Aare

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Dieser Artikel beschreibt einen Fluss in der Schweiz; zum gleichnamigen Ort in Schweden siehe Åre.
Aare
Die Aare in Bern mit Berner Münster und Nydeggbrücke

Die Aare in Bern mit Berner Münster und Nydeggbrücke

Daten
Gewässerkennzahl CH: 37, DE: 22
Lage Schweiz
Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Ursprung Unteraargletscher im Grimselgebiet
46° 33′ 57″ N, 8° 14′ 49″ O
Quellhöhe 1'940 m ü. M. (Unteraargletscher)
Mündung Bei Koblenz (CH) in den RheinKoordinaten: 47° 36′ 22″ N, 8° 13′ 26″ O; CH1903: 659039 / 273130
47° 36′ 22″ N, 8° 13′ 26″ O
Mündungshöhe 311 m ü. M. [1]
Höhenunterschied 1629 m
Länge 288,2 km
Einzugsgebiet 17709 km²[2]
Abfluss am Pegel Untersiggenthal[3]
AEo: 17601 km²
Lage: 12,5 km oberhalb der Mündung
NNQ (1963)
MNQ 1935–2013
MQ 1935–2013
Mq 1935–2013
MHQ 1935–2013
HHQ (2007)
138 m³/s
351 m³/s
559 m³/s
31,8 l/(s km²)
735 m³/s
2656 m³/s
Linke Nebenflüsse Lütschine (Brienzersee), Kander (Thunersee), Gürbe, Saane, Zihl (Bielersee), Suze (Bielersee), Dünnern
Rechte Nebenflüsse Gadmerwasser, Zulg, Emme, Murg, Wigger, Suhre, Aabach, Reuss, Limmat, Surb
Durchflossene Seen Brienzersee, Thunersee, Bielersee
Durchflossene Stauseen Oberaarsee, Grimselsee, Räterichsbodensee, Wohlensee, Stausee Niederried, Klingnauer Stausee
Großstädte Bern
Mittelstädte Thun, Biel/Bienne
Kleinstädte Interlaken, Münsingen, Solothurn, Olten, Aarau, Brugg
Schiffbar Nidau – Solothurn

Die Aare (frz. Aar/Arole; lat. Arula/Arola/Araris[4]) ist der längste gänzlich innerhalb der Schweiz verlaufende Fluss. Ihre Gesamtlänge beträgt 288 km, das Gefälle 1565 m, ihr Einzugsgebiet 17.709 km² und der mittlere Abfluss 560 m³/s. Die Aare ist der wasserreichste Nebenfluss des Rheins, noch vor der Maas, und sie führt mehr Wasser als Mosel und Main zusammen.

Die Aare entspringt in den beiden Aargletschern in den östlichen Berner Alpen am Finsteraarhorn, westlich des Grimselpasses im zentralen Süden der Schweiz. Ihr Lauf führt durch die Kantone Bern, Solothurn und Aargau. Zuerst passiert sie die in einen hohen Felsriegel eingeschnittene Aareschlucht und erreicht danach die Ebene zwischen Meiringen und dem glazialen Brienzersee. Kurz vor dem Eintritt in den Thunersee bei Interlaken ist sie kanalisiert und verlässt diesen nordwestlich in das breite Aaretal. Auf dem Gebiet von Bern umfließt sie den mittelalterlichen Stadtkern und erreicht in westlicher Richtung den Wohlensee. Bei Aarberg wird sie über den Hagneckkanal in den Bielersee geleitet und folgt nach dem Austritt nordostwärts dem Verlauf des Juragebirges. Unterhalb von Brugg nimmt sie die Reuss und die Limmat auf, bevor sie bei Koblenz (CH) in den Rhein mündet.

Die Aare war im Laufe der geologischen Entwicklung nacheinander der Oberlauf der Donau, der Rhone und des Rheins.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renaturierte „Alte Aare“

Die Aare entspringt den beiden Aargletschern (Oberaar‑ und Unteraargletscher) im Grimselgebiet einige Kilometer südlich von Guttannen im Haslital und fliesst in nördlicher Richtung durch das lange, teilweise steile Tal bis nach Innertkirchen. Dann passiert sie die in einen hohen Felsriegel eingeschnittene Aareschlucht und erreicht danach die Ebene zwischen Meiringen und dem Brienzersee.

