Abed Rabbo Mansur Hadi

Abed Rabbo Mansur Hadi (arabisch عبد ربه منصور هادي, DMG ʿAbd Rabbihi Manṣūr Hādī; * 1. September 1945 in Thakin im Gouvernement Abyan, Südjemen;[1] † 28. Mai 2026 in Riad, Saudi-Arabien[2]) war ein jemenitischer Politiker und Feldmarschall.[3] Von 1994 bis 2012 war er Vizepräsident Jemens unter Ali Abdullah Salih.[4] Bei der Präsidentschaftswahl 2012 wurde er als einziger Kandidat zum Präsidenten gewählt.[5] Im April 2022 gab er seine Befugnisse an einen neugeschaffenen achtköpfigen „präsidialen Führungsrat“ ab. Dieser sollte unter Leitung des früheren Innenministers Rashad al-Alimi das Land übergangsweise regieren bis zum Abschluss von Friedensverhandlungen mit den Huthi-Rebellen. Per Dekret setzte Hadi zugleich Vizepräsident Ali Mohsen al-Ahmar ab.[6]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hadi stammte aus dem Süden Jemens und erhielt seine militärische Ausbildung zunächst an der Schule der Armee des Protektorats Aden, die er 1964 abschloss; 1966 folgte eine Ausbildung an der Royal Military Academy Sandhurst in Großbritannien.[7] Später absolvierte er weitere militärische Ausbildungen in Ägypten und in der Sowjetunion.[8] Nach der Unabhängigkeit Südjemens 1967 übernahm er zunächst militärische Funktionen in den Panzertruppen, unter anderem auf der Luftwaffenbasis al-Anad, und stieg später in Stabs- und Ausbildungsfunktionen der Streitkräfte auf.[7] Im inner-südjemenitischen Konflikt von 1986 gehörte Hadi zum Umfeld des unterlegenen Präsidenten Ali Nasir Muhammad und floh mit anderen südjemenitischen Militärs in den Norden.[8] Dort wirkte er an der Neuordnung jener südjemenitischen Einheiten mit, die nach dem Machtkampf in den Norden übergegangen waren.[7]
Nach der Wiedervereinigung von Nordjemen und Südjemen im Jahr 1990 wurde Hadi Kommandeur im Gebiet al-Baida.[7] Im Bürgerkrieg von 1994 stand er auf der Seite der Regierung von Ali Abdullah Salih gegen die südjemenitischen Sezessionisten, wurde im Mai 1994 zum Verteidigungsminister ernannt und im Oktober desselben Jahres Vizepräsident.[8] Als Vizepräsident blieb Hadi über Jahre eine eher zurückhaltende Figur ohne eigene starke Hausmacht, stieg aber 2008 innerhalb des regierenden Allgemeinen Volkskongresses zum stellvertretenden Parteivorsitzenden und Generalsekretär auf.[7]
Im Dezember 2010 dementierte er, dass, wie in den Veröffentlichungen von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch WikiLeaks enthüllt, US-amerikanische Kampfflugzeuge Ziele in Jemen bombardierten.[9]
Bereits im Juni 2011 übernahm er nach der Verletzung des Präsidenten geschäftsführend die Leitung wichtiger Amtsgeschäfte und wurde auch Oberbefehlshaber der Armee. Hadi gehörte zu den Funktionsträgern, die sich beim Anschlag auf die Moschee im Präsidentenpalast am 3. Juni 2011 in Sanaa aufhielten, überlebte den Angriff jedoch.[7] Am 23. November 2011 unterschrieb der nach andauernden Protesten in seinem Land in Bedrängnis geratene Salih ein Abkommen, das die Machtübergabe an Hadi innerhalb von 30 Tagen und Präsidentschaftswahlen innerhalb von 90 Tagen vorsah.[10] Hadi war der einzige Kandidat bei der Präsidentschaftswahl in Jemen 2012, daraufhin kam es erneut zu Protesten der Opposition.[11]
Nach dem Sieg bei der Präsidentenwahl mit 99,8 Prozent der Stimmen wurde Hadi am 25. Februar 2012 vom Parlament als neuer Staatschef vereidigt und löste damit offiziell Ali Abdullah Salih nach 33 Jahren als Präsidenten ab. Für zwei Jahre sollte Hadi als Übergangspräsident amtieren, ehe Neuwahlen mit mehreren Kandidaten stattfinden sollten.[12] Schon am Tag seiner Vereidigung zeigte ein Selbstmordanschlag von al-Qaida in al-Mukalla, bei dem mindestens 26 Soldaten getötet wurden, die fragile Sicherheitslage des Landes.[13] Nach seinem Amtsantritt leitete Hadi eine Neuordnung von Armee und Sicherheitsapparat ein, bei der zahlreiche Befehlshaber aus den Machtblöcken um Salih und um die Protestbewegung abgelöst und Einheiten neu verteilt wurden.[7] Zugleich sollte die von ihm geführte Übergangsphase die Umsetzung der vom Golfkooperationsrat vermittelten Vereinbarung, eine Übergangsjustiz, einen umfassenden nationalen Dialog, eine neue Verfassung und allgemeine Wahlen vorbereiten.[7]
