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Oerlikon 20-mm-Flak an Bord des Museumsschiffs HMAS Castlemaine

Die 20-mm-Oerlikon-Kanone war eine Flugabwehrkanone des Schweizer Unternehmens Oerlikon.

Geschichte[Bearbeiten]

Wie das 40-mm-Bofors-Geschütz wurde auch diese Waffe von fast allen am Zweiten Weltkrieg beteiligten Nationen verwendet. Sie wurde 1914 vom Deutschen Reinhold Becker entworfen, aber das Patent bekam 1919 das Schweizer Unternehmen Semag. Später wurde Semag von Oerlikon übernommen. Von Oerlikon aus wurde dieses Geschütz auf der ganzen Welt vermarktet, verbessert und in vielen Ländern produziert. Vermutlich war die Oerlikon-Flak das am meisten produzierte Flugabwehrgeschütz des Zweiten Weltkrieges. In den USA wurden 124.735 Exemplare und eine Milliarde Schuss Munition hergestellt. Aus anderen Ländern sind keine genauen Zahlen bekannt.

1945, 20 mm Oerlikon-Kanonen an Bord des USS Hornet Flugzeugträgers

Die Oerlikon-Flak galt als zuverlässige, robuste und simple Konstruktion, die leicht zu warten war. Im Zweiten Weltkrieg gingen vom Dezember 1941 bis September 1944 32 Prozent aller von der US-Navy abgeschossenen japanischen Jäger auf ihr Konto. Auf den Schiffen der Alliierten war sie neben der weiterreichenden 40-mm-Bofors das wichtigste Serienfeuergeschütz; wegen ihrer Beweglichkeit wurde sie erfolgreich gegen direkt angreifende Kamikaze-Flieger der Japaner eingesetzt.

1939 wurde in Polen eine vereinfachte Variante der Oerlikon-Kanone entwickelt und produziert. Da es gelang, die Pläne vor der deutschen Besetzung nach England zu bringen, wurde sie dort als Polsten-Gun in großer Zahl produziert.

Vor dem Zweiten Weltkrieg, ab 1937, erwarb die Schweiz 363 Oerlikon-Kanonen und setzte diese als 20mm Flab Kan Oe 37 mit 15-Schuss-Kastenmagazinen auf Infanterielafetten ein. Nach dem Ersatz durch die von der +Waffenfabrik Bern+ hergestellten 20 mm Flab Kan 38 und der Hispano 20 mm Flab Kan 43/44, einem Gasdrucklader mit einer wesentlich höheren Schussfolge, wurde sie für den zivilen Werkschutz eingesetzt. In Deutschland wurde die Waffe bei der Infanterie als Flak 28 eingeführt, aber rasch durch die 2-cm-Flak 38 ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurden Weiterentwicklungen hauptsächlich für die Nah-Fliegerabwehr bei der Marine eingesetzt, noch heute sind solche Flakgeschütze auf Schiffen einiger Staaten zu sehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte die Firma weiterhin Fliegerabwehrkanonen, zuerst wurden verschiedene 20-mm Gasdrucklader angeboten, später kam die Oerlikon 35-mm-Zwillingskanone dazu.

Technik[Bearbeiten]

US-Marines mit Oerlikon 20-mm-Flak an Bord des Flugzeugträgers USS Enterprise, 1943
20mm Flab Kan Oe 37, Zweiter Weltkrieg, Mellingen AG, Schweiz

Die Oerlikon-Kanone ist ein zuschießender Rückstoßlader mit Masseverschluss. Die Patrone wird gezündet, während sich der Verschluss noch im Vorlauf befindet, was zu einer ruhigeren Funktion führt, zudem kann damit die Verschlussmasse verringert werden. Ein Nachteil des Systems war, dass gefettete Munition verwendet werden musste, um Hülsenreißer zu vermeiden. Dies führte dazu, dass die Waffe für Bodentruppen wegen möglicher Verschmutzung der Munition ungeeignet war.

  • Kaliber: 20 mm
  • Gewicht der Waffe: 68,04 kg
  • Rohrlänge: 1400 mm
  • Höhenrichtbereich: −10 bis +90
  • Seitenbereich: 360
  • Mündungsgeschwindigkeit: 835 m/s
  • Feuergeschwindigkeit: 450 Schuss/min
  • Visierschussweite horizontal: 1800 m
  • Höchstschussweite: 4400 m
  • Schusshöhe: 3050 m

Museale Rezeption[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: 20-mm-Oerlikon-Kanone – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. auf doppeladler.com, abgerufen am 10. September 2013