AMC Pacer

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AMC
AMC Pacer (1975–1979)

AMC Pacer (1975–1979)

Pacer
Produktionszeitraum: 1975–1979
Klasse: Kompaktklasse
Karosserieversionen: Kombilimousine, Kombi
Motoren: Ottomotoren:
3,8–5,0 Liter
(66–97 kW)
Länge: 4320–4420 mm
Breite: 1960 mm
Höhe: 1339–1349 mm
Radstand: 2540 mm
Leergewicht: 1158–1543 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: keines

Der AMC Pacer ist ein dreitüriger Kompaktwagen der American Motors Corporation (AMC) und wurde von Februar 1975 bis Dezember 1979 gebaut. Im Frühjahr 1977 wurde noch die Kombiversion Station Wagon eingeführt.

Wegen seines eigenwilligen Aussehens und bedingt durch die großen Glasflächen (37 % der Fahrzeugoberfläche) zählt der Pacer mit zu den skurrilsten Automobilen und wurde auch als „rollendes Aquarium“, „Football auf Rädern“ sowie als „großer Frosch“ bezeichnet.[1] Der Pacer besitzt inzwischen Kultstatus und ist ein begehrtes Sammelobjekt.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 10. November 1970 erwarb General Motors die Lizenz für den Bau von Wankelmotoren, die unter anderem an AMC für die Entwicklung eines neuen Kompaktwagens mit Cab-Forward-Design geliefert werden sollten. Anfang 1971 begann der Chefdesigner von AMC, Richard Teague, mit den ersten Entwürfen für einen geräumigen Kleinwagen. Experimentiert wurde mit unterschiedlichen Anordnungsvarianten für den Motor und die Sitzanordnung, so z. B. mit einem Mittelmotor, einer Sitzbank gegen die Fahrtrichtung oder einer asymmetrischen Motorenanordnung. Darüber hinaus wurde in Erwägung gezogen, das in Europa zunehmend Verwendung findende Frontantriebskonzept auch für den amerikanischen Markt umzusetzen.

Die Entscheidung fiel zugunsten eines Front-Wankelmotors mit Hinterradantrieb, um so kostensparend die Standardgetriebe der AMC-Modelle und die Hinterachsen des AMC Matador verwenden zu können. Durch diese Entscheidung wurde das Fassungsvermögen des Kofferraums beträchtlich eingeschränkt und durch den Kardantunnel die hintere Sitzreihe auf zwei Plätze begrenzt.

Im Januar 1972 wurde ein Tonmodell des Pacer von internen Fachleuten begutachtet und positiv aufgenommen. Ein Jahr später wurde in Dallas der Fiberglas-Prototyp neben den 73er Modellen des AMC Hornet und Gremlin präsentiert. Die gerade beschlossenen Emissionsgesetze und die Ölkrise sorgten dafür, dass GM die Verwendung des laufruhigen, aber durstigen Wankelmotors fallen ließ.

Obwohl AMC im Februar 1973 noch eine eigene Lizenz für den Wankelmotor erworben hatte, wurde schließlich ein konventionelles Motorkonzept realisiert. Durch Umbauten im Motorraum wurde Platz für die Verwendung des hauseigenen Reihen-Sechszylinder-Motors geschaffen, der die Hinterachse antrieb. Mitte der 1970er Jahre wurde dem US-Senat ein neuer Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Verschärfung der Sicherheitsvorschriften für Pkw-Modelle ab 1980 vorsah. Die Konstrukteure des Pacer versahen den für seine Zeit sichersten US-Kompaktwagen mit einer Windschutzscheibe aus Verbundglas, einer besonders steifen Karosserie mit einer stabilen B-Säule und Türen mit Seitenaufprallschutz. Für einen bequemeren Einstieg zur Rückbank war die Beifahrertür 10 cm länger als die Fahrertür. Dank großzügiger Glasflächen war die Übersichtlichkeit des Pacer überdurchschnittlich. Geplant war auch ein massiver Überrollbügel, der sich jedoch wegen weitgehend entschärfter Gesetze in dieser Form als nicht mehr notwendig erwies.

Die Entwicklungskosten des Pacer betrugen 60 Millionen US-Dollar.

