Abū Huraira

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Abū Huraira (arabisch أبو هريرة, DMG Abū Huraira; gestorben 678, 679 oder 680) war ein Gefährte des Propheten Mohammed aus dem südarabischen Stamm Daus, der vor allem als Überlieferer von Hadithen bekannt ist. Mit mehr als 3300 Hadithen, in deren Überliefererkette er erscheint, ist er im sunnitischen Islam zahlenmäßig der wichtigste Gewährsmann prophetischer Traditionen überhaupt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abū Huraira bekehrte sich schon um das Jahr 619 zum Islam.[1] Die neue Religion wurde ihm durch seinen Stammesgenossen at-Tufail ibn ʿAmr vermittelt, der nach Mekka gereist war und dort den Islam angenommen hatte. Um 620 reiste Abū Huraira selbst in Begleitung at-Tufails nach Mekka und traf dort mit Mohammed zusammen, kehrte jedoch danach wieder zu seinem Stamm zurück.[2]

Im Jahr 628, kurz vor dem Feldzug nach Chaibar, wanderte Abū Huraira mit 80 anderen Stammesgenossen nach Medina aus. Dort gehörte er zu den sogenannten Ahl as-Suffa („Leute des Schattendachs“), einer Gruppe von ärmeren Prophetengefährten, die in unmittelbarer Nähe zu Mohammed in seiner Moschee lebten. Zeitweise war er bei Mohammed auch als Diener tätig. Es heißt, dass die beiden öfter Hand in Hand auf gemeinsamen Gängen in der Stadt zu sehen waren.[3] Im Dhū l-Qaʿda 629 begleitete er den Prophetengefährten Ibn al-Hadramī nach Bahrain. Ein Jahr später nahm er an dem Feldzug nach Tabūk teil, um kurze Zeit danach erneut mit der Steuerkarawane nach Bahrain zurückzukehren.[4]

Ab etwa 641 diente er dem Kalifen ʿUmar ibn al-Chattāb als Statthalter von Bahrain. Im Jahre 644 rief ihn ʿUmar jedoch nach Medina zurück und konfiszierte sein Privatvermögen unter dem Vorwurf, er habe sich am Vermögen der Gemeinde bereichert. Da Abū Huraira die Maßnahme für rechtswidrig hielt, weigerte er sich, das Geld herauszugeben. ʿUmar soll ihn daraufhin so lange beschimpft und mit der Peitsche geschlagen haben, bis er das Geld im Schatzhaus einzahlte. ʿUmar wollte ihn zwar wieder nach Bahrain zurückschicken, doch weigerte sich Abū Huraira mit dem Hinweis auf die erlittene Vermögenseinbuße und die beschämende Behandlung.[5]

Als während des Kalifats von Muʿāwiya I. (661–680) der umayyadische Prinz Marwān Gouverneur von Medina war, setzte er Abū Huraira während seiner Abwesenheitsphasen als Stellvertreter ein. Zu Spannungen mit dem Gouverneur kam es allerdings, als Marwān den medinensischen Kaufleuten erlaubte, Sakk genannte Gutscheine für ihre Nahrungsmittel auszustellen, und Abū Huraira zusammen mit Zaid ibn Thābit bei ihm vorstellig wurde und einen Ausspruch des Propheten vorbrachte, der diese Art Handelstransaktionen angeblich untersagte.[6]

Abū Huraira hatte in der Nähe von Dhū l-Hulaifa, dem Punkt, wo die Pilger aus Medina den Ihrām anlegten, ein Landgut. Dort soll noch seine alte Mutter den Haushalt geführt haben.[7]

Rolle als Überlieferer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein stand Abū Huraira im Rufe großer Frömmigkeit. Wie ʿAbdallāh ibn ʿAbbās war er für die Überlieferung biblischer Erzählstoffe von Juden und Christen bekannt,[8] doch berief man sich auch bei Traditionen zu rechtlichen, rituellen und theologischen Fragen auf seine Autorität. Schon im Milieu der frühen Hadith-Überlieferer gab es allerdings Zweifel, ob wirklich alle Hadithe, die im Namen Abū Hurairas kursierten, auf ihn selbst zurückgehen. Diese Debatte über die Authentizität der Abū Huraira-Hadithe ist seit den 1950er Jahren unter den Muslimen erneut aufgeflammt.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abū Huraira ist vor allem unter seiner Kunya bekannt. Deren Bedeutung (Abū Huraira = „Vater des Kätzchens“) soll darauf zurückgehen, dass er eine kleine Katze besaß, die er besonders liebte. Das Wort Huraira wird in der Verbindung mit Abū diptotisch.[9]

Über Abū Hurairas eigentlichen Namen (Ism) gibt es sehr unterschiedliche Angaben: ʿAbd ʿAmr, ʿUmair, Sukain, Burair usw.[10] Verbreitet war die Überlieferung, dass sein Name in der Dschāhilīya ursprünglich ʿAbd Schams war und er anlässlich seiner Konversion zum Islam vom Propheten den neuen Namen ʿAbd ar-Rahmān (bzw. ʿAbdallāh) verliehen bekam.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helga Hemgesberg: Abu Huraira, der Gefährte des Propheten. Ein Beitrag zur Geschichte des frühen Islam. Frankfurt/Main, Diss. 1965.
  • G. H. A. Juynboll: The authenticity of the tradition literature: Discussions in modern Egypt. Brill, Leiden 1969, S. 62–99.
  • G. H. A. Juynboll: Abū Hurayra. In: Encyclopaedia of Islam. THREE. Herausgegeben von Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas, Everett Rowson. Brill Online, 2013.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Hemgesberg: Abu Huraira. 1965, S. 171.
  2. Vgl. Hemgesberg: Abu Huraira. 1965, S. 17–21.
  3. Vgl. Hemgesberg: Abu Huraira. 1965, S. 57.
  4. Vgl. Hemgesberg: Abu Huraira. 1965, S. 171.
  5. Vgl. Hemgesberg: Abu Huraira. 1965, S. 113 f.
  6. Vgl. Hemgesberg: Abu Huraira. 1965, S. 152.
  7. Vgl. Hemgesberg: Abu Huraira. 1965, S. 132 f.
  8. Vgl. Reuben Firestone: Journeys in Holy Lands. The Development of the Abraham-Ishmael legend in Islamic exegesis. Albany 1990. S. 9, 31–38.
  9. Vgl. Hemgesberg: Abu Huraira. 1965, S. 38.
  10. Vgl. Hemgesberg: Abu Huraira. S. 39–43.
  11. Vgl. Hemgesberg 32f und al-Ḥāzimī: ʿUǧālat al-mubtadiʾ wa-fuḍālat al-muntahī fī n-nasab Ed. ʿAbdallāh Kunūn. Kairo 1973, S. 59, Z. 5–6 Digitalisat.