2052. Der neue Bericht an den Club of Rome

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2052. Der neue Bericht an den Club of Rome. Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre ist eine Beschreibung von Tendenzen der globalen Entwicklung von Jørgen Randers. Er erschien 2012 und knüpft an den ersten weltweit bekannt gewordenen Bericht an den Club of Rome, Die Grenzen des Wachstums von 1972 an.

Er unterscheidet sich vor allem durch drei Eigenschaften von seinem Vorgängerbericht:

  • Zum Ersten beschreibt er nicht ein drohendes Katastrophenszenario, sondern zeigt nur Tendenzen auf.
  • Zum Zweiten ist er vor dem Hintergrund der Erfahrung seit 1972 zu lesen, nämlich, dass die gesamte Menschheit auf die vorhergehenden Berichte reagiert hat, aber mit 20- bis 40-jähriger Verzögerung.
  • Drittens bietet er nicht nur Zukunftsszenarien an, sondern macht konkrete Vorschläge, wie der einzelne auf die sich abzeichnenden Entwicklungen reagieren sollte.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Randers legt im Unterschied zu „Die Grenzen des Wachstums“ (1972) nicht alternative Zukunftsszenarien vor, die je nach dem Weg, den die Menschheit wählt, eintreffen werden, sondern eine einzige Prognose. Das sei möglich, weil man nach 40 Jahren Erfahrung die Hemmnisse, die einen Weg in die Nachhaltigkeit entgegenstehen, relativ gut einschätzen könne.[1] Seine Prognose sage freilich nicht irgendwelche Ereignisse voraus, sondern nur allgemeine Trends.[2] Zu diesen Trends werde gehören, dass in großen Teilen der Welt der Kapitalismus nicht mehr auf Profitmaximierung, sondern auf ökologische Ziele ausgerichtet sein werde.[3] Auch das Wirtschaftswachstum werde zurückgehen, aber nicht aufgrund von Entscheidungen, sondern weil es trotz aller Anstrengungen nicht mehr durchzusetzen sein werde.[4] Er ist der Überzeugung, dass die gegenwärtige Betonung individueller Rechte nicht durchhaltbar sei. Sie müssten hinter dem Allgemeinwohl zurücktreten. Doch befürchtet er, dass das zu spät erfolgen werde, als dass dadurch der globale Temperaturanstieg von über zwei Grad verhindert werden könne.[5]

Der Umverteilungskampf wird zu einem niedrigeren Produktivitätswachstum führen. Dennoch wird das Wachstum nicht rechtzeitig genug gestoppt werden, so dass für die kommenden Generationen Katastrophen voraussehbar seien.[6]

Bis 2052 werde sich das Klima noch nicht katastrophal verändern. Dass sich die klimatische Veränderung auch ohne menschliche Einwirkung von selbst verstärke, werde erst nach 2052 festzustellen sein.[7]

Globale Prognose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die der Prognose zugrunde liegende Logik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Randers geht von zwei Leitfragen aus: „Wie wird sich der Konsum über die nächsten 40 Jahre entwickeln?“ und „Unter welchen Bedingungen – in welchem gesellschaftlichen und natürlichen Umfeld – wird dieser zukünftige Konsum stattfinden?“ (S. 78) Dabei setzt er Computermodelle ein, um Rückkopplungseffekte nicht zu übersehen. Die Prognose für 2052 geht auf viele – sich zum Teil widersprechende – Einzelprognosen zurück.[8]

Bevölkerung und Konsum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Randers wird das Bevölkerungswachstum sich verlangsamen, ab etwa 2040 wird die Bevölkerung schrumpfen. Die Erwerbsbevölkerung wird bereits um 2030 abnehmen. Produktivität und Bruttoinlandsprodukt werden weiter wachsen, aber langsamer. Denn Investitionen zur Verhinderung und Beseitigung von Umweltschäden werden zunehmen müssen. Es werden bisher ungeahnte Katastrophenkosten entstehen, und der Staat wird sich stärker einmischen müssen. Insgesamt wird der Konsum nicht mehr ansteigen und nicht selten auch sinken.[9]

Energie und CO2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Energieeffizienz werde weiter zunehmen. Der Energieverbrauch werde steigen, aber nicht endlos. Die Klimaintensität des Energieverbrauchs werde durch erneuerbare Energien gesenkt. Die CO2-Emissionen durch Energieverbrauch erreichten 2030 ihren Höhepunkt.[10] Die Temperatur werde um mehr als zwei Grad steigen, und das werde zu ernsthaften Problemen führen.

Ernährung und Fußabdruck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Wettlauf um die letzten Rohstoffquellen werde die Biokapazität der Welt immer stärker ausgenutzt werden. Die Städte werden ergiebigere Rohstoffquellen für Metall als die letzten noch nicht ausgebeuteten Rohstofflagerstätten in der Natur (urban mining). So wie gegenwärtig die Zoos letzte Zufluchtsstätte für manche bedrohte Tierarten geworden sind, würden es dann Parks für die Natur ganz allgemein werden.