Technik[Bearbeiten]

Aber auch ohne Wankelmotor war das Fahrzeug interessant. Es verfügte dann über einen 4,2-Liter-Sechszylinder, der auch im Jeep zum Einsatz kam. Ab 1978 war auch ein V8-Motor erhältlich. Das Fahrzeug entsprach in seiner Länge einem VW Golf IV, seine Breite übertrifft bis heute die der S-Klasse von Mercedes-Benz. Dementsprechend wurde der Pacer mit dem Slogan "The first wide small car" ("der erste breite Kleinwagen") beworben. Bedingt durch die besonders breite Spurweite (1.550 mm vorne, 1.529 mm hinten) und den niedrigen Schwerpunkt war der Pacer verhältnismäßig fahrstabil. Lediglich die starke Kopflastigkeit konnte bei Vollbremsungen zu einem Ausbrechen des Hecks führen.

Entgegen sonstiger amerikanischer Gepflogenheiten umfasste die Ausstattungsliste mehrere Seiten. Es wurden Schaltgetriebe, Automatikgetriebe, Radios in einfacher Ausstattung sowie mit Achtspurband und Compact Cassetten-Laufwerken angeboten. Auch das Angebot an Außenlackierungen und Innenausstattungen war umfangreich.

Motoren[Bearbeiten]

  • 3,8 Liter R6, 90–91 PS (66–67 kW)
  • 4,2 Liter R6, 97–122 PS (71–90 kW)
  • 5,0 Liter V8, 126–132 PS (93–97 kW)

Produktion[Bearbeiten]

Ab 1. März 1975 stand der Pacer zum Verkauf, und im Einführungsjahr wurden mit 145.528 Einheiten mehr als doppelt so viele Pacer verkauft wie Gerry Meyers im Januar 1975 prognostiziert hatte.

1976 stellte der Pacer trotz stark stagnierender Verkaufszahlen mit einer Stückzahl von 117.244 immer noch mehr als 40 % der gesamten AMC-Produktion. Der Pacer war ab 3.299 Dollar und serienmäßig mit dem 3,8 l (232 in³)-Motor, Dreigang-Lenkradschaltung sowie Trommelbremsen rundum (ohne Bremskraftverstärker) erhältlich. In dieser Ausstattung wurde der Pacer jedoch kaum geordert. Durchschnittlich gaben die Käufer etwa 5000 Dollar für einen Pacer aus, meistens in Verbindung mit X- oder D/L-Paket und diversen Extras aufgewertet. Der stärkere 4,2-l-(258-in³)-Motor sowie Servolenkung, Scheibenbremsen, Bremskraftverstärker, Klimaanlage und Automatikgetriebe waren die meistgewünschten Zusatzausstattungen.

Anfang 1977 präsentierte AMC die für 12 Millionen Dollar entwickelte Kombi-Variante des Pacer. Für Teague "eines der einfachsten Projekte", an dem er je gearbeitet hatte. Der Wagon war bis zur B-Säule mit dem normalen Hatchback (Schrägheck) identisch, erhielt jedoch eine konventionell gestaltete Heckpartie mit einem 10 cm längeren Überhang. Dadurch vergrößerte sich der Kofferraum des Kombimodells um 50 % auf 1.350 Liter bei nur 33 kg Mehrgewicht gegenüber dem Standard-Pacer. Die Einführung des Wagon führte zwar nicht zu einer weiteren Steigerung der Verkaufszahlen, doch wurden von seinem Verkaufsstart mehr Exemplare von der Kombiversion verkauft als von der Schräghecklimousine, woran sich die Wichtigkeit der Modellerweiterung zeigte.

Am 3. Dezember 1979 endete die Produktion des Pacer[2]. Anfang 1980 wurden noch 1746 Exemplare vom Vorjahr verkauft, wovon 1341 Einheiten auf den Kombi entfielen. Mit nur 405 verkauften Fahrzeugen ist die Schräghecklimousine des Modelljahres 1980 das seltenste Pacer-Modell überhaupt.

Sondermodelle[Bearbeiten]

Zwischen 1976 und 1979 baute auch die Mexikanische Vehiculos Automotores Mexicanos (VAM) den Pacer mit einem auf 4621 cm³ (282 in³) aufgebohrten Sechszylinder, der mit 174 PS ausschließlich für das Schrägheckmodell vorgesehen war.

