Abbiegeassistent

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Ein Abbiegeassistent oder Abbiegeassistenzsystem ist eine sicherheitswirksame technische Einrichtung in Kraftfahrzeugen, die Verkehrsteilnehmer als Radfahrer oder Fußgänger im direkten Umfeld am Fahrzeug erkennt und den Fahrzeugführer akustisch, optisch, taktil oder in sonstiger Weise warnt, um dann bei Bedarf eine Notfallbremsung einzuleiten.

Abbiegeunfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Deutschland schätzt die Unfallforschung der Versicherer, dass etwa ein Drittel der jährlich im Straßenverkehr getöteten Radfahrer bei Abbiegeunfällen durch rechtsabbiegende Lkw ums Leben kommen. Häufig werden die Radfahrer vom Lkw überrollt. Deshalb ist auch der Anteil der getöteten Radfahrer bei diesen Unfällen sehr hoch. Derartige Unfälle sind jedoch selten von Fahrradfahrer verschuldet. In Deutschland sterben pro Jahr ca. 30 bis 40 Menschen durch abbiegende Lastkraftwagen.[1][2]

Die Unfallforschung der Versicherer unterscheidet verschiedene Arten von Abbiegeunfällen[3]:

  1. Der Radfahrer fährt auf einem abgetrennten Radweg (Unfalltyp 243), häufig verdeckt durch parkende Autos oder Grünanlagen, der Abstand zum Lkw beträgt 2 bis 5 Meter, 70 % der untersuchten Todesfälle
  2. Der Radfahrer fährt auf der Fahrbahn direkt neben dem Lkw (Unfalltyp 232), der Abstand zum Lkw beträgt zwischen 0 bis 2 Meter, 20 % der untersuchten Todesfälle
  3. Der Radfahrer kommt dem Fahrzeug entgegen (Unfalltyp 244), die Wege kreuzen sich beim Abbiegen des Fahrzeugs, 0 % der untersuchten Todesfälle

Nutzen von Abbiegeassistenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftfahrzeuge müssen laut StVZO § 56 ("Spiegelparagraph"), Absatz (1)[4], mit derartigen Einrichtungen für indirekte Sicht ausgestattet sein, dass die fahrzeugführende Person "nach rückwärts, zur Seite und unmittelbar vor dem Fahrzeug – auch beim Mitführen von Anhängern – alle für sie wesentlichen Verkehrsvorgänge beobachten kann". Trotz dieser vorgeschriebenen vollständigen Rundumsichtmöglichkeit tötet/verletzt Lkw-Fahrpersonal beim Rechtsabbiegen immer wieder eine Vielzahl von Radfahrenden/zu Fuß Gehenden.

Abbiegeassistenzsysteme können erheblich zur Verbesserung der Verkehrssicherheit im Straßenverkehr beitragen und Unfälle zwischen rechtsabbiegenden Lkw und ungeschützten Verkehrsteilnehmern verhindern. Nach Schätzungen von ADFC und Unfallforschung der Versicherer können durch elektronische Lkw-Abbiegeassistenten über 60 Prozent der schweren Unfälle verhindert werden. In Deutschland könnten jährlich etwa 28 Unfälle mit getöteten und 160 mit schwer verletzten Radfahrern durch rechtsabbiegende Lkw vermieden oder die Unfallfolgen deutlich gemildert werden.[5][1]

Schätzungen des ADFC zufolge sind in Deutschland weniger als 5 Prozent der gemeldeten Lkw mit Abbiegeassistenten ausgestattet.[6]

Typen von Abbiegeassistenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt verschiedene Ansätze, Abbiegeunfälle zu verhindern.

Typ 1: Kamerabasierend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein kamerabasierendes System nutzt eine Weitwinkelkamera, welche vorne rechts am LKW angebaut wird und auf dem Bild den gesamten Toten Winkel auf der rechten Seite zeigt. Dieser kann durch Signale wie Lenkeinschlag, Geschwindigkeit und Blinker aktiviert werden.

Der erste serientaugliche Abbiegeassistent wurde von der EDEKA Handelsgesellschaft Südbayern bereits 2014 durch deren Technischen Leiter Anton Klott entwickelt und ab 2015 in allen Neu LKW der EDEKA Südbayern verbaut. Hr. Klott bekam am 27.10 2015 für diese Leistung den DEKRA Award verliehen. Am 02. 11.2018 wurde Hr. Anton Klott mit dem Präventionspreis "Roter Ritter" vom Verein Aktion Kinder Unfallhilfe e.V. in der Elbphilharmonie Hamburg geehrt.

