Abbas Kiarostami

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Abbas Kiarostami (2015)

Abbas Kiarostami (persisch عباس كيارستمى; * 22. Juni 1940 in Teheran; † 4. Juli 2016 in Paris) war ein iranischer Drehbuchautor, Filmregisseur und Lyriker. Er gilt als einer der großen Regisseure des Weltkinos.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Kairostami wurde in Teheran als Sohn eines Malers und Dekorateurs geboren. Nachdem er als 18-jähriger einen Malwettbewerb gewonnen hatte, begann er ein Studium an der School of Fine Arts der Universität Teheran, das er mit dem Bachelor-Examen abschloss. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitete er in dieser Zeit auch als Verkehrspolizist. 1968 beendete er sein Studium mit dem Bachelor-Examen.[3] 1969 drehte er seinen ersten Kurzfilm Nan va Kutcheh. Im Jahr 1974 erschien sein erster vollwertiger Spielfilm Mossafer. Zum Ende der 1980er Jahre wurde Kiarostami durch seinen Film Wo ist das Haus meines Freundes? auch international bekannt.

Die 1969 geschlossene Ehe mit Parvin Amir-Gholi wurde 1982 geschieden. Aus der Beziehung gingen zwei Söhne hervor, Ahmad (* 1971) und Bahman Kiarostami (* 1978). Letzterer ist ebenfalls als Filmregisseur tätig.

Im Juli 2016 starb Kiarostami im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in Paris, wohin er wenige Tage zuvor für eine Behandlung gereist war.[4][5] Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof der Kleinstadt Lavasan in der Provinz Teheran.[6]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Kiarostamis Filme zeigen den Einfluss von Tati, Rossellini und Bresson. Er drehte meist ohne konkretes Drehbuch. Unter Filmemachern werden vor allem Kiarostamis Fähigkeiten im Umgang mit Kinder- und Laiendarstellern gelobt. Wichtig ist sein Werk aber besonders, weil er die soziale Stellung des Kinos und des Regisseurs, sowie die realen Beziehungen zwischen Film(kamera) und Objekt zum Thema seiner Filme macht. Das Resultat ist ein Metakino, das zwischen Dokumentation und Fiktion oszilliert. Die Filme scheinen bemüht, ihre Künstlichkeit und Konstruiertheit sichtbar zu machen. Die Grenzen der Möglichkeiten des Kinos werden ausgelotet und oft schließlich doch in einem transzendentalen Akt scheinbar überschritten.

Kiarostamis Werk wird auch durch andere Filmregisseure gewürdigt. So wird etwa Jean-Luc Godard das Zitat zugeschrieben: Der Film beginnt mit D. W. Griffith und endet mit Abbas Kiarostami. Und Martin Scorsese beschreibt Kiarostami als Repräsentanten des höchsten künstlerischen Niveaus im Kino.[7] Der österreichische Regisseur Michael Haneke zählte 2006 Abbas Kiarostami zu den besten lebenden Regisseuren.[8]

Einem breiteren Publikum im Westen sind Kiarostamis Filme aber bis heute noch wenig bekannt. Das Werk Kiarostamis ist in einer engen Beziehung zur iranischen bzw. persischen Lyrik zu erschließen. Die persische Literatur hat sich hauptsächlich durch die Lyrik tradiert und funktionierte im Laufe der Geschichte als Träger der nationalen Identität der Iraner. Lyrik war unter den historischen Umständen die einzige mögliche Kunst nach der Islamisierung des Landes im siebten Jahrhundert. Kiarostami baut seine Dramaturgie auf dieser poetischen Basis auf, um seine eigene Poesie zu erzählen. Eine Poesie, die nicht die Verfilmung der Poesie, sondern Poesie des modernen Kinos erzählt. So kann man sein Kino einem Genre zuordnen, das eine Mischung der abendländischen und morgenländischen Kultur innehat. Im Unterschied zum poetischen Kino erzählt dieses Genre Kino-Poesie nicht nur vom realen Leben, sondern selbst die Bilder auf der Leinwand leben. Als ob das Publikum dieses Kino auf der Leinwand lebe. In diesem Zusammenhang präsentieren die Bilder die moderne Philosophie des Kinos auf der Leinwand, dass das Kino die Realität sei.

Drei Werke von ihm: Wo ist das Haus meines Freundes, Und das Leben geht weiter (Das Leben und nichts mehr) und Quer durch den Olivenhain, die als Trilogie bekannt sind, zeigen musterhaft die Entwicklung seines Kinos.

