Abgar V.

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Eine Ikone mit Abgar, der ein Abgar-Bild von Jesus Christus hält (Ein enkaustisches Bild aus dem 10. Jahrhundert im Katharinenkloster auf dem Sinai).
Abgar V. auf einer armenischen 100.000 Dram-Banknote

Abgar V. Ukamma (Der Schwarze) oder Abgarus V. von Edessa (arabisch أبجر الخامس أوكاما, DMG Abǧar al-Ḫāmis ʾŪkāmā, aramäisch ܐܒܓܪ ܚܡܝܫܝܐ ܐܘܟܡܐ ʾAḇgar Ḥəmišāyā ʾUkkāmā, armenisch Աբգար Ե Եդեսացի Abgar Hingerord Jedessazi, altgriechisch Ἄβγαρος Abgaros) war zwischen 4 v. Chr. und 7 n. Chr. und nochmals zwischen 13 und 50 König von Osrhoene, mit der Hauptstadt Edessa.[1] Abgar wird als Heiliger gesehen, dessen Festtage am 11. und 28. Oktober in der Orthodoxen Kirche, am 1. August in der Syrischen Kirche und täglich in der Messe der Armenischen Apostolischen Kirche begangen werden. in der römisch-katholischen Kirche ist sein Gedenktag der 20. Juni.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ethnische Herkunft Abgars ist nicht ganz klar. Abgar wird vom zeitgenössischen Tacitus als „König der Araber“ beschrieben,[2] während der armenische Historiker Moses von Choren ihn als Armenier beschreibt.[3] Doch spätere Historiker wie Robert W. Thomson und Richard G. Hovannisian erklärten, dass Moses von Choren die armenische Abstammung erfunden habe.[4] Die meisten gegenwärtigen Historiker sehen Abgards Dynastie als arabisch an.[5][6][7] Folglich sagt der Forscher Lucas Van Rompay, dass man nicht mit Sicherheit sagen könne, ob Abgar arabischer, aramäischer, parthischer oder armenischer Abstammung sei.[8]

Abgar V. kam 4 v. Chr. an die Macht. Er wurde ein römischer Vasall, verlor seinen Thron im Jahr 7 n. Chr. und gewann ihn fünf Jahre später wieder. Moses von Choren berichtete, dass die Hauptfrau von König Abgar V., Königin Helena von Adiabene, die ehemalige Ehefrau Königs Monobaz I. von Adiabene war und somit die Königreiche von Edessa und Adiabene miteinander verbunden waren.

Robert Eisenman schlägt Königin Helena als eine der Frauen von König Abgar V. vor, der ihr die Länder von Adiabene zuteilte.[9] Eisenman geht noch weiter und setzt Abgar mit dem Propheten Agabus aus der Apostelgeschichte des Lukas gleich (Apg 11: 27–30), der in einer Verbindung mit einer großen Hungersnot stand. Damit sei das Antiochien aus der Apostelgeschichte nicht Antiochia am Orontes sondern Antiochