Abfallwirtschaft Mannheim

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Die Abfallwirtschaft Mannheim ist als Eigenbetrieb der Stadt Mannheim für 325.000 Einwohner zuständig. Sie ist seit 2001 zum Entsorgungsfachbetrieb für Sammlung und Transport von Abfällen zertifiziert und gilt als modernes kommunales Dienstleistungsunternehmen. Die Bilanzsumme beträgt rund 90 Mio. Euro bei Umsatzerlösen von ca. 65 Mio. Euro jährlich. Rund 425 Mitarbeiter sind in den Bereichen Abfallwirtschaft, Straßenreinigung, Winterdienst, Containertransport, Kfz-Werkstatt und Beratung beschäftigt. Die Abfallwirtschaft Mannheim betreibt zwei städtische Recyclinghöfe und eine Deponie.

Geschichte[Bearbeiten]

1968 wurde in Mannheim das Stadtreinigungs- und Fuhramt gebildet. Dieses verwaltete somit die Aufgaben Müllabfuhr, Stadtreinigungs- und Kraftfahrzeugwesen, Betreuung der öffentlichen Bedürfnisanstalten und öffentliche Waagen zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt zentral. Nachdem 1972 die Abfallbeseitigungsgesetze des Bundes und des Landes Baden-Württemberg in Kraft traten, kam es zu einer wesentlichen und umfassenden Aufgabenerweiterung der Stadt. Nun war sie grundsätzlich verpflichtet, die auf ihrem Gebiet angefallenen Abfallstoffe zu beseitigen.

Vierzehn Jahre später legte das Bundesabfallgesetz 1986 fest, dass vor der Beseitigung der Abfälle deren Vermeidung und Verwertung stehen müsse. Im selben Jahr führte die Abfallwirtschaft Mannheim in drei Gebieten mit insgesamt etwa 8000 Haushalten einen Versuch mit Biotonnen durch. Die betreffenden Gebiete waren Käfertal-Sonnenschein, Waldhof-West und Vogelstang Südost. 1991 wurde in den Außenbereichen Mannheims und im Bereich Schwetzingerstadt die Papiertonne eingeführt.

1992 bildete sich das Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung mit den Aufgaben Abfallentsorgung, Straßenreinigung / Winterdienst, Zentrale Verwaltung der städtischen Kraftfahrzeuge und Betrieb öffentlicher Toilettenanlagen. 1996 trat das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz des Bundes in Kraft, mit dem Ziel der Förderung der Kreislaufwirtschaft zur Schonung der natürlichen Ressourcen und der Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen.

1999 wurde der Eigenbetrieb Abfallwirtschaftsbetrieb Mannheim gebildet, und die Abfallwirtschaft, der Fahrbetrieb und die Werkstätten des Amts für Abfallwirtschaft, und ab 2000 auch die Stadtreinigung in den Eigenbetrieb überführt, zum Zwecke der verbesserten Betriebsführung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

2000 wurden der Eigenbetrieb Abfallwirtschaftsbetrieb Mannheim und das Amt für Abfallwirtschaft Mannheim werden in den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Mannheim überführt. Ziele war die Nutzung der betrieblichen Vorteile der Zusammenarbeit von Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, insbesondere die bedarfsgerechte kurzfristige Disposition der Mitarbeiter, vor allem im Winterdienst. 2001 wurde die Abfallwirtschaft Mannheim zum Entsorgungsfachbetrieb für das Einsammeln und Befördern von Abfällen (EdDE) zertifiziert. Seit 2003 wurde die Biotonne flächendeckend ausgeweitet. Damit erhielten alle Mannheimer Bürger die Möglichkeit, organische Abfälle aus Küche und Garten getrennt zu sammeln. Die Biotonne war weiterhin freiwillig und kostete eine monatliche Behältergebühr.

2007 senkte die Abfallwirtschaft Mannheim die Abfallgebühren, und schüttete damit die erwirtschafteten Gewinne an die Mannheimer Bürger aus. 2007 wurde die Papiertonne in den Innenstadtbereichen eingeführt, womit für rund 100.000 Haushalte die Bündelsammlung entfiel. Damit war ganz Mannheim an die kostenlose Papiertonne angeschlossen. 2008 erfolgte bedingt durch günstigere Entsorgungskosten eine zweite Gebührensenkung. Die Gebühren erreichten das Niveau von 1995. 2009 wurde die Sperrmüllabfuhr auf Abruf eingeführt, und die bisherigen turnusmäßigen Sammlungen von Straßensperrmüll eingestellt.

Aufgaben[Bearbeiten]

Abfallwirtschaft[Bearbeiten]

Die Müllwerker der Abfallwirtschaft Mannheim leeren wöchentlich mit 37 Müllfahrzeugen rund 112.800 Behälter für Restmüll, Bioabfall und Altpapier. Sie holen Sperrmüll auf Abruf ab, nehmen zweimal im Jahr Grünanfälle mit und sammeln im Frühjahr und im Herbst an zentralen Stellen im Stadtgebiet Mannheim Problemstoffe ein. Nach Dreikönig entsorgen sie auch Weihnachtsbäume.

Stadtreinigung[Bearbeiten]

100 Mitarbeiter der Stadt sorgen für Sauberkeit in Mannheim. 18 Kehrmaschinen reinigen das Straßen-, Rad- und öffentliches Gehwegenetz. Manuell leeren die städtischen Mitarbeiter rund 4.500 Papierkörbe im Stadtgebiet, halten Straßen, Wege, Plätze, Haltestellen und Fußgängerzonen sauber und pflegen Grünflächen. Außerdem beseitigen sie wilde Müllkippen sowie Wildkraut und kehren im Herbst rund 1.000 Tonnen Laub zusammen.

