Aït-Ben-Haddou

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Aït-Ben-Haddou
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Aït-Ben-Haddou (Marokko)
Aït-Ben-Haddou
Aït-Ben-Haddou
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Souss-Massa-Draâ
Provinz: Ouarzazate
Koordinaten 31° 3′ N, 7° 8′ W31.046766-7.1294741300Koordinaten: 31° 3′ N, 7° 8′ W
Einwohner: 2.500
Höhe: 1300 m
Aït-Ben-Haddou
Aït-Ben-Haddou – im Abendlicht verschmelzen Felsen und Lehmbauten zu einer harmonischen Einheit.

Aït-Ben-Haddou (arabisch ‏آيت بن حدّو‎, tamazight ⴰⵢⵜ ⵃⴰⴷⴷⵓ Ayt Ḥaddu; oft auch Aït Benhaddou geschrieben) ist eine befestigte Stadt (ksar) am Fuße des Hohen Atlas im Südosten Marokkos. Der komplette alte Ortskern ist seit dem Jahr 1987 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.[1]

Lage[Bearbeiten]

Der aus einem alten und einem neuen Teil bestehende Ort liegt fast 200 km (Fahrtstrecke) südöstlich von Marrakesch beziehungsweise etwa 30 km in nordwestlicher Richtung von der Stadt Ouarzazate entfernt an einem Berghang in etwa 1270 bis 1320 m Höhe am Ufer des nur im Winter und Frühjahr wasserführenden Asif Mellah. Eine etwa 45 km lange durch das Ounila-Tal über Tamdakht und Anemiter nach Telouet führende Straße (P1506) ist inzwischen fertiggestellt worden.
Am Ufer des Asif Mellah wachsen noch Dattelpalmen, die jedoch aufgrund der kühlen Höhenlage nur wenig Früchte hervorbringen, deren faserige Stämme jedoch in früheren Zeiten beim Bau von Decken und Aufgängen (Rampen) in den Wohnburgen tighremts eine wichtige Rolle spielten; aus den Palmwedeln wurden überdies Matten, Körbe, Stricke u. ä. geflochten.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die beiden Ortsteile sind in der Hauptsache von Berbern des Ben-Haddou-Stammes bewohnt, doch sprechen viele Einwohner wegen der zahlreichen einheimischen und europäischen Touristen auch Arabisch und Französisch.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein lebten die Bewohner als Selbstversorger von der Landwirtschaft, zu der auch ein wenig Viehzucht (Schafe, Ziegen, Hühner) gehörte. Etwa seit den 1960er Jahren wurde ein neuer Ortsteil erbaut, in welchem heute die meisten Menschen leben und der die notwendige Infrastruktur (Hotels, Pensionen, Restaurants etc.) für die stetig wachsende Zahl der Tagestouristen bereithält.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stätte war Hauptort der Sippe (Aït) der Ben Haddou. Diese kontrollierten zur Zeit der Almoraviden im 11. Jahrhundert am Asif Mellah den Handel auf der alten Karawanenstraße zwischen Timbuktu und Marrakesch. Der größtenteils aus Stampflehm und − den in Südmarokko eher seltenen luftgetrockneten − Lehmziegeln errichtete Ksar dürfte jedoch jüngeren Datums sein. Die Angaben schwanken je nach Literatur vom 12. bis zum 16. Jahrhundert. Auch über die Anzahl der Bewohner kann keine genaue Angabe getroffen werden, jedoch wird von bis zu 1000 Menschen gesprochen, die zeitweilig in Aït Benhaddou gelebt haben sollen.