Bei Brienz mündet die Aare in den Brienzersee. An dessen Westseite durchquert sie dann das sogenannte Bödeli, die weite Schwemmebene der Lütschine bei Interlaken, bevor sie an der Ortschaft Unterseen vorbei zum Thunersee fliesst. In den See fliesst seit der Flusskorrektion im 18. Jahrhundert die Kander, die damit die Wassermenge der Aare beim Verlassen des Thunersees vergrössert.

Bei der Stadt Thun verlässt die Aare den Thunersee und fliesst durch das breite Aaretal zwischen Münsingen und dem Belpberg nach Bern. Im Belpmoos treffen die Gürbe und die Giesse zusammen und münden gemeinsam in die Aare. Auf dem Gebiet der Stadt Bern verläuft die Aare in einem tief eingeschnittenen Tal um die im Mittelalter auf einem Geländesporn errichtete Altstadt. Mit einer seit Jahrhunderten bestehenden Staustufe, der Schwelle, wird ein kurzer Gewerbekanal, der Tych, abgeleitet. Wenig flussabwärts umfliesst die Aare in einer weiteren Talschlaufe die Engehalbinsel, bevor sie in westlicher Richtung den Wohlensee erreicht. Dieser See entstand als Stausee mit dem Bau der Staumauer des Wasserkraftwerks Mühleberg.

Nach der Einmündung der Saane bei Oltigen südlich von Aarberg fliesst die Aare durch den während der ersten Juragewässerkorrektion gebauten Hagneck-Kanal und bei Hagneck in den Bielersee. Bei Nidau verlässt sie den Bielersee und fliesst durch den Nidau-Büren-Kanal. Kurz vor Büren erreicht sie wieder ihr altes Flussbett. Die Strecke des ursprünglichen Flusslaufs zwischen Aarberg und Büren an der Aare, die sogenannte Alte Aare, bildet ein weites naturbelassenes Gebiet, das nördlich des Kanals um den weiten, bei der Flusskorrektion abgeschnittenen Altlauf im so genannten Häftli ergänzt wird.

Zusammenfluss von Aare (von vorne rechts) und Hochrhein zwischen Waldshut (oben links) und Bahnhof Koblenz (rechts)

Von Büren an der Aare an fliesst die Aare in einer weiten Ebene, die durch Verlandung des so genannten Solothurner Sees am Ende der letzten Kaltzeit entstand, dem Jura entlang in nordöstlicher Richtung durch Solothurn nach Luterbach, wo die Emme mündet. Sie fliesst an Wangen an der Aare, Bannwil, Aarwangen, Wolfwil, Murgenthal, Aarburg, Olten und Aarau vorbei und in einer klammartigen Klus durch Brugg. Dann nimmt sie kurz nacheinander Reuss und Limmat auf. Diese Gegend wird Wasserschloss der Schweiz genannt, da sich dort drei der wasserreichsten Flüsse der Schweiz vereinigen. Die Landschaft rechts der Aare zwischen Thun und Aarwangen gehörte seit dem Mittelalter zur Landgrafschaft Burgund. 60 Gemeinden in den Agglomerationen Aarau, Olten und Zofingen bildeten um 2005 eine regionale Partnerschaft unter der Bezeichnung Aareland rund um die Netzstadt Aarau/Olten/Zofingen.

Von Brugg an fliesst die Aare bei Stilli durch eine breite Klus im Jura nach Norden. Zwischen dem Ortsteil Felsenau der Gemeinde Leuggern und Koblenz (CH) gegenüber von Waldshut (DE) mündet sie in den Rhein. Die Aare ist mit 560 m³/s der wasserreichere Fluss (Rhein: 439 m³/s); aus hydrologischer Sicht ist also der Rhein ein Nebenfluss der Aare, nicht umgekehrt. Für die Strecke von Biel nach Koblenz benötigt die Aare eine Fliesszeit von rund zwei Tagen bei mittlerem Wasserstand.[5]