Die nicht-materielle Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Randers argumentiert, das weltweite Bruttoinlandsprodukt werde aufgrund von Bevölkerungsschwund, allgemeiner Überalterung und nachlassender Produktivitätssteigerungen mittelfristig kaum noch zunehmen.[11]

Das Internet werde ein völlig neues Verständnis von Privatheit und Öffentlichkeit entstehen lassen.[12] Wissen werde kein knappes Gut mehr sein, aber das werde nur bedingt zu rationaleren Entscheidungen führen, da Erkenntnisse allein nicht ausreichten, um Verhaltensänderungen zu bewirken, wenn starke Interessen dem entgegenstehen.[13] [14] Daher werde vermutlich eine „grüne Truppe“ zur Durchsetzung ökologischen Verhaltens eingerichtet werden, so wie heute die Blauhelme zur Friedenssicherung einträten.[15]

Der Zeitgeist von 2052[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betonung lokaler/regionaler Lösungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schottland und die skandinavischen Staaten als Gewinner des Klimawandels

„Ich glaube, in 40 Jahren wird sich das Kräftegleichgewicht in Europa Richtung Norden verschieben. Die aufstrebenden Länder sind dann Skandinavien, Deutschland, die Beneluxstaaten und die Baltischen Staaten. Schottland wird seine Trennung vom Vereinigten Königreich vollziehen […] Südliche Länder wie Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und der Balkan werden unter Temperaturanstiegen und Wasserknappheit leiden, wodurch es zu Nahrungsmittelknappheit, Gesundheitsproblemen und Unruhen kommt. Die Folgen sind Bevölkerungsverschiebungen und Einwanderungsschübe aus Nordafrika.“ (Catherine Cameron, S. 230)

Angleichung der Staaten nördlich und südlich des Mittelmeeres aneinander

Trotz der Eurokrise bleiben die Staaten nördlich des Mittelmeeres für die nordafrikanischen Staaten attraktiv. „Trotz dieser düsteren Entwicklungen im mediterranen Norden nimmt die illegale Zuwanderung aus Afrika und Asien explosionsartig zu, hauptsächlich in Richtung Italien und Griechenland und in schwächerem Ausmaß nach Spanien, Malta und Zypern.“ (Thymio Papayannis, S. 235)

Slum-Urbanismus in Afrika

Edgar Pieterse nimmt an, „dass Slum-Urbanismus angesichts des schwachen BIP-Wachstums, der anhaltenden Lohnungleichheit und systemischen politischen Fehlfunktion ein vorherrschender Zug afrikanischer Städte bleiben wird. […] Vom Staat wird nichts erwartet, genauso wenig wie vom privaten Markt. Statt dessen finden sich die Bewohner in verschiedenen Konstellationen zusammen und versuchen, ihr minimales Einkommen zu strecken, indem sie ihre gegenseitige Unterstützung, ihr Wissen und ihre Arbeitskraft einsetzen, um langsam aber systematisch alle nach vorne zu bringen. Im Kern dieses sozialen Betriebssystems steckt die Möglichkeit, die Ressourcen und Erwartungen der geordneten Stadt außerhalb des Slums ausschlachten, unterwandern, in Besitz nehmen und umformen zu können.“ (Edgar Pieterse, S. 241)

Geringere Fixierung auf Wirtschaftswachstum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Veränderung wirtschaftspolitischer Zielsetzungen argumentiert Randers wie folgt:

"Ich glaube nicht, dass der Kapitalismus in den kommenden 40 Jahren unverändert weiter existieren wird. Der Name wird bleiben, doch die Funktionsweise der kapitalistischen Gesellschaft wird sich auf zweierlei Arten wandeln: Investitionsströme werden nicht mehr nur von Profitabilität gesteuert werden und Unternehmen werden gezwungen sein, nicht nur über ihre finanziellen Leistungen Rechenschaft abzulegen, sondern auch über die ökologischen und gesellschaftlichen Konsequenzen ihres Handelns.

[…] Die globale Gesellschaft wird sich in den kommenden 40 Jahren wachsenden Herausforderungen gegenüberstehen, deren Lösung zusätzliche Investitionen verlangt. In immer mehr Fällen wird ein Eingreifen notwendig sein, bevor diese Investitionsprojekte aus wirtschaftlicher Sicht profitabel werden. Idealerweise löst der Staat solche Probleme durch eine Anpassung der relativen Preise (die „Internalisierung externer Kosten und Nutzen“), aber dieses könnte sich in der Praxis als schwierig erweisen. Rascher geht es, wenn man die Steuern erhöht und die Einnahmen direkt in die gesellschaftlich notwendigen Projekte investiert.

Ein gutes Beispiel ist die Entscheidung der deutschen Regierung, während der 2000er-Jahre bedeutende Investitionen in Wind- und Solarenergie zu tätigen und die Verbraucher für die Rechnungen aufkommen zu lassen." (S. 250)

Kollektive Kreativität

"Die Internetnutzung nach Wiki-Art ermöglicht es, praktisch das gesamte Wissen der Menschheit zu jedem beliebigen Projekt abzufragen. Sie ermöglicht es, das freiwillige Engagement vieler Individuen zu einem großen Werk zusammenzufassen – wie es früher nur die Kirche oder besonders erfolgreiche gesellschaftliche Bewegungen geschafft hätten.

Solche kollektiven Unternehmungen werden meiner Ansicht nach in Zukunft von großer Bedeutung sein. Sie werden helfen, Engagement und Macht zu dezentralisieren." (S. 258)

"Beinahe 40 Prozent der Firmenchefs weltweit erwarten, dass ein Großteil der zukünftigen Innovationen mit Partnern von außerhalb entwickelt werden wird. Anstatt des alten Modells der firmeninternen Innovationen in abgeschirmten Forschungs- und Entwicklungsabteilungen und der Geheimhaltung und aggressiven Kontrolle geistigen Eigentums werden Konzerne externe wie interne Ideen kommerzialisieren, indem sie äußere wie betriebseigene Marktzutritte nutzen.