Der Edeka Abbiegeassistent hat neben Kamera-Monitor auch Ultraschall Sensoren sowie einen Lenkwinkelsensor um das System auch ohne Betätigung des Fahrtrichtungsanzeiger zu aktivieren. Das System ist für alle Fahrzeughersteller nutzbar.

Bei einem reinen Kamera-Monitor-Systemen wird lediglich der Sichtbereich des Lkw-Fahrers erweitert.[7] Bei einer Kombination aus Sensoren und Kamera-Monitor-System hingegen werden außerdem der Bereich rechts hinter der A-Säule und die ersten 6 m des Fahrzeugs im Abstand von 2,5 m von 4 Sensoren überwacht, die Hindernisse über eine LED-Anzeige im Fahrerhaus anzeigen. Ein Hindernis wird erkannt und das System gibt ein akustisches und visuelles Signal aus. Als erstes System dieser Art bestand der Abbiegeassistent der Firma Wüllhorst („Wüllhorst Abbiegeassistent“) Anfang 2019 die Fahrtests zum Erlangen einer Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE).[8][9][10]

Ein weiteres System stammt von Truck!Warn als Deluxe-Plus-4-Abbiegeassistent mit einem erweiterten Kamerabild und einer Abstandsanzeige zum Hindernis.[11]

Das Deluxe-Plus-6 von Truck!Warn bietet noch eine Erweiterung, so dass nicht nur der Tote-Winkel rechts, sondern auch die Linke Seite als Abbiegehilfe überwacht wird.[12]

Typ 2: Radarbasierend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radarsysteme überwachen permanent den Bereich rechts neben dem Fahrzeug und erkennen sich bewegende Objekte. Dem Fahrer wird ein optisches Signal gegeben, welches bei berechneter möglicher Kollision auf rot springt und einen zusätzlichen Warnton ausgibt. Daimler-Benz-Fahrzeuge könnten außerdem demnächst noch automatisch einbremsen.

Radarbasierte Abbiegeassistenzsysteme können nicht nur statische von dynamischen Objekten unterscheiden, sondern sind zum Teil auch in der Lage Radfahrer und Fußgänger im Speziellen zu erkennen.[13]

Typ 3: Softwarebasierend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Softwarebasierende Systeme analysieren mit Hilfe einer Kamera in Echtzeit Farbveränderungen in der Bildfrequenz und erkennen so über einen Algorithmus Gefahren im „toten Winkel“. Der Algorithmus unterscheidet dabei zwischen bewegten Objekten (bspw. Fahrradfahrer oder Fußgänger) und statischen Objekten (bspw. Ampeln, Masten oder parkende Autos). Beim softwarebasierten System löst der Alarm nur dann aus, wenn sich bewegende Objekte im Gefahrenbereich befinden und diese schneller sind als das Fahrzeug selbst; statische, langsamere und gleich schnelle Objekte werden „herausgefiltert“.[14] Moderne Abbiegeassistenten warnen zweistufig: Befindet sich zum Beispiel ein Radfahrer im Gefahrenbereich vom LKW, wird zunächst nur optisch gewarnt (durch eine LED-Warnleuchte oder optische Hervorhebung im Monitor in der Fahrerkabine). Leitet der Fahrer danach einen Abbiegevorgang ein, wie durch das Setzen des Blinkers oder durch den Einschlag des Lenkrades, ertönt zusätzlich ein akustischer Alarm.[15] Softwarebasierende Systeme benötigen neben einer Kamera am LKW-Dach ein Steuergerät (ECU) für die Bildauswertung. Durch die hohe Positionierung der Kamera am LKW-Dach erfasst die Software einen sehr großen Teil der Umgebung, wie beispielsweise Fußgänger und Fahrradfahrer „in der zweiten Reihe“. Einen erweiterten Überwachungsbereich über die gesamte Fahrzeuglänge, sowie hinter und vor das Fahrzeug, wird durch den Verbau von zwei Kameras möglich, womit die Alarmierung auch bei höherer Geschwindigkeit über 30 km/h möglich wird, wie es z. B. bei dem Truck!Warn Flex-Abbiegeassistenten für Busse der Fall ist.[16]

Hier ist der Abbiegeassistent LUIS[17] turn detect zu nennen, das als erstes derartiges System eine ABE am 21. März 2019 erhalten hat.[9][18][19] Weitere Systeme sind Rosho,[20] Axion[21] Dometic und Truck!Warn-Flex.[22]

