380-kV-Transversale Berlin

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Die 380-kV-Transversale Berlin ist eine zum größten Teil als Kabel ausgeführte Höchstspannungs-Leitung durch das Stadtgebiet von Berlin.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Querschnitt durch ein VPE-isoliertes 400-kV-Kabel

Die Leitung überträgt Dreiphasenwechselstrom mit 380 Kilovolt (kV). Sie besteht aus zwei Systemen mit jeweils 1.100 MVA Übertragungsleistung und ist teilweise als Freileitung, teilweise als Erdkabel bzw. in einem Tunnel verlegt.[1]

Von der Stadtautobahn verläuft die Leitung zum Umspannwerk Marzahn als 19,8 km langes Kabel. Ein vergleichbar langes Hochspannungskabel gibt es noch in London mit der Länge von 20 km und bei den Wiener Netzen. Ein Problem stellt die kapazitive Last dieser Leitung mit 2,2 μF dar. Um diese mit 50 Hz umzuladen, muss ein Blindstrom von 160 A aufgebracht werden, das entspricht einer Blindleistung von 110 MVar. Diese Blindleistung wird an den Enden durch Kompensationsspulen aufgebracht.

Das Umspannwerk Mitte ist wie das Umspannwerk am Kraftwerk Reuter als gekapselte SF6-Anlage ausgelegt, das heißt, die Schaltanlage ist mit Schwefelhexafluorid (SF6) zur Isolation gefüllt und konnte daher kleiner als eine luftisolierte Anlage ausgeführt werden. Beide Umspannwerke sind die ältesten in SF6-Technik ausgeführten 380-kV-Umspannwerke in Deutschland.

Verlauf und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betonmast mit Stahlfachwerktraversen vor dem Kühlturm des Heizkraftwerks Reuter West

Der erste Abschnitt vom Umspannwerk Reuter zum Umspannwerk Mitte wurde 1978 als weltweit erste große 380-Kilovolt-Kabelverbindung in Betrieb genommen.[2] Sie besteht zum Einen aus einer 2,6 km langen[3] Freileitung vom Umspannwerk Reuter zur Stadtautobahn an der Rudolf-Wissell-Brücke. Bei dieser Freileitung sind alle Masten als Abspannmasten ausgeführt und es kamen erstmals Kunststoffisolatoren zum Einsatz, üblich waren bis dahin Porzellanisolatoren. Eine weitere Besonderheit im Berliner Stromnetz ist, dass der erste Mast der 380-kV-Freileitung, die vom Kraftwerk Reuter-West zum Kraftwerk Reuter führt, aus ästhetischen Gründen als 66 m hoher schornsteinähnlicher Betonmast mit Stahlfachwerktraversen ausgeführt ist.

Ab der Stadtautobahn wurde eine 8,1 km lange Kabelstrecke zum Umspannwerk Mitte gelegt. Die Einleiter-Kabel zwischen dem Umspannwerk Reuter und dem Umspannwerk Mitte sind als papierisolierte Niederdruck-Ölkabel-Systeme mit einem Leiterquerschnitt von 1200 mm² ausgeführt und zur Kühlung in wassergefüllten Faserzement-Rohren verlegt. Die Kabel sind größtenteils als Erdkabel verlegt. Der Schlosspark und die Spree werden in Tunneln gequert.[3]

Nach der Wiedervereinigung wurde die 380-kV-Transversale Berlin zunächst um 7,6 km in westlicher Richtung zum Umspannwerk Teufelsbruch weitergeführt. Die Einleiter-Kabel zwischen dem Umspannwerk Teufelsbruch und dem Umspannwerk Reuter sind ebenfalls als Niederdruck-Ölkabel ausgeführt und zur Kühlung in wassergefüllten PE-HD-Rohren verlegt. Die Kabel sind größtenteils als Erdkabel verlegt.[1] Der Teufelseekanal und die Havel werden in Tunneln gequert.[3]

Die Verbindung zum Umspannwerk Teufelsbruch ging am 7. Dezember 1994 mit einem symbolischen Knopfdruck durch den damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen in Betrieb, wodurch Westberlin an das westeuropäische Verbundnetz angeschlossen war.[2]

VPE-isolierte Hochspannungskabel im Bereich Prenzlauer Berg

Vom Umspannwerk Mitte führt ein 6,3 km langes VPE-isoliertes 400-kV-Kabel durch einen begehbaren Tunnel, der in bis zu 30 m Tiefe verlegt und zur Inspektion mit einer Einschienen-Hängebahn versehen ist, zum Umspannwerk Friedrichshain. Dieses ging 1998 in Betrieb. Vom Umspannwerk Friedrichshain führt ebenfalls ein 5,4 km langes VPE-isoliertes 400-kV-Kabel durch einen Tunnel zum Umspannwerk Marzahn. Dieses Kabel ging 2000 in Betrieb. Auch dieser Tunnel ist begeh- und befahrbar.[3]

Von Marzahn aus führt eine Freileitung zum Umspannwerk Neuenhagen.[3]

Ausfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 380-kV-Transversale Berlin dient auch zum Sammeln von praktischer Betriebserfahrung von Kabelsystemen im Höchstspannungsbereich. Im Betrieb kam es bis zum Jahr 2012 wiederholt zu längeren Ausfällen. Beispielsweise führte im Jahr 2009 in einem Kabelendverschluss das Versagen der Isolationsschicht zu einem explosionsartig verlaufenden Spannungsdurchschlag mit Brandfolge. Die Reparaturarbeiten haben bei diesem Ausfall zehn Monate gedauert. Aus allen Störungsunterbrechungen ergibt sich eine durchschnittliche Verfügbarkeit von 90 %, was im Vergleich zu Freileitungssystemen vergleichsweise gering ist.[3]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

380-kV-Transversale Berlin (Berlin)
UW Teufelsbruch
UW Teufelsbruch
UW KW Reuter
UW KW Reuter
Betonmast
Betonmast
Endmast
Endmast
UW Mitte
UW Mitte
UW Friedrichshain
UW Friedrichshain
UW Marzahn
UW Marzahn
UW Neuenhagen
UW Neuenhagen
Lage der Komponenten der 380-kV-Transversale

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Analyse von Vattenfall Europe Freileitung oder Kabel ? mit Vorstellung der 380-kV-Kabelverbindung Berlin. Abgerufen am 9. März 2015.
  2. a b Hochspannung für die Wiedervereinigung. Vattenfall GmbH, abgerufen am 30. Juli 2017.
  3. a b c d e f Die 380-kV-Diagonalverbindung in Berlin, Informationen zum Projekt. 50hertz, abgerufen am 2. März 2017.