ASALM

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Zeichnerische Darstellung der ASALM

Die Martin Marietta ASALM (Advanced Strategic Air-Launched Missile) war ein strategischer luftgestützter Marschflugkörper, der als Nachfolger der AGM-69 SRAM der USAF geplant war. Primär sollte die ASALM als Luft-Boden-Rakete die gegnerische Flugabwehr sowie strategische Ziele anzugreifen. Die Sekundäraufgabe war als Luft-Luft-Rakete gegnerische AWACS-Flugzeuge anzugreifen. Die Entwicklung begann 1976, das Testprogramm lief von 1979 bis 1980, bevor das Projekt abgebrochen wurde.[1][2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1970er erkannte die United States Air Force in neuen technischen Entwicklungen das Potenzial für neue strategische „Luft-Boden“-Lenkwaffen.[3] Die geplante ASALM sollte die AGM-69 SRAM ersetzten und in Reichweite sowie Geschwindigkeit übertreffen.[1] Im Jahre 1976 startete die Ausschreibung und Mitte 1978 standen mit Martin Marietta/Marquardt Corporation sowie McDonnell Douglas/Chemical Systems Division (Tochterunternehmen von United Technologies Corporation) zwei Teams für Flugzeugrumpf/Antrieb bereit. Rockwell International und Raytheon haben sich um die Navigationssysteme beworben.[3]

ASALM Antriebstestvehikel an einer A-7

1977 wurde das Projekt um zwei Jahre vorgezogen und 1985 als Einsatztermin festgelegt.[2] Die Ausschreibung gewann Martin Marietta/Marquardt. Von Oktober 1979 bis Mai 1980 erfolgten sieben Teststarts, welche die Antriebstechnologie validieren sollten. Bei einem dieser Test erreichte das Testvehikel unbeabsichtigt sogar die Geschwindigkeit von 5,5 Mach.[1] Im November 1981 sollte die Hauptphase der Entwicklung starten, doch ab Mitte 1981 nahmen die Informationen um das Projekt ab.[2] Das Projekt pausierte zunächst und wurde später abgebrochen. Es werden verschiedene Vermutungen diesbezüglich angestellt. Möglicherweise fiel das Projekt allgemeinen Budgetkürzungen zum Opfer weil gleichzeitig die Entwicklung der AGM-86 Cruise Missile vorangetrieben wurde.[1] Eine andere Möglichkeit ist ein Wechsel der geplanten Ausrichtung der strategischen Waffen. Anfang der 1980er investierte das US-Verteidigungsministerium in Tarnkappentechnik sowie Hyperschallgeschwindigkeit für Marschflugkörper. Demnach hätte ein Strategiewechsel von Angriffen in Tief-/Konturenflug bei Schallgeschwindigkeit zu Angriffen aus großer Flughöhen bei Hyperschallgeschwindigkeit mit Tarnkappentechnik stattgefunden.[2]

Martin Mariette versuchte 1983 auf Grundlage der ASALM eine Zieldarstellungsdrohne AQM-127 SLAT zu entwickeln; dieses Projekt wurde aber schon in der Anfangsphase abgebrochen.[1]

Nach dem Abbruch der ASALM forcierte die Air Force die Entwicklung der AGM-131 SRAM II.[4]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antriebskonzept ASLAM
  • Abgasflamme
  • Festtreibstoff
  • Flüssigtreibstoff
  • Gefechtskopf
  • Die ASALM-Rakete hatte mit einer Länge von 4,3 Metern annähernd identische Abmessungen zur SRAM und sollte mit deren Startvorrichtungen von einer Rockwell B-1 oder General Dynamics F-111 gestartet werden.[1]

    Wegen der hohen Fluggeschwindigkeit wurde ASALM als Lifting Body ohne Tragflächen entwickelt; Steuerung und Stabilisierung erfolgte über ein kreuzförmiges Leitwerk am Heck.[3] ASALM sollte mit einem innovativ kombinierten Staustrahl-/Raketentriebwerk ausgestattet werden. Dabei diente das Gehäuse des ausgebrannten Raketentriebwerks als Brennkammer für das Staustrahltriebwerk. Durch die Integration der beiden Triebwerke konnte ein Volumen von 30–40 % eingespart werden.[2]

    Zum ersten Mal wurde das Konzept eines ähnlichen kombinierten Triebwerkes (mit Feststoffbooster, der sich in der Brennkammer des Staustrahltriebwerkes befindet) in der Sowjetunion in den 1960ern für die Rakete Gnom projektiert und getestet,[5] später für den Seezielflugkörper SS-N-22 Sunburn parallel zur ASALM entwickelt und gebaut.[6]

    Nach dem Abwurf folgte eine kurze antriebslose Phase. In sicherem Abstand zum Flugzeug zündete das Feststoff-Raketentriebwerk, das den Flugkörper auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigte. Nach dem Ausbrennen des Festtreibstoffs wurde die Düse des Raketentriebwerks abgetrennt; eine für das Staustrahltriebwerk optimierte Düse wurde dadurch freigelegt. Gleichzeitig wurde der Lufteinlass, der während der Beschleunigung mit dem Raketentriebwerk aerodynamisch günstig verschlossen war, für das luftatmende Staustrahltriebwerk freigelegt. Das Staustrahltriebwerk zündete; es wurde mit dem flüssigen und energiereichen Treibstoff Shelldyne-H betrieben.[2] Es beschleunigte die Rakete auf Mach 4,5 Marschgeschwindigkeit. Das Trägheitsnavigationssystem führte die ASALM an das Ziel heran. Die Reichweite bei optimalen Bedingungen betrug etwa 480 km.[1]

    Der Endanflug zum Bodenziel sollte über ein verbessertes Navigationssystem, welches auf Gelände-Kontur-Abgleich basiert, erfolgen. Dabei vergleicht der Bordcomputer das beim Zielanflug aufgenommene Höhenprofil des Bordradarbildes mit dem gespeicherten Höhenprofil des Zielgebiets.[2] Für Luftziele war ein andere Zielsuchlenkung geplant.[1]

    Als Sprengkopf war der für die SRAM entwickelte thermonukleare Sprengkopf W-69 mit einer Sprengkraft von 200 Kilotonnen vorgesehen.[1]

    Sowjetische Reaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Das sowjetische Verteidigungsministerium wurde über das Programm ASALM informiert, ihre Reichweite mit 600–800 km allerdings überschätzt, sowie eine zusätzliche Mach-2-Tiefflugfähigkeit vermutet.[7] Nicht nur die S-300P, sondern eine modernisierte Version der S-200, S-200D Dubna mit der Lenkwaffe W-880M, hätte die ASALM als Standardziel bekämpfen können.[8]

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. a b c d e f g h i Andreas Parsch: Martin Marietta ASALM, 2003
    2. a b c d e f g Robert C. Aldridge: First Strike!: The Pentagon’s Strategy for Nuclear War, Verlag South End Press, 1983, ISBN 978-0-89608-154-3, S. 150–151 [1]
    3. a b c d Bill Gunston: The Illustrated Encyclopedia of Rockets and Missiles, Salamander Books Ltd, 1979, S. 143
    4. William M. Arkin, Thomas B. Cochran, Milton H. Hoenig: Resource Paper on the U.S. Nuclear Arsenal in: Bulletin of the Atomic Scientists, August/September 1984, [2]
    5. SM-SP21 Gnome intercontinental missile in: GlobalSecurity.org
    6. АО «Корпорация Тактическое ракетное вооружение»
    7. Зенитная ракетная система ближнего действия «Игарка»
    8. Betreffungszone von S-200D für ASALM, F-16, B-1, B-52.