Aalartige

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Aalartige
Europäischer Aal (Anguilla anguilla)

Europäischer Aal (Anguilla anguilla)

Systematik
Reihe: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Kohorte: Elopomorpha
Ordnung: Aalartige
Wissenschaftlicher Name
Anguilliformes
Goodrich, 1909

Die Aalartigen (Anguilliformes) sind eine etwa 940 Arten umfassende Ordnung schlangenförmiger, fast ausschließlich im Meer lebender Knochenfische. Es sind meist nachtaktive Raubfische.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Aalartigen leben weltweit in tropischen und subtropischen Meeren, sowohl in flachen Küstengewässern, Korallenriffen als auch in der Tiefsee. Nur die Flussaale (Anguillidae) leben in Süßgewässern und ziehen nur zur Fortpflanzung ins Meer. Zwei ihrer Arten, der Europäische Aal (Anguilla anguilla) und der Amerikanische Aal (Anguilla rostrata) sind auch die einzigen, deren Verbreitungsgebiet weit in die gemäßigte Klimazone reicht.

Anatomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Aalartigen haben einen schlangenartigen, langgestreckten Körper. Ihre Körperlänge reicht von wenigen Zentimetern bei vielen Einkieferaalen bis zu einer Länge von vier Metern bei der Riesen-Deltamuräne (Strophidon sathete)[1]. Er kann im Querschnitt rund oder seitlich abgeplattet sein. Rückenflosse und Afterflosse bilden einen durchgehenden Flossensaum. Bauchflossen sind bei heutigen Arten nicht mehr vorhanden, bei einigen fossilen Formen aber noch zu sehen. Die Wirbelsäule kann bis zu 770 Wirbel haben und endet gerade (protocerk). Aalartige sind meist schuppenlos, bei einigen Arten liegen kleine Rundschuppen unter der Haut, auch die Seitenlinie fehlt oft. Einige Schädelknochen fehlen, z. B. das Posttemporale, das bei vielen Fischen den Schädel mit dem Schultergürtel verbindet. Am Kiefer verschmelzen während der Metamorphose einige Knochen (Praemaxillare, Ethmo, Vomer), die während der Larvenphase noch getrennt sind. Die Kiemenöffnung ist eng, der Kiemendeckel fehlt, die Kiemenkammer wird von der Radii branchiostegi, einem Schädelknochen, gestützt.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zwei unten abgebildeten Kladogramme zeigen alternative Möglichkeiten der Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Aalartigen. Außerdem wird eine aktuelle Systematik vorgestellt:

Kladogramm nach Inoue et al., 2010[2] Kladogramm nach Santini et al., 2013[3] Systematik nach Nelson, Grande & Wilson (2016)
 Anguilliformes  

 Protanguillidae[4]


     

 Grubenaale (Synaphobranchidae)


     


 Heterenchelyidae


     

 Myrocongridae


     

 Muränen (Muraenidae)




     


 Chlopsidae


     


 Meeraale (Congridae)


     

 Langhalsaale (Derichthyidae)


     

 Colocongridae




     

 Entenschnabelaale (Nettastomatidae)


     

 Schlangenaale (Ophichthidae)


     

 Hechtconger (Muraenesocidae)






     

 Wurmaale (Moringuidae)


     

 Pelikanaalartige (Saccopharyngoidei)


     



 Schnepfenaale (Nemichthyidae)


     

 Sägezahn-Schnepfenaale (Serrivomeridae)



     

 Flussaale (Anguillidae)










 Anguilliformes  


 Protanguillidae


     

 Grubenaale (Synaphobranchidae)



     


 Wurmaale (Moringuidae)


     


 Schnepfenaale (Nemichthyidae)


     

 Stummelschwanzaale (Cyematidae)


     

 Sägezahn-Schnepfenaale (Serrivomeridae)




     


 Einkieferaale (Monognathidae)


     

 Pelikanaale (Eurypharyngidae)


     

 Sackmäuler (Saccopharyngidae)




     

 Flussaale (Anguillidae)





     


 Langhalsaale (Derichthyidae) + Meeraale (Congridae) (teilweise) + Colocongridae


     

 Meeraale (teilweise) + Entenschnabelaale (Nettastomatidae)


     

 Meeraale (teilweise)


     

 Hechtconger (Muraenesocidae)


     

 Schlangenaale (Ophichthidae)






     

 Chlopsidae


     

 Heterenchelyidae


     

 Myrocongridae


     

 Muränen (Muraenidae)








Paranguilla tigrina (Paranguillidae) im Museum für Naturkunde Berlin
Veronanguilla ruffoi (Anguilloididae) im Naturkundemuseum von Verona

Fossilbefund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Aalartigen sind fossil aus Schichten der oberen Kreide des Libanon mit den Gattungen Urencelys und Enchelion bekannt. Enchelion kann schon einer heutigen Familie, den Meeraalen (Congridae) zugeordnet werden. Auch aus dem unteren Oligozän gibt es Fossilien. Der Meeraal Pavelichthys aus dem des nördlichen Kaukasus und der Sägezahn-Schnepfenaal (Serrivomeridae) Proserrivomer aus dem Iran.

Eine wichtige Fundstätte ist die norditalienische Monte-Bolca-Formation, die aus Ablagerungen der Tethys im Eozän entstand. Aus ihr wurden die keiner heutigen Familie zugeordneten Gattungen Anguilloides, Bolcanguilla, Dalphiaziella, Eomyrophis, Milanangullia, Parangullia, Patavichthys, Proteomycus, Veronagullia und Whitapodus, die Meeraale Bolycus und Voltaconger, und der Schlangenaal Goslinophis beschrieben.

Von den rezenten Meeraalen der Gattung Conger gibt es Fossilien seit dem Eozän aus Europa, Nordamerika und Neuseeland. Die heutigen Flussaale (Anguilla) lassen sich seit dem Miozän nachweisen. Fossilien fand man unter anderem bei Öhningen am Hochrhein (Baden-Württemberg).[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph S. Nelson, Terry C. Grande, Mark V. H. Wilson: Fishes of the World. John Wiley & Sons, 2016, ISBN 978-1-118-34233-6.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Strophidon sathete auf Fishbase.org (englisch)
  2. Jun G. Inoue et al.: Deep-ocean origin of the freshwater eels. Biol. Lett. 2010 6, Seite 363-366, doi:10.1098/rsbl.2009.0989.
  3. Francesco Santinia, Xianghui Kong, Laurie Sorenson, Giorgio Carnevale, Rita S. Mehta, Michael E. Alfaro: A multi-locus molecular timescale for the origin and diversification of eel-like fishes (Order: Anguilliformes). Molecular Phylogenetics and Evolution, doi:10.1016/j.ympev.2013.06.016
  4. G. David Johnson, Hitoshi Ida, Jiro Sakaue, Tetsuya Sado, Takashi Asahida, Masaki Miya: A ‘living fossil’ eel (Anguilliformes: Protanguillidae, fam. nov.) from an undersea cave in Palau. In: Proceedings of the Royal Society B (2011), doi:10.1098/rspb.2011.1289.
  5. Karl A. Frickhinger: Fossilien Atlas Fische. Mergus-Verlag, Melle, 1999, ISBN 3-88244-018-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]