AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie

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AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie
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Gründung 2008
Gründungs­ort Berlin
Fusion 2015 mit PBC zum Bündnis C
Aus­richtung Christliche Politik
Mitglieder­zahl 400[1]
Europapartei ECPM
Website www.auf-partei.de

Die AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie – Christen für Deutschland (Kurzbezeichnung: AUF) war eine 2008 gegründete deutsche Kleinpartei, die sich politisch als christlich verstand. Sie ging im März 2015 in Bündnis C – Christen für Deutschland auf.

Inhaltliches Profil[Bearbeiten]

Inhaltlich weist die sich als christlich bezeichnende Partei programmatisch wie auch personell vor allem ein sozial- und wirtschaftspolitisches Profil auf: Insbesondere sollen Grundwerte der sozialen Marktwirtschaft wie Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft, Dezentralität und unternehmerische Kreativität gestärkt werden. Die Partei wirbt zudem für mehr „Flexibilität“ am „normalen Arbeitsmarkt“ wie etwa beim Kündigungsschutz oder den Tarifbedingungen. Sie fordert eine attraktivere Gestaltung für Existenzgründungen und ein Grundeinkommen durch ein Kombilohn-Modell.[2]

Weiter tritt sie für ein Erziehungsgehalt mit Rentenanspruch ein, um nichterwerbstätige Elternteile mit Erwerbstätigen finanziell gleichzustellen.[3] Durch Senkung von Lohnnebenkosten sollen für Arbeitgeber Anreize geboten werden, Arbeitsplätze zu schaffen. Existenzgründungen sollen gefördert und vereinfacht werden.

Die AUF betont in ihrer politischen Orientierung die Maßstäbe "jüdisch-christlicher Ethik", da deren Fehlen sowohl zum Verlust sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Eigenverantwortung beitrage als auch eine "Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen und des ökologischen Gleichgewichts ... durch rücksichtslose Ausbeutung natürlicher Ressourcen"[4] mit sich bringe. AUF plädiert dafür, Deutschland bis zum Jahr 2030 unabhängig vom Import fossiler Brennstoffe zu machen. Den Ausbau der Kernenergie lehnt sie ab.[5] Der Bundesarbeitskreis "Lebensrecht" der AUF-Partei ist Mitglied im Bundesverband Lebensrecht, der unter anderem gegen den Schwangerschaftsabbruch eintritt.[6]

Nach Einschätzung von Eike Sanders, Ulli Jentsch und Felix Hansen ist die AUF-Partei „christlich-fundamentalistisch“. Sie stehe für eine „rigide Anti-Abtreibungspolitik“ und vertrete „homo- und transfeindliche Positionen gegen Gleichstellungspolitik und Sexualaufklärung“. Bei Wahlkämpfen werde sie regelmäßig von „bekannteren Lebensschützern“ wie Gabriele Kuby und Martin Lohmann unterstützt.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

2006 gab es in Deutschland drei christliche Kleinparteien – Partei Bibeltreuer Christen (PBC), Deutsche Zentrumspartei (ZENTRUM), Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) – ein Bestreben zur Zusammenarbeit, dem der Lenkungskreis „Aufbruch 2009“ offiziell Ausdruck verlieh. Hier wurde das Konzept verfolgt, mit den genannten Parteien und weiteren Einzelpersonen und Gruppierungen eine neue christlich-soziale Partei zu gründen. Ein Zusammenschluss wurde aber von Zentrum und ÖDP nicht befürwortet und auf dem Parteitag der PBC vom Dezember 2007 abgelehnt.

