AMC Pacer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
AMC
AMC Pacer (1975–1979)

AMC Pacer (1975–1979)

Pacer
Produktionszeitraum: 1975–1979
Klasse: Kompaktklasse
Karosserieversionen: Kombilimousine, Kombi
Motoren: Ottomotoren:
3,8–5,0 Liter
(66–97 kW)
Länge: 4320–4420 mm
Breite: 1960 mm
Höhe: 1339–1349 mm
Radstand: 2540 mm
Leergewicht: 1158–1543 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: keines

Der AMC Pacer ist ein dreitüriger Kompaktwagen der American Motors Corporation (AMC) und wurde von Februar 1975 bis Dezember 1979 gebaut. Im Frühjahr 1977 wurde noch die Kombiversion Station Wagon eingeführt. Der Werks-Code lautete Series 60.[1]

Wegen seines eigenwilligen Aussehens und seiner großen Glasflächen zählt der Pacer mit zu den skurrilsten Automobilen und wurde auch als „rollendes Aquarium“, „Football auf Rädern“ sowie als „großer Frosch“ bezeichnet.[2] Inzwischen besitzt er Kultstatus und ist ein Sammelobjekt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. November 1970 erwarb General Motors die Lizenz für den Bau von Wankelmotoren, die unter anderem an AMC für die Entwicklung eines neuen Kompaktwagens mit Cab-Forward-Design geliefert werden sollten. Anfang 1971 begann der Chefdesigner von AMC, Richard Teague, mit den ersten Entwürfen für einen geräumigen Kleinwagen. Experimentiert wurde mit unterschiedlichen Anordnungsvarianten für den Motor und die Sitzanordnung, so z. B. mit einem Mittelmotor, einer Sitzbank gegen die Fahrtrichtung oder einer asymmetrischen Motorenanordnung. Darüber hinaus wurde in Erwägung gezogen, das in Europa zunehmend Verwendung findende Frontantriebskonzept auch für den amerikanischen Markt umzusetzen.

Die Entscheidung zugunsten eines Front-Wankelmotors mit Hinterradantrieb fiel relativ spät, sodass die Grundkonstruktion auf einen Wankelmotor mit Frontantrieb ausgelegt war.[1] Offenbar sollten so kostensparend Standardgetriebe der AMC-Modelle und Hinterachsen des AMC Matador verwendet werden. Durch diese Entscheidung wurde allerdings das Fassungsvermögen des Kofferraums beträchtlich eingeschränkt und durch den Kardantunnel die hintere Sitzreihe auf zwei Plätze begrenzt.

Im Januar 1972 wurde ein Tonmodell des Pacer von internen Fachleuten begutachtet und positiv aufgenommen. Ein Jahr später wurde in Dallas der Fiberglas-Prototyp neben den 73er Modellen des AMC Hornet und Gremlin präsentiert. Die gerade beschlossenen Emissionsgesetze und die Ölkrise sorgten dafür, dass GM die Verwendung des laufruhigen, aber durstigen Wankelmotors kurz vor Produktionsbeginn des Pacer fallen ließ.

Obwohl AMC im Februar 1973 noch eine eigene Lizenz für den Wankelmotor erworben hatte, wurde schließlich auf konventionelle Motoren zurückgegriffen. Durch Umbauten im Motorraum wurde Platz für die Verwendung des hauseigenen Reihen-Sechszylinder-Motors geschaffen, der die Hinterachse antrieb. Mitte der 1970er Jahre wurde dem US-Senat ein neuer Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Verschärfung der Sicherheitsvorschriften für Pkw-Modelle ab 1980 vorsah. Die Konstrukteure des Pacer versahen den für seine Zeit sichersten US-Kompaktwagen mit einer Windschutzscheibe aus Verbundglas, einer besonders steifen Karosserie mit einer stabilen B-Säule und Türen mit Seitenaufprallschutz. Für einen bequemeren Einstieg zur Rückbank war die Beifahrertür gut 10 cm (fast 4 Zoll[1]) länger als die Fahrertür. Dank großzügiger Glasflächen war die Übersichtlichkeit des Pacer überdurchschnittlich. Geplant war auch ein massiver Überrollbügel, der sich jedoch wegen weitgehend entschärfter Gesetze in dieser Form als nicht mehr notwendig erwies. Die Bauform im hinteren Bereich erlaubte dennoch eine kürzere Fahrzeuglänge und reduzierte Gewicht.[1]

Die Entwicklungskosten des Pacer betrugen 60 Millionen US-Dollar.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Basismotorisierung des Pacer war bestand aus dem 3,8 Liter Sechszylinder 232 in Verbindung mit einem manuellen Schaltgetriebe, das am Lenkrad bedient wurde. Als Option wurde noch im ersten Modelljahr der aus dem Jeep bekannte 4,2-Liter-Sechszylinder 258 nachgeschoben, der mit Einfach- oder Doppelvergaser erhältlich war.[1] Das Torque-Command-Automatikgetriebe (zugekauft, eigentlich Chrysler TorqueFlite) war erhältlich. Ab 1978 war auch der kleinste der AMC-V8-Motoren, 304 mit 5 Liter Hubraum, erhältlich.