Geschichte des Flusssystems[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aare zeichnet in ihrem gestreckt nordöstlich gerichteten unteren Laufabschnitt die seit rund 30 Millionen Jahren nachweisbare Entwässerungslinie der Vorlandsenke im Norden der sich heraushebenden Alpen nach. Nach der wechselvollen Auffüllung und schliesslichen Anhebung des einstigen schmalen Helvetmeeres entwässerte das Gebiet wechselnd west- oder ostwärts, bis sich im Pliozän vor 3 bis 4 Millionen Jahren das obere Flusssystem der Urdonau herausbildete. Eine Zeitlang war sein Hauptquellfluss sogar die obere Rhone. Im jüngeren Pliozän brach diese Aare-Donau zur Burgundischen Pforte hin aus und bildete als Aare-Sundgaustrom den Hauptstrang der Ur-Rhone. Am Ende des Pliozäns war die Talwasserscheide quer zum heutigen Oberrheingraben nahe dem einstigen Kaiserstuhl-Vulkan so weit abgesunken, dass der Strom erneut ausbrach und zum Hauptstrang des sich rasch ausweitenden Rhein-Systems wurde. Erst vor rund 800.000 Jahren wurde der Alpenrhein, damals Hauptstrang der verbliebenen Donau, nach Westen zum heutigen Hochrheintal hin abgelenkt, wohl unter Mitwirkung der ersten grossen pleistozänen Vergletscherungen des Alpenvorlandes.

Damit war die Aare im Laufe ihrer Geschichte der oberste hydrologische Hauptstrang aller drei nordalpiner Stromsysteme.

Flusssystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzugsgebiet der Aare

Die Aare und ihre Zuflüsse haben verglichen mit dem übrigen Flusssystem des Rheins zwei Besonderheiten:

  • Sie durchfließen zahlreiche natürliche Seen.
  • Mehrere der Gewässer entpringen nicht aus einer Quelle, sondern beginnen mit einem Usprungsgletscher.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verlauf der Aare besteht im Wesentlichen aus drei Teilen: Zunächst ist sie ein Alpenfluss, der in zwei Fjordseen ausläuft, die aus einem einzigen entstanden sind, der durch Sedimente des seitlichen Zuflusses Lütschine in zwei Teile geteilt wurde. Der Einzugsbereich dieses alpinen Abschnitts der Aare entspricht großenteils dem Berner Oberland.

Dann fließt sie nordwestwärts vom Alpenrand zum Fuss des Juragebirges. Dort setzt sie die Richtung der überwiegend aus dem Neuenburgersee bestehenden Zihl fort und fließt parallel zum Jurafuss nordostwärts bis zum Rhein.

Den Weg aus den Alpen ins Schweizer Mittelland nehmen in ähnlicher Weise ihr linker Zufluss Saane und dann die beiden großen rechten Zuflüsse Reuss (Fluss) und Limmat, die nahe beieinander die Aare erreichen, 15 bzw. 14 km bevor diese in den Rhein mündet.

Von den im Mittelland entstehenden Nebenflüssen sammeln sich die südwestlichen in der Zihl. Die übrigen fliessen annähernd parallel zueinander und münden nacheinander zwischen dem Bielersee und der Reuss in die Aare.

Zwei der drei bedeutenden Zuflüsse aus dem Jura sind von den Besonderheiten dieses Kalkgebriges Geprägt: Die Orbe fließt zwischen ihrem Oberlauf, dessen Tal wie eine Nadel in das Einzugsgebiet der Rhone ragt, und dem Unterlauf durch eine Doline. Die Areuse erhält durch zwei seitliche Karstquellen Wasser aus Hochtälern ohne oberirdischen Abfluss.

Tabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aare, ihre wichtigsten Nebenflüsse und deren wichtigste Nebenflüsse
Reihenfolge flussaufwärts, Seen und Gletscher als Flussabschnitte
Darstellungsweise:
  • Ein Gewässer mündet in denjenigen der darüber aufgelisteten Flussläufe,
    dessen Name über der Angabe der Einmündungsseite („rechts“/„links“) des mündenden Gewässers beginnt.
  • Wo ein Flussname wegen zwischendurch durchflossener Seen mehrmals erscheint,
    bezieht sich die Längenangabe in der ersten Zeile (oder die in der ersten Zeile hinter dem Schrägstrich) auf den gesamten Flusslauf,
    (diejenige vor dem Schrägstrich und) die in nachfolgenden Zeilen auf Teilstrecken.
  • Bei Gletschern eingetragene GEWISS-Nummern beziehen sich strenggenommen auf den (angenommenen) Bach unter dem Eis.
    Der ist im Allgemeinen kürzer als die Länge des Gletschers an der Oberfläche.
  • Längenangaben zu Seen beziehen sich auf den Talweg des durchlaufenden Gewässers bzw. vom ranghöchsten Zufluss zum ranghöchsten Ausfluss.
  • Pfeile sind flussabwärts gerichtet und markieren obere Teile eines schon vorher erwähnten Flusslaufs.
  • Sind an einem Zusammenfluss amtlich beide ankommenden Gewässer gleichermaßen als Quellflüsse des Gewässers unterhalb klassifiziert,
    so sind ihre Mündungen mit „↑ li.“ und „↑ re.“ gekennzeichnet.
Zufluss in Fließrichtung
gesehen von
Name Mündungs-
oder See-
höhe [m]
Lage der Mündung
bzw. des Ausflusses
Gewässernr.:
GEWISS-Nr.[6],
SANDRE (F)
Länge
[km]
Einzugs-
gebiet
[km²]
mittlerer
Abfluss
[m³/s]
Aare 311 bei Koblenz AG in den Rhein CH: 37 288,2 17 709,00 559,0
rechts Limmat
(km aufwärts bis Zürichsee / bis einschl. Linth)
328 bei Gebenstorf CH: 294 36,3 / 140 2 412,0 101,0
links Sihl 402 Zürich CH: 577 68 341 06,8
Sihlsee ≤ 889,0 Staumauer CH: 577 00,8,3
Sihl südöstl. Euthal CH: 577 11
Zürichsee 406 Zürich 0CH: 3750 0039,10
Linthkanal bei Schmerikon 0CH: 2420 0016,96
Walensee 419 westliches Seeende CH: 3584, 2455 0002,47
rechts Seez östl. Seeende, 15,5 km Seeachse CH: 331 032,7 1 0510
Linth
(km abwärts bis Walensee / bis Zürichsee)
südl. 1850 m Ufer vom Ausfluss 0CH: 2455 37,1 / 65,9
rechts Reuss 329 bei Windisch AG CH: 380 0164,4 3 426,0 140
rechts Lorze 387 Maschwanden CH: 676 27,0 299 0007.3
Zugersee 413 Cham ZG CH: 676 4[7]
Lorze Zug CH: 676 16,0
Ägerisee 724 Unterägeri 0CH: 3579 05,74
Thrombach oberes Ende der Seeachse 0CH: 1013 01,8
links Kleine Emme 431 nahe Luzern CH: 707 37 / 59,5 478,0 15,7
↑ Waldemme 728 1 km vor Schüpfheim CH: 556 022,5
Vierwaldstättersee 434 Luzern CH: 380 37
links Sarner Aa einschl. Wichelsee Alpnach CH: 712 8,36 / 28 267,0
Sarnersee 469 bei Sarnen CH: 712 05,8
rechts Grosse Melchaa zw. Sarnen u. Sachseln
1,2 km, stat. 1,6 km vom Ausfluss
CH: 711 13,7
↑ Cheselenbach,
Oberlauf unterirdisch,
parallel dazu Druckstollen
1 029,0 Stöckalp CH: 823 04,8
Melchsee 1 891,0 0CH: 4786 1
↑ Tannenbach 0CH: 3196 2
Tannensee 1 976,0 Staudamm 00CH: 13147 00,9
↑ Sarner Aa (Dreiwässerkanal
↑ Giswiler Aa)
469 bei Giswil CH: 712 03,8
↑ zwei parallele Stollen 492 Giswil-Rudenz 1
Lungerersee 687 Kaiserstuhl-Bürglen 0CH: 3580 003,45
Laui Lungern Obsee CH: 3194 05,7
links Engelberger Aa Buochs CH: 720 37,2 227,0 12,0
rechts Muota 434 Brunnen CH: 740 30,2 317,0 19,1
rechts Seeweren 2,85 km vor deren Mündung CH: 588 2,6 / 15,9
Lauerzersee
formal abgewinkelte Seeachse
447 Seewen 0CH: 3583 3,55
Steiner Aa
↑ Hundschottenbach
bei Steinen SZ CH: 745 009,7
↑ Reuss 434 Flüelen CH: 380
↑ Furkareuss 1 448,0 Hospental CH: 380 7
rechts Aabach Wildegg AG CH: 680 17,8
rechts Bünz 200 m vor dessen Mündung CH: 681 30,5
Hallwilersee 449 Seengen CH: 680 08,3
↑ Aabach Moosen LU CH: 680 03,9
Baldeggersee 463 Richensee CH: 3570 04,3
Ron CH: 768 14,4 028,3 0,6