Die Grenzen zwischen den Ideen eines Unternehmens und den Ideen seiner Umgebung werden immer durchlässiger. Bis 2052 wird das not-invented-here-Syndrom (NIH), das den Gebrauch externer Ideen begrenzte, endlich vergessen sein." (S. 261f.)

Generationengerechtigkeit

„Ich weiß nicht, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg oder gar der Vierte Weltkrieg ausgetragen werden wird. Doch lässt sich todsicher davon ausgehen, dass zukünftige Kriege uns bis 2052 einen Weltgerichtshof der Generationen bringen werden, durch den Regierung, Konzerne und andere Akteure wegen Ökozids und massiver Beeinträchtigung der Interessen zukünftiger Generationen angeklagt und verfolgt werden können.“ (John Elkington, zitiert auf S. 267)

Randers ist sich da nicht so sicher.

Analyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedanken über die Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Randers nimmt an, dass der Lebensstandard in den nächsten 40 Jahren weltweit gesehen nicht plötzlich zusammenbrechen wird. Als Grund dafür nimmt er an, dass zum einen 2–3 Milliarden Menschen arm bleiben werden und nicht vom Produktivitätszuwachs profitieren werden und zum anderen die Reichen alles tun werden, um ihren Lebensstandard trotz aller Verknappungen zu erhalten.[16] Allerdings werde das im Wesentlichen erst geschehen, wenn man die Ursachen der Verknappungen nicht mehr bekämpfen könne.[17]

Dabei gebe es einen relativ einfachen und wirksamen Plan, den CO2-Ausstoß innerhalb von 20 Jahren auf nahezu 0 zu verringern. Randers führt ihn mit einer rhetorischen Frage ein:

„Was wäre, wenn die führenden Politiker weltweit beschließen würden, im Rahmen eines gemeinsamen Plans 20 Jahre lang jedes Jahr fünf Prozent des weltweiten BIP zur Lösung des Klimaproblems zu verwenden? Das würde bedeuten, dass fünf Prozent der arbeitenden Bevölkerung und fünf Prozent des Kapitals für die Herstellung und Erbringung klimafreundlicher Güter und Dienstleistungen arbeiten würden. Dieses große Projekt würde das Klimaproblem lösen. Nach 20 Jahren gemeinsamer und gut geplante Anstrengungen wäre die Weltwirtschaft emissionsfrei.“ (S. 298)[18]

Die globalen Finanzmärkte würden die nachhaltige Entwicklung vorantreiben, sobald sie die Überbewertung der fossil-basierten Unternehmen erkannt hätten, meint Nick Robins.[19]

Die Welt muss lernen, mit geringerem Wirtschaftswachstum als heute üblich zu leben. Das gelingt uns nur, wenn wir auch lernen, wie man ohne Wachstum umverteilt. (Randers, S. 309)

Fünf regionale Zukünfte im Blick auf 2052[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA werden die Konsumenten „eine ganze Generation lang absolut keine Lohnsteigerungen erleben. Doch die US-Landmasse ist im Vergleich zur Bevölkerung enorm und so wird das Land auch weiterhin in der Lage sein, sich mit natürlichen Ressourcen zu versorgen und immer noch bedeutende Reserven haben. Die Nahrungsmittelerzeugung pro Kopf wird gemessen an internationalen Standards sehr hoch bleiben und wenngleich ein beträchtlicher Teil des Überschusses für Biobrennstoffe verwendet wird, kann wohl trotzdem noch einiges an Nahrungsmitteln exportiert werden.“ (S. 315)

Überraschend für viele Bewohner der westlichen Welt wird die chinesische Bevölkerung ihren Höchststand bereits in den 2020er-Jahren erreichen – aber es wird ein flaches und langes Maximum sein. Auf diese Weise wird das Land einen frühen und immens großen Vorteil aus seiner unpopulären Ein-Kind-Politik der letzten Generation ziehen. Die zusätzlichen Belastungen durch mehrere 100 Millionen Menschen werden der Volksrepublik China erspart bleiben und das Land wird in der Lage sein, die frei gewordenen Ressourcen zu nutzen, um für die 1,4 Milliarden Menschen, die in den 2020er-Jahren dort leben werden, eine bessere Existenz zu schaffen. (S. 320)

Für die OECD-ohne-USA zeichnet Randers folgendes Bild:

"Das Gesamt-BIP der Region wird langsam ansteigen und anfangs der 2030er- Jahre etwa 15 % über dem derzeitigen Niveau seinen Höchststand erreichen. Dieses langsame Wachstum wird in erster Linie dem Bevölkerungsrückgang, aber auch dem langsamen Produktivitätswachstum geschuldet sein. […] Die hauptsächliche Produktionsreserve liegt in der Chance, einen noch höheren Anteil der potentiellen Erwerbsbevölkerung in Beschäftigung zu bringen. So gesehen sind die derzeitigen hohen Arbeitslosenzahlen in der OECD – mehr als 10 % der potentiellen Erwerbsbevölkerung – eine einmalige Gelegenheit. Die Region verfügt über die notwendigen Arbeitskräfte, um die alternde Bevölkerung zu versorgen. Dies bedingt jedoch einen Einkommentransfer von den derzeit Beschäftigten zu den Einsteigern. Mehr Menschen in Brot und Arbeit zu bringen, wird Führungsstärke und die Bereitschaft der Mehrheit zu Investitionen erfordern, um die zahlreichen Herausforderungen zu meistern, welche auf die Regionen zukommen, einschließlich jener, die das Altern der Bevölkerung und der Klimawandel nach sich ziehen. In dieser Hinsicht wird die Region OECD-ohne-USA einen besseren Ausgangspunkt haben als die Vereinigten Staaten." (S. 329–331)

„Meine vierte Region, BRISE, besteht aus Brasilien, Russland, Indien, Südafrika und zehn großen Schwellenländern, mit 2010 insgesamt 2,4 Milliarden Menschen. […] Diese Region ist so mannigfaltig, dass es fast sinnlos ist, über Mittelwerte zu sprechen. Immerhin umfasst sie derzeit ein Drittel der Erde. Das derzeitige BIP von BRISE übertrifft das von China. Der einzige gute Grund, diese Länder in eine Gruppe zusammenzufassen, ist, dass sie groß (die durchschnittliche Bevölkerung beträgt 170 Millionen) und alle auf dem Weg zur Industrienation sind. […] Die Nahrungsmittelproduktion wird wegen der immensen ungenutzten anbaufähigen Flächen der Regionen (z. B. In Brasilien, der Ukraine und Sibirien) trotz des Verlusts einen Teils des Ackerlandes weiter steigen. Allerdings wird die Region auch zum Schauplatz potentieller Klimakatastrophen infolge der Erderwärmung.“ (S. 334–335)

Der Rest der Welt "ist eine eklektische Mischung aus etwa 183 Staaten mit einer Gesamtbevölkerung von 2,1 Milliarden Menschen im Jahr 2010 und damit Heimat eines Drittels der Weltbevölkerung. […] Das durchschnittliche BIP pro Kopf beträgt etwa zwei Drittel dessen der Region BRISE-Region. Die Bevölkerung wächst noch rasch – 1,9 Prozent jährlich –, verglichen mit 2,4 Prozent vor 40 Jahren. Die Wachstumsrate wird jedoch weiter fallen […] Konsum und Produktion pro Kopf werden wachsen, doch die drei Milliarden Menschen dieser Region werden auch 2052 noch immer weit hinter den fünf Milliarden zurückliegen, " die in der übrigen Welt leben werden „- und dies trotz der 40 Jahre Stagnation in der OECD-Region.“ (S. 342–346)

Vergleich mit anderen Zukünften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Randers vergleicht seine Studie mit der von Die Grenzen des Wachstums (GdW) (1972) und stellt heraus, dass damals nur recht grobe Szenarios als denkbare Zukunftsalternativen vorgestellt wurden. Er habe ein wahrscheinliches Szenario (in der Ausgabe von GdW (2004) Abbildung 6-1, S. 210) ausgewählt und von da aus eine präzisere Prognose formuliert.[20]

Wenn 1972 von Überziehung (overshoot) und dem daraus folgenden Zusammenbruch des Systems gesprochen wurde, so bedeute das freilich noch nicht ein Aussterben der Menschheit, sondern nur, dass ein Leben wie zuvor ganz ausgeschlossen werde.[21]

In den auf 1972 folgenden Jahren sei „Die Grenzen des Wachstums“ als widerlegt angesehen worden, weil in einzelnen Fällen die Rohstoffe – aus den verschiedensten Gründen – nicht so früh ausgingen wie vorhergesehen. Dabei wurde die entscheidende Aussage der Studie von 1972 verkannt, nämlich der Hinweis, dass die Menschheit bald insgesamt mehr verbrauchen werde, als das auf Dauer durchhaltbar sei. Also das, was in den 1990er Jahren als zu großer ökologischer Fußabdruck bezeichnet wurde.[22]

Welche Möglichkeiten haben wir noch?[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Meine Prognose für die globalen Entwicklungen bis zum Jahr 2052 ist pessimistisch, aber nicht katastrophal. […] Fast drei Milliarden Menschen werden immer noch keinen für meine Begriffe ausreichenden Lebensstandard haben, ohne angemessene Nahrung, Wohnung, Gesundheitsversorgung oder Sicherheit leben müssen. Man wird sich in den nächsten 40 Jahren um eine Lösung dieser Probleme bemühen, aber die Bemühungen werden nicht ausreichen um die Armut bis 2052 zu beseitigen. […] die reichen Länder werden einen sehr viel größeren Teil ihrer Wirtschaftskraft aufwenden müssen, um die Flut neuer Probleme zu lösen, wie in den nächsten 40 Jahren auf sie zukommen werden. […] Die armen Länder werden ein Problem, dessen volle Auswirkungen sie erst in 30 Jahren wirklich spüren werden, nicht als besonders dringlich behandeln. Und was den Klimawandel angeht, ist es wohl auch ihr gutes Recht, es nicht zu tun: Schließlich haben die reichen Länder das Klimaproblem erst geschaffen […]“ (Randers, S. 373–374)

Die reichen „Länder werden nicht in die Anarchie stürzen, aber sie werden kein ausreichend schnelles Wachstum schaffen, um Arbeitslosigkeit und Ungerechtigkeit zu beseitigen. Obwohl es möglich wäre, werden sie ihre Wirtschaft nicht neu beleben können, weil sie nicht in der Lage sind, die notwendigen Entscheidungen zu treffen.“ (S. 374)

Zur Frage der richtigen Strategie für eine erfolgreiche Veränderung argumentiert Randers:

"50 Jahre Entwicklungshilfe und Experimente mit verschiedenen Wirtschaftsformen haben gezeigt, dass stabile staatliche Einrichtungen und Bildung für alle, insbesondere für Frauen, unverzichtbare Voraussetzungen für langfristiges wirtschaftliches Wachstum sind. Die Erfahrung hat auch gezeigt, dass gegen die Armut keine Lösung von außen hilft, die Lösung muss von den Menschen vor Ort selbst kommen. […] Unverzichtbar sind aber wohl geordnete, verlässliche Rahmenbedingungen, geringe Korruption und ausreichende Investitionen in die Zukunft.