Zu den technischen Besonderheiten gehörte auch eine der ersten Anwendungen einer Zahnstangenlenkung in einem US-Großserienmodell.[1].

Das Fahrzeug entsprach in seiner Länge einem VW Golf IV, seine Breite übertrifft bis heute die der Mercedes-Benz S-Klasse. Dementsprechend wurde der Pacer mit dem Slogan „The first wide small car“ („der erste breite Kleinwagen“) beworben. Die optionale Klimaanlage war wegen der großen Glasflächen empfehlenswert. Das Öffnen der massiven Heckklappe wurde von zwei Gasdruck-Federn unterstützt.[1]

Bedingt durch die besonders breite Spurweite (1.550 mm vorne, 1.529 mm hinten) und den niedrigen Schwerpunkt war der Pacer verhältnismäßig fahrstabil. Lediglich die starke Kopflastigkeit konnte bei Vollbremsungen zu einem Ausbrechen des Hecks führen.

In den USA gab es die übliche lange Ausstattungsliste; Fahrzeuge für den europäischen Markt erhielten eine deutlich bessere Grundausstattung. Weitere Optionen waren andere Schaltgetriebe, das erwähnte Automatikgetriebe, Radios in einfacher Ausstattung sowie mit Achtspurband und Compact Cassetten-Laufwerken. Auch das Angebot an Lackierungen und Innenausstattungen war umfangreich.

Bei Markteinführung gab es neben dem Basismodell Pacer eine Pacer X und Pacer D/L Ausführung.[1]

Motoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 3,8 Liter R6, 90–91 PS (66–67 kW); Modelljahre 1976–1978
  • 4,2 Liter R6, 97–122 PS (71–90 kW); alle Modelljahre
  • 5,0 Liter V8, 126–132 PS (93–97 kW); Modelljahre 1978–1979

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1975 und 1976[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AMC Pacer D/L in "Autumn Red" (1975)

Ab 1. März 1975 stand der Pacer zum Verkauf, und im Einführungsjahr wurden mit 145.528 Einheiten mehr als doppelt so viele Pacer verkauft wie Gerry Meyers im Januar 1975 prognostiziert hatte.

Die 1975 produzierten Fahrzeuge werden dem Modelljahr 1976 zugeordnet und erhielten die Modellnummer 7666-7 (die beiden ersten Ziffern zeigen das Modelljahr an)[3] und der Pacer stellte trotz stark stagnierender Verkaufszahlen mit einer Stückzahl von 117.244[1] immer noch mehr als 40 % der gesamten AMC-Produktion. Der Pacer war ab 3.499 Dollar[1] und serienmäßig mit dem 3,8 l (232 in³)-Motor, Dreigang-Lenkradschaltung sowie Trommelbremsen rundum (ohne Bremskraftverstärker) erhältlich. In dieser Ausstattung wurde der Pacer jedoch kaum geordert. Durchschnittlich gaben die Käufer etwa 5000 Dollar für einen Pacer aus, meistens in Verbindung mit X- oder D/L-Paket zu 339 resp. 199 Dollar.[4] Beide Pakete umfassten auch einen vorderen Stabilisator.[1] Der Kunde konnte seinen Pacer mit weitere Ausstattungsspaketen, etwa für bessere Isolierung oder besseres Handling (genannt "Rallye"-Paket)[4] und diversen Extras aufwerten. Die Sicherheitsausstattung aller AMC-Modelle umfasste neben den vorgeschriebenen energieabsorbierenden Stoßfängern vorn und hinten unter anderem eine energieabsorbierende Lenksäule, Nackenstützen in den Vordersitzen, Warnblinkanlage und Rückfahrlampen. Alle Motoren hatten elektronisch geregelte Zündanlagen.[1]

