Zum Inhalt springen

Aéroplanes G. Voisin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Aéroplanes G. Voisin
Rechtsform Société Anonyme
Gründung 1906
Auflösung 1958
Sitz Issy-les-Moulineaux, Frankreich
Leitung Gabriel Voisin
Branche Flugzeugbau, Automobilindustrie
Anleihe der Aéroplanes G. Voisin S.A. vom 15. Dezember 1928

Die SA des Aéroplanes G. Voisin war ein französisches Unternehmen, das Automobile und Flugzeuge herstellte. Standort war Issy-les-Moulineaux.

Gabriel Voisin und Louis Blériot gründeten 1905 eine Unternehmung zur Herstellung von Flugzeugen. 1906 trennten sich die beiden Partner.

Unternehmensgeschichte

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes europäisches Flugzeug

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Trennung von Blériot führte im Jahre 1906 zur Gründung einer eigenen Flugzeugfabrik mit Gabriel Voisin als Konstrukteur und seinem Bruder Charles Voisin als Pilot, der Societé des Aéroplanes Voisin. Diese beschäftigte sich zunächst mit der Herstellung von Gleitflugzeugen, die jedoch bald motorisiert wurden. 1907 wurde mit dem Bau einer Maschine für Léon Delagrange, die am 30. März 1907 beim Erstflug von Charles Voisin 60 Meter weit flog, der Typ Voisin Standard geschaffen.[1] Eine weitere Maschine dieses Typs wurde Ende 1907 an Henri Farman geliefert, der sie zur Voisin-Farman I modifizierte. Die Firma wurde in Europa bekannt, als es im Januar 1908 Henri Farman gelang, mit seiner Maschine auf dem Flugplatz Issy-les-Moulineaux den mit 50.000 Franc dotierten Grand Prix d’Aviation für einen Flug über den geschlossenen Kilometer zu gewinnen. Damit war nach Einschätzung des zeitgenössischen Nachschlagewerks Jane’s All the World’s Aircraft (1913) von Fred T. Jane die Voisin das erste europäische Flugzeug, das wirklich erfolgreich geflogen ist.[2]

Militärflugzeuge

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg war die Firma ein wichtiger Hersteller von Militärflugzeugen, insbesondere wurde die Voisin III produziert. So war Gabriel Voisin – sein Bruder kam bei einem Verkehrsunfall im Jahre 1912 ums Leben – bei Kriegsende recht wohlhabend. 1918 erkannte er, dass der Flugzeugabsatz nach Kriegsende deutlich fallen würde und suchte frühzeitig nach Alternativen, die er bei Fertighäusern und im Kraftfahrzeugbau sah. Er wandte sich nach Kriegsende vom Flugzeugbau ab, da die Einschränkungen durch das Pariser Luftfahrtabkommen die Herstellung von Automobilen einträglicher erscheinen ließen als den Flugzeugbau.

Beschränkung auf Automobile

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Fahrrad mit Motor-Fly-Hinterrad
Schriftzug an den Automobilen

1919 erschien mit dem Voisin M 1 das erste Serienmodell. Außerdem entstanden als Prototyp das Cyclecar Voisin Sulky, und Motor Fly[3], ein motorisiertes Hinterrad für Fahrräder, das in kleinen Mengen hergestellt wurde.

Besonderheit der meisten Automobile ist der Schiebermotor nach einer Lizenz von Charles Yale Knight. Diese Motoren laufen leiser als Motoren mit gewöhnlicher Ventilsteuerung, sind aber teurer in der Herstellung. Voisin konzentrierte sich auf die oberen Fahrzeugklassen, in denen der höhere Kaufpreis gegenüber der Konkurrenz nicht so schlimm war.

Voisin entwickelte Innovationen wie z. B. Karosserien aus Aluminium oder Verbesserung des Luftwiderstandsbeiwertes durch sich nach oben verjüngende Karosserien.

Insbesondere die ersten Modellreihen verkauften sich relativ gut. Die jährlichen Produktionszahlen lagen über 1000 Fahrzeugen und fielen erst ab 1930 darunter.[4.1] Einerseits wurden die Motoren der Konkurrenz leiser, wodurch Voisins Vorteil schwand, andererseits fiel der höhere Kaufpreis der Voisin-Modelle immer stärker ins Gewicht. Dazu kam die Weltwirtschaftskrise.

Ab 1930 oder 1931 gab es eine Zusammenarbeit mit Automobiles Imperia und Minerva Motors aus Belgien. Es kam zur Gründung der Société Commerciale des Automobiles Voisin, einer Finanz- und Handelsgesellschaft.[4.2] Diese Gesellschaft wurde 1931 oder 1932 liquidiert. Angeblich hatten die belgischen Partner ihre Anteile nicht eingezahlt.[4.3]

Am 24. Juli 1932 geriet auch das Hauptunternehmen in erhebliche Zahlungsschwierigkeiten. Voisins Finanzpartner Garabedian handelte bis Anfang 1934 eine Einigung mit den Gläubigern aus.[4.4]

1936 kam es zusammen mit einem Herrn Durousset von der Schneider-Gruppe zur Gründung der Société Auxiliaire des Automobiles Voisin. Garabedian wurde Präsident, während Voisin an Macht verlor und beratender Ingenieur wurde.[4.5]

