Abercrombie & Fitch

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Abercrombie & Fitch Co.
Logo der Abercrombie & Fitch Co.
Rechtsform Corporation
ISIN US0028962076
Gründung 4. Juni 1892
Sitz New Albany, Ohio, Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Leitung Arthur Martinez (Executive Chairman)
Nadja Martinez (CEO)
Mitarbeiter 99.000 (2015)[1]
Umsatz 4,246 Mrd $ (2015)[1]
Branche Textilien
Website abercrombie.com
Geschäft an der New Yorker Fifth Avenue
Filiale auf der Düsseldorfer Königsallee

Abercrombie & Fitch Co. ([æbɝkɻɒmbi ænd fɪʧ], kurz A&F) ist ein US-amerikanisches Modeunternehmen mit Sitz in New Albany (Ohio). Die Marken Abercrombie kids und Hollister gehören ebenfalls zu Abercrombie & Fitch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung der Abercrombie Co.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Juni 1892 eröffnete David Abercrombie an der South Street in Downtown Manhattan ein Geschäft für Angelzubehör[2] und gründete damit die Abercrombie Co. Das Originalgeschäft war Elite-Ausrüster für Sport- und Ausflugswaren und für teure Schrotflinten, Angelruten und Zelte bekannt.[3]

Umbenennung in Abercrombie & Fitch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnell freundete Abercrombie sich mit dem Manager Ezra Fitch an, der in New York City lebte, einer seiner Stammkunden war und stark an den Erfolg des jungen Unternehmens glaubte. Deshalb kaufte Ezra Fitch im Februar 1900 schließlich 49 % der Unternehmensanteile. 1904 wurde das Unternehmen in Abercrombie & Fitch Co. umbenannt. Später gerieten Abercrombie und Fitch in Streit wegen Erweiterungsvisionen seitens Fitch. Ezra Fitch wollte Niederlassungen im ganzen Staat New York eröffnen und das Unternehmen zu einem Fachgeschäft für Campingutensilien ausbauen. Abercrombie wollte sich aber lieber auf den Ausbau des Geschäfts in Manhattan konzentrieren und war gegen die Pläne von Fitch.[2] An dieser Frage scheiterte die Zusammenarbeit der beiden Herren. Abercrombie bat Fitch deshalb seine Anteile zum Kauf an.[2]

Verkauf an Ezra Fitch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1907 verkaufte David Abercrombie alle seine Anteile an Ezra Fitch und verließ das Unternehmen.[2] Die Produktpalette wurde in den folgenden Jahrzehnten um Damenbekleidung, Schuhe, Kameras und Gesellschaftsspiele erweitert. In den zwanziger Jahren war Abercrombie & Fitch einer der wichtigsten Importeure des chinesischen Gesellschaftsspiels Mah-Jongg.

Insolvenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den fünfziger Jahren wurden weitere Läden in Kalifornien, Florida und New Jersey eröffnet. Im Sommer 1976 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden und schloss 1977 seinen Flagshipstore in Manhattan.[4] Ab 1978 war der stillgelegte Firmenname im Besitz von Oshman’s Sporting Goods, die unter dem Namen ein auf Jagdbekleidung spezialisiertes Versandgeschäft betrieben und Läden in Beverly Hills, Dallas und New York eröffneten.

Modeunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 verkaufte Oshman’s den Firmennamen und seine Tätigkeiten an Limited Brands.[5] Seitdem zielt Abercrombie & Fitch vor allem auf jugendliche Kundschaft. 1996 erfolgte der Börsengang von Abercrombie & Fitch, und Limited Brands trennte sich von allen Unternehmensanteilen. Im Jahr 1992 wurde Michael Jeffries CEO von Abercrombie & Fitch und übernahm 1998 den Posten des Chairman. Im Januar 2014 ersetzte Arthur Martinez ihn als Chairman,[6][7] am 9. Dezember 2014 trat Michael Jeffries von seinem Posten als CEO zurück.[8] Im August 2014 kündigte Abercrombie & Fitch an, in Zukunft in Nordamerika bei ihrer Kleidung auf die Verwendung des Logos zu verzichten.[9]

Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Unternehmen gehören neben Abercrombie & Fitch auch die Marken Hollister, Gilly Hicks und Abercrombie kids. Bis Januar 2010 gehörte auch Ruehl No.925 zum Unternehmen. Im Jahr 2014 wurden die Gilly-Hicks-Filialen geschlossen. Seitdem werden die Produkte dieser Marke in Hollister-Filialen vertrieben.[10]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Merkmal von Abercrombie-&-Fitch-Kleidung ist der Elch. Stilbildend sind die Fotoserien von Bruce Weber im Katalog, der das Erscheinungsbild der Marke prägt.[7]

Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filialen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abercrombie & Fitch betrieb im Februar 2014 insgesamt 1006 Filialen, von denen 275 A&F-, 136 abercrombie kids-, 587 Hollister- und 8 Gilly-Hicks-Filialen waren.

