Aa (Orchideen)

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Aa
Aa spec.

Aa spec.

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Cranichideae
Untertribus: Cranichidinae
Gattung: Aa
Wissenschaftlicher Name
Aa
Rchb. f.

Die Pflanzengattung Aa gehört zur Familie der Orchideen (Orchidaceae). Die etwa 27 Pflanzenarten gedeihen terrestrisch in Hochlagen meist der Anden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aa-Arten wachsen kleinen, ausdauernden krautige Pflanzen. Die dicken und fleischigen Wurzeln sind manchmal behaart. Alle Aa-Arten bilden eine grundständige Rosette aus spiralig angeordneten Blättern. Die Laubblätter sind manchmal von dicker, fleischiger Textur. Die Blattspreiten sind länglich-oval bis lanzettlich mit spitzem oberen Ende. Die Laubblätter treiben meist erst nach der Blütezeit aus.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der traubige Blütenstand erscheint seitlich der beblätterten Sprossachse. Der Blüten tragende Spross ist mit lose den Stängel umfassenden, scheidigen, durchscheinenden Hochblättern besetzt, nicht aber mit Laubblättern. Unten ist er unbehaart, im oberen Bereich jedoch häufig drüsig behaart. Die kleinen Blüten sitzen dicht beieinander am Ende der Blütenstandsachse. Sie sind von papierartigen Hochblättern umgeben, die die Blüte an Größe meist übertreffen und zur Blütezeit zurückgeschlagen sind.

Die Blüten sind nicht resupiniert. Der Fruchtknoten ist nicht gestielt, unbehaart oder drüsig behaart. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Die Blütenhüllblätter sind – im Gegensatz zu Altensteinia – kaum behaart. Die Sepalen gleichen einander, sie sind frei oder manchmal an der Basis für ein kurzes Stück miteinander verwachsen. Die Petalen sind schmaler geformt. Die Lippe ist halbkugelig und sitzt wie eine Haube über der Blüte, am Grund ist sie mit zwei Schwielen versehen, der Rand ist gefranst und nach innen geschlagen. Das Gynostemium ist ebenfalls unbehaart und sehr kurz. Das Klinandrium (ein Gewebe an der Spitze des Gynostemium, über der Anthere) ist stark reduziert. Das Rostellum (ein Trenngewebe zwischen Anthere und Stigma) ist kurz und liegt quer zur Säulenachse. Das Stigma selbst ist groß, breit und nierenförmig. Der Pollen ist in vier weiche Pollinien organisiert, sie sind linealisch geformt.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blüten verströmen einen unangenehmen Geruch, der mit der Anlockung von Fliegen als Bestäuber zusammenhängen könnte.[1] Die meisten Aa-Arten scheinen sich überwiegend durch Selbstbestäubung fortzupflanzen.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Aa-Arten finden sich in den Hochlagen der Anden in Südamerika sowie in Costa Rica oberhalb der Baumgrenze in Höhen von 3000 bis 4400 Metern. Sie kommen dort in den Páramo genannten Grasflächen, in Mooren, in Bambusdickichten, lichten Gebüschen und Weinmannia-Wäldern vor.

Systematik, Botanische Geschichte und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste wissenschaftliche Beschreibungen dieser Orchideen lieferte Karl Sigismund Kunth, der eine Art 1815 zuerst Ophrys paleacea, später dann Altensteinia paleacea nannte. Heinrich Gustav Reichenbach unterteilte die Gattung Altensteinia im Jahre 1854 und beschrieb die Gattung Aa mit zwei Arten, Aa paleacea und Aa argyrolepis. In der Erstbeschreibung Xenia Orchidacea. 1. Band, Brockhaus, Leipzig 1858, Seite 18 gibt Reichenbach keine Erklärung für den ungewöhnlichen Namen Aa.[2] Es gibt die Vermutung, er habe den Namen gewählt, um in alphabetisch sortierten Listen immer an erster Stelle aufzutauchen.[3] Es könnte aber auch eine Ehrung Pieter van der Aas sein, der Drucker von Paul Hermanns Paradisus Batavus.[4] Eine dritte Möglichkeit ist, dass sich der Name als Verkürzung von der nahe verwandten Gattung Altensteinia ableitet.[5] Einige Jahre später machte Reichenbach seine Einteilung wieder rückgängig und stellte alle Arten wieder zu Altensteinia, Rudolf Schlechter stellte 1912 wiederum die Trennung her: inzwischen waren deutlich mehr Arten bekannt, die eine erneute Trennung sinnvoll erscheinen ließen.

Die meisten Aa-Arten scheinen sich überwiegend durch Selbstbestäubung fortzupflanzen. Innerhalb einzelner Populationen sehen die Pflanzenexemplare deshalb recht gleichförmig aus, zu benachbarten Populationen derselben Art können allerdings deutliche Abweichungen auftreten. Da die Beschreibungen der Aa-Arten nur auf sehr begrenzten Sammlungen beruhen, die nicht die ganze Variationsbreite umfassen, ist der taxonomische Status und die Abgrenzung der Arten unsicher.[6]

Die meisten Aa-Arten finden sich in den Hochlagen der Anden in Südamerika sowie in Costa Rica.

Es gibt etwa 27 Aa-Arten:[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. W. E. Higgins: Selby Vignette, The Aa's of Orchids. (Nicht mehr online verfügbar.) 2006, archiviert vom Original am 29. November 2010; abgerufen am 24. August 2009. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.selby.org
  2. H. G. Reichenbach: Xenia Orchidacea. 1. Band, Brockhaus, Leipzig 1858, S. 18. eingescannt bei botanicus.org.
  3. R. E. Schultes, A. S. Pease: Generic Names of Orchids. Their Origin and Meaning. New York, Academic Press 1963. zit. n. Barringer, 1984.
  4. European Orchid Congress - Paradisus Batavius (Memento vom 13. März 2007 im Internet Archive)
  5. Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Erweiterte Edition. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin Berlin 2018. [1]@1@2Vorlage:Toter Link/www.bgbm.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. C. H. Dodson, C. A. Luer: Orchidaceae part 2 (Aa–Cyrtidiorchis). In: G. Harling, L. Andersson (Hrsg.): Flora of Ecuador. Band 76. Botanical Institute Göteborg University, Göteborg 2005, ISBN 91-88896-51-X, S. 6.
  7. a b c d e f g h Rafaël Govaerts (Hrsg.): Aa. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 4. Juli 2018.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • K. Barringer: Aa (Orchidaceae) in Costa Rica. In: Phytologia. Band 55, Nr. 6, 1984, ISSN 0031-9430, S. 443–446.
  • Leslie A. Garay: Orchidaceae (Cypripedioideae, Orchidoideae and Neottioideae). In: Gunnar Harling, Benkt Sparre (Hrsg.): Flora of Ecuador. Jg. 225, Bd. 9, Nr. 1, 1978, ISSN 0347-8742, S. 298.
  • Alec M. Pridgeon, Phillip Cribb, Mark W. Chase, Finn Rasmussen (Hrsg.): Genera Orchidacearum. Orchidoideae. Teil 2. Vanilloideae. Band 3/2. Oxford University Press, New York/Oxford 2003, ISBN 0-19-850711-9, S. 24–26.
  • Rudolf Schlechter: Repertorium specierum novarum regni vegetabilis. Band 32. Berlin 1912, S. 147 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aa – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien