ATS-59

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ATS-59
ATS-59 in Technical museum Togliatti.jpg
Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 2 + 18
Länge 6.280 mm
Breite 2.780 mm
Höhe 2.300 mm
Masse 13 Tonnen
Beweglichkeit
Antrieb Zwölfzylinder-Dieselmotor A-650
300 PS (221 kW)
Höchstgeschwindigkeit 45 km/h
Leistung/Gewicht
Reichweite 350 km (Straße)

ATS-59 ist der Name eines in der Sowjetunion entwickelten geländegängigen, ungepanzerten, nicht schwimmfähigen Gleiskettenfahrzeuges. Das Fahrzeug löste ab 1959 die AT-S als Kettenzugmittel für mittelschwere Anhängelasten ab. ATS steht für russisch артиллерийский тягач, средний (transkr.: Artilleritscheski Tjagatsch, Srednij - dt.: Artilleriezugmittel, mittel) und 59 (образца 59 года, Obrasza 59 Goda, dt.: Ausf. 1959) für das Modelljahr. Aus der ATS-59 wurde die ATS-59G (артиллерийский тягач средний, образца 59 года, гусеничный - Artilleritscheski Tjagatsch Srednij, Obrasza 59 Goda, Gussenitschny - dt.:Artilleriezugmittel, mittel, Modell 59, Kettenfahrzeug) entwickelt.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die in den 1940er Jahren entwickelte AT-S hatte sich als Kettenzugmittel für schwere Geschütze, aber auch für Funkmessstationen bewährt. Sie zeigte gute Fahreigenschaften auch im Gelände und erreichte eine für ein Kettenfahrzeug zum damaligen Zeitpunkt hohe Geschwindigkeit. Ende der 1950er Jahre wurde das Fahrzeug überarbeitet. Während dem Motor mehr Leistung zugestanden wurde, änderten die Konstrukteure das Fahrwerk und die Aufbauten. Das Fahrzeug wurde in der Kurgansker Maschinenfabrik (Курганский машиностроительный завод, Kurganski Maschinostroitelny Sawod) entwickelt, wo 1959 auch die Serienproduktion aufgenommen wurde. Mit Aufnahme der Serienproduktion des BMP-1 wurde 1966 die Serienproduktion nach Gliwice in der Volksrepublik Polen verlagert.

Konstruktion[Bearbeiten]

Auch bei der ATS-59 griff man auf bewährte Baugruppen aus dem sowjetischen Fahrzeugbau zurück. Motor, Kraftübertragung und wesentliche Teile des Laufwerkes wurden vom Panzer T-54 übernommen. Als Motor kam der bekannte Zwölfzylinderdieselmotor in einer gedrosselten Version zum Einsatz. Der nun als А-650 bezeichnete Motor leistete 300 PS (221 kW) bei 2600/min. Wesentlichste Änderung war das neukonstruierte Laufwerk, das auf die aufwendigan Schwingarmen aufgehängten Rollenwagen verzichtete. Wie auch die AT-L und die AT-P bekam das Fahrzeug ein Laufrollenlaufwerk mit fünf großen, drehstabgefederten Laufrollen. Das Antriebsrad befand sich nun vorn, das Leitrad, welches auch zum Spannen der Kette benutzt wurde, hinten. Der Motor befand sich hinter der Kabine, unterhalb der Ladefläche und ragte teilweise in diese hinein. Dies erschwerte den Zugang zum Motor bei Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten und schränkte das Ladevolumen ein, führte aber zu einer besseren Gewichtsverteilung. Wechsel- und Lenkgetriebe saßen vor dem Motor. Direkt vom Motor angetrieben wurde eine Seilwinde mit einer Zuglast von 15 t.

Mit den 525 mm breiten Gleisketten lag der maximale Bodendruck bei 0,52 kg/cm2. Die Steigfähigkeit erreichte im beladenen Zustand ohne Anhänger 35 %, die Bodenfreiheit 425 mm. Das Fahrzeug konnte ohne Vorbereitung bis zu 1,5 m tiefe Gewässer durchfahren und bis zu 1,1 m hohe Hindernisse überwinden. Die Nutzlast betrug 4 t, die Anhängelast 14 t.

ATS-59G[Bearbeiten]

ATS-59G

Hauptnachteil des ATS-59 war die zu kleine Kabine, die normalerweise den Personentransport auf der Ladefläche unumgänglich machte. Die Weiterentwicklung ATS-59G erhielt ein größeres Fahrerhaus mit insgesamt sieben in zwei Reihen angeordneten Sitzplätzen. Zum Schutz vor radioaktiv, chemisch oder biologisch (bakteriologisch) verseuchter Außenluft war der Koffer mit einer Überdruck-Filterventilationsanlage ausgestattet. Als Motor wurde der verbesserte A-650-G verbaut. Ansonsten blieb das Fahrzeug unverändert.

Einsatz[Bearbeiten]

Wie schon die AT-S wurde die ATS-59 hauptsächlich als Artilleriezugmittel genutzt. In der Sowjetarmee zog sie die 130-mm-Kanone M-46 sowie die Haubitzen des Kalibers 152 mm. Daneben wurde sie auch als Zugfahrzeug für die Startrampe des Fla-Raketensystems S-75 oder der Radarstation P-37 eingesetzt. Das Fahrzeug wurde auch an andere Armeen geliefert, die die entsprechenden sowjetischen Waffensysteme nutzten. Die Nationale Volksarmee der DDR beschaffte ebenfalls die ATS-59 und nutzte sie bis Ende der 1970er Jahre als Artilleriezugmittel. Nicht benötigte Fahrzeuge wurden an die Landwirtschaft abgegeben, wo sie auf schwierigen Böden wegen der hohen Zuglast und des geringen Bodendrucks besser als herkömmliche Ackerschlepper eingesetzt werden konnten.[1][2][3]

Als Typ 83/WM-40 wird ein in der Volksrepublik China entwickelter Raketenwerfer auf dem Fahrgestell der ATS-59G bezeichnet. Das Fahrzeug trägt eine Startvorrichtung für 40 ungelenkte 273-mm-Raketen.[4] Eine ähnliche Konstruktion aus Ägypten wird als RL-21 bezeichnet, hier wird die Startvorrichtung des BM-21 auf dem Fahrgestell der ATS-59G genutzt.[5]

Die Firma Minotor-Service aus Minsk bietet den Umbau der ATS-59G zu einem mobilen Werkstattfahrzeug an.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. siehe Foto
  2. siehe Foto
  3. siehe Foto
  4. siehe Foto
  5. siehe Foto
  6. STK-59GMS Mobile Workshop. Abgerufen am 14. Dezember 2013 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: ATS-59 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]