Neben den Filialen in Nordamerika, wo Abercrombie & Fitch in Kanada, den Vereinigten Staaten und Puerto Rico vertreten ist, betreibt das Unternehmen 16 Geschäfte in Europa und sieben in Asien.

Vertriebswege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das deutsche Markenrecht schützt die exklusiven Vertriebswege, so dass der Weiterverkauf von Markenprodukten eine Markenverletzung sein kann. Darauf basieren zahlreiche Abmahnungen, mit denen Abercrombie & Fitch in Europa gegen Wiederverkäufer vorging, als die Marke noch nicht selbst auf dem europäischen Markt aktiv war.[11]

Von 1988 bis 2005 verkaufte das Hamburger Unternehmen Peek&Cloppenburg Kleidung unter dem Markennamen Abercrombi & Fitch, stellte den Verkauf aber auf Druck von Abercrombie & Fitch ein.[11]

Im Juni 2013 verkaufte Real Kleidungsstücke von Abercrombie & Fitch und Hollister in seinen Filialen in Deutschland.[12]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2003 wurde Abercrombie & Fitch wegen Rassismus verklagt. Im November 2004 endete das Verfahren und Abercrombie & Fitch zahlte den 10.000 Betroffenen insgesamt 40 Millionen Dollar. Die Personen sollen bei ihrer Bewerbung benachteiligt worden sein, da bei dem Unternehmen fast ausschließlich Weiße arbeiteten. Zur Einigung gehörten auch gleichberechtigungsfördernde Vereinbarungen.[13][14]

2003 bezahlte Abercrombie & Fitch 2,2 Millionen Dollar an 11.000 ehemalige Mitarbeiter, die die Kleidung des Unternehmens als Arbeitskleidung kaufen mussten und deren Stundenlöhne deswegen teilweise unter dem gesetzlichen Mindestlohn lagen. Abercrombie & Fitch verpflichtete sich dies zukünftig zu unterlassen.[15]

2006 geriet Abercrombie & Fitch in Kritik, als Michael Jeffries in einem Interview sagte, dass „unsere Mode nur für coole, gut aussehende Personen gedacht ist.“[16] Diese Aussage und die Tatsache, dass Frauenkleidung nur bis Größe L (in Europa: 40) verfügbar sind, wurden als diskriminierend aufgefasst.[17] Für männliche Kunden bietet Abercrombie & Fitch Kleidung in XL und XXL.[18]

Im Londoner Flagshipstore wurde eine Angestellte mit Unterarmprothese von Mitarbeitern des „visual teams“, die für ästhetische Angelegenheiten zuständig sind, in das Lager versetzt. Abercrombie & Fitch wurde deswegen zur Zahlung einer Entschädigung verurteilt.[19]

Im September 2009 wurde Abercrombie & Fitch wegen Diskriminierung zu 115.264 Dollar Geldstrafe verurteilt, weil einem autistischen Mädchen die Hilfe durch ihre Schwester in der Umkleidekabine untersagt wurde.[20]

Im November 2009 wurde Abercrombie & Fitch vom International Labor Rights Forum in die Sweatshop Hall of Shame 2010 aufgenommen.[21] Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Kleidung durch Kinderarbeit auf den Philippinen für einen niedrigen Lohn und unter menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen herzustellen.[22]

Im August 2011 wurde bekannt, dass das Unternehmen Darstellern der Reality-Show Jersey Shore Geld dafür geboten hatte, keine Kleidung der Marke mehr zu tragen.[23]