Mehrnaz Saeed-Vafa, Professorfür Film und Filmgeschichte am Columbia College Chicago, schreibt über Kiarostamis Lebenswerk: „Sein Einfluss auf das zeitgenössische iranische Kino lässt sich überall erkennen, in seiner Hinwendung zu realistischen, aus dem Leben gegriffenen Geschichten, dem Focus auf einfache Leute und in der Mischung von Dokumentation und Fiktion. Aber genauso von Bedeutung ist die Schönheit seiner Filme, die Gabe, die Seelen seiner Laiendarsteller und Irans großartige Landschaften zu zeigen. Trotz ihres Minimalismus sind seine Filme zugleich vordergründig einfach als auch tief philosophisch, verspielt und verzweifelt, sie schöpfen ihre Tiefe aus der Menge ihrer Widersprüchlichkeiten.“[9]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abbas Kiarostami hat für seine Filme über 70 internationale Preise gewonnen, den ersten 1970 für Bread and Alley am 5. Tehran International Festival of Films for Children and Young Adults, Iran 1970. [10], den letzten postum 2016 als The Asian Filmmaker of the Year. Im Jahr 1997 wurde er bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme für seinen Film Der Geschmack der Kirsche ausgezeichnet. Zwei Jahre später erhielt er bei den Filmfestspielen von Venedig verschiedene Auszeichnungen für seinen Film Der Wind wird uns tragen. 2004 wurde er mit japanischen Praemium Imperiale ausgezeichnet. Sein Film Die Liebesfälscher von 2010 gewann auf internationalen Wettbewerben 9 Erste Preise und war für über 20 weitere Preise nominiert, darunter für die Goldene Palme in Cannes.

2014 wurde Kiarostami mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.

2016 wurde er postum auf dem 21. Busan International Film Festival (BIFF) als The Asian Filmmaker of the Year ausgezeichnet. [11]

Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste Sammlung mit Gedichten von Abbas Kiarostami erschien 1999 in Teheran. Sie besteht aus 221 kurzen, schwebend leichten und lakonisch kräftigen Texten, die eine stilistische Nähe zur japanischen Haikudichtkunst aufweisen. Nachdem sie zuvor ins Englische, Französische und Italienische übersetzt worden war, erschien sie 2004 ins Deutsche übertragen von Shirin Kumm und Hans-Ulrich Müller-Schwefe unter dem Titel In Begleitung des Windes im Suhrkamp Verlag. Das Nachwort schrieb Peter Handke.

  • Un loup aux aguets. Trad. du persan par Jean-Claude Carrière et Nahal Tajadod. Paris: Gallimard 2008. ISBN 2-71033066-0

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1970: Nan va Kutcheh (Kurzfilm)
  • 1972: Zang-e Tafrih (Kurzfilm)
  • 1973: Tadschrobeh
  • 1974: Mossafer
  • 1975: Manam Mitunam (Kurzfilm)
  • 1975: Do Rahehal baraye yek Massaleh (Kurzfilm)
  • 1976: Rang-ha (Kurzfilm)
  • 1976: Lebasi baraye Arusi
  • 1977: Gozaresh
  • 1977: Bozorgdasht-e mo’allem (Kurzfilm)
  • 1977: Az Oghat-e Faraghat-e Khod Chegouneh Estefadeh Konim? (Kurzfilm)
  • 1978: Rah-e Hal-e Yek (Kurzfilm)
  • 1979: Ghazieh-e Shekl-e Aval, Ghazieh-e Shekl-e Do Wom (Dokumentation)
  • 1980: Behdaasht-e Dandan (Kurzfilm)
  • 1981: Be Tartib ya Bedun-e Tartib (Kurzfilm)
  • 1982: Hamsarayan (Kurzfilm)
  • 1983: Hamshahri (Dokumentation)
  • 1983: Dandan Dard (Kurzfilm)
  • 1984: Avaliha (Dokumentation)
  • 1987: Der Schlüssel (Kelid)
  • 1988: Wo ist das Haus meines Freundes? (Khane-ye doust kodjast?)
  • 1989: Mashgh-e Shab (Dokumentation)
  • 1990: Close-Up (Nema-ye Nazdik)
  • 1992: Und das Leben geht weiter (Zendegi va digar hitch)
  • 1994: Quer durch den Olivenhain (Zire darakhatan zeytun)
  • 1995: A propos de Nice – Wie es weiterging (À propos de Nice, la suite)
  • 1997: Der Geschmack der Kirsche (Ta'm e guilass)
  • 1999: Der Wind wird uns tragen (Bad ma-ra khahad bord)
  • 2001: ABC Africa
  • 2002: Ten
  • 2003: Five Dedicated to Ozu
  • 2004: 10 on Ten
  • 2005: Tickets
  • 2006: Roads of Kiarostami (Dokumentar-Kurzfilm)
  • 2007: Kojast jaye residan (Dokumentar-Kurzfilm)
  • 2007: Chacun son cinéma ou Ce petit coup au cœur quand la lumière s'éteint et que le film commence (Segment Where is my Romeo?)
  • 2008: Shirin
  • 2010: Die Liebesfälscher (Copie conforme)
  • 2012: Like Someone in Love