Kombination aus Kamera, Radar und Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stoneridge-Orlaco hat ein aktives Kamera- und Radarerkennungssystem „SideEye“ eingeführt, das den Fahrer optisch mit einem Kamera-Overlay sowie mit einem akustischen Signal auf Radfahrer, Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer im toten Winkel des LKWs aufmerksam macht.[23][24][25] Das System „SideEye“ existiert mit und ohne Kamera-Monitor-System[26] und hat am 8. Januar 2021 die ABE erhalten.[9]

Gesetzliche Regelungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelungen und geplante Änderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland müssen ab Juli 2020 neu zugelassene Lang-LKWs mit einem Abbiegeassistenten und mitblinkenden Seitenmarkierungsleuchten ausgestattet sein, für bereits zugelassene Lang-LKWs gilt dies ab dem 1. Juli 2022. Als spezielle Fahrzeug-Kombination sind Lang-LKWs nicht im europäischen Recht geregelt, sondern können in Deutschland im Rahmen eines Feldversuchs seit 2017 auf Strecken einer „Positivliste“ fahren. Diese neuen Sicherheitsanforderungen wurden am 1. Oktober in der 9. Änderungsverordnung zum Feldversuch Lang-Lkw festgelegt, die außerdem zum 2. Oktober 2019 weitere Strecken für Lang-LKWs öffnete.[27]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2011 stellte Daimler Trucks dem ADFC einen Lkw vor, in dem ein Prototyp eines Rechtsabbiegeassistent eingebaut war. Daraufhin regte der ADFC im Bundesverkehrsministerium einen runden Tisch mit dem Ziel der gesetzlichen Einführung des Abbiegeassistenten für Lkw an.[28]

Am 7. Mai 2018 wurden zwei Radfahrerinnen von LKW überrollt und getötet: in München in der Moosacher Straße, Ecke Schleißheimerstraße ein 9-jähriges Mädchen, und in Hamburg im Eppendorfer Weg, Ecke Osterstraße eine 33-jährige Frau.[29][30] Am Abend versammelten sich spontan mehr als 50 Radfahrer an der Unfallstelle in Hamburg und legten ihre Fahrräder aus Protest auf die Straße.[31] Auf einer weiteren Demonstration in Hamburg-Eimsbüttel haben am 19. Mai 2018 mehrere Hundert Radfahrer für mehr Sicherheit auf den Straßen demonstriert.[32]

Der Bundesrat forderte am 8. Juni 2018 die Bundesregierung auf, sich gegenüber der Kommission und der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) noch intensiver als bisher dafür einzusetzen, dass in den Typgenehmigungsvorschriften schnellstmöglich Abbiegeassistenzsysteme bei Nutzfahrzeugen ab 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht verpflichtend vorgeschrieben werden. Darüber hinaus fordert der Bundesrat auch eine Nachrüstpflicht für ältere Fahrzeuge.[33]

Aktion Abbiegeassistent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Juni 2018 ließ sich der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einen EDEKA Südbayern Lang LKW mit dem von Anton Klott entwickelten Abbiegeassistent in Berlin vorstellen und lud daraufhin am 10. Juli alle Beteiligten, die etwas mit dem Abbiegeassistenten zu tun haben, ins BMVI Berlin zur „Aktion Abbiegeassistent“ ein. Hierzu zählten auch Vertreter der Speditionen, Logistikverbände, Hersteller, Zulieferer, Radfahr- und Verkehrssicherheitsverbände sowie technische Prüfdienste und Verkehrspolizisten.

Andreas Scheuer wörtlich:

„Fußgänger und Radfahrer werden täglich im Straßenverkehr von abbiegenden LKW gefährdet. Häufig kommt es dabei zu schrecklichen Unfällen. Diese könnten durch Abbiegeassistenten vermieden werden. Doch die gesetzlichen Voraussetzungen sind international geregelt und können von Deutschland nicht im Alleingang geändert werden. Mit unserer „Aktion Abbiegeassistent“ wollen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, die wir haben. Wir stehen alle in der Verantwortung. Mit Edeka/Netto Marken-Discount habe ich heute eine erste Sicherheitspartnerschaft vereinbart. Wir wollen im Rahmen der „Aktion Abbiegeassistent“ weitere Partner gewinnen, die sich dazu verpflichten, ihre Flotten mit Abbiegeassistenten nachzurüsten. Ein erster Termin mit allen Beteiligten findet noch vor der Sommerpause statt.“[34]