Im April 2013 recherchierte das Wirtschaftsmagazin Plusminus über die Arbeitsbedingungen im indischen Bangalore, unter denen für Abercrombie & Fitch hergestellt wird. Aufnahmen bei einem Hersteller, der gemäß eigenen Angaben u. a. für Abercrombie & Fitch produziert, zeigen ein unhygienisches Arbeitsumfeld und wie ungeschützte Arbeiter mit falsch gelagerten Chemikalien arbeiteten. Laut dem Leiter der Textil-Fabrik würden sich die Räume in den Sommermonaten auf über 45 Grad aufheizen. Arbeiter berichteten von Überstunden und ihrem Monatslohn von zirka 10.000 Rupien (etwa 145 Euro). Zudem werde den Arbeitern die gewerkschaftliche Organisierung verboten.[24]

Mitte April 2013 untersuchte der TÜV Rheinland Kleidungsstücke von Abercrombie & Fitch und fand in einem Produkt krebserzeugendes Benzidin in einer Konzentration von über 100 Milligramm pro Kilogramm – mehr als dem Dreifachen des gesetzlichen Höchstwerts. Die Kleider waren laut einem Professor für Toxikologie „nicht verkehrsfähig“ und dürften „nicht verkauft werden“.[24]

2013 wurde Abercrombie & Fitch kritisiert, weil fehlerhafte Kleidungsstücke nicht sozialen Einrichtungen gespendet, sondern verbrannt werden. Gemäß einem Modeanalysten will Abercrombie & Fitch „den Eindruck vermeiden, dass sich auch arme Leute diese Kleidungsstücke leisten können.“[25] Darauf formierte sich weltweiter Widerstand und in sozialen Netzen riefen User dazu auf, Abercrombie-&-Fitch-Kleidungsstücke an Obdachlose zu verschenken.

Nach Beschwerden von Anwohnern und Passanten musste Abercrombie & Fitch den Parfümduft außerhalb seiner Filialen in München und Hamburg reduzieren.[26][27]

Im Mai 2013 unterzeichneten Abercrombie & Fitch und weitere Unternehmen wie Aldi, H&M und Zara ein Abkommen zu mehr Sicherheit in der Modeproduktion Bangladeschs. Angeregt wurde die Initiative durch den Einsturz eines Fabrikgebäudes mit über 1.100 getöteten Menschen.[28] Das verbindlichen Abkommen sieht Verbesserungen im Brand- und Gebäudeschutz vor.

Im Juni 2014 wurde Abercrombie & Fitch vorgeworfen, die Konfektionsgröße Triple Zero anzubieten, was einer Bundweite von 58,5 Zentimeter entspräche. Abercrombie & Fitch dementierte den Vorwurf und berief sich darauf, dass es sich nicht um eine Neueinführung handle, sondern um einen Fehler in der Größentabelle. Jene Konfektionsgröße bietet Abercrombie & Fitch nach eigenen Angaben seit 2012 nicht mehr an. Der Vorfall zog ein großes Medienecho nach sich.[29][30]

Außerdem wurde Abercrombie & Fitch wegen des Verkaufs von Push-up-Bikinis für Siebenjährige und String-Tangas für Zehnjährige kritisiert.[31]