Solche Lösungen tatsächlich umzusetzen, ist die eigentliche wirtschaftliche Herausforderung. Die letzten 50 Jahre haben gezeigt, dass dies leichter gesagt als getan ist. Die Vergangenheit hat außerdem gezeigt, dass es sehr viel sinnvoller ist, die Ressourcen eines Entwicklungslandes für den Aufbau des Landes zu verwenden, als sie an ausländische Investoren zu verkaufen." (Randers S. 375)

„Was aber kann und sollte jede und jeder Einzelne in dieser Angelegenheit unternehmen? Meiner Meinung nach sollte sich jeder öffentlich für eine Verringerung der Emissionen aussprechen, darauf hinweisen, dass der Klimawandel ein ernsthaftes Problem darstellt und dass so schnell wie möglich Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen, dass eine Lösung technisch möglich und relativ billig ist und dass man selbst bereit ist, seinen Teil der Kosten dafür zu tragen, wenn die Mehrheit sich dafür entscheidet. Wenn Sie darüber hinaus noch in Ihrem täglichen Leben beweisen, wie einfach es ist, die Treibhausgasemissionen durch den persönlichen Lebensstil zu senken, dann haben Sie meiner Meinung nach mehr als Ihre Pflicht getan. Denn Sie haben zur politischen Willensbildung beigetragen, die notwendig ist, um einen deutlichen und zielgerichteten Schritt in eine klimafreundliche Zukunft zu veranlassen und mitzutragen. Aber wie Sie aus meiner Prognose wissen, wird dieser Schritt wohl leider erst sehr viel später, in den 2030er-Jahren, in großem Umfang gegangen werden.“ (Randers, S. 377)

Eine Beratergruppe des Generalsekretärs der Vereinten Nationen hat eine „bemerkenswert deutliche Liste mit Handlungsempfehlungen“[23] herausgebracht.

20 Ratschläge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Legen Sie mehr Wert auf Zufriedenheit als auf Einkommen.

2. Vermeiden Sie eine Vorliebe für Dinge, die bald verschwunden sein werden.

3. Investieren Sie in hochwertige Unterhaltungselektronik als Ersatz für die Realität.[24] Was Randers dabei nicht ausspricht, aber andeutet, ist die Frage: Sollte man sich nicht früh daran gewöhnen, dass man vieles nicht mehr unternehmen kann, was früher möglich war?

4. Erziehen Sie ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern.[25]

5. Wenn Ihnen die Vielfalt des Lebens am Herzen liegt, genießen Sie sie, solange Sie noch können.

6. Besuchen Sie die Sehenswürdigkeiten der Welt, bevor sie durch die Menschenmassen ruiniert werden.

7. Wohnen sie an einem Ort, der vom Klimawandel möglichst wenig betroffen ist.

8. Ziehen Sie in ein Land, in dem Entscheidungen getroffen werden können.

9. Finden Sie heraus, welche Folgen fehlender Nachhaltigkeit ihre Lebensqualität am meisten beeinträchtigen werden.

10. Wenn Sie nicht im Dienstleistungsbereich oder in der Pflege arbeiten wollen, suchen Sie sich einen Job in den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien.

11. Raten sie ihren Kindern, Mandarin zu lernen.

12. Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, jedes Wachstum sei gut.

13. Denken Sie daran, dass Ihre fossilen Wertanlagen eines Tages plötzlich ihren Wert verlieren werden.

14. Investieren sie in Dinge, die robust gegen soziale Unruhen sind.

15. Tun Sie mehr als sie müssen. So vermeiden Sie später ein schlechtes Gewissen.

16. Für Unternehmer: Loten Sie das Geschäftspotential von Verbesserungen der Nachhaltigkeit aus.

17. Für Unternehmer: Mengenwachstum bedeutet nicht automatisch Gewinnsteigerung.

18. Für Politiker: Wenn Sie wiedergewählt werden wollen, unterstützen sie nur Initiativen, die langfristige Gewinne versprechen.

19. Für Politiker: Denken Sie daran, dass wir in Zukunft an viele Grenzen stoßen werden.

20. Für Politiker: Akzeptieren Sie, dass der gleichberechtigte Zugang zu begrenzten Ressourcen wichtiger werden wird als die Redefreiheit.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, merkt zu dem Bericht kritisch an, er sei etwas zu pessimistisch, denn er berücksichtige Entwicklungen in Richtung Nachhaltigkeit zu gering. So könne man einen „erheblichen Wertewechsel, der gerade stattfindet vom rein ökonomischen zum nachhaltigen Denken“ beobachten. Dieser werde in dem Bericht zwar angesprochen, aber nicht in die Rechenmodelle aufgenommen.[26]

Sven Stockrahm, Rezensent der Zeit, glaubt dagegen, bei Randers eine gewisse Hysterie feststellen zu können („Die Trends sind plausibel, ihre Präsentation aber hysterisch.“).[27]