Zu einem Treffen der Sicherheitspartnerschaft im BMVI am 10. Juli 2018 in Berlin war der Osnabrücker Spediteur Siegfried Serrahn, der sich bereits länger auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene für mehr Sicherheit beim Abbiegen bei Lkw eingesetzt hatte, als Experte für Nutzfahrzeuge eingeladen, sowie DB Schenker als Spediteur. Die „Aktion Abbiegeassistent“ habe „durchweg positive Zustimmung von allen Seiten“ erhalten, so Serrahn. Ungewöhnlich groß sei das mediale Interesse gewesen. Die Parteien CDU und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, den Abbiege-Assistenten für neue Lkw und Busse zur Pflicht zu machen. Bei dem Treffen waren auch die Vertreter von Autoindustrie, Logistikbranche, Prüforganisationen, Verkehrssicherheitsexperten, Pkw- und Radfahrer-Clubs vertreten. Es solle nun auch darum gehen, dass sich alle Transport-Unternehmen verpflichten, ihre Lkw-Flotten nachzurüsten. „Was den europäischen Weg angeht, wurde nichts beschlossen“, so Serrahn. Das sei rechtlich ohnehin alles „hoch kompliziert“.

In Berlin wurde eine Sicherheitspartnerschaft zwischen dem Verkehrsminister Scheuer und den Speditionen unterzeichnet. Serrahn unterschrieb für seine Region auch die Sicherheitspartnerschaft für andere Spediteure.[35]

Scheuer kündigte an, dass Nach- und Umrüstungen von Lkw mit elektronischen Abbiegeassistenten finanziell gefördert werden sollen.[36][37] Im September 2018 bemängelte der ADFC jedoch, dass im Verkehrsetat 2019 dafür keine Mittel vorgesehen sind.[38] Am 25. Oktober 2018 wurden 44 Sicherheitspartner für die „Aktion Abbiegeassistent“ nach Berlin eingeladen und mit einer Urkunde ausgezeichnet. Von den 44 waren 33 neue Sicherheitspartner für die Aktion Abbiegeassistent hinzugekommen, die der Bundesminister Andreas Scheuer im BMVI begrüßte. Ziel soll sein, das in Deutschland alle Lkw mit Abbiegeassistenten ausgerüstet werden.[39]

Erste Actros LKW von Daimler mit Active Sideguard Assist – ehem. Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrat Walter Eichendorf und Spediteur Siegfried Serrahn

Am Tag der Verkehrssicherheit konnte am 19. Juni 2021 in Osnabrück bei der Firma Beresa der weltweit erste Actros LKW von Daimler mit dem Active Sideguard Assist begutachtet werden. Experten, Politiker und Spediteure debattieren, wie sich die Zahl der Toten-Winkel-Unfälle mit Lkw weiter senken lässt. Die ortsansässigen Transportunternehmen in Osnabrück, der Stadt des Westfälischen Friedens, waren schon seit vielen Jahren dabei tätig, um einen vernünftigen Ausgleich zur Sicherheit vom Schwer- und Radverkehr herzustellen. Der Spediteur Siegfried Serrahn ist dabei mit seiner unermüdlichen Kontaktpflege in die Politik, zu Organisationen und Verbänden bundesweit bekannt geworden. Der ehemalige Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig sagte:

„Ich bin davon überzeugt, dass mit dem selbstbremsenden Abbiegeassistenten ein wichtiger Schritt in Richtung Vision Zero unternommen wurde.“ „Wir müssen das jetzt politisch begleiten lassen, also dass es, wenn es erprobt wurde und dann State of the Art ist, auch gesetzlich vorgeschrieben wird.“

Walter Eichendorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, und Erwin Petersen, Vizepräsident der Landesverkehrswacht Niedersachsen, bereiteten die neuen Pedelec, E-Roller und Lastenfahrräder beim Toten Winkel große Sorgen[40]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgelöst durch einen Unfall in Wien, bei dem ein Bub durch einen nach rechts abbiegenden LKW getötet wurde, begann die Diskussion über eine Verpflichtung schon vor einer EU-weiten Regelung.[41] Nach Empfehlung und Förderung zum freiwilligen Einbau österreichweit, sollte nach einem Verordnungsentwurf durch die Stadt Wien, ab 1. April 2020 ein Abbiegen nach rechts von LKWs mit einem Gesamtgewicht über 7,5 Tonnen ohne Assistenten nicht mehr erlaubt sein, was einer Verpflichtung zum Einbau gleichkommt.[42]

Diese Verordnung wurde jedoch auf Grund der Corona-Regelungen noch nicht umgesetzt.

