20 Minuten

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20 Minuten / 20 minutes / 20 minuti
20Minuten Logo ab mai 2013.jpg 20 minutes Suisse 2013 logo.svg  20 minuti.svg
Beschreibung Schweizer Pendlerzeitung
Verlag 20 Minuten AG (de) / 20 minutes SA (fr, beide im Besitz von Tamedia) / 20 minuti Ticino SA (it, Joint Venture von Tamedia und la Regione Ticino)
Erstausgabe 1999 (de) / 2006 (fr) / 2011 (it)
Erscheinungsweise Mo–Fr
Verbreitete Auflage (WEMF-Auflagebulletin 2015[1]) 447'552 (de) / 187'018 (fr) / 33'117 (it) Exemplare
Reichweite (WEMF MACH Basic 2015-II[2]) 1,473 (de) / 0,536 (fr) / 0,088 (it) Mio. Leser
Chefredaktoren Marco Boselli (de) / Philippe Favre (fr) / Stefano Pianca (it)
Weblink www.20min.ch (de)
www.20minutes.ch (fr)
www.20minuti.ch (it)

20 Minuten bzw. französisch 20 minutes und italienisch 20 minuti ist eine kostenlose Schweizer Pendlerzeitung. Die deutsche Ausgabe 20 Minuten wurde 1999 vom norwegischen Medienkonzern Schibsted gegründet. 2005 wurde sie vom Schweizer Medienunternehmen Tamedia übernommen. 2006 gründete Tamedia die französische Ausgabe 20 minutes und 2011 zusammen mit la Regione Ticino die italienische 20 minuti.

Die Pendlerzeitung erscheint im Tabloidformat und präsentiert Nachrichten in kürzester Form. Einen grösseren Stellenwert haben boulevardeske Geschichten und der Serviceteil. Die Zeitung wird in Zeitungsboxen an Bahnhöfen und in den Kernstädten sowie Agglomerationen nach dem Selbstbedienungsprinzip vertrieben. Sie ist im Vergleich zu anderen Titeln vor allem bei der jüngeren Leserschaft beliebt.

Der Name «20 Minuten» bezieht sich auf die Zeit, die ein Pendler durchschnittlich auf seinem Weg zur Arbeit im öffentlichen Verkehr verbringt.

20 Minuten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herausgebergesellschaft «20 Minuten (Schweiz) AG» bildeten Schibsted, die von Ernst Müller-Möhl gegründete «A & A Actienbank» und die britische Beteiligungsgesellschaft Apax[3] zu gleichen Teilen.[4] Die «A & A Actienbank» wurde 2002 wegen Verschuldung zwangsliquidiert.[5] Ihren Anteil an 20 Minuten hatten nach dem Tod Müller-Möhls 2000 die Erben Müller-Möhl übernommen.[6] 20 Minuten wurde erstmals am 13. Dezember 1999 im Raum Zürich veröffentlicht und verdrängte die kurz darauf gestartete Konkurrenzzeitung Metropol im Februar 2002 vom Markt. 20 Minuten wurde aber auch für die wichtigste Zeitung des Tamedia-Verlags, den Tages-Anzeiger, der erhebliche Einbussen an Abonnements und Lesern hinnehmen musste, zu einer Gefahr insbesondere für das Anzeigengeschäft.[7]

2003 drohte Tamedia, auf Basis des zu 60 bzw. 40 % im Besitz von Tamedia und NZZ befindlichen, 1999 aus dem Amtsblatt Tagblatt der Stadt Zürich hervorgegangenen Zürich Express eine Pendlerzeitung unter dem Namen Express aufzubauen, und stellte dafür die Redaktoren an. Die Berner Zeitung übernahm 17,5 % der Herausgebergesellschaft «Express Zeitung AG». Die NZZ wollte sich nicht beteiligen (der Plan sah vor, den Zürich Express in das Tagblatt der Stadt Zürich zurückzuverwandeln und dem Express beizulegen). Gleichzeitig verhandelte Tamedia mit Schibsted über eine Beteiligung und Übernahme von 20 Minuten. Kurz bevor der Express am 24. März 2003 erscheinen sollte, gab Schibsted mit der Erfahrung aus dem Kölner Zeitungskrieg, wonach ein Verdrängungskampf kostspielig und gegen den lokalen Konkurrenten kaum zu gewinnen ist, nach. Tamedia und Berner Zeitung konnten sich beteiligen[7] und die Zeitung 2005 ganz übernehmen.[8]

Seit dem 15. Mai 2006 wurde 20 Minuten von der ebenfalls kostenlosen Abendzeitung von Ringier heute bzw. wird sie von deren am 2. Juni 2008 lancierter Nachfolgezeitung Blick am Abend konkurrenziert.[9] 2007 startete als weitere Konkurrenz zu 20 Minuten die Gratiszeitung .ch,[10][11] worauf Tamedia als Gegenmassnahme zusammen mit Basler und Berner Zeitung die Gratiszeitung News lancierte.[12] Zwei Jahre später wurden nach dem Scheitern von .ch beide Zeitungen wieder eingestellt.[13][14]

früheres Logo von 20 Minuten bis Mai 2013

20 Minuten ist seit September 2004 die meistgelesene Tageszeitung der Schweiz mit einer WEMF-beglaubigten Auflage von 447'552 Exemplaren (2015)[1] und einer Reichweite von 1,473 Mio. Lesern[2].