Ein wichtiges Projekt seiner Präsidentschaft war der Nationale Dialog, der von März 2013 bis Januar 2014 Vertreter verschiedener politischer und gesellschaftlicher Gruppen zusammenbringen sollte.[8] Zu den einbezogenen Gruppen gehörten unter anderem Parteien, der südjemenitische Hirak, die Huthi, Jugend- und Frauenvertretungen sowie weitere gesellschaftliche Akteure.[8] Die Ergebnisse des Dialogs sahen unter anderem eine föderale Neuordnung Jemens mit sechs Regionen und die Ausarbeitung einer neuen Verfassung vor.[8]
Im September 2014 übernahmen die Huthi die Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa.[7] Am 22. Januar 2015 erklärte Hadi seinen Rücktritt vom Amt des Staatspräsidenten, nachdem schiitische Huthi-Rebellen den Präsidentenpalast gestürmt und zwei Tage lang gewaltsame Auseinandersetzungen mit den Regierungstruppen geführt hatten.[14] Zuvor war die Regierung ebenfalls zurückgetreten. Anfang Februar 2015 nahm Hadi seine Rücktrittserklärung zurück und floh in die südjemenitische Stadt Aden, die er daraufhin zur neuen Hauptstadt erklärte.[7] Nachdem sich die Rebellen bis Ende März 2015 Aden weiter genähert und ein Kopfgeld auf Hadi ausgesetzt hatten, verließ er das Land, gelangte über den Oman nach Saudi-Arabien und blieb dort, von einzelnen Aufenthalten in loyalistischen Gebieten im Osten und Süden Jemens abgesehen, bis zu seinem Lebensende im Exil.[7][13] Seine international anerkannte Regierung war nach der Flucht stark geschwächt und operierte in wesentlichen Teilen von Saudi-Arabien aus.[13]
Im April 2022 übertrug Hadi seine präsidialen, militärischen und sicherheitspolitischen Befugnisse an den neu gebildeten Präsidialen Führungsrat unter Rashad al-Alimi.[3] Nach seinem Tod in Riad ordnete die international anerkannte jemenitische Regierung in Aden eine dreitägige Staatstrauer an.[3]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Abed Rabbo Mansur Hadi: Ohne Hausmacht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. November 2011, S. 10
- Keine Wahl bei der Wahl In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Februar 2012.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Abd Rabbo Mansur Hadi im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Abd Rabbuh Mansur Hadi biography ( vom 28. Januar 2015 im Internet Archive) (en).
- ↑ Von Huthi-Miliz vertrieben: Jemens Ex-Präsident Hadi gestorben, derbund.ch, 28. Mai 2026.
- 1 2 3 وفاة الرئيس اليمني السابق عبد ربه منصور هادي. In: الجزيرة نت. 28. Mai 2026, abgerufen am 30. Mai 2026 (arabisch).
- ↑ CIA: Library ( vom 29. August 2013 im Internet Archive) In: The World Factbook. 26. Oktober 2011, abgerufen am 29. Juni 2012.
- ↑ Ein Neuanfang in Jemen NZZ Online, 25. Februar 2012.
- ↑ Wendepunkt im Jemen: Präsident Hadi gibt die Macht ab. In: Frankfurter Neue Presse. 8. April 2022, archiviert vom ; abgerufen am 17. Februar 2024.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 عبد ربه منصور هادي رئيس المرحلة الشائكة في اليمن. In: الجزيرة نت. 28. September 2014, abgerufen am 30. Mai 2026 (arabisch).
- 1 2 3 4 5 6 توفيق الشنواح: عبدربه منصور هادي... من أحلام التغيير إلى الرحيل. In: اندبندنت عربية. 28. Mai 2026, abgerufen am 30. Mai 2026 (arabisch).
- ↑ Trotz WikiLeaks: Jemen bestreitet US-Militäraktionen. In: ORF. 1. Dezember 2010, abgerufen am 29. Juni 2012.
- ↑ Jemen: Präsident Saleh gibt Macht ab. In: Die Presse. 23. November 2011, abgerufen am 2. Juni 2026.
- ↑ Jemen: Nahende Präsidentschaftswahlen sorgen für Spannung - Weitere Meldungen. In: FOCUS Online. (focus.de [abgerufen am 2. Juni 2026]).
- ↑ Übergangspräsident für den Jemen ( vom 1. März 2012 im Internet Archive) bei euronews.de, 25. Februar 2012 (abgerufen am 29. Juni 2012).
- 1 2 3 Adam Nossiter: Abdu Rabbu Mansour Hadi, Exiled Ex-President of Yemen, Dies at 80. In: The New York Times. 29. Mai 2026, abgerufen am 30. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Yemen President Hadi Resigns After Shiite Rebels Seize Palace. In: Bloomberg. (bloomberg.com [abgerufen am 2. Juni 2026]).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hadi, Abed Rabbo Mansur |
| KURZBESCHREIBUNG | jemenitischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 1. September 1945 |
| GEBURTSORT | Thakin, Gouvernement Abyan, Südjemen |
| STERBEDATUM | 28. Mai 2026 |
| STERBEORT | Riad |