Der stärkere 4,2-l-(258-in³)-Motor sowie Servolenkung, Scheibenbremsen, Bremskraftverstärker, Klimaanlage und Automatikgetriebe waren die meistgewünschten Zusatzausstattungen. Einige Farbtöne waren ausschließlich für den Pacer lieferbar.[3]

1977[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AMC Pacer Wagon D/L (1977)

Anfang 1977 präsentierte AMC die für 12 Millionen Dollar entwickelte Kombi-Variante des Pacer, die als Antwort auf die neuen Kombis der Chrysler K-Baureihe gedacht waren.[4]. Für Teague war dies „eines der einfachsten Projekte“, an denen er je gearbeitet hatte. Der Wagon war bis zur B-Säule mit dem normalen Hatchback (Schrägheck) identisch, erhielt jedoch eine konventionell gestaltete Heckpartie mit einem 10 cm längeren Überhang. Dadurch vergrößerte sich der Kofferraum des Kombimodells um 50 % auf 1.350 Liter bei nur 33 kg Mehrgewicht gegenüber dem Pacer Hatchback. Die Heckklappe reichte bis zum Stoßfänger. Wagon in D/L-Ausstattung erhielten Dekorfolien mit Holzimitation an den Flanken und am Heck.[4] Die Einführung des Wagon führte zwar nicht zu einer weiteren Steigerung der Verkaufszahlen, doch wurden von seinem Verkaufsstart an mehr Exemplare von der Kombiversion verkauft als von der Schräghecklimousine, woran sich die Wichtigkeit der Modellerweiterung zeigte. Die AMC-Sechszylindermotoren erhielten neu gestaltete Brennräume und vordere Scheibenbremsen gehörten nun zur Grundausstattung aller AMC-Fahrzeuge.[4] Es wurden 20.265 Pacer Hatchback Modell 7766-7 und 37.999 Wagon Modell 7768-7 verkauft, die Basispreise lagen bei 3649 resp. 3799 Dollar.[4]

1978[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AMC Pacer D/L Wagon V8 (1978)

1978 erhielt der Pacer eine geänderte Front mit vergrösserter Kühlermaske, die vor allem dem neu erhältlichen V8-Motor geschuldet war, der nicht unter die frühere Motorhaube passte. Lieferbar war nur die 5,0-l-(304-in³)-Version mit 130 PS (97 kw) bei 3200 U/min. [5] Das "X"-Paket entfiel.[6] Die Preise stiegen weiter an. Das Pacer Hatchback Modell 7866-7 kostete nun ab 4048 Dollar (ab 4298 Dollar mit V8) und der Wagon Modell 7868-7 ab 4193 Dollar (ab 4443 Dollar mit V8). Der Absatz fiel auf 7.411 Hatchback und 13.820 Wagon.[5]

1979[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AMC Pacer D/L Hatchback (1979)

Im Zuge der Modellerneuerung wurde für 1979 Gremlin durch den Spirit ersetzt, wodurch sich der Druck auf den Pacer erhöhte. Äußerlich nur durch eine neue Kühlerfigur vor Vormodell zu unterscheiden, erhielt der Pacer nun den 4,2 Liter als Basismotor. Neu gab es für alle AMC-Modelle eine Basisausführung "DL" und die gehobene "Limited"-Ausstattung, die beim Pacer unter anderem Servolenkung, elektrische Fensterheber, Ledersitze, AM-Radio, zwei von innen verstellbare Außenspiegel, eine abklappbare Mittelarmlehne und einen weicheren Teppich umfasste. Der V8 war nur in Verbindung mit Servobremsen und Servolenkung lieferbar.[7]

Die Preise betrugen: Pacer Hatchback (Modell 7966-7) DL ab 4699 Dollar (ab 5177 Dollar mit V8), Limited ab 5699 Dollar (ab 6177 Dollar mit V8); Pacer Wagon (Modell 7968-7) DL ab 4849 Dollar (ab 5327 Dollar mit V8), Limited ab 5849 Dollar (ab 6327 Dollar mit V8). 10.215 Pacer wurden verkauft, davon 1.014 mit V8.[7]

1980[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AMC Pacer Limited Wagon (1980)

1980 erfuhr der Pacer nur wenige optische Änderungen. Die V8-Option entfiel.[8] Die Preise betrugen: Pacer Hatchback (Modell 8066-7) DL ab 5407 Dollar, Limited ab 6031 Dollar; Pacer Wagon (Modell 8068-7) DL ab 5558 Dollar, Limited ab 6182 Dollar.[9]

Am 3. Dezember 1979 endete die Produktion des Pacer[10] vorzeitig, der Verkauf lief noch bis Anfang 1980. Insgesamt wurden 1.746 Exemplare verkauft, wovon 1.341 Einheiten auf den Kombi entfielen.[9] Mit nur 405 verkauften Fahrzeugen ist die Schräghecklimousine des Modelljahres 1980 das seltenste Pacer-Modell überhaupt.

