Abgabekategorie

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Die Abgabekategorie regelt in der Schweiz die Verfügbarkeit beziehungsweise die Verschreibungspflichtigkeit eines Arzneimittels. Zuständig für die Vergabe der Abgabekategorie ist die Swissmedic; die Verordnung über die Arzneimittel (VAM) definiert die Kategorien. Maßgeblich ist aber letztlich die tatsächliche Auflistung des Arznei- oder Heilmittels, nicht aber die Beschreibung der Kategorie.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kategorien A und B sind rezeptpflichtig, während Arzneimittel der Kategorien C, D und E ohne Rezept gekauft werden können. Arzneimittel der Kategorien A, B und C können in Apotheken bezogen werden, jene der Kategorie D auch in Drogerien, und E-Arzneimittel können auch in Supermärkten verkauft werden.

In "begründeten Ausnahmefällen" (Heilmittelgesetz § 24 Abs. 1) kann ein Apotheker ein Arzneimittel jedoch auch ohne Rezept abgeben. Dies ist etwa der Fall, wenn durch die Nicht-Abgabe gesundheitliche Schäden drohen, wenn akute Symptome gelindert werden können, oder wenn das Medikament dem Patient bereits einmal verordnet wurde, und dem Patienten die zu behandelnden Symptome bekannt sind. Um Mißbrauch der Arzneimittel zu verhindern, können Ärzte die Rezepte mit Auflagen versehen; etwa durch eine fraktionierte Abgabe (der Patient kann bestimmte Kleinmengen des Medikaments in bestimmten Abständen beziehen), oder es wird ihm vorgeschrieben, das Rezept nur in einer bestimmten Apotheke einzulösen.

Im Jahr 2005 fielen 59 % aller in der Schweiz zugelassenen Arzneimittel in die Kategorien A und B, 10 % in die Kategorie C und 31 % in die Kategorien D und E.[1]

Kategorie A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einmalige Abgabe auf eine ärztliche Verschreibung hin (Verschreibungspflicht); Dauer-Rezepte sind nicht zuläßig.

Arzneimittel der Kategorie A dürfen nur während einer begrenzten Therapiedauer eingesetzt werden. Die Rezepte dürfen aus Sicherheitsgründen nicht verlängert werden. Für eine erneute Abgabe des Heilmittels muss erneut der Arzt aufgesucht werden. Das Arzneimittel kann ohne ärztliche Diagnose und/oder Überwachung zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen.

Beispiele: Tramadol, Amoxicillin.

Betäubungsmittel (A+)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kategorie A+ benötigt ein Betäubungsmittel-Rezept. Der Arzt darf nur eine Menge verschreiben, die für eine einmonatige Behandlung ausreicht; in begründeten Ausnahmen kann der Bezug der Medikamente während drei Monaten wiederholt werden. Betäubungsmittel dürfen nur von jenem Arzt verschrieben werden, der den Patienten auch selbst untersucht hat.

Beispiele: Morphin, Pethidin, Methylphenidat (Ritalin).

Zu beachten ist, dass Benzodiazepine und Barbiturate unter die Abgabekategorie B fallen, obwohl sie dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt sind. Ebenso findet man bestimmte Dosierungen von Betäubungsmitteln in den Kategorien B und C – so zum Beispiel Codein, das als Kombi-Präparat zusammen mit Paracetamol gegen Schmerzen eingesetzt wird, und alleine als Hustenmittel.

Kategorie B[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benötigt ein Rezept. Dauer-Rezepte für den wiederholten Bezug sind zulässig, wobei Bundesgesetze die Gültigkeitsdauer von Dauer-Rezepten nicht einschränken. Verschiedene Kantone setzen jedoch, gestützt auf Gesetze oder auf Tarifverträge mit den Krankenkassen, eine Obergrenze von entweder 12 oder 24 Monaten.

Arzneimittel der Kategorie B können auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zu Gesundheitsschäden führen. Arzneimittel dieser Kategorie werden bei Krankheiten eingesetzt, bei denen eine ärztliche Diagnose und/oder Überwachung empfohlen wird. Ebenso befinden sich Wirkstoffe, deren Wirkung noch nicht genügend erforscht wurden und Wirkstoffe zur parenteralen Anwendung in dieser Kategorie. Neuartige Wirkstoffe gelten also zunächst als rezeptpflichtig, bevor sie gegebenenfalls in die Kategorien C oder D entlassen werden.

Beispiele: Methylprednisolon, Ibuprofen (in höheren Dosen), Novalgin, Ringer-Laktat (da parenteral verabreicht), Tamiflu, Midazolam, Temesta, Atorvastatin, Gardasil (parenteral), Desogestrel (Antibabypille) und isotonische Kochsalz-Lösung (parenteral).

Kategorie C[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arzneimittel der Kategorie C dürfen in Apotheken verkauft werden. Diese Heilmittel erfordern eine Fachberatung durch Medizinalpersonen. Arzneimittel dieser Kategorie sind primär dadurch definiert, dass sie nicht in Kategorien A oder B vorkommen.

Die Fachberatung muss insbesondere dann erfolgen, wenn wesentliche Anwendungseinschränkungen (Kontraindikationen) oder wichtige unerwünschte Nebenwirkungen auftreten können. Je nach Kanton können Drogerien diese Arzneimittel ebenfalls verkaufen, falls sie dazu eine befristete Ermächtigung erhalten.

Beispiele: Ibuprofen in normalen Dosen, Hydrocortison als Crème in bestimmten Dosierungen, Codein-Tropfen in bestimmten Dosierungen, Levonorgestrel (Pille zur Notfallverhütung).

Kategorie D[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezeptfreie Abgabe nach Fachberatung, die aber nicht von einer Medizinalperson angeboten werden muss. Verkauf in Apotheken und Drogerien. Arzneimittel dieser Kategorie sind primär dadurch definiert, dass sie nicht in die Kategorien A, B oder C aufgenommen wurden.

Beispiele: Paracetamol in üblichen Dosen, Xylometazolin in tieferen Dosen.

Kategorie E[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgabe ohne Fachberatung in allen Geschäften.

Beispiele: Heilmittel wie Zitronenmelissen- oder Kamillentee.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fridolin Marty: Medikamente In: Gerhard Kocher, Willy Oggier (Hrsg.): Gesundheitswesen Schweiz 2007–2009. Huber, Bern 2007, ISBN 978-3-456-84422-0.