Aadorf

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Aadorf
Wappen von Aadorf
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Münchwilen
BFS-Nr.: 4551i1f3f4
Postleitzahl: 8355 Aadorf
8356 Ettenhausen
8357 Guntershausen
8522 Aawangen
8522 Häuslenen
9547 Wittenwil
Koordinaten: 709940 / 261380Koordinaten: 47° 29′ 38″ N, 8° 53′ 52″ O; CH1903: 709940 / 261380
Höhe: 521 m ü. M.
Fläche: 20,0 km²
Einwohner: 8838 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 442 Einw. pro km²
Website: www.aadorf.ch
Karte
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Über dieses Bild
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Bahnhof Aadorf
Katholische Kirche
Evangelische Kirche
Restaurant El Capone, altes Fachwerkgebäude
Brücke über die Lützelmurg

Aadorf (im einheimischen Dialekt jünger [ˈaːdo(ːr)fˑ], älter Oodereff [ˈɔːdərəfˑ])[2] ist eine politische Gemeinde im Bezirk Münchwilen des Kantons Thurgau in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die politische Gemeinde Aadorf setzt sich aus den Ortsgemeinden Aadorf, Aawangen, Ettenhausen, Guntershausen, Häuslenen und Wittenwil zusammen. Sie ist mit über 8800 Einwohnern die siebtgrösste Gemeinde im Thurgau und liegt an der Grenze zum Kanton Zürich. Durch Aadorf fliesst die Lützelmurg, ein westlicher Nebenfluss der Murg.

Aadorf grenzt im Norden an die Kantonshauptstadt Frauenfeld, im Westen an Hagenbuch, Elgg und Turbenthal (alle vier im Kanton Zürich), im Nordosten an Matzingen, im Osten an Wängi und im Süden an Bichelsee-Balterswil.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Strahlungsnächten im Winter wird beim Kloster Tänikon, wo die MeteoSchweiz eine Wetterstation betreibt, oft die tiefste Temperatur im Flachland des Schweizer Mittellands gemessen.[3] Der absolute Tiefstwert war −29,9 °C am 12. Januar 1987.[4]

Klimatabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aadorf, 1981–2010
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
76
 
3
-4
 
 
73
 
4
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88
 
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18
7
 
 
124
 
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117
 
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12
 
 
120
 
23
12
 
 
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19
9
 
 
91
 
14
5
 
 
84
 
7
0
 
 
96
 
4
-2
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: [5]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Aadorf, 1981–2010
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2,6 4,3 9,2 13,5 18,4 21,4 23,9 23,2 18,8 13,6 6,9 3,6 Ø 13,3
Min. Temperatur (°C) −3,7 −3,7 −0,3 2,3 6,8 10,4 12,3 12,0 8,6 5,2 0,4 −2,1 Ø 4,1
Temperatur (°C) −0,3 0,4 4,5 7,9 12,7 15,9 18,0 17,4 13,5 9,2 3,7 0,9 Ø 8,7
Niederschlag (mm) 76 73 88 90 124 124 117 120 102 91 84 96 Σ 1.185
Sonnenstunden (h/d) 1,6 2,7 3,9 5,1 5,7 6,4 7,0 6,4 4,8 3,1 1,7 1,1 Ø 4,1
Regentage (d) 10,3 10,0 11,8 11,3 12,7 12,1 11,9 11,7 9,8 9,6 10,4 11,7 Σ 133,3
Luftfeuchtigkeit (%) 84 81 75 73 73 73 73 76 80 84 85 85 Ø 78,5
T
e
m
p
e
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a
t
u
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2,6
−3,7
4,3
−3,7
9,2
−0,3
13,5
2,3
18,4
6,8
21,4
10,4
23,9
12,3
23,2
12,0
18,8
8,6
13,6
5,2
6,9
0,4
3,6
−2,1
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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d
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73
88
90
124
124
117
120
102
91
84
96
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: [5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Zeugnisse menschlicher Anwesenheit in der Gegend von Aadorf sind auf Bachwiesen gelegene Streufunde, z. B. Dolche, die aus der Bronzezeit stammen. Flachgräber der Hallstattzeit wurden entdeckt, die sich nahe Elgg und im Westen von Bruggwingert befinden. Auch gibt es vereinzelte Funde aus der Ära des Römischen Reichs. Zu Anfang des 5. Jahrhunderts wanderten die Alemannen in die Region ein und gründeten eine Siedlung. Ein frühmittelalterliches Gräberfeld des 7. und 8. Jahrhunderts liegt bei der Sonnhalde. Ab etwa 780 befand sich der Ort im Besitz der Grafen im Linzgau. Erstmals urkundlich erwähnt wird Aadorf 886 als Ahadorf (‚Dorf an der Aha, d. h. an der Lützelmurg‘)[2] anlässlich der Nennung der dortigen um 840 gegründeten Kirche, die Eigenkirche der Linzgauer Grafen und dem heiligen Alexander geweiht war. Um 890 gliederte Graf Udalrich IV. der Kirche eine Kleriker-Gemeinschaft an, deren Aufgabe in der Pflege seines Gedenkens bestand und die der Graf 894 mit ihren Gütern unter die Herrschaft des Abtes von St. Gallen stellte. Dieser setzte hier später eigene Mönche ein. Anfang des 11. Jahrhunderts wurde die Klerikergemeinde schließlich als Propstei des Klosters Sankt Gallen aufgehoben, doch blieb die Kirche zu Aadorf als Pfarrei weiterhin bestehen.[6][7]

In den nächsten Jahrhunderten blieb Aadorf nur ein kleiner Ort. 1259 bekriegten sich hier Eberhard von Bichelsee und Walter von Elgg, die beide Gefolgsleute des Abtes Berchtold von St. Gallen waren. Mehrmals sah sich indessen die Abtei St. Gallen gezwungen, Aadorf zu verpfänden und dann jeweils wieder auszulösen. Spätestens 1304 ging so die Kollatur der Kirche zu Aadorf an die Herren von Bernegg über sowie anschließend nach 1318 an Hermann von Hohenlandenberg-Greifensee. Letzterer übereignete den Kirchensatz am 24. Juni 1349 dem Kloster Rüti. Als sich die Landenberger verschuldeten, waren sie 1362 und 1364 genötigt, Aadorf an die Brüder Harzer von Konstanz zu verpfänden bzw. zu veräussern. Abt Kuno von Stoffeln erkaufte am 17. August 1394 für das Kloster St. Gallen wieder die grundherrlichen Rechte über Aadorf. Nach der ersten Phase der Appenzellerkriege veräusserte die Abtei St. Gallen 1413 diese Rechte einschließlich des Niedergerichts an das Kloster Tänikon, in dessen Besitz Aadorf nun bis 1798 blieb. Im Juni 1469 trat eine Offnung für Aadorf in Kraft, in der erstmals die dortigen Rechtsverhältnisse aufgezeichnet waren.[6] [7]

Die Reformation konnte in Aadorf anfangs nicht Fuss fassen, doch kam es zu Weihnachten 1524 zum Diebstahl und der anschliessenden Zerstörung der in der Kirche aufbewahrten Kruzifixe und Bilder. Dieser Gewaltakt blieb ungesühnt, weil die Täter Untertanen der Zürcher Grafschaft Kyburg waren. Nach der Säkularisierung des Klosters Rütli im Juni 1525 gelangte Zürich in den Besitz der Kollatur der Kirche von Aadorf. 1528–29 erfolgte im gesamten Ort die Einführung der Reformation; erster evangelischer Prädikant war Gebhard Gründer. Die Äbtissin von Tänikon konnte im Zuge der Gegenreformation ab 1608 wieder eine kleine katholische Gemeinde in Aadorf etablieren. Dies gelang ihr durch die ausschliessliche Zuteilung der dortigen zehn ihrem Kloster gehörigen Lehenhöfe an Katholiken. Zürich stimmte im August 1627 zu, dass die Katholiken Aadorfs wieder Messen abhalten durften.[6] [7]

