Aëtios von Antiochia

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Aëtios von Antiochia (Ἀέτιος ὁ Ἀντιοχεύς, auch bekannt als Aetius von Antiochia bzw. von Konstantinopel; † 367 in Konstantinopel) war ein spätantiker christlicher Theologe, der im so genannten arianischen Streit die Position der „Radikalarianer“ (Anhomöer) vertrat.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aëtios wurde in Koilesyrien geboren und studierte Theologie und Philosophie. 344 von seinem Freund Leontius zum Diakon geweiht, lebte er zunächst einige Zeit in Antiochia am Orontes, wo er ab 357 die Theologie des Origenes überarbeitet.[1] Später siedelte er dann aber nach Alexandria in Ägypten über.

Diese Zeit war geprägt von heftigen theologische Streitigkeiten, die sich um das „Wesen Jesu Christi“ drehten. Kaiser Constantius II. hatte infolge eines Bürgerkriegs gegen den Usurpator Magnentius das gesamte Römische Reich ab 353 wieder unter der Herrschaft eines Kaisers geeint und strebte nun auch ein einheitliches Glaubensbekenntnis innerhalb der Reichskirche an. Es ging um die Frage: War Jesus tatsächlich „wesenseins“ mit Gott-Vater oder nur „wesensähnlich“? Auf die erste Formel, Teil des sich entwickelnden Dogmas derTrinizitätslehre, hatte sich die Mehrheit der Teilnehmer des Ersten Konzils von Nicaea geeinigt, deren Glaubensformel daher auch als Nicaenum bezeichnet wird, doch plädierten gerade im Osten des Reiches viele eher für die zweite Formulierung. Die Gegner des Nicaenums wurden seit der Spätantike bis ins 20. Jh. meist alle als „Arianer“ bezeichnet, als Anhänger der Ideen des alexandrinischen Presbyters Arius, was inhaltlich nicht zutreffend ist. Im Grunde gab es in den Jahren und Jahrzehnten nach dem Konzil von Nicäa drei Hauptströmungen, welche die entstehende Trinizitätslehre eher ablehnten und von den Vertretern des Trinizitäts-Dogmas vielfach ohne Unterschied als 'arianisch' eingeschätzt wurden  : Die Homöusianer sowie die Homöer und die Heterousianer. Letztere werden nicht ganz zutreffend als „Radikalarianer“ oder "Neuarianer" bezeichnet; ihnen stand Aëtios vor.

Aëtios knüpfte zwar an den Ideen des Arius an, kleidete sie aber zusätzlich in ein Gewand philosophischer Argumente und modifizierten einige Thesen. Aëtios erklärte, dass der transzendente Gott eingeboren sei, der Geborene (Jesus) aber sei Veränderungen unterworfen und folglich nicht Gott gleichgestellt. Jesus sei daher nur ein Geschöpf Gottes, nicht aber Gott selbst. Aëtios und sein Schüler Eunomius konnten sich mit ihrer Interpretation jedoch nicht bei der Mehrheit der Theologen im Osten des Reiches durchsetzen; im Westen lehnte man dies ohnehin ab.

Kaiser Constantius favorisierte jedoch die Homöusianer bzw. schließlich die Homöer und ging gegen die 'Neuarianer' vor. 359 wurde Aëtios verurteilt, ein Jahr später wurde ihm das Diakonat entzogen. Er wurde nach Kilikien, bald darauf nach Pisidien ins Exil geschickt. Nachdem Ende 361 Kaiser Constantius gestorben war, durften die Verbannten zurückkehren. Kaiser Julian, der als letzter Kaiser eine Erneuerung des Heidentums versuchte, hoffte mit diesem Schritt wohl auch die Kirche zu schwächen. Julian schenkte Aëtios, der sich in der Hauptstadt Konstantinopel niedergelassen hatte, ein Landgut bei Mytilene. 363 wurde Aëtios zum Bischof ernannt. Nach dem Tod Julians auf dem Persienfeldzug zog sich Aëtios zurück und spielte keine bedeutende Rolle mehr.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, S. 92. 5., vollständig überarbeitete Neuausgabe.