Im Oktober 1937 wurde mit dem Voisin C 30 ein neues Modell auf dem Pariser Autosalon präsentiert. Der Motor wurde zugekauft, das Fahrgestell hatte Gabriel Voisin angepasst.[4.6] Auch dieses Modell wurde kein Erfolg. 1938 endete die Fahrzeugproduktion. Paul-Louis Weiller, Präsident des Flugzeugherstellers Gnome et Rhône, kaufte im Oktober 1938 die Mehrheit der Aktien des Hauptunternehmens auf, hat es also quasi übernommen. Er ließ Gabriel Voisin seinen Posten als Präsident und Entwickler. Gnome et Rhône nutzte das Werk für die Reparatur von Flugmotoren. Ein weiteres Unternehmen, L’Aéromécanique wurde am Boulevard Exelmans gegründet.[4.7]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Gnome et Rhône verstaatlicht und in SNECMA integriert. Ebenso wurde Aéroplanes G. Voisin als Tochtergesellschaft integriert. Gabriel Voisin entwickelte weiter und brachte mit dem Voisin C 31 ein weiteres Modell zur Serienreife, allerdings war das Unternehmen Voisin nicht in der Lage für eine Serienproduktion, und SNECMA war daran nicht interessiert. Es gelang, eine Lizenz an Autonacional in Barcelona zu verkaufen, die das Fahrzeug überarbeitete und mehr als 20.000 Fahrzeuge unter dem Markennamen Biscúter verkaufte.[4.8]

SNECMA verkündete am 3. Januar 1958 die Liquidation des Unternehmens Voisin.[5]

Der Voisin M 1 mit einem Vierzylindermotor mit etwa 4 Liter Hubraum wurde zum Voisin C 1, von dem Voisin C 3 und Voisin C 5 abgeleitet wurden.

Von 1920 bis 1921 gab es in zwei Exemplaren den Voisin C 2 mit einem V12-Motor, der aber nicht vermarktet wurde.

Der Voisin C 4 von 1922 war der Mittelklasse zugeordnet, der etwas später folgende Voisin C 7 ebenfalls.

Der ab 1926 erhältliche Voisin C 11 hatte einen Sechszylindermotor mit 2,3 Liter Hubraum, dem die ähnlichen Voisin C 14 und Voisin C 15 folgten.

Der Voisin C 12 von 1926 hatte einen größeren Sechszylindermotor.

Die Verwendung der Bezeichnung C 13 ist nicht nachweisbar.

Der Voisin C 16 erschien 1929 hatte einen Sechszylindermotor mit 5,8 Liter Hubraum. Davon abgeleitet war der Voisin C 22 mit einem Motor gleicher Größe.

Der Voisin C 17 von 1930 war ein Prototyp mit V8-Motor und Frontantrieb.

Voisin C 18, Voisin C 19, Voisin C 20 und Voisin C 21 hatten V12-Motoren.

Voisin C 23, Voisin C 24, Voisin C 25, Voisin C 26 und Voisin C 27 bildeten die 3-Liter-Klasse und waren zwischen 1931 und 1936 erhältlich. Voisin C 28 und Voisin C 29 mit einem etwas größeren Motor ergänzten 1935 das Sortiment.

Der Voisin C 30 war ein Sonderfall. Er hatte einen Motor mit SV-Ventilsteuerung, der von Graham-Paige aus den USA bezogen wurde.

Der Voisin C 31 wurde im Oktober 1950 präsentierte. Das ist ein Kleinstwagen mit Frontantrieb.[6][7] In der Folge wurden einige Fahrzeuge gebaut und verkauft. Ein weiterer Prototyp war der Voisin Biscooter Voisin von 1952 mit Heckmotor.

1957 wurde mit dem Voisin Camionnette ein Nutzfahrzeug präsentiert, das vermarktet werden sollte, aber nicht in Produktion ging. Das Einzelstück ist erhalten geblieben.

Voisin C 6 (Nachbau)
Voisin C 8 von 1924
Voisin C 9 (Armaturenbrett)

Das Unternehmen setzte in den Anfangsjahren modifizierte Serienfahrzeuge bei Autorennen ein.

1923 wurde für den Großen Preis von Frankreich der Voisin C 6 entwickelt. Die Karosserie wurde mit den Erfahrungen aus dem Flugzeugbau extrem leicht und aerodynamisch konstruiert. Die hintere Spur war schmal und die Hinterräder komplett verkleidet. Der neu konstruierte Motor war allerdings nicht ausgereift und nicht stark genug für eine gute Platzierung.

1924 folgten Voisin C 8, Voisin C 9 und Voisin C 10 mit normal breiter Hinterachsspur. Sie wurden bei Tourismus-Rennen eingesetzt.

Danach konzentrierte sich Voisin auf Rekordfahrten. So konnten 50 verschiedene Langstreckenrekorde aufgestellt werden.

Commons: Aéroplanes G. Voisin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Nouveaux essais de l'aéroplane Delagrange. In: L'Aérophile. April 1907, ISSN 0994-8929, S. 105 (bnf.fr [JPG; 1000 kB; abgerufen am 28. Februar 2015]).
  2. Fred T. Jane (Hrsg.): Jane's All The World's Aircraft. Sampson Low Marston, 1913, ISBN 0-7153-4388-2, S. 12b (gutenberg.org [abgerufen am 12. März 2015]).
  3. Avions Voisin - 160 Motor Fly. Auf moto-collection.org, abgerufen am 31. Januar 2026 (französisch).
  4. Pascal Courteault: Automobiles Voisin 1919–1958. White Mouse Editions, London 1991, ISBN 0-904568-72-5 (französisch).
    1. S. 251
    2. S. 145
    3. S. 151
    4. S. 151–154
    5. S. 177
    6. S. 179
    7. S. 182
    8. S. 189
  5. René Bellu: Automobilia. N° 8. Toutes les voitures Françaises 1958. Salon 1957. Histoire & Collections, Paris 1998, S. 81 (französisch).
  6. George Nicholas Georgano (Hrsg.): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Band 3: P–Z. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1 (englisch).
  7. Harald H. Linz, Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie. United Soft Media Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8.