Von den Auswirkungen des Toggenburgerkriegs war Aadorf 1712 insbesondere durch die längere Einquartierung von Zürcher Soldaten betroffen. In der Anfangsphase der Napoleonischen Kriege lieferten sich Österreicher und Franzosen am 14. Mai 1799 nahe Aadorf Vorpostengefechte. Auch litt der Ort damals unter Plünderungen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Aadorf eine erste Industrialisierung, und eine Baumwollspinnerei, eine Rotfärberei und eine Papiermühle entstanden. 1827 zerstörte ein verheerender Brand die Mühle und 14 weitere Häuser längs der Hauptstrasse. 1842 ordnete die Zürcher Regierung an, dass das von einigen Familien bewohnte sog. Aadorfer Feld ab nun zur Gemeinde Elgg gehören sollte. Diese Massnahme hatte später zur Folge, dass es infolge der Industrialisierung der Lützelmurg 1861–69 zum Konflikt um dieses Gebiet kam, der zugunsten Elggs entschieden wurde. Der 1855 erfolgte Anschluss von Aadorf an das Eisenbahnnetz, infolgedessen der Ort Station an der Bahnlinie Winterthur-Wil wurde, begünstigte die weitere Entwicklung von Aadorf. Seit 1849 gab es in der Gemeinde ein eidgenössisches Postbüro, von 1864 bis 1897 eine Telegrafenstation, ab 1894 ein telefonisches Ortsnetz sowie ab 1905 elektrische Beleuchtung. Der Konkurs der Leih- und Sparkasse Aadorf 1910 schädigte die Bürgergemeinde stark. Der Textilindustrie folgten Betriebe der Metall- und Maschinenbranche, so 1882 die Rollladenfabrik Griesser, später auch Elektrotechnik und Elektronik.[6] [7]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2008 bot Aadorf 2998 Beschäftigten eine Arbeitsstelle. Davon entfielen 150 (5 %) auf den ersten-, 1444 (48 %) auf den zweiten- und 1404 (47 %) auf den dritten Sektor.[8] Eines der bedeutendsten Unternehmen ist die Griesser AG, mit rund 300 Mitarbeitern in Aadorf.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aadorf verfügt über einen Bahnhof an der SBB-Linie von Winterthur nach St. Gallen, welcher durch die S35 der regionalen SBB-Tochter Thurbo im Halb-Stundentakt bedient wird. Vom Bahnhof Aadorf führt eine Postautolinie nach Frauenfeld und nach Ettenhausen. Aadorf hat keinen eigenen Anschluss an die Autobahnen A1 und A7. Diese sind in Matzingen (A1) und in Attikon (A7).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert ist die katholische Kirche St. Alexander. Sie wurde in den Jahren 1863–1865 nach Plänen von Joachim Brenner und Johann Christoph Kunkler unter Verwendung des Turmschafts von 1478 neu gebaut. Im Innern sind Glasgemälde von Ferdinand Gehr zu sehen.

Auf dem Gemeindegebiet von Aadorf liegt auch das ehemalige Kloster Tänikon, heute eidgenössische landwirtschaftliche Forschungsanstalt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A. Knoepfli: Geschichte von Aadorf. 1987.
  • Jens Lieven: Presenti diffidens instabilitati – Zur Frühgeschichte des Monasteriums Aadorf aus adelsgeschichtlicher Sicht, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 122. Jg. 2004, S. 3–21 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aadorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wohnbevölkerung der Gemeinden (ausgewählte Jahre) und Vorjahresveränderung 2015-2016, Kantonale Bevölkerungserhebung und Bundesamt für Statistik, Eidg. Volkszählung
  2. a b Philipp Obrist, Andres Kristol: Aadorf TG (Frauenfeld). In: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 73. Angegebene Lautschrift: [ˈaːdoːrfː, ˈaːdofː], älter [ˈɔːdərəfː].
  3. Z.B. Blick.ch: 1. März 2005, Nzz.ch: 28. November 2008, 20min.ch: 12. Januar 2009
  4. Über Aadorf. Grafik der Tiefstrekordwerte. In: www.meteoschweiz.admin.ch. MeteoSchweiz, 15. Januar 2012, abgerufen am 17. Juli 2013 (PDF).
  5. Klimatabelle. In: meteoschweiz.admin.ch. meteoschweiz, abgerufen am 27. Mai 2018.
  6. a b c d André Salathé: Aadorf. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  7. a b c d Aadorf, in: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Bd. 1 (1921), S. 2 f.
  8. Statistik Kanton TG: Beschäftigte nach Gemeinden@1@2Vorlage:Toter Link/www.statistik.tg.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 194 kB)