rechts Suhre 362 Aarau (östl. Vororte) CH: 495 34,0
rechts Wyna ← Wyne 385 Suhr CH: 545 32,0 121,0 1,5
Sempachersee 504 bei Oberkirch LU 0CH: 3752 06,5
Gross Aa bei Sempach CH: 767 08,1
links Dünnern ,0388,7 Olten CH: 436 37,0 196,0
rechts Wigger ,0392,4 Oftringen CH: 507 41,0 360,0 5,9
links Luthern 484 Nebikon CH: 506 26,9 105,0 1,5
rechts Murg aus: 400 Murgenthal CH: 497 02,4
↑ re. Rot 420 Murgenthal CH: 520 12,8 54
↑ li. Langete CH: 496 30,0 133,0 2
rechts Önz 417 unter Bützberg CH: 524 24,8 088,0 1,6
rechts Ösch 417 Graben BE 0CH: 1354 28,0
rechts Emme 425 Zuchwil CH: 468 81,9 983,0 20
links Limpach 458 bei Bätterkinden CH: 796 19,0
rechts Ilfis 643 oberhalb Lauperswil CH: 490 24,7 204,0 5,4
Bielersee ,00429,25 Nidau CH: 37 09,7
links Suze = Schüss Biel/Bienne,
400 m–2 km NÖ der Ausflüsse
CH: 274 42,0 210,0
links Zihlkanal Le Landeron, 14,3 km vom Ausfluss 0CH: 1411 08,8
Neuenburgersee ,00429,28 Marin NE CH: 03755 37,270
links Canal de la Broye Grosses Moos, 3 km vom Ausfluss CH: 03035 07,6 (ohne Vorstutzen)
Murtensee ,00429,30 Sugiez 0CH: 3754 07,8
Broye Bellerive VD CH: 215 88,9 851,0 05,3
links Areuse ,00429,28 Colombier NE CH: 206 31,7 394,0 11,9
rechts Mentue Yvonand, 30 km vom Ausfluss CH: 240 34,0 105,0 2,2[8]
↑ Thielle/Thièle (Zihl) aus: Südwestende bei Yverdon CH: 207 08,8 2 672,,00 53,5
↑ re. Talent ,00429,… 2 km nordöstlich Orbe VD CH: 220 39,8 066,0 01,1
↑ li. (untere) Orbe CH: 3229
V2400900
22 / 61 488,0 11,6
↑ unterirdischer Verlauf der Orbe 750 Grotten von Vallorbe 02,5
Lac Brenet 1002 Versickerung 0(1,6)
Lac de Joux 1004 08,8
↑ (obere) Orbe Le Sentier 22,0
Lac des Rousses 1058 1,7 / 2,16 (Zu- bis Ablauf / Seelänge)
↑ (Quellbach) Orbe 2
Hagneckkanal ← Aare 429 Hagneck CH: 37
links Saane = Sarine 463 bei Wileroltigen CH: 227 1260,0 1 892,0,0 53,8
rechts Sense = Singine aus: bei Laupen CH: 269 35,9 432,0 09,7
↑ li. Warme Sense 871 Zollhaus CH: 522 5,9
Schwarzsee 1 046,0 Schwarzsee (Plaffeien) 0CH: 3757 001,24
↑ Euschelbach CH: 1530 03,5
↑ re. Kalte Sense
↑ Gantrischsense
871 Zollhaus CH: 450 12,4
↑ Gantrischseeli ← Quellbäche 1 578,0 CH: 450 00,2
links Glâne 560 bei Villars-sur-Glâne CH: 233 35,9 432,0 09,7
rechts Gérine = Ärgera bei Marly CH: 232 24,0
links Gürbe 505 Südrand von Bern CH: 471 28,7 143,0 02,6
Thunersee 558 Thun CH: 37 17,9
links Kander Thun-Gwatt CH: 430 46,9 1 094,0,0 42,6
links Simme 600 Wimmis CH: 439 55,5 594,0 20,4
links TK: Trüebbach bzw. BAFU:
Rezigletscherbach ← Simme[9]
1 400,0 370 m nach Simmequelle (TK) CH:439 3,5
↑ Rezligletscher
Glacier de la Plaine Morte
2460 CH: – 3
links Entschlige 754 bei Frutigen CH: 428 24,6 145,0 05,5
Kanderfirn 2 300,0 Gasteretal 05,2
↑ Aare (Teilstück) 558 Interlaken CH: 37 5,8
Brienzersee 564 CH: 37 13,7
links Lütschine aus: Bönigen CH: 500 08,6 380,0 18,8
↑ li. (lange) Weisse Lütschine
↑ Tschingel-Litschina
650 Zweilütschinen CH: 502 17,0
Tschingelfirn 2 200,0 Untersteinberg 003,3[10]
↑ re. Schwarze Lütschine 650 Zweilütschinen CH: 501 017,7[10]
links (kurze) Weisse Lütschine Grindelwald, 11,7 km oberhalb
von Zweilütschinen
CH: 5709 002,7[10]
(Unterer) Grindelwaldgletscher 1 090 (1975) Gletscherschlucht CH: 3421[11] 008,3[10]
links: Ischmeer 0CH: 3421
Oberer Grindelwaldgletscher 1 220 (1985) Milchbach CH: 501 005,7[10]
↑ Aare 564 bei Brienz CH: 370
Grimselsee ≤ 1908,00 Staumauer 0CH: 3760 0005,56[10]
rechts Oberaarbach 4,2 km von der Staumauer 0CH: 1924
Oberaarsee ≤ 2303,00 0 CH: 1924 003[10]
Oberaargletscher 2 310,0 0CH: 1924 0004,7[10]
↑ Aare 000CH: 130373
Unteraargletscher aus: 1 900,0 4,4 / – [10]
↑ li. Lauteraargletscher laufen eigentlich
durch Mittelmoräne getrennt
bis zum Gletscherabbruch durch
000CH: 130370 6,3 / 10,7[10]
↑ re. Finsteraargletscher 000CH: 130373 6,3 / 10,7[10]