Es gibt fünf regionale Ausgaben, Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich. Der Mantelteil der Zeitung wird zentral in Zürich produziert; die Lokalredaktionen in den fünf Städten gestalten je zwei Seiten für ihre Regionalausgabe. Insgesamt hat die Zeitung rund 100 redaktionelle Mitarbeiter, je etwa 50 in der Print- und der Onlineredaktion.[8] Chefredaktor ist Marco Boselli.

Seit dem 30. Oktober 2008 liegt jeweils am Freitagmittag das von «tilllate.com» produzierte People-Magazin 20 Minuten Friday in etwa 900 20-Minuten-Boxen sowie bei Vertriebspartnern auf. Seit 2012 ist «tilllate.com» zu 100 % in die «20 Minuten AG» integriert.

Die meisten Artikel werden auch auf der Website von 20minuten.ch veröffentlicht. Die Texte sind manchmal identisch, manchmal aber auch erweitert oder verkürzt. In sogenannten Bildstrecken wird oft zusätzliches Bildmaterial veröffentlicht. Auch erscheinen regelmässig Publireportagen (Werbung, die durch redaktionelle Aufmachung den Anschein eines redaktionellen Beitrages erwecken soll, in 20minuten.ch aber deutlich als «Publireportage» gekennzeichnet ist); möglich ist eine Kombination mit 20 Minuten Friday.[15] Die Besucher der Website haben die Möglichkeit, Artikel zu kommentieren.

20minuten.ch wurde am 1. Dezember 2000 aufgeschaltet und erreicht gemäss der Nutzungsstudie NET-Metrix-Profile 2015-1 2,321 Mio. Unique Users/Monat[2]. Es ist damit das meistgenutzte Newsportal der Schweiz.

Als Applikation ist 20 Minuten für iOS, Android und Windows Phone kostenlos herunterladbar. Ebenso gibt es für iOS-Geräte die TV-Screen-App von 20 Minuten Online.

Tamedia kooperiert auch im Bereich Kleinanzeigen mit Schibsted. 2013 wurden die entsprechenden Portale von Tamedia, die 2005 gegründete «piazza.ch», und Schibsted, das 2010 gegründete «tutti.ch», unter dem Namen «tutti.ch» zusammengelegt. Tamedia übernahm dabei 50 % des bisherigen Herausgebers von «tutti.ch», Schibsted Classified Media Switzerland AG, und Schibsted im Gegenzug 50 % des 1997 gegründeten und 2011 vollständig von Tamedia übernommenen «car4you.ch», des Anzeigenportals für Fahrzeuge.[16]

Anfang 2013 übernahm 20 Minuten AG von den Medienhäusern Metro International S.A., A-Pressen und JP/Politikens Hus 100 % der MetroXpress A/S, die die kostenlose dänische Pendlerzeitung Metroxpress sowie das dazugehörige Nachrichtenportal betreibt. Mitübernommen wurde deren 60-%-Tochtergesellschaft Soundvenue A/S.[17]

20 minutes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

20 minutes wurde am 8. März 2006 von Tamedia lanciert, nachdem Edipresse eine Minderheitsbeteiligung daran abgelehnt und stattdessen am 31. Oktober 2005 die eigene Pendlerzeitung Le Matin Bleu herausgegeben hatte.[18] 2009, nach der Übernahme des Schweizer Geschäfts von Edipresse durch Tamedia, wurde Le Matin Bleu eingestellt.

20 minutes hat eine WEMF-beglaubigte Auflage von 187'018 Exemplaren (2015)[1] und eine Reichweite von 536'000 Lesern[2]. Es gibt zwei regionale Ausgaben, Genf und Lausanne. Die Zeitung beschäftigt rund 40 Mitarbeiter, davon 30 in der Redaktion.[8] Die Zentralredaktion befindet sich in Lausanne, Chefredaktor ist Philippe Favre.