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2012: Abbas Kiarostami: Stille und bewegte Bilder. Museum Situation Kunst, Bochum, danach 2013 im Museum Wiesbaden und in Chemnitz. Katalog.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abbas Kiarostami: Textes, entretiens, filmographie complète. Éd. de l'Etoile, Paris 1997, ISBN 2-86642-196-5 (Cahiers du Cinéma Livres).
  • Abbas Kiarostami: Photographies. Hazan, Paris 1999, ISBN 2-85025-673-0 (Landschaftsfotografien von Kiarostami, mit einem Gespräch mit M. Ciment).
  • Alain Bergala, Jordi Balló (Hrsg.): Erice-Kiarostami. Correspondences. ACTAR, Barcelona 2006, ISBN 84-96540-24-3 (Katalog zu einer gemeinsamen Ausstellung mit dem spanischen Regisseur Víctor Erice).
  • Alain Bergala: Abbas Kiarostami. Cahiers du Cinéma, Paris 2003, ISBN 2-86642-374-7.
  • Alberto Elena: The Cinema of Abbas Kiarostami. Saqi Books, London 2005, ISBN 0-86356-594-8.
  • Mehrnaz Saeed-Vafa, Jonathan Rosenbaum: Abbas Kiarostami. University of Illinois Press, Urbana, Ill. 2003, ISBN 0-252-07111-5 (Taschenbuch; Reihe Contemporary Film Directors).
  • Jean-Luc Nancy, Abbas Kiarostami: Evidenz des Films. Brinkmann und Bose, Berlin 2005, ISBN 3-922660-92-4.
  • Youssef Ishaghpour: Le réel, face et pile – le cinéma d'Abbas Kiarostami. Farrago, Tours 2006, ISBN 2-84490-063-1.
  • Eberhard Ostermann: Taste of Cherry – eine Allegorie der Zerrissenheit. In: E.O.: Die Filmerzählung. Acht exemplarische Analysen. München (Fink) 2007. S. 131–145. ISBN 978-3-7705-4562-9.
  • Abolfazl Tavassolie: Eine Trilogie zum Monismus. Die Interaktion zwischen persischer Literatur und Kino des Abbas Kiarostami. Dr. Koester, Berlin 2009, ISBN 978-3-89574-701-4.
  • Abbas Kiarostami. Stille und bewegte Bilder / Images, Still and Moving, Ausst.-Kat. Situation Kunst (für Max Imdahl), Museum Wiesbaden, Kunstsammlungen Chemnitz, hrsg. von Silke von Berswordt-Wallrabe, Alexander Klar und Ingrid Mössinger, Ostfildern: Hatje Cantz, 2012, ISBN 978-3-7757-3436-3
  • Abbas Kiarostami. Die Erzeugung von Sichtbarkeit (Marburger Schriften zur Medienforschung Bd. 50), hrsg. von Silke von Berswordt-Wallrabe und Oliver Fahle, Marburg: Schüren, 2014, ISBN 978-3-89472-887-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abbas Kiarostami – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Höbel: Zum Tod von Abbas Kiarostami: Der Guru mit dem Kinderblick, Spiegel Online, 5. Juli 2016, abgerufen am 5. Juli 2016
  2. Abbas Kiarostami, Acclaimed Iranian Filmmaker, Dies at 76 bei New York Times, abgerufen am 5. Juli 2016
  3. Nachruf, The New York Times, 4. Juli 2016, abgerufen am 28. November 2016
  4. Iranischer Filmemacher: Abbas Kiarostami ist tot, Spiegel Online, 4. Juli 2016, abgerufen am 4. Juli 2016
  5. Etwas wird sichtbar in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 10. Juli 2016, Seite 53
  6. Iranians turn out en masse for Kiarostami's funeral, Press TV, 10. Juli 2016
  7. Abbas Kiarostami- Not A Martyr Countercurrents.org, in Engl. Sprache
  8. The world's 40 best directors in The Guardian, Februar 2006
  9. Mehrnaz Saeed-Vafa: The Shortest Way to the Truth: Kiarostami Remembered in: Criterion, 11. Juli 2016, abgerufen am 3. Januar 2017.
  10. Liste der Preise abgerufen am 3. Januar 2017
  11. Busan honors Kiarostami with Asian Filmmaker of Year Award The Iran Project, abgerufen am 1. Dezember 2016.
  12. Bilder, als hätte die Natur sie geschaffen, in FAZ vom 18. Oktober 2012, Seite 29