Der mit 22 MPG (Miles per Gallon) angegebene Verbrauch, etwa 10,7 l/100 km, war in der Zeit der zweiten Ölkrise für Käufer kleinerer Fahrzeuge nicht mehr attraktiv, zudem wirkten sich die massiv angestiegenen Preise negativ auf den Verkauf aus.

Sondermodelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AMC Pacer "Stinger", AMC-Show Car von 1976

Zwischen 1976 und 1979 baute auch die mexikanische Vehiculos Automotores Mexicanos (VAM) den Pacer mit einem auf 4621 cm³ (282 in³) aufgebohrten Sechszylinder, der mit 174 PS ausschließlich für das Schrägheckmodell vorgesehen war.

AMC zeigte 1976 an US-Autoshows den Pacer "Stinger" mit mattschwarzer und gelber Effektlackierung. Das Fahrzeug hatte einen zusätzlichen Lufteinlass auf der Motorhaube, Frontspoiler, Seitenauspuffanlage, verbreiterte Radkasten zur aufnahme der “Jackman Star” Aluminiumräder und innen eine schwarz-gelbe Polsterung mit Einzelsitzen und Konsolenschaltung.

Der AMC-Händler Randall aus Mesa/Arizona – Spezialist für AMC-Muscle Cars – nahm sich einer Pacer-Kleinserie mit dem 6571 cm³ (401 in³)-V8-Motor an. Das original AMC-Triebwerk mit 401 in³ (6,6 Liter) Hubraum und 215 PS wurde von Mike Randall unter anderem mit Edelbrock-Ansaugkrümmer, #310 Nockenwellen und einem 600 cfm Holley-Vierfachvergaser getunt. Als Leistung gab Randall „300+“ PS und als Verbrauch 9,5 mpg (24,7 Liter pro 100 km) an.

Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Mirth Mobile", der Pacer aus Wayne's World, in Rusty's TV and Movie Car Museum, Jackson (Tennessee)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John A. Gunnell: Standard Catalogue of American Motors, 1902-1987; Krause Publications Iola WI, 1. Auflage, 1993; ISBN 0-87341-232-X.
  • Charles K. Hyde: Storied Independent Automakers: Nash, Hudson, and American Motors. Wayne State University Press, Detroit, Great Lakes Books Series, 2009; ISBN 978-0-8143-3446-1.
  • Larry G. Mitchell: Illustrated AMC Buyer's Guide, Motorbooks International (1994); ISBN 0-87938-891-9.
  • John A. Gunnell (Hrsg.): Standard Catalogue of American Cars 1946-1975. 4. überarbeitete Auflage. Krause Publications, Iola WI, 2002; ISBN 0-87349-461-X.
  • Richard M. Langworth (Hrsg.): Encyclopedia of American Cars from 1930; Consumer Guide, Publications International, 1993; ISBN 0-7853-0175-5.
  • Tad Burness: American Car Spotter’s Guide, 1966-80; Motorbooks International, ISBN 0-87938-102-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: AMC Pacer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l Gunnell: Standard Catalogue of American Motors, 1902-1987,1993; S. 250
  2. Quentin Willson: Klassische Traumautos. Dorling Kindersley Verlag, München 2008, ISBN 978-3-8310-9072-3, S. 35.
  3. a b Gunnell: Standard Catalogue of American Motors, 1902-1987,1993; S. 251
  4. a b c d e f Gunnell: Standard Catalogue of American Motors, 1902-1987,1993; S. 252
  5. a b Gunnell: Standard Catalogue of American Motors, 1902-1987,1993; S. 256
  6. Gunnell: Standard Catalogue of American Motors, 1902-1987,1993; S. 255
  7. a b Gunnell: Standard Catalogue of American Motors, 1902-1987,1993; S. 257
  8. Gunnell: Standard Catalogue of American Motors, 1902-1987,1993; S. 259
  9. a b Gunnell: Standard Catalogue of American Motors, 1902-1987,1993; S. 260
  10. wardsautoworld.com "22 years ago" (engl.), abgerufen am 29. März 2010
  11. Abb. im Ausstellungskatalog Erwin Wurm, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 2009, S. 282 - 285