Am kritischsten sieht Dorothee Landgrebe, Ökologiereferentin der Heinrich-Böll-Stiftung, den Bericht. Er kritisiere viel zu einseitig die Demokratien wegen langsamer Entscheidungsfindung und zeichne ein zu optimistisches Bild von China, obwohl dort die Umweltverschmutzung besonders stark voranschreite.[28]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Wir sind gut informiert über die Gründe hinter den in diesen Jahrzehnten getroffenen Entscheidungen. Und haben einen ziemlich guten Einblick in die Zwänge, die uns an verschiedenen Fronten in Untätigkeit blockiert halten. Wir haben erfahren, wie schnell es gehen kann, bestimmte lösbare Probleme durch Technik zu lösen, und wie langsam die Menschheit bei weniger leicht zu lösenden Problemen vorankommt. Da wir über die ersten 40 Jahre so viel wissen, scheint es sinnvoll, aus eben diesen 40 Jahren gewisse Lehren zu ziehen und die nächsten 40 Jahre in den Blick zu nehmen. Wenn man ein dynamisches Phänomen untersucht, sollte man zu Beginn genauso weit zurückschauen, wie man nach vorne zu schauen plant.“ (S. 25)
  2. „Meine Prognose schließt den freien Willen nicht aus; sie gründet vielmehr auf der Überzeugung, dass die menschlichen Entscheidungen von den Bedingungen, unter denen sie getroffen werden, beeinflusst sind. […] Wenn es Gründe gibt für die Annahme, dass die Bedingungen sich in einer gewissen Weise entwickeln, kann man sinnvollerweise auch die sich daraus ergebenden Entscheidungen prognostizieren.“ (Randers: 2025, S. 25) Wenn kein anderer Titel genannt wird, beziehen sich die folgenden Zitate alle auf diesen Titel.
  3. „Der Kapitalismus der alten Schule wird also in manchen Teilen der Welt überleben, in anderen wird er dagegen stark modifiziert werden.“ (S. 44)
  4. Randers meint, „dass die Umweltbelastungen durch die Menschheit – würde der Konsum aller Menschen auf das Niveau der Vereinigten Staaten angehoben – um das Fünf – bis Zehnfache ansteigen würden. Nach meiner Einschätzung wird es auf unserem begrenzten Planeten nicht so weit kommen, einfach weil dafür nicht genug Platz ist. Aber die Menschheit wird es auf jeden Fall versuchen […]“ (S. 52)
  5. „Wir werden zu lange dem Ideal verhaftet bleiben, dass individuelle Rechte Priorität gegenüber dem Allgemeinwohl genießen, eine Sichtweise, die in einer immer dichter gedrängten Welt immer weniger hilfreich sein wird.“ (S. 58)
  6. "Wir werden weiter optimieren, aber in erster Linie für unsere eigene Generation und die unserer Kinder. Infolgedessen werden es unsere Enkel in der Welt schwer haben."(S. 64)
  7. „Die negativen Auswirkungen werden erheblich sein – aber nicht katastrophal, zumindest nicht vor 2052. Es gibt dann mehr Dürren, Hochwasser, Extremwetterereignisse und Insektenplagen. Der Meeresspiegel ist um 0,3 Meter gestiegen, das Sommereis der Arktis ist verschwunden und das neue Wetter belastet Landwirte und Urlauber gleichermaßen. Ökosysteme sind einige 100 km in Richtung der Pole gewandert oder einige 100 Meter bergauf. Den schalenbildenden Tieren in den Ozeanen macht das saure Wasser zu schaffen. Viele Arten sind ausgestorben.“ (S. 71)
  8. Meine Prognose wird linear dargestellt […] Sie wurde aber keineswegs auf diese Weise entwickelt. Sie wurde vielmehr in einen iterativen Verfahren entwickelt. Nach langem Herumprobieren landete ich schließlich bei der hier präsentierten Prognose." (S. 82)
  9. S. 87–128
  10. „Die CO2–Konzentration in der Atmosphäre wird mit Sicherheit ansteigen, vor 2052 aber keinen sich selbst verstärkenden Klimawandel auslösen.“ (S. 41)
  11. „Wenn das BIP des Jahres 2052 geringer als erwartet ausfällt – in ökologischer Hinsicht ein Segen für den Planeten – dann liegt es nicht am mangelnden Wachstumsstreben der Staaten und ihrer Bevölkerung. Durch Überalterung und Bevölkerungsschwund der Gesellschaft werden einfach weniger tätige Hände verfügbar sein. Insbesondere aber wird die Produktivität der reifen Volkswirtschaften durch soziale Spannungen aufgrund der zunehmenden Ungerechtigkeit sehr viel langsamer steigen.“ (S. 198)
  12. "Die traditionelle psychologische und erkenntnistheoretische Trennung zwischen dem geschriebenen und gesprochenen Wort ist bereits jetzt am Verschwinden und als Reaktion darauf entwickeln sich neue Normen, was Vertrauen, Privatsphäre und den Austausch von Gefühlen betrifft. Die Besonderheit der elektronischen Kommunikation über SMS, E-Mail und soziale Medien ist dabei, dass alles aufgezeichnet wird und zurückverfolgt werden kann. […] Das Paradoxe dabei: Was in elektronischer Form „zu den Akten“ gelegt wird, muss etwa alle zehn Jahre aufgefrischt werden und ist damit weit weniger dauerhaft als Aufzeichnungen auf Papier, die Jahrhunderte überdauern können." (S. 210)