Am 26. Januar 2008 erfolgte die Gründung der „Partei für Arbeit, Umwelt und Familie – Christen für Deutschland“ (AUF) in Berlin. Zum Bundesvorsitzenden wurde der vorherige Bundesvorsitzende der PBC Walter Weiblen gewählt, je ein stellvertretender Bundesvorsitzender war zuvor in der Zentrumspartei und der ödp aktiv. Die Deutsche Zentrumspartei (ZENTRUM) und die Partei Bibeltreuer Christen (PBC) nahmen zur Gründung der konkurrierenden Partei zunächst mit Bedauern Stellung.[8] Die Mehrheit der Funktionsträger der AUF setzte sich ihrer Geschichte gemäß zunächst aus ehemaligen Mitgliedern der PBC, der Zentrumspartei und der ÖDP zusammen; es finden sich auf Landesverbandsebene aber auch einige ehemalige Mitglieder der CDU wieder, so mit Andreas Weidling der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-Württemberg.[9]

Walter Weiblen trat im November 2008 zurück. Am 17. Januar 2009 wurde Peter Schneider, der zuvor führende Positionen bei der ÖDP innehatte, als sein Nachfolger gewählt.[10] Der ordentliche Bundesparteitag am 4./5. Januar 2010 in Fulda wählte als neuen Bundesvorsitzenden den bisherigen Bundesschatzmeister Dieter Burr. Zu seinen Stellvertretern wurden der Nürnberger Unternehmer Mathias Scheuschner sowie der Chemiker Markus Widenmeyer aus Schönaich gewählt.[11]

Seit 2010 wird verstärkt auf eine Zusammenarbeit von AUF und PBC hingearbeitet („Bündnis C“), da sich beide Parteien kaum im Inhalt unterscheiden und Kräfte bündeln wollen.[12] Die fusionierte Partei sollte den Namen Bündnis C tragen.[13][14] Im November 2013 wurde die geplante Fusion bis auf Weiteres verschoben. In diesem Zusammenhang kam es 2013 in Nordrhein-Westfalen zu einer Abspaltung unter dem Namen Aufbruch C.[15] Zwischenzeitlich fanden auch wieder Gespräche mit der Zentrumspartei statt. Der gemeinsame Bundesparteitag von AUF und PBC am 28. März 2015 in Fulda hat nun endlich den Weg zu einem "Bündnis C - Bündnis Christen für Deutschland" frei gemacht. [16]

Teilnahme an bundesweiten Wahlen[Bearbeiten]

Eva Herman, prominenteste Rednerin bei Wahlveranstaltungen

Die Partei wurde zur Europawahl 2009 zugelassen[17] und organisierte Wahlveranstaltungen mit Eva Herman[18] und dem Publizisten Martin Lohmann.[19] Die AUF schloss dafür ein Wahlbündnis mit der Libertas[20] und erzielte bei der Wahl knapp 38.000 Stimmen, was einem Stimmenanteil von 0,1 % entsprach.[21]

Bei der Bundestagswahl 2009 trat die Partei nicht an, da sie sich nach eigenen Angaben noch im Aufbau befand.[22] Auch 2013 kandidierte sie nicht.

Ende November 2013 wurde durch der AUF-Partei nahestehende Medien bekannt, dass Christa Meves Spitzenkandidatin der AUF-Partei für die Europawahl 2014 sein wird.[23] Die AUF-Partei erreichte bei der Europawahl ein Ergebnis von 51.048 Stimmen und 0,2%.[24]

Teilnahme an Landtagswahlen[Bearbeiten]

Am 30. März 2010 wurde die Landesliste der AUF-Partei zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen vom 9. Mai 2010 zugelassen. Es war die erste Teilnahme der AUF-Partei bei einer Landtagswahl. Landesweit gaben insgesamt 5.243 Wählerinnen und Wähler (0,1 %) der AUF-Partei ihre Zweitstimme.[25][26] Im Wahlkreis Lippe III trat Jens Köhler, Stadtrat der AUF-Partei in Detmold, als Direktkandidat an und erhielt dabei 1,5 % der Erststimmen; 1,2 % der Zweitstimmen entfielen in seinem Wahlkreis auf die AUF-Partei.

Für die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 27. März 2011 wurde die AUF-Partei in 15 von 70 Wahlkreisen zugelassen,[27] in denen sie 0,6 bis 1,6 % der Stimmen erreichte. In all diesen 15 Wahlkreisen erzielte AUF damit bessere Ergebnisse als die Kleinparteien, aus denen sie hervorging.[28] Das Gesamtergebnis der AUF-Partei betrug auf Landesebene mit 10.421 Stimmen 0,2 %.[29]

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September 2011 erreichte AUF 0,2 % der Stimmen und positionierte sich damit auf einem niedrigen Niveau vor ihren Herkunftsparteien PBC und ÖDP, die jeweils 0,1 % erzielten.[30] Am besten schnitt die AUF-Partei im Wahlkreis Güstrow I mit einem Ergebnis von 1,1 % ab.