Architektur[Bearbeiten]

Wohnburg (tighremt) in Aït-Ben-Haddou

Das alte Dorf besteht aus mehreren eng aneinander gebauten und teilweise ineinander verschachtelten Wohnburgen (Tighremts). Deren Lehmmauern ruhen auf natürlichem Fels beziehungsweise größeren oder kleineren Findlingen. Die Bauten mit ihren Ecktürmen und Zinnen verleihen dem Ort sein wehrhaftes Aussehen, welches durch die Hanglage noch verstärkt wird. Die meisten Ecktürme waren im oberen Bereich mit geometrischen Motiven dekoriert, wobei die immer wiederkehrenden Rautenmotive als abstrahierte Augen gedeutet werden können und ursprünglich wohl eine apotropäische (Unheil abwehrende) Funktion hatten.
Die ursprünglich völlig fensterlosen Tighremts von Ait Benhaddou sind allesamt um Innenhöfe herum gebaut, durch welche Licht und Luft in die Stallungen und Lagerräume im Erdgeschoss sowie in die Wohn- bzw. Schlafräume in den oberen Geschossen gelangen konnte.
Auffällig ist, dass der alte Ksar von keinem Minarett überragt wird. In den von Berbern bewohnten Dörfern im Süden Marokkos gab es zwar einfache Gebetsräume, doch verzichtete man außerhalb der Städte (Marrakesch, Taroudannt, Tiznit) auf den Bau von Minaretten.
Auf der Bergkuppe oberhalb des Ksar befindet sich eine − im 17. Jahrhundert zur besseren Kontrolle der Bevölkerung errichtete − Festung (kasbah).

Heutiger Zustand[Bearbeiten]

In der Vergangenheit hielten sich Verfall und Wiederaufbau die Waage, doch die seit Jahren nachlassenden bzw. ganz ausbleibenden Regenfälle mit daraus resultierendem sinkenden Wasserstand, die Abwanderung der Jugend in die Städte, die Witterung und die zusätzliche Belastung durch immer größer werdende Touristenströme stellen den dauerhaften Bestand der Siedlung in Frage. Der Wandel vom Dorf zum Freilichtmuseum scheint vor diesem Hintergrund unumkehrbar. Wie lange der Ort − angesichts des enormen Erhaltungsaufwands für die Lehmbauten − zumindest teilweise noch bewohnt sein wird, ist unklar. Für den Film Jesus von Nazareth wurde ein Großteil von Aït-Ben-Haddou gegen Ende der 1970er Jahre restauriert.

Nach aktuellen Aussagen (April 2012) eines ortskundigen Führers ist die Verlegung eines Stromkabels geplant. Danach wollen einige der Familien, die derzeit im „Neudorf“ leben, wieder umsiedeln.

Bedeutung[Bearbeiten]

Trotz der Touristenströme und der sich immer wieder neu einfindenden Filmschaffenden aus aller Welt ist Ait Benhaddou eine der ganz wenigen noch halbwegs gut erhaltenen Lehmbausiedlungen in Südmarokko. Bekannt wurde Aït-Ben-Haddou als Filmkulisse (z. B. Sodom und Gomorrha von Robert Aldrich oder Gladiator von Ridley Scott).

Aït-Ben-Haddou mit ausgetrocknetem Flusstal des Asif Mellah – die beiden unten rechts im Bildvordergrund zu sehenden Tore sowie die seitlich angrenzenden Mauern wurden als Filmkulisse (Holz, Styropor, Kunstharz) errichtet, um die Wirkung des in sich geschlossenen Stadtbildes über das eigentliche Maß hinaus zu verstärken.

Aït-Ben-Haddou als Filmkulisse[Bearbeiten]

Aït-Ben-Haddou diente als Kulisse für über 20 Hollywood-Produktionen, u. a.:

Umgebung[Bearbeiten]

In der weiteren Umgebung von Ait Benhaddou finden sich weitere architektonische Sehenswürdigkeiten (siehe Weblinks).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Popp: Weltkulturerbe Aït Ben Haddou (Marokko). Lokale Vermarktung eines Standortes von globalem Interesse. In: Geographische Rundschau 52 (6) 2001, S. 44–49.
  • M. Weiß: Weltkulturerbe Aït Ben Haddou (Südmarokko) – der internationale Besichtigungstourismus verändert ein abgelegenes Berberdorf. Das Beispiel der lokalen Händler. In: Herbert Popp (Hrsg.): Lokale Akteure im Tourismus der Maghrebländer. (Maghreb-Studien, H. 12), Passau 1999, S. 115–145.
  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam – Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2012, S. 257f, ISBN 978-3-7701-3935-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aït Benhaddou – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag in der Welterbeliste der UNESCO auf Englisch und auf Französisch