4-Tage-Woche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die 4-Tage-Woche ist ein Arbeitszeitmodell, bei dem die Anzahl an Arbeitstagen in einer Arbeitswoche vier beträgt.

Begründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturgeschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 5-Tage-Woche wurde als Normalarbeitszeit in den meisten Staaten im Laufe des 20. Jahrhunderts eingeführt (zuvor war eine 6-Tage-Woche die Regel[1]) und ihre Sinnhaftigkeit und Zeitgemäßheit werde seit einigen Jahren aufgrund breiter gesellschaftlicher Unterstützung für insbesondere flexiblere Arbeitszeiten zunehmend infrage gestellt und eine standardmäßig kürzere Arbeitswoche bzw. zumindest die Möglichkeit, eine solche in Anspruch zu nehmen, gefordert.[2]

Argumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Befürworter der 4-Tage-Woche argumentieren, dass Mitarbeiter durch die damit einhergehenden längeren Erholungspausen in Form von längeren Wochenenden motivierter und produktiver arbeiten könnten.[3]

Auch hätten Bürger mehr Zeit für andere alltägliche Angelegenheiten, wenn sie nur noch vier Tage in der Woche einer festen Erwerbsarbeit nachgehen müssten.[4] Eine 5-Tage-Woche sei für viele Menschen nicht vereinbar mit den Anforderungen des modernen Alltags.[5]

2020 schlug die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern die Einführung einer 4-Tage-Woche vor, um die Work-Life-Balance und den Tourismus nach der COVID-19-Pandemie zu fördern.[6]

Forschung und Praxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen einer Studie aus Island sollten 2500 Bürger fünf Jahre lang bei gleichbleibender Bezahlung statt fünf nur vier Tage lang in der Woche arbeiten. Die Teilnehmer hatten mehr Zeit für sich und nahestehende Personen, waren glücklicher und litten weniger häufig unter Stress.[7]

Das neuseeländische Nachlassplanungsunternehmen Perpetual Guardian testete 2018 eine 4-Tage-Woche und meldete einen Produktivitätsanstieg von 20 % sowie ein geringeres Stressniveau und eine größere Arbeitszufriedenheit bei seinen Mitarbeitern.[8] Laut dem Gründer des Unternehmens bringe die verkürzte Arbeitswoche „keine Nachteile“ mit sich. Später im selben Jahr führte Perpetual Guardian die 4-Tage-Woche dauerhaft ein.[8]

2019 experimentierte Microsoft Japan mit der 4-Tage-Woche und gab an, dass die Produktivität um 40 % zunahm und die Stromkosten um 23 % sanken.[8]

Ab Juni bis Jahresende 2022 läuft ein Versuch in Großbritannien, der 70 Unternehmen und mehr als 3.300 Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellte betrifft.[9]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Teilzeitmodell ist es Arbeitnehmern möglich, ihre Arbeitszeit auf 80 % zu reduzieren.[4] Auf wie viele und welche Wochentage diese verteilt werden soll, muss im Konsens mit dem Arbeitgeber vereinbart werden.[4] Außerdem besteht die Möglichkeit, die Arbeitsstunden auf weniger Tage zu verteilen.[4]

Derzeit (Stand: 2021) haben in Deutschland lediglich vereinzelte Unternehmen aus Bayern eine 4-Tage-Woche standardmäßig eingeführt.[10]

Die Partei Die Linke forderte 2020 eine 30-Stunden-Woche als Vollzeitnorm und begründete dies damit, dass durch die Digitalisierung viel menschliche Arbeit überflüssig werden wird.[5] Die Gesamtmenge an Arbeit werde also kleiner, während im Gegenzug die Produktivität der verbliebenen Arbeit steige.[5]

Kritiker merkten an, dass viele Arbeitsmarktexperten davon ausgehen, dass die Digitalisierung langfristig nicht zu weniger, sondern lediglich zu anderer Arbeit führen wird.[5]

Situation in Belgien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2022 einigte sich die belgische Föderalregierung auf grundlegende Reformen für den Arbeitsmarkt. Teil dieser Reformen ist auch die 4-Tage-Woche bei gleichbleibender Arbeitszeit. So sollen Vollzeitbeschäftigte die Möglichkeit haben, mehr Stunden pro Tag zu arbeiten und dafür einen zusätzlichen freien Tag in der Woche zu erhalten.[11]

Situation im Vereinigten Königreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vereinigten Königreich sollen von Juni bis September 2022 im Rahmen eines Pilotprojekts über 70 Unternehmen und Organisationen eine 4-Tage-Woche bei gleichem Lohn testen.[12]

