AFN Berlin

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Senderlogo
Über diesen Sendemast an der Clayallee wurde AFN TV Berlin ausgestrahlt, 1986.

Der AFN Berlin des American Forces Network war einer der bekanntesten US-amerikanischen Soldatensender. Der Sender hatte seine letzte Adresse in der Saargemünder Straße 28 in Berlin-Dahlem.

Geschichte[Bearbeiten]

Podbielskiallee 28 im Jahr 2012

Der Sendebetrieb wurde am 4. August 1945 um 12 Uhr mit der Rhapsody in Blue von George Gershwin aus der beschlagnahmten Villa in der Podbielskiallee 28 aufgenommen. Es wird zwar immer wieder kolportiert, dass diese Villa dem Außenminister Joachim von Ribbentrop gehörte, dies ist aber nicht nachvollziehbar. Laut Berliner Adressbuch von 1943 gehörte das Haus dem Bankdirektor Dr. M. Schlenker.[1] Von Ribbentrop wohnte nicht weit entfernt in der Lentzeallee 7–9.[2] Die Wahl fiel auf diese Villa, weil diese mit Eisengittern gesichert war. Einige Häuser weiter, so sagte der erste station manager in einem Interview, wurde außerdem die Villa von Max Schmeling beschlagnahmt, um das Personal unterzubringen. Als Sendeantenne wurde zu Anfang ein zwischen zwei Bäumen gespannter Draht genutzt.

Während der Berliner Blockade sendete der AFN Berlin erstmals rund um die Uhr, um den Luftbrückenpiloten zu ermöglichen, das Radiosignal des AFN Berlin als Peilsender für den Landeanflug in Tempelhof zu nutzen. Nach dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 sendete AFN Berlin dauerhaft ein 24-Stunden-Programm, nachdem Radio Moskau nach AFN-Sendeschluss die freie Nachtfrequenz unberechtigt zu propagandistischen Zwecken in englischer Sprache genutzt hatte.

Am 17. April 1967 begann die Ausstrahlung des AFN TV Berlin in schwarzweiß. 1974 kam die Farbe dazu und ab 1984 Live-Sendungen direkt aus den USA. 1979 erfolgte der Umzug in die Saargemünder Straße 28 im Berliner Ortsteil Dahlem.

Am 15. Juli 1994 lief simultan auf UKW und Mittelwelle eine dreistündige Sondersendung, die in 54 Länder übertragen wurde. Danach beendete der AFN Berlin wenige Sekunden vor 14 Uhr den Sendebetrieb mit dem Abspielen der Nationalhymne der Vereinigten Staaten.

Empfang[Bearbeiten]

AFN Berlin hatte einen Mittelwellensender auf der Frequenz 1107 kHz, einen UKW-Sender auf der Frequenz 87,85 MHz (später 87,90 MHz) und einen Fernsehsender auf Kanal 29, der allerdings nur mit NTSC-Farbdekoder und nur im Südwesten von Berlin empfangbar war.

Der Mittelwellensender sendete bis zum 23. November 1978 auf 935 kHz. An diesem Tag trat der Genfer Wellenplan in Kraft und die Frequenz wechselte auf 1107 kHz.[3] Der 120 Meter hohe Sendemast stand bis zum 16. Dezember 1996 auf dem Gelände der Domäne Dahlem in der Pacelliallee.

Eigenproduktionen[Bearbeiten]

Radio (88FM)[Bearbeiten]

Der AFN Berlin auf dem Volksfest 1986

Fernsehen[Bearbeiten]

  • Berlin Tonight (tägliche Nachrichtensendung)
  • Berlin PM (Interviewsendung)
  • Berlin Tonight late edition (Spätnachrichten)
  • Discover Berlin (Trailerserie über die Sehenswürdigkeiten Berlins)
  • The Berlin Ramblers (live country music show, 1968 monatlich jeweils Sonnabend Nachmittag)
Gedenktafel vor dem ehemaligen Studiogebäude in der Podbielskiallee 28

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Radio[Bearbeiten]

  • Jacques Bannamon
  • Paul Dandridge (bis Sept. 1968)
  • Jo Eager
  • Rebecca Easley
  • Eric Engbretson
  • Bill Gayord (77-82 / 83-86)
  • Lee Heft
  • George Hudack
  • Jeanine Kabrich
  • Steve Kostelac
  • Rik DeLisle
  • Magnificent Magoo (Jim McCauley)
  • Hank Minitrez
  • Dan Simmons
  • Tom Tucker
  • Mark White
  • Jay Brady
  • Denis Sloan
  • Rick Himot
  • Ed Poston (news)
  • Ed Tooma
  • John Proffitt
  • Mike Piper (news)
  • Ray Tubberville
  • Larry Sem
  • Carmen Walker

Mark White (2. Januar 1925 – 26. Dezember 2013), der ehemalige Programmdirektor von AFN-Berlin (1950 – 1988), starb am 26. Dezember 2013 im Kreis seiner Familie in Berlin.[4]

Am 2. September 2014 wurde vor dem ehemaligen Studiogebäude in der Podbielskiallee 28 eine Gedenktafel eingeweiht. Unter den Gästen waren Bezirks-Kulturstadträtin Cerstin Richter-Kotowski, Moderator Rik De Lisle, Siegrid White – die Witwe des Programmchefs Mark White – und Moderator Bill Gaylord.[5]

Fernsehen[Bearbeiten]

  • Jacques Bannamon
  • Rebecca Easley
  • Hank Minitrez
  • Dan Quakkelaar

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: AFN Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.4513.275Koordinaten: 52° 27′ 0″ N, 13° 16′ 30″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Podbielskiallee 28. In: Berliner Adreßbuch, 1943, Verwaltungsbezirk Zehlendorf, Dahlem, S. 1419.
  2. Lentzeallee 7.9. In: Berliner Adreßbuch, 1940, Verwaltungsbezirk Zehlendorf, Dahlem, S. 1421 (1940 zuletzt vermerkt, danach als "unbewohnt" eingetragen).
  3. Frequenzwechsel des Mittelwellensenders
  4. Tatjana Wulfert: Mark White (Geb. 1925). Nachrufe. Der Tagesspiegel, 7. März 2014, abgerufen am 12. September 2014.
  5. Cay Dobberke: Gedenktafel für „The Great 88“. Sender AFN in Berlin-Zehlendorf. Der Tagesspiegel, 2. September 2014, abgerufen am 12. September 2014.