EU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ADFC forderte in einem Brief vom 7. Mai 2018 das Bundesverkehrsministerium dringend auf, zum besseren Schutz von Radfahrern unverzüglich eine Task Force einzurichten und sich bei der EU-Kommission sofort für die verpflichtende Einführung von elektronischen Lkw-Abbiegeassistenten einzusetzen. In der aktuellen Verordnung (EU) Nr. 661/2009 „General Safety Regulation“ waren sie bis dahin nicht vorgesehen.[43]

Die Europäische Kommission hat am 17. Mai 2018 einen Entwurf zur Aktualisierung der "General Safety Regulation" vorgestellt. Darin werden elektronische Abbiegeassistenten für Lkw und Busse gefordert. Diese Novellierung muss noch vom EU-Parlament und EU-Ministerrat erlassen werden.[44][45]

„Laut der EU-Verordnung 2019/2144 zur Typgenehmigung, die am 16. Dezember 2019 verkündet wurde, sind Abbiegeassistenten (dort: „Totwinkel-Assistent“) ab 6. Juli 2022 für neue Fahrzeugtypen und ab 7. Juli 2024 für neue Fahrzeuge verpflichtend. Das BMVI hatte sich im Vorfeld stets für eine schnellere verpflichtende Einführung (ab 2020 für alle neuen Fahrzeuge) eingesetzt; sich aber auf europäischer Ebene gegen andere Mitgliedstaaten nicht durchsetzen können.“[46]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Unfälle mit schweren Lkw enden oft tödlich. Unfallforschung der Versicherer, 26. Oktober 2017, abgerufen am 9. Juni 2018.
  2. LG München I 17 O 5389/17 vom 22.06.2018 – Volle Haftung einer Radfahrerin nach Kollision mit Sattelzug
  3. abbiegeassistent.de – 14.9.2016; Abbiege-Assistenzsystem für Lkw – Grundlagen eines Testverfahrens B. Schreck, P. Seiniger; BASt-Bericht F 104, 2015
  4. Bundesministerium der Justiz: Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) § 56 Spiegel und andere Einrichtungen für indirekte Sicht. (gesetze-im-internet.de [abgerufen am 5. April 2022]).
  5. Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.: ADFC | EU-Kommission will elektronische Lkw-Abbiegeassistenten. In: ADFC. (adfc.de [abgerufen am 9. Juni 2018]).
  6. Jolinde Huechtker: Abbiegeassistenten für Lkw: Im toten Winkel. In: Die Tageszeitung: taz. 5. März 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 15. April 2019]).
  7. Lkw-Abbiegeassistenten im Vergleich. In: adac.de. 25. April 2019, abgerufen am 12. Juli 2021.
  8. Abbiegeassistent Förderung des BMVI - direkt bestellen. ABE. Abgerufen am 6. März 2019 (deutsch).
  9. a b c ABE – Abbiegeassistent. In: kba.de. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 12. Juli 2021.
  10. Abbiegeassistenzsystem / AAS-Wue. (PDF) In: kba.de. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 12. Juli 2021.
  11. Abbiegeassistenten von Truckwan. Abgerufen am 18. Januar 2021.
  12. Abbiegeassistenten von Truckwan. Abgerufen am 18. Januar 2021.
  13. Als Beispiel für Radarbasierende Systeme sind der AAS-4.0 der Firma Wüllhorst GmbH & Co. KG, RightViu von Continental, PreView side Defender II von Preco Electronics GmbH sowie das baugleiche Abbiegeassistent-System 1312 von Mekra Lang GmbH & Co. KG, zu nennen.
  14. Nachrüstbarer Abbiegeassistent. Website Internationales Verkehrswesen. Abgerufen am 13. Dezember 2018.
  15. LUIS Technology bietet neuen LKW-Abbiegeassistenten an. Website Verkehrsrundschau. Abgerufen am 13. Dezember 2018.
  16. Abbiegeassistenten von Truckwan. Abgerufen am 18. Januar 2021.
  17. Abbiegeassistent LUIS TURN DETECT®. Abgerufen am 23. Juni 2019 (deutsch).
  18. Abbiegeassistent LUIS TURN DETECT®. Werbung. Luis Technology, abgerufen am 13. Oktober 2019 (deutsch).