Die britische Labour Party verkündete bereits 2019, eine 4-Tage-Woche im Laufe des nächsten Jahrzehnts einführen zu wollen.[12]

Umfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Toluna gaben 55 % der Befragten an, dass sie im Gegenzug für eine 4-Tage-Woche finanzielle Einbußen in Kauf nehmen würden.[4]

In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem Jahr 2020 mit 1640 Teilnehmern befürworteten 61 % der Befragten eine 4-Tage-Woche eher oder voll und ganz.[13]

In einer von Citrix beauftragen OnePoll-Umfrage vom September 2019 mit 500 deutschen Arbeitnehmern gaben 66 % an, dass sie bei gleicher Entlohnung nur vier Tage in der Woche arbeiten würden.[14] 87 % hielten eine Einführung der 4-Tage-Woche in naher Zukunft allerdings für unwahrscheinlich.[14]

Einer von Unique Research für die Tageszeitung Heute durchgeführten Umfrage aus Österreich mit rund 800 Teilnehmern nach sind 46 % der Befragten für die Einführung einer 4-Tage-Woche, während 45 % sie ablehnen.[15]

Laut einer 2022 durchgeführten Meinungsumfrage, die von Forsa im Auftrag von RTL und n-tv durchgeführt wurde, sprechen sich 71 % der Deutschen dafür aus, dass das belgische Modell einer 4-tägigen Arbeitswoche bei gleicher Arbeitszeit auch in Deutschland eingeführt werden sollte.[16]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 4-Tage- vs. 5-Tage-Woche: Vor- und Nachteile im Check. In: Gründer.de. 28. Oktober 2021, abgerufen am 30. Oktober 2021 (deutsch).
  2. Barnaby Lashbrooke: The ‘Anti-Work’ Movement Is A Sign Something’s Rotten In The Workplace. Abgerufen am 30. Oktober 2021 (englisch).
  3. 4-Tage- vs. 5-Tage-Woche: Vor- und Nachteile im Check. In: Gründer.de. 9. Juli 2021, abgerufen am 10. August 2021 (deutsch).
  4. a b c d e Süddeutsche Zeitung: Tipps für das Arbeitszeitmodell Vier-Tage-Woche. Abgerufen am 10. August 2021.
  5. a b c d Linken-Vorstoß: Die Vier-Tage-Woche für alle - ein Traum - DER SPIEGEL. Abgerufen am 10. August 2021.
  6. Jacinda Ardern flags four-day working week as way to rebuild New Zealand after Covid-19. In: www.theguardian.com. The Guardian, 20. Mai 2020, abgerufen am 10. August 2021 (englisch).
  7. Luisa Jacobs: "Die Viertagewoche könnte auch in Deutschland funktionieren". In: www.zeit de. Die Zeit, 8. Juli 2021, abgerufen am 10. August 2021.
  8. a b c Naomi Xu Elegant: Unilever is experimenting with a 4-day work week. In: www.fortune.com. Fortune, 1. Dezember 2020, abgerufen am 10. August 2021 (englisch).
  9. Viertagewoche : Weltweit größter Versuch gestartet orf.at, 7. Juni 2022, abgerufen 7. Juni 2022.
  10. Vier-Tage-Woche: Das Arbeitsmodell für die Zukunft? 15. Juli 2021, abgerufen am 10. August 2021.
  11. Die Vier-Tage-Woche rückt näher: Kernkabinett beschließt Reformen für den Arbeitsmarkt. Abgerufen am 16. Februar 2022 (französisch).
  12. a b Größtes Pilotprojekt der Welt Großbritannien startet die Vier-Tage-Woche. 6. Juni 2022, abgerufen am 9. Juni 2022.
  13. Mehrheit der Bundesbürger ist für Vier-Tage-Woche. In: www.zeit.de. Die Zeit, 19. August 2020, abgerufen am 10. August 2021.
  14. a b Citrix-Umfrage: Vier-Tage-Woche in Deutschland beliebt aber unwahrscheinlich - Citrix Germany. Abgerufen am 12. August 2021.
  15. Kontrast Redaktion: Neue Umfrage: Österreicher wollen 4-Tage-Woche. In: Kontrast.at. 20. Juli 2020, abgerufen am 12. August 2021 (deutsch).
  16. Umfrage: Mehrheit für Einführung der Vier-Tage-Woche. In: www.zeit.de. Die Zeit, 19. Februar 2022, abgerufen am 19. Februar 2022.