Für die vorgezogene Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 13. Mai 2012 wurde AUF am 14. April 2012 zugelassen;[31] sie war damit flächendeckend mit der Zweitstimme wählbar. Die Landesliste führte der stellvertretende Landesvorsitzende Horst Schulze an. In fünf der 128 Wahlkreise trat AUF – in den Gebieten Bielefeld und Lippe – auch mit Direktkandidaten an.[32] Hier erreichte sie zwischen 0,5 und 1,4 % der Erststimmen bzw. zwischen 0,4 und 1,8 % der Zweitstimmen. Landesweit holte die Partei 10.224 Stimmen und wieder 0,1 %.[33]

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Europawahlen[Bearbeiten]

Europawahlergebnisse[34]
Jahr Stimmenanzahl Stimmenanteil
2009 37.894 0,1 %
2014 51.048 0,2 %

Landtagswahlen[Bearbeiten]

Wahljahr Baden-Württemberg Mecklenburg-Vorpommern Nordrhein-Westfalen
2010     0,1 %
2011 0,2 % 0,2 %  
2012     0,1 %

Vertretung in Kommunalparlamenten[Bearbeiten]

In Mecklenburg-Vorpommern verfügte die AUF-Partei seit 2008 im Landkreis Güstrow über ein Kreistagsmandat, das 2011 in dem neu zugeschnittenen, größer gewordenen Landkreis Rostock gehalten wurde.[35] Außerdem verfügt die Partei seit 2009 in Gemeindevertretungen im eben genannten Landkreis über drei Sitze: 2 Sitze in der Gemeinde Kuchelmiß (19,9 %) und einen Sitz in der Gemeinde Langhagen (8,3 %). Im Saarland wurden bei der Kommunalwahl 2009 ein Sitz im Gemeinderat von Mettlach erreicht[36] sowie in den Mettlacher Ortsteilen Tünsdorf (8,8 %) und Wehingen (43,3 %) ein bzw. vier Sitze im Ortsrat.[37] Im Ortsrat von Wehingen wurde dabei die AUF-Partei die stärkste Partei. In der hessischen Gemeinde Groß-Zimmern im Landkreis Darmstadt-Dieburg errang die AUF bei der Wahl zum Gemeinderat im März 2011 mit 2,2 % der Stimmen einen Sitz.[38]

Bundesvorsitzende[Bearbeiten]

Zeitraum Name
26. Januar 2008 – November 2008 Walter Weiblen
17. Januar 2009 – 4./5. Januar 2010 Peter Schneider
4./5. Januar 2010 - 17. Januar 2015 Dieter Burr
seit 17. Januar 2015 vakant