  19. Abbiegeassistenzsystem / LUIS TURN DETECT. (PDF) In: kba.de. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 12. Juli 2021.
  20. Abbiegeassistent TurnCAM®. In: Rosho. Abgerufen am 4. März 2021 (deutsch).
  21. Axion Abbiegeassistent nachrüsten. Abgerufen am 5. Juli 2020 (deutsch).
  22. Abbiegeassistenten von Truckwan. Abgerufen am 18. Januar 2021.
  23. Stoneridge-Orlaco führt aktives Abbiegeassistenzsystem SideEye ein. Werbung. In: orlaco.de. Abgerufen am 12. Juli 2021.
  24. SideEye: Aktiver Abbiegeassistent für erhöhte Sicherheit in toten Winkeln. Werbung. In: orlaco.de. Abgerufen am 12. Juli 2021.
  25. SideEye: Aktiver Abbiegeassistent für erhöhte Sicherheit in toten Winkeln auf YouTube, abgerufen am 12. Juli 2021.
  26. Abbiegeassistenzsystem auf Basis von Radarsensoren in Verbindung mit und ohne Kamera-Monitor-System. (PDF) In: kba.de. Kraftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 12. Juli 2021.
  27. Abbiegeassistent wird für Lang-Lkw Pflicht. In: Pressemitteilung. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, 2. Oktober 2019, abgerufen am 20. Dezember 2019.
  28. Lkw-Abbiegeassistent verhindert schwerste Unfälle - ADFC NRW - Kreisverband Köln e. V. ADFC, 15. Februar 2012, abgerufen am 9. Juni 2018.
  29. Tödlicher Unfall am Montagmorgen: Mädchen (9) von Lastwagen erfasst. In: tz. 7. Mai 2018 (tz.de [abgerufen am 9. Juni 2018]).
  30. Tödlicher Verkehrsunfall im Berufsverkehr! Radfahrerin von LKW überrollt. In: bild.de. (bild.de [abgerufen am 9. Juni 2018]).
  31. WELT: Lkw erfasst Radfahrerin: 33-Jährige tödlich verletzt. In: DIE WELT. 7. Mai 2018 (welt.de [abgerufen am 9. Juni 2018]).
  32. NDR Fernsehen: Video "Fahrrad-Demo in Eimsbüttel" - Hamburg Journal. 20. Mai 2018, abgerufen am 9. Juni 2018 (deutsch).
  33. Drucksache 110/18 (Beschluss). (PDF) Bundesrat, 8. Juni 2018, abgerufen am 9. Juni 2018.
  34. BMVi: BM Scheuer startet „Aktion Abbiegeassistent“. (bmvi.de [abgerufen am 30. Juni 2018]).
  35. Osnabruecker-Spediteur bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Abruf=2018-07-11
  36. Tobias Betz, Bayerischer Rundfunk: Abbiegeassistent: Den toten Winkel im Visier | BR.de. 10. Juli 2018 (archive.org [abgerufen am 4. April 2019]).
  37. Lkw-Unfälle: Vorerst keine Pflicht für Abbiege-Assistenten. In: ZEIT ONLINE. 10. Juli 2018 (zeit.de [abgerufen am 17. Oktober 2018]).
  38. „Ein böses Foul!“: ADFC kritisiert Verkehrsminister Scheuer. (regionalbraunschweig.de [abgerufen am 17. Oktober 2018]).
  39. Video: Sicherheitspartner für die Aktion Abbiegeassistent am 25. Oktober 2018
  40. Tag der Verkehrssicherheit - Der Weg ist das Ziel | Eurotransport | Abruf=2021-07-05
  41. Abbiegeassistent für Lkw wird Pflicht auf ORF vom 5. September 2019, abgerufen am 4. Februar 2020.
  42. Verbot für Lkws ohne Abbiegeassistenten fix auf ORF vom 3. Februar 2020, abgerufen am 4. Februar 2020.
  43. Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.: ADFC | „Zwei durch LKW getötete Radfahrerinnen am Tag sind zu viel!“ / ADFC fordert Task Force des Bundesverkehrsministers. In: ADFC. (adfc.de [abgerufen am 9. Juni 2018]).
  44. Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.: ADFC | EU-Kommission will elektronische Lkw-Abbiegeassistenten. In: ADFC. (adfc.de [abgerufen am 9. Juni 2018]).
  45. EU verschärft die Anforderungen an die Kraftfahrzeugsicherheit. Rat der EU, 29. März 2019, abgerufen am 1. August 2019.
  46. Direktes Zitat nach BMVI - Abbiegeassistent – FAQ (abgerufen am 06.02.2020)