  13. "Jeder wird mit einer Berührung der Fingerspitze (oder vielleicht mit einem bloßen Gedanken, den ein Implantat auffängt) auf das gesamte Wissen der Menschheit zurückgreifen können. Im Idealfall sollte das die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität insgesamt erhöhen, da die richtige Antwort stets zur Hand ist. Dies gilt aber nur, wenn der Mangel an Wissen einen Engpass darstellt – beispielsweise bei der Suche nach dem passenden Saatgut, wenn sich das Klima so rasch verändert, dass keine Zeit dafür bleibt, in jahrelangen Aussaatversuchen eigene Erfahrungen zu sammeln. Gerade in demokratischen Staaten aber werden menschliche Bemühungen nicht durch mangelndes Wissen, sondern durch mangelnden Konsens eingegrenzt. Der Zugang zu zusätzlichen Informationen erleichtert es nicht zwangsläufig, dass man zu einer Einigung kommt – ebenso gut können sich dadurch die Fronten verhärten. Die Erfahrung zeigt, dass sich Menschen durch unangenehme Informationen nur wenig beeinflussen lassen." (S. 211)
  14. „Aufmerksamen Lesern ist sicherlich aufgefallen, dass die meisten der genannten Besonderheiten, die verloren gehen werden, für den Durchschnittsbürger kaum von Interesse sind, weil ihr Genuss für ihn ohnehin nie erschwinglich war. Das ist tatsächlich der Fall, und es ist einer der Hauptgründe, weswegen ich glaube, dass sich keine demokratische Mehrheit für vorbeugende Maßnahmen zu ihren Erhalt finden wird.“ (S. 214)
  15. "Ich vermute, der Übergang des Militärs zur „grünen Truppe“ – vielleicht Hand in Hand mit den Frieden stiftenden Blauhelmen der Vereinten Nationen – wird sehr viel rascher erfolgen als erwartet. Dies wird der immaterielle Ausdruck des vielleicht bedeutendsten nicht–materiellen Wandels der kommenden 40 Jahre sein: des geänderten Feindbilds. Nicht der nächste Nachbar mit einer abweichenden Meinung über Regierungssysteme oder Religionen wird der Feind sein, sondern der vom Menschen verschuldete Klimawandel. Nicht jemand anderes, sondern das Kollektiv, dem jeder von uns angehört – oder um ein Poster vom ersten Earth Day 1970 zu zitieren: 'Wir sind dem Feind begegnet und wir sind es selbst.'" (S. 227)
  16. Meiner Prognose zufolge wird der Lebensstandard in den nächsten 40 Jahren nicht plötzlich und massiv einbrechen. […] Ein Grund ist die Tatsache, dass ein Großteil der Weltbevölkerung – 2 bis 3 Milliarden Menschen – arm bleiben wird. Ein zweiter Grund ist, so meine Überzeugung, dass die Weltgesellschaft vorübergehende Verknappungen (die die wenigen treffen, die zahlen können) überbrücken wird, indem sie einfach sehr viel Geld in die Hand nimmt, das Problem quasi mit der Brechstange löst." (S. 277)
  17. Die größte Herausforderung in unserer gemeinsamen Zukunft ist also nicht das Lösen der Probleme, sondern die Entscheidung, sie auch lösen zu wollen. Das erfordert viel Überzeugungsarbeit: Menschen und Kapitaleigner müssen überzeugt werden, kurzfristig Opfer zu bringen, die Ärmel hochzukrempeln und mit anzupacken. Die Einsicht, dass wir handeln müssen, wird kommen. Aber spät. Und das Handeln selbst wird noch später kommen. Und noch später erst sehen wir die Ergebnisse des Handelns." (S. 277)
  18. „Eine sehr einfache Möglichkeit, dies zu erreichen, wäre eine Kohlenstoffsteuer von 100 KKP-Dollar pro Tonne CO2, die am Abbaupunkt der Kohle, an der Ölquelle und am Eintrittspunkt des Gases in die Pipeline erhoben wird. Dies würde pro Jahr drei Billionen KKP-Dollar (100 KKP-Dollar für jede der 32 Milliardentonnen CO2, die derzeit jedes Jahr ausgestoßen werden) generieren, was fünf Prozent des weltweiten BIP im Jahr 2010 von 760 Milliarden KKP-Dollar jährlich entspräche. Das Geld könnten die Regierungen von den Energiekonzernen eintreiben, die die Kosten an die Verbraucher weiterreichen würden. Die Regierung könnte allen Bürgern genau diese Extrakosten erstatten, allerdings mit einem pauschalen Pro-Kopf-Betrag. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien enorm steigern und die Beseitigung fossiler Energie beschleunigen.“ (S. 299)
  19. "Die moderne Finanztheorie ignoriert die natürlichen Ressourcen und impliziert daher, dass der Strom der Ökosystemdienstleistungen fließt und ebenso unerschöpflich das Wirtschaftswachstum antreibt. Naturkapital kommt weder in den Bilanzen der Unternehmen noch in denen der Volkswirtschaften vor. […] Verglichen mit der andauernden (Fehl)Allokation von Kapital in fossile Vorräte ist die Subprime-Blase nur eine Kleinigkeit. […] Finanzkrisen entstehen dann, wenn die Märkte erkennen, dass sich das, was bisher als solider Wert galt, in Luft auflöst. […] In der Kohlenstoffkrise werden es die überbewerteten fossil-basierten Unternehmen sein. Aufgabe der Finanzregulierungsbehörden, die die systemischen Risiken der Märkte managen sollen, wird es sein, die Bombe „fossile Kapitalanlagen“ zu entschärfen, bevor sie hochgeht." (Nick Robins, S. 306–308)
  20. Im weitesten Sinn kann meine Prognose als Ausarbeitung eines der Grenzüberziehung-und-Niedergang-Szenarios in GdW betrachtet werden. Sie befasst sich mit einer Welt, die sich rasch auf eine von einer sehr offensichtlichen Grenze verursachten Klimakrise zubewegt: nämlich die begrenzte Kapazität der Erdatmosphäre CO2 aufzunehmen, ohne sich zu erwärmen. (Randers, S. 351)