Winterdienst[Bearbeiten]

250 Mitarbeiter und 110 Fahrzeuge sorgen von November bis März für den Winterdienst.

Abfallberatung[Bearbeiten]

Sechs Abfallberater sind für Mannheimer Bürger und Gewerbebetriebe da, wenn es um Abfall vermeiden, verwerten, trennen und beseitigen geht. Auch für Kindergärten und Schulen bietet die Abfallberatung ein Programm, um Kindern das Thema Abfall spielerisch nahezubringen.

Recyclinghöfe der Abfallwirtschaft und der ABG Abfallbeseitigungsgesellschaft[Bearbeiten]

  • Recyclinghof der Abfallwirtschaft Mannheim in Neckarau
  • Recyclinghof der ABG Abfallbeseitigungsgesellschaft auf der Friesenheimer Insel

Beide Recyclinghöfe nehmen fast alle Abfälle in haushaltüblichen Mengen aus Privathaushalten entgegen. Für einige Abfälle ist die Annahme kostenlos, für manche werden Gebühren erhoben.

Weitere Angebote und Aktivitäten[Bearbeiten]

  • Speziell für Vorschulkinder im Kindergarten bietet die Abfallwirtschaft Mannheim Führungen durch den Recyclinghof an.
  • Die Müllfahrzeuge der Abfallwirtschaft Mannheim werden genutzt für Eigenwerbung. Der Betrieb nutzt die Flächen und stellt seine Leistungen dar.

Gebührenstruktur[Bearbeiten]

In Mannheim wird die Restmülltonne nach zwei verschiedenen Kategorien geleert. Wöchentlich im Vollservice oder 14-täglich im Teilservice. Vollservice bedeutet, dass die Müllwerker der Abfallwirtschaft Mannheim die Tonnen am Leerungstag vom Standplatz holen und auch wieder dorthin zurückstellen. Teilservice heißt, dass die Tonne vom Besitzer selbst an den Gehwegrand bereitgestellt werden muss. Somit richtet sich die Gebühr für die Leerung der Restmülltonne nach Größe der Tonne und nach dem Leerungsrhythmus bzw. Voll- oder Teilservicegebiet. Die Leerung der Biotonne ist ebenfalls gebührenpflichtig und wird nur im Teilservice (14-täglich) geholt. Von April bis einschließlich Oktober wird die Biotonne wöchentlich geleert. Für die Leerung der Papiertonne erhebt die Abfallwirtschaft Mannheim keine Gebühr. Sperrmüll wird auf Abruf geholt nach vorheriger Anmeldung. Zweimal vier bzw. einmal acht Kubikmeter sind im Jahr kostenfrei.

Inertstoffdeponie[Bearbeiten]

Die Deponie Friesenheimer Insel ist eine Reststoffdeponie. Es werden Inertstoffe wie Bauschutt, Straßenaufbruch, Bodenaushub, Gießereialtsande und andere mineralische Abfälle abgelagert. Sie liegt im Nordosten der Friesenheimer Insel, die im Westen vom Rhein und auf der anderen Seite von einer Altrheinschlinge begrenzt wird. Im Süden mündet der Neckar in den Rhein.

Die Gesamt-Deponie erstreckt sich auf eine Länge von etwa 1,5 Kilometer und Breite von etwa 300 bis 400 Meter. Die Deponie setzt sich entsprechend der zeitlichen Entwicklung aus insgesamt drei Abschnitten und einer Reservefläche zusammen. Davon sind zwei Abschnitte (Urdeponie und Altdeponie) bereits verfüllt.

Die sogenannte Urdeponie hat eine Fläche von circa 16,5 Hektar und liegt am nordwestlichen Rand des Deponiegeländes. Sie wurde bis 1981 betrieben. Die Urdeponie ist überwiegend rekultiviert – so auch ein Teil der Altdeponie – und mit dichter Vegetation bedeckt.

Die Altdeponie wurde 1981 in Betrieb genommen. Sie umfasst eine Fläche von circa 14 Hektar. Seit 2009 ist die Altdeponie stillgelegt. Ab 2006 wurde mit der Oberflächenabdichtung und Rekultivierung begonnen.

Die Erweiterung IV ist der aktuell betriebene Deponieabschnitt der 1993 in Betrieb genommen wurde. Dieser Abschnitt ist als Deponie der Klasse II gemäß Deponieverordnung ausgebaut.

Tochtergesellschaft[Bearbeiten]

Die ABG Abfallbeseitigungsgesellschaft mbH (ABG) wurde 1981 gegründet. Sie ist eine kommunale GmbH, Gesellschafter sind die Städte Mannheim (99,29 %) und Ludwigshafen (0,71 %). Im Auftrag der Stadt Mannheim betreibt sie die Inertstoffdeponie, den größten Recyclinghof auf Mannheimer Gemarkung und das Problemstoffzwischenlager. Sie kompostiert Grünabfälle auf der eigenen Anlage, und nimmt für die MVV RHE GmbH Anlieferungen an deren Müllverbrennungsanlage an. Die ABG arbeitet mit ihren 38 Mitarbeitern bei der Durchführung ihrer Aufgaben eng mit der Abfallwirtschaft Mannheim zusammen.

Weblinks[Bearbeiten]