Nutzungs- und Kulturgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter war die Aare ein wichtiger Grenzfluss: Sie trennte z. B. die Stammesherzogtümer Burgund und Alemannien, war Grenzabschnitt der karolingischen Reichsteilungen und trennte auch eine Weile Hochburgund vom römisch-deutschen Reich. Mit der Gründung der Stadt Bern am Ende vom 12. zum 13. Jahrhundert änderte sich der Charakter der Aare, denn spätestens ab Mitte des 13. Jahrhunderts gab es Brücken über den Fluss und entwickelten sich zusammenhängende Herrschaftsgebiete auf beiden Seiten der Aare.

Die kurzen Grenzabschnitte, die heute an verschiedenen Stellen vom Aarebett abweichen, sind auf die früheren natürlichen Mäander zurückzuführen, die seinerzeit noch die Grenzziehung vorgegeben hatten und heute trocken gefallen sind.

Lange Zeit war die Aare für die Holzflösserei wichtig. Holz aus dem Emmental wurde zum Rhein und bis zu dessen Mündung in die Nordsee transportiert. Zur Erinnerung an diese Tradition besteht zwischen Stilli und Laufenburg der kulturhistorische Flösserweg.

Die Aarestrecke von Nidau bis Solothurn ist ebenso wie der Bielersee schiffbar. Seit der Antike diente die Aare dem Schiffsverkehr, wie einer Steininschrift der römischen Schiffleute in Avenches zu entnehmen ist.[12] Der Fernverkehr auf dem Fluss kam erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Bau der Eisenbahnlinien und der ersten Flusskraftwerke zum Erliegen. Heute betreibt die 1966 aus einer Vorgängergesellschaft hervorgegangene Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft AG mit Sitz in Biel die Kurse auf dem Bielersee und der Aare.