  21. Viele werden die GdW-Szenarios völlig korrekt als eine Darstellung gelesen haben, in der die Menschheit so rapide an die Grenzen der Welt stößt, dass schon dieser Aufprall selbst die menschliche Lebensdauer durch Hunger aufgrund von Überbevölkerung und toxischer Umweltverschmutzung reduziert. Zudem hat dieser Aufprall einen Peitscheneffekt, da dieselben toxischen Inputs auch die' Agrarproduktivität verringern und so, ganz der Bevölkerungstheorie von Malthus entsprechend, eine weitere Verringerung der Lebensdauer und noch mehr Hunger verursachen. In der heutigen globalisierten Welt des Geldes und des Handels ist es jedoch wahrscheinlicher, dass der Niedergang die Form verringerter Kaufkraft und nicht die einer erhöhten Mortalität annehmen wird. Ich würde allerdings sagen, dass der Effekt in beiden Fällen eine reduzierte Lebensqualität ist. Was also in den overshoot kommt und kollabiert, ist das »Wohlergehen«, nicht die Bevölkerung oder das BIP. Grenzüberziehung-und-Zusammenbruch-Szenarios beinhalten eine begrenzte Zeitspanne, in der das Niveau des »Wohlergehens« das übersteigt, was erwiesenermaßen langfristig aufrechterhalten werden kann. Angesichts eines bedrohlich nahenden Niedergangs wäre eine mögliche menschliche Reaktion, die Vorstellung von »Wohlergehen« neu zu definieren, so dass es nur enthält, was nachhaltig verfügbar gemacht werden kann. Eine andere Lösung wäre zu warten, bis die globale Bevölkerung klein genug wird, um allen die Privilegien zu gewähren, die heute nur wenige genießen. Ich gehe davon aus, dass die Menschheit im 21. Jahrhundert ein wenig von beidem tun wird. Wenn wir es also vermeiden, die Welt in diesem Prozess zu zerstören – wenn wir den sich selbst verstärkenden Klimawandel vermeiden –, dann besteht Hoffnung: Im Jahr 2100 wird die Weltbevölkerung wesentlich kleiner als heute und das Energiesystem zu 100 Prozent solar sein. Die Menschheit wird einem Zustand der Nachhaltigkeit um vieles näher sein, vor allem, wenn sich auf dem Weg dahin einige nicht-nachhaltige Werte verändert haben werden. (Randers, S. 353)
  22. Die Botschaft »Grenzüberziehung aufgrund verzögerter Entscheidungen« von GdW stößt nicht auf breites Verständnis. Das war vor einer Generation nicht überraschend, denn 1972 (als der menschliche ökologische Fußabdruck etwa halb so groß war wie heute) wurde es als ziemlich undenkbar gesehen, dass sich die Weltgesellschaft erlauben würde, über die nachhaltige Tragfähigkeit des Planeten hinaus zu wachsen. […] Kluge Politik muss sicherstellen, dass der menschliche Fußabdruck keine nicht-nachhaltige Größenordnung annimmt. Das bedeutet, von Expansion abzusehen, die einen nur kurzfristigen Vorteil brächte. Dies ist schwierig in einer Demokratie, die von kurzfristig denkenden Wählern bestimmt wird, und in Märkten, die von kurzfristig denkenden Investoren dominiert werden.(Randers, S. 359–361)
  23. Randers, S. 377, deutsche Zusammenfassung: Menschliche Entwicklung stärken (PDF; 220 kB) und englischer Originaltext (PDF; 2,7 MB)
  24. Wenn ihrer Mutter dreidimensional und geruchsecht elektronisch in den Raum projiziert wird, wie oft werden Sie sie dann noch tatsächlich besuchen fahren" (S. 382)
  25. Wenn Sie Ihrem Kind beibringen, die Einsamkeit der unberührten Wildnis zu lieben, so wird es etwas lieben, das es immer seltener geben wird. Sie erhöhen dadurch die Chance, dass Ihr Kind unglücklich wird, weil es das, was es sich wünscht, nicht mehr finden wird in einer Welt mit acht Milliarden Einwohnern und einem im Vergleich zu heute doppelt so hohen Bruttoinlandsprodukt. Die neue Generation lernt besser von Anfang an, im pulsierenden Leben der Megastädte zu Frieden, Ruhe und Zufriedenheit zu finden und bei endloser Musikuntermalung in den Ohren." (S. 383–384)
  26. „Wir werden einen Kollaps erleben“, Süddeutsche Zeitung vom 8. Mai 2012
  27. Der Weltuntergang zieht sich, ZEIT online vom 8. Mai 2012
  28. „Einseitig die Demokratie für einen langsamen ökologischen Umbau haftbar zu machen, ignoriert die Erfolge der zivilgesellschaftlichen Ökologiebewegung. Nur in einer demokratischen, pluralistischen Staatsform ist es möglich, dass Bürgerinnen und Bürger für eine umweltverträgliche Lebensweise eintreten und eine ökologische Wende von unten anschieben. […] Höchst befremdlich ist es zudem, China als Vorbild zu preisen. Es hat seine Fähigkeit zu handeln im Bereich des Umweltschutzes mitnichten bewiesen: Kein Land ist zurzeit von so vielen Umwelt- und Lebensmittelskandalen erschüttert, kein Land investiert so viel in Kohle und Atom. Auch Chinas inhumane Ein-Kind-Politik kann man kaum als globales Vorbild loben, auch wenn dies zu einer Familiengröße führt, die unter den geforderten zwei Kindern liegt.“, Club of Rome: 2052 – eine globale Vorhersage für die nächsten 40 Jahre, Heinrich Böll Stiftung vom 14. Mai 2012