Der AMC-Händler Randall aus Mesa/Arizona - Spezialist für AMC-Muscle Cars - nahm sich einer Pacer-Kleinserie mit dem 6571 cm³ (401 in³)-V8-Motor an. Das original AMC-Triebwerk mit 401 in³ und 215 PS wurde von Mike Randall unter anderem mit Edelbrock-Ansaugkrümmer, #310 Nockenwellen und einem 600 cfm Holley-Vierfachvergaser getunt. Als Leistung gab Randall "300+" PS und als Verbrauch 9,5 mpg (24,7 Liter pro 100 km) an.

Der Pacer zählt zu den außergewöhnlichen Autos. Den Weg nach Deutschland haben nur wenige Exemplare gefunden, in Frankreich und in der Schweiz hingegen ist er deutlich öfter zu sehen. Mittlerweile haben alle produzierten Fahrzeuge den Oldtimer-Status erlangt.

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

  • In dem französischen Film Brust oder Keule von 1976 fährt der Sohn (Coluche) des Restaurantkritiker Charles Duchemin (Louis de Funès) einen Pacer X.
  • In dem Film Oh God von 1977 fährt John Denver einen Pacer Wagon.
  • Im David-Byrne-Film True Stories (1986) fährt John Goodman einen grünen Pacer.
  • Ein blauer Pacer ist in Sylvester Stallones Film Cobra (1986) zu sehen.
  • In dem Roadmovie Crossroads – Pakt mit dem Teufel steht ein Pacer auf einem Schrotthaufen auf dem Schrottplatz.
  • In einer Folge der Fernsehserie Golden Girls verkündet Sophia Petrillo ihrer Tochter Dorothy: „Du bist der größte Fehltritt, der jemals eine Straße betreten hat, seit dem AMC Pacer!“
  • In dem Film Wayne’s World von 1992 fahren Wayne Campbell (Mike Myers) und Garth Algar (Dana Carvey) einen mit Lakritzstangenspender ausgestatteten, hellblauen, mit Flammen verzierten Pacer, den sie das Mirth Mobile nannten. In Wayne’s World 2 von 1993 fährt die Rockgruppe Aerosmith mit einem super-streched Pacer mit doppelter Hinterachse, zusätzlichen Türen und der Aufschrift Mirthlimo 1 vor.
  • In der Folge Dark Horizon (1994) der Science-Fiction-Fernsehserie Alien Nation ist ein Tenctonier Besitzer eines gelben Pacer Station Wagon, der sich gleichzeitig auch als Tatort eines Verbrechens entpuppt.
  • In Goofy – Der Film von 1995 fährt Goofy einen Pacer.
  • Der von 1997 stammende Film Good Burger zeigt einen als „Burgermobile“ umgebauten Pacer.
  • In Men in Black II ist im Vorspann des Filmes, Mysteries in History, ein schwarzer Pacer zu sehen.
  • In dem Kinofilm Starsky & Hutch von 2004 wird aus einem roten Pacer auf die beiden Hauptfiguren geschossen.
  • Im isländischen Independentfilm A Little Trip to Heaven aus dem Jahr 2005 fährt Hauptdarsteller Forest Whitaker einen etwas heruntergekommenen Pacer.
  • Der österreichische Künstler Erwin Wurm lässt in seinem siebenminütigen Video Tell (2007/08) einen Pacer eine senkrechte Hauswand hinauffahren.[3]
  • In Leander Haußmanns Film Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe von 2008 fährt der Titelheld, gespielt von Tom Schilling einen weißen AMC Pacer Wagon.
  • In Adventureland von 2009 fährt Emily „Em“ (Kristen Stewart) einen Pacer.
  • In dem Film Friendship! (2010) fahren Veit und Tom als Tramper in einem Pacer Station Wagon mit.
  • Im Film StarStruck - Der Star, der mich liebte aus dem Jahre 2010 versinkt ein pinkfarbener Pacer nach einer Irrfahrt im Morast.
  • Im Musikvideo zur 2010 veröffentlichten Single Happiness der US-amerikanischen Sängerin Alexis Jordan ist ein Pacer eine der Hauptkulissen.
  • Im Pixar-Animationsfilm Cars 2 von 2011 sind mehrere Pacer als Bösewichte zu sehen.
  • Im Film "Im tiefen Tal der Superbabes" als Pizzataxi

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: AMC Pacer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quentin Willson: Klassische Traumautos. Dorling Kindersley Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8310-9072-3, S. 35.
  2. wardsautoworld.com "22 years ago" (engl.), abgerufen am 29. März 2010
  3. Abb. im Ausstellungskatalog Erwin Wurm, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 2009, S. 282 - 285