Wassertemperatur der Aare bei Bern

Auf vielen Abschnitten hat die Aare einen hohen Wert für sportliche Aktivitäten. Fast der ganze Flusslauf unterhalb von Meiringen kann mit Booten befahren werden.[13][14] Das Flussufer ist wenig zerklüftet und vielerorts gut zugänglich, sodass man trotz der stellenweise recht hohen Strömung gefahrlos in der Aare baden kann. Strandbäder mit direktem Zugang in den Fluss bestehen bei Thun, Münsingen, Muri, Bern, Solothurn, Wangen, Brugg und Olten.

Die Flusslandschaft entlang der Aare ist ein wichtiges Naherholungsgebiet und verfügt über gut markierte Wander- und Velowege. Der Verein AareLand unterstützt verschiedene Projekte zur Koordination der Freizeitaktivitäten und zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung der Region.

Die Wassertemperatur in Bern zeigt einen typischen Tagesgang. Sie steigt im Laufe des Tages um ein Grad. Darin spiegelt sich die Erwärmung auf der Strecke vom Thunersee bis nach Bern wider. Selten werden Temperatursprünge von mehr als 5 °C während weniger Stunden beobachtet. Vermutlich hängen sie von den Windverhältnissen am Thunersee ab, wodurch Tiefenwasser aus dem See zum Ausfluss transportiert wird.

Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf mehreren Abschnitten wurde der Flussverlauf durch grosse Baumassnahmen verändert. Seit dem 18. Jahrhundert versuchten die Kantone Bern und Solothurn, die durch Erosion gefährdeten Ufer an zahlreichen Stellen zu sichern. Mit der ersten Juragewässerkorrektion, einem der grössten Flussbauprojekte der Schweiz im 19. Jahrhundert, sanierten Bund und Kantone das versumpfte und von häufigen Überschwemmungen bedrohte Berner Seeland, indem die Aare und ihr Geschiebe in den Bielersee umgeleitet wurden. Seit 1939 steuert das Regulierwehr Port den Wasserhaushalt der Seen und der Aare im Abschnitt am Jurasüdfuss. In der Pegelstation bei Murgenthal wird der für die Regulierung massgebliche Wasserstand der Aare gemessen, weil sich dort auch die von der Emme zugeführte Wassermenge auswirkt.[15]

Die zweite Juragewässerkorrektion verbesserte um 1960 die Wirkung der Wasserstandregulierung.

Die 1964 gegründete Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Aare setzte sich gegen den Ausbau der Flussstrasse durch den geplanten Transhelvetischen Kanal ein.

Wasserkraft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Hochdruckkraftwerken im Grimselgebiet mit den Stauseen Oberaarsee und Grimselsee im Quellgebiet an und bis zur Mündung dient das Wasser der Aare dank des grossen Gefälles in zahlreichen weiteren Wasserkraftwerken für die Elektrizitätsproduktion.

Liste der Wasserkraftwerke der Aare:

Name Lage erste Inbetriebnahme Durchflussmenge m³/s Höhendif m Turbine Leistung MW Energie pro Jahr GWh/a
Theoretische Obergrenze 560 724[16] 4000 35'000
Kraftwerk Grimsel 1

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Grimsel 2

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Handeck 1

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Handeck 2

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Handeck 3

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Fuhren

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Hopflauenen

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Innertkirchen 1

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk Innertkirchen 2

(Kraftwerke Oberhasli)

Innertkirchen
Kraftwerk am Schifffahrtskanal

(IBI)

Interlaken 1897 30 3,6 3 Kaplan
Thun Thun 9 38
Matte Bern 1891 40 2–3 Kaplan-S 1.15 7
Kraftwerk Felsenau
Wasserkraftwerk Mühleberg 588266 / 202028 1919 300 20 1x Kaplan, 6x Francis 45 160
Niederried-Radelfingen
Kraftwerk Aarberg
Kraftwerk Kallnach
Hagneck
Kraftwerk Brügg
Flumenthal Flumenthal 1970 395 6–8.5 25 146
Kraftwerk Bannwil
Kraftwerk Wynau
Ruppoldingen neues Werk bei Boningen, älteres Werk bei Olten 2000 (älteres Werk 1896) 475 4–6.5 21.1 115
Gösgen Niedergösgen 1917 380 13–17.4 48.5 300
Kraftwerk Aarau
Kraftwerk Aarau-Rüchlig Aarau
Kraftwerk Rupperswil-Auenstein
Wildegg-Brugg
Beznau
Kraftwerk Klingnau

Kernkraftwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Flusslauf befinden sich die Schweizer Kernkraftwerke Mühleberg, Gösgen und Beznau, deren Kühlsysteme Wasser aus der Aare verwenden.

Hochwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochwasserwahrscheinlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das mittlere Jahreshochwasser der Aare beträgt an der Messstelle Untersiggenthal, Stilli 1574 m³/s, womit sie 23,59 % des gesamten MHQ des Rheins (6670 m³/s) beisteuert. Die höchste jemals gemessene Jahresspitze war beim Jahrhunderthochwasser 2007 und betrug 2656 m³/s[17].

Die Tabelle der Hochwasser-Wahrscheinlichkeit:

Eintrittswahrscheinlichkeit von Jahreshochwasserwerten (HQn)
Messperiode 1935–2012 [18]
Messstelle: Aare – Untersiggenthal, Stilli - 2205
Jährlichkeit (Jahre) 2 5 20 30 50 100
Abfluss (m³/s) 1530 1839 2027 2291 2406 2554
Anmerkung zu HQn: die Zahl entspricht dem Hochwasserdurchfluss (HQ = Hochwasserquantität) in m³/s, der sich – im Mittel – mit der angegebenen Jährlichkeit (n = Anzahl der Jahre) wiederholt.

Historische Hochwasser der Aare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Jahrtausendhochwasser ereignete sich im Flussgebiet der Aare im Jahr 1480 nach schweren Niederschlägen in den Voralpen. Die Schäden in den Städten entlang des Flusses sind in den spätmittelalterlichen Chroniken gut dokumentiert. In Solothurn wurde ein Teil der Stadt und die Aarebrücke überflutet. Grosse Schäden richtete das Wasser auch noch im Gebiet des Rheins an.[19]

Weitere ausserordentliche Hochwasser führte die Aare in den Jahren 1651, 1852, 1876 und 1999.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Aare – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Aare – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource Wikisource: Aare – Artikel der 4. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesamt für Umwelt BAFU, http://www.hydrodaten.admin.ch/de/2116.html
  2. Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung (Hinweise)
  3. Messstation Untersiggenthal 2013 (PDF) Bundesanstalt für Umwelt BAFU
  4. Andres Kristol: Aarau AG (Aarau) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 73.
  5. Broschüre der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Aare
  6. Gewässerkarte des Schweizer BAFU → Anklicken der Flussabschnitte ergibt Länge des Flussabschnitts und GEWISS-Nr. des gesamten Gewässerlaufs
  7. rechtwinklig geknickte Achse der Lorze im Zugersee
  8. BAFU (CH): Hydrodaten 2013 zur Mentue, PDF
  9. Die Simmequelle nach der topografischen Karte ist nach BAFU-Gewässernetzkarte Teil des Baches 131871. Der Trüebbach nach topografischer Karte besteht nach BAFU aus dem Rezigletscherbach (11083) und dem obersten Teil der Simme.
  10. a b c d e f g h i j k Swisstopo Kartenportal mit Messfunktion
  11. GEWISS-Nr. 3421 unter allen Teilen des (Unteren) Grindelwaldgetschers (Under Ischmeer, Ober Ischmeer, Ischmeer)
  12. CIL XIII 5096
  13. Eberle, Iwona. Gummibootführer Schweiz. Thun: Werd Verlag, 2015. ISBN 978-3-85932-742-9
  14. Ramajzl, Hans. DKV Auslandsführer 01: Österreich/Schweiz (Kanuführer für die Gewässer des Alpenraumes). Duisburg: DKV, 2009. ISBN 978-3-937743-19-6
  15. Dokumentation über die Regulierung
  16. Höhendifferenz bis Untersiggenthal (PDF; 79 kB)
  17. Hochwasserwahrscheinlichkeiten (Jahreshochwasser), Aare – Untersiggenthal, Stilli. Bundesamt für Umwelt BAFU, Abteilung Hydrologie, abgerufen am 29. Januar 2014 (PDF).
  18. Messstelle: Aare – Untersiggenthal, Stilli (2205) , auf BfU Hydrodaten
  19. Christian Pfister und Oliver Wetter über das Hochwasser von 1480