In dem „Retail Report 2015“ des renommierten „American Customer Satisfaction Index (ACSI)“, bei der 70.000 Kunden mehr als 300 Unternehmen bewerteten, erreichte Abercrombie & Fitch den letzten Platz und erzielte zudem den niedrigsten Zufriedenheits-Wert, der in der 22-jährigen Geschichte des Reports jemals gemessen wurde.[32]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt wurde Abercrombie & Fitch durch den Howard-Hawks-Film Man’s Favorite Sport? (Ein Goldfisch an der Leine) von 1964 mit Rock Hudson und Paula Prentiss in den Hauptrollen. Hudson spielt darin einen Angestellten in der Angelabteilung von Abercrombie & Fitch, der, obwohl er selbst noch nie geangelt hat, erfolgreicher Autor eines Fachbuches über das Angeln ist. Geschickt konnte er dies geheim halten, bis sein Chef (John McGiver) seinen Helden eines Tages zu einem Angelwettbewerb anmeldet, um den Umsatz zu steigern.[33]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abercrombie & Fitch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Abercrombie & Fitch Co.: Jahresabschluss 2013. Abgerufen am 29. August 2014 (englisch).
  2. a b c d David Abercrombie - genealogyamerica. In: genealogyamerica.jimdo.com. Abgerufen am 10. Juni 2016.
  3. Abercrombie & Fitch. In: Fortune magazine, Juli 1939.
  4. Abercrombie & Fitch Co. History. Auf: Fundinguniverse, aus: International Directory of Company Histories, Band 35. St. James Press, 2001 (englisch).
  5. Abercrombie & Fitch Co.: Company Information. The New York Times, abgerufen am 5. Juli 2014.
  6. Abercrombie-Chef verliert an Macht. (Memento vom 9. März 2014 im Internet Archive) Frankfurter Allgemeine Zeitung; abgerufen am 5. Juli 2014
  7. a b Matthew Shaer: Why Abercrombie Is Losing Its Shirt. New York Magazin, 17. Februar 2014; abgerufen am 5. Juli 2014
  8. Lukas Schürmann: Umstrittener CEO verlässt Abercrombie & Fitch - und die Börse jubelt. manager-magazin.de, 9. Dezember 2014
  9. Kathrin Werner: Jetzt auch offiziell uncool. Süddeutsche.de, 30. August 2014
  10. Ulrike Howe: Abercrombie schließt alle Gilly Hicks-Filialen. TextilWirtschaft.de, 6. November 2013
  11. a b C. Schlautmann: „Abercrombie & Fitch säubert deutschen Markt“ Handelsblatt vom 18. Januar 2006
  12. Nobel-Marke im Wühlkorb: Abercrombie & Fitch gibt’s jetzt bei „real“. tz.de, 25. Juni 2013; abgerufen am 25. März 2014
  13. Steven Greenhouse: Abercrombie & Fitch Bias Case Is Settled. The New York Times, 17. November 2004.
  14. Abercrombie & Fitch to pay $40M to settle bias case. USA Today, 16. November 2004.
  15. Jenny Strasburg: Clothier settles dress-code complaint / Abercrombie to pay $2.2 million over workers’ “uniforms”. San Francisco Chronicle, 24. Juni 2003.
  16. Manuela Tomic: Chef der Modemarke Abercrombie & Fitch möchte nur gut aussehende Kunden. Der Tagesspiegel, 16. Mai 2013
  17. “Since when was a ten plus-size?” Ellen DeGeneres hits back at Abercrombie & Fitch’s “thin and beautiful” customer policy. Daily Mail, 17. Mai 2013
  18. Tobias Dorfer: Dicke Mädchen unerwünscht. Süddeutsche Zeitung, 10. Mai 2013
  19. Abercrombie & Fitch wegen Belästigung zu Entschädigung verurteilt. Klagsverband, 14. August 2009.
  20. Markus Ladstätter: Abermalige Verurteilung von Abercrombie & Fitch. Informationen von BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben, 22. September 2009
  21. Sweatshop Hall of Shame 2010. International Labor Rights Forum, 14. November 2009 (PDF; 130 kB)
  22. Sam Biastre: IHS Child Slave Labor News :: Abercrombie and Fitch Child Labor. IHS Child Slave Labor News, November 2010, Zugriff am 1. Januar 2012
  23. Modelabel zahlt Seriendarstellern Geld für nichts. stern.de, 18. August 2011
  24. a b Wolfgang Kerler, Vanessa Lünenschloß: Abercrombie & Fitch: Krebserzeugende Substanz in Damenoberteil (Memento vom 13. April 2013 im Internet Archive). Informationen zur Sendung PlusMinus auf Das Erste.de, 18. Juni 2013
  25. Sam Biastre: Abercrombie nur für Junge und Schlanke. Die Zeit, 16. Mai 2013
  26. Klaus Vick: Abercrombie & Fitch: Stadt stoppt „Beduftung“. Merkur Online, 21. Februar 2013
  27. Behörde: Modemarke muss Duftwolke verkleinern. Hamburger Abendblatt, 16. Oktober 2012
  28. Bangladesch: Modeproduzenten verpflichten sich zu mehr Sicherheit. In: Die Zeit, 16. Mai 2013. Abgerufen am 21. Juni 2013. 
  29. Tanja Mokosch: Dreifach dünn. Süddeutsche.de, 27. Juni 2014
  30. Gina Louisa Metzler & Miriam Held: Size 000: Abercrombie & Fitch bringt neue Magergröße auf den Markt. Huffingtonpost.de, 27. Juni 2014
  31. Claire Shipman: Padded Bikini Top For 7-Year-Olds Draws Parents’ Ire. abc News, 28. März 2011
  32. Abercrombie & Fitch - die größte Losermarke der USA. Stern (Zeitschrift). 3. März 2016. Abgerufen am 4. März 2016
  33. Man’s Favorite Sport? Internet movie database (IMDb), Zugriff am 30. Mai 2012