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Presse-Erklärung zum Treffen der Partei Bibeltreuer Christen (PBC) mit der AUF-Partei für Arbeit, Umwelt und Familie (AUF). auf-partei.de. Abgerufen am 24. Juli 2011.
  2. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:@1 @2 Vorlage:Toter Link/www.bpb.deLazaros Miliopoulos, Institut für Europäische Geschichte Mainz auf den Seiten der Bundeszentrale für Politische Bildung
  3. AUF: Thesen und Gründe für ein Erziehungsgehalt, abgerufen am 1. Juni 2009.
  4. AUF-Grundsatzprogramm (Präambel): (PDF; 206 kB), abgerufen am 10. Mai 2011.
  5. AUF: Umwelt – Auszüge aus dem Grundsatzprogramm, abgerufen am 1. Juni 2009.
  6. Bundesverband Lebensrecht
  7. Eike Sanders, Ulli Jentsch, Felix Hansen: »Deutschland treibt sich ab«. Organisierter »Lebenschutz«. Christlicher Fundamentalismus. Antifeminismus. Münster, 2014, S. 82, 84f, ISBN 978-389-771121-1
  8. Deutsche Zentrumspartei: – Gemeinsame Stellungnahme zur Gründung der AUF-Partei der PBC und der deutschen Zentrumspartei (PDF; 379 kB) vom 24. Januar 2008, gesehen 1. Mai 2009.
  9. idea - das Nachrichtenportal, abgerufen am 28. März 2012
  10. AUF: Vorstellungsrede von Peter Schneider zur Wahl des Bundesvorsitzenden beim Bundesparteitag am 17. Januar 2009 in Berlin, gesehen am 18. April 2009.
  11. auf-partei.de: Gemeinsam Zeichen für das Leben setzen – Christliches Politik-Forum in Berlin am 18. September 2010, Zugriff am 2. Januar 2011.
  12. auf-partei.de: Weitere Bündelung christlicher Parteien, pbc.de: Treffen von PBC und AUF, Zugriff am 20. September 2011.
  13. Christliche Parteien stellen Weichen für Fusion.
  14. http://www.auf-partei.de/home/news-storage/newsdetails/article/christliche-parteien-stellen-weichen-fuer-fusion.html
  15. Neue christliche Kraft in Deutschland: www.aufbruch-c.de
  16. http://auf-partei.de/termine/
  17. Der Bundeswahlleiter, Pressemitteilung 10. April 2009: 30 Parteien und sonstige politische Vereinigungen sind mit gemeinsamen Listen für alle Bundesländer zur Europawahl 2009 zugelassen, gesehen am 18. April 2009
  18. Drei christliche Kleinparteien treten zur Europawahl an, idea vom 16. April 2009.
  19. Kath.net: Christliche AUF-Partei: Europa-Kundgebung mit Prominenten vom 16. April 2009, gesehen 19. April 2009.
  20. Libertas: AUF-Partei und Libertas schließen Bündnis für EU-Wahlen im Juni vom 12. Mai 2009, gesehen am 15. Mai 2009.
  21. Vorläufiges Ergebnis der Europawahl 2009 auf den Seiten des Bundeswahlleiters. (Abgerufen am 9. Juni 2009.)
  22. Idea online
  23. Christa Meves ist Spitzenkandidatin der AUF-Partei, 28. November 2013, abgerufen am 27. Mai 2014
  24. Vorläufiges Ergebnis der Europawahl 2014, Bundeswahlleiter, abgerufen am 27. Mai 2014
  25. Presseinformation der Landeswahlleiterin NRW vom 30. März 2010 (pdf-Datei; 25 kB)
  26. Wahlergebnis NRW
  27. landtagswahl-bw.de: Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg, Zugriff am 12. März 2011.
  28. Wahlkreisergebnisse: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  29. Landtagswahl 2011, Landesergebnis Baden-Württemberg. statistik-bw.de. Abgerufen am 24. Juli 2011.
  30. Wahl zum Landtag von Mecklenburg-Vorpommern am 4. September 2011 – Endgültiges Ergebnis. service.mvnet.de. Abgerufen am 23. Oktober 2011.
  31. Presseinformation der Landeswahlleiterin NRW vom 14. April 2012, abgerufen am 14. April 2012 (PDF; 27 kB)
  32. Homepage der AUF-Partei NRW, abgerufen am 14. April 2012
  33. Homepage der Landeswahlleiterin für NRW: "Die Landeswahlleiterin informiert: Vorläufiges Ergebnis für Nordrhein-Westfalen", abgerufen am 14. Mai 2012
  34. Ergebnisse der Europawahlen
  35. Wahl der Kreistage der Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September 2011 – Vorläufiges Ergebnis (Wahlgebiet: Mittleres Mecklenburg, Landkreis) (PDF) kreis-gue.de. 5. September 2011. Abgerufen am 23. Oktober 2011. Link defekt 26. April 2013.
  36. Gemeinderatswahl 2009, Gemeinde Mettlach (PDF; 214 kB)
  37. Ortsratswahl 2009, Gemeinde Mettlach (PDF; 1,2 MB)
  38. Website der Gemeinde Groß-Zimmern. gross-zimmern.de. Abgerufen am 26. April 2013.