Das Online-Konzept entspricht weitgehend dem von 20minuten.ch. 20minutes.ch wurde am 8. März 2006 aufgeschaltet. Es erreicht gemäss der Nutzungsstudie NET-Metrix-Profile 2015-1 845'000 Unique Users/Monat.[2]

20 minuti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. September 2011 lancierte Tamedia in einem Joint Venture zusammen mit la Regione Ticino die italienische Ausgabe 20 minuti.[19]

20 minuti hat eine WEMF-beglaubigte Auflage von 33'117 Exemplaren (2015)[1] und eine Reichweite von 88'000 Lesern[2]. Die Redaktion befindet sich in Lugano-Breganzona. Die Zeitung beschäftigt 12 Mitarbeiter in der Redaktion, leitender Redaktor ist Stefano Pianca.

Den Online-Bereich betreibt 20 minuti seit dem 14. September 2011 zusammen mit der bereits vor ihrer Gründung bestehenden Newsplattform tio.ch, die von der TicinOnline SA betrieben wird. tio.ch ist auch unter 20minuti.ch erreichbar; das Logo von 20 minuti wurde dort integriert.[19] tio.ch/20minuti.ch erreicht gemäss der Nutzungsstudie NET-Metrix-Profile 2015-1 222'000 Unique Users/Monat.[2]

Andere Zeitungen mit den Namen 20 Minuten/20 minutes/20 minutos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schibsted beteiligte sich 2001 an dem spanischen Unternehmen Multiprensa y Más, das in Madrid und Barcelona je eine Gratiszeitung herausgab. Später übernahm sie die Firma ganz und benannte die Zeitungen in 20 minutos um. In Frankreich gibt Schibsted seit 2002 in einem Joint Venture mit SIPA Ouest-France, dem Herausgeber der Zeitung Sud-Ouest, eine Gratiszeitung unter dem Namen 20 minutes heraus. Ende 1999 lancierte Schibsted eine Gratiszeitung unter dem Namen 20 Minuten auch in Köln. Diese wurde aber Mitte 2001 – nach einer heftigen Abwehrschlacht durch die Kölner Medien – wieder eingestellt (→ Kölner Zeitungskrieg). Nach diesem verlorenen Verdrängungskampf stornierte Schibsted die Ausbaupläne für Deutschland und Österreich.[20]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marcus Haas: „Die geschenkte Zeitung“: Bestandsaufnahme und Studien zu einem neuen Pressetyp in Europa. LIT Verlag, Münster 2005, ISBN 978-3-82-588632-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d WEMF-Auflagebulletin 2015, S. 2 (PDF; 624 kB).
  2. a b c d e f g WEMF Total Audience 2015-2, S. 6 (PDF; 1 MB)
  3. Our history – The development of Apax Partners. In: Website von Apax.
  4. Haas: „Die geschenkte Zeitung“. 2005, S. 135.
  5. A & A Actienbank: 200 Millionen Franken vernichtet. In: Bilanz. 31. März 2002.
  6. Aus von A & A Actienbank betrifft «20 Minuten» nicht. In: Klein Report. 14. August 2002.
  7. a b Das Ende vor dem Start – Keine neue Pendlerzeitung «Express» am Montag. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. März 2003.
  8. a b c Tamedia: Chronik 2005. In: Website der Tamedia.
  9. Pinkfarbene Apéro-News. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. Juni 2008.
  10. David Vonplon: So sieht die neue Gratiszeitung aus. In: persoenlich.com. 3. Juli 2007.
  11. Start der neuen Gratiszeitung ist fast gelungen. In: Nachrichten.ch. 19. September 2007.
  12. Fünfte Deutschschweizer Gratiszeitung erstmals erschienen. In: In: Neue Zürcher Zeitung. 5. Dezember 2007.
  13. Pendlerzeitung «.ch» wird eingestellt – 69 Angestellte entlassen. In: Tages-Anzeiger. 4. Mai 2009.
  14. «News» wird eingestellt. In: Neue Zürcher Zeitung. 4. Dezember 2009.
  15. Publireportage – Stand Februar 2014. In: Verlagsprofil 20 Minuten AG.
  16. piazza.ch und tutti.ch fusionieren. In: 20 Minuten. 11. Juli 2013.
  17. Tamedia: Kurzbericht 2013. In: Kurzversion des Geschäftsberichts 2013 der Tamedia, S. 27 (PDF; 49.62 kB).
  18. Christoph Büchi: Der Platzhirsch markiert das Revier. In: Neue Zürcher Zeitung. 15. September 2005.
  19. a b Stefano Pianca wird leitender Redaktor von 20 minuti. In: Medienmitteilung der Tamedia vom 2. September 2011.
  20. Pascal Beucker, Sebastian Sedlmayr, Frank Überall: In die Tonne gekloppt. In: taz Köln. 12. Juli 2001 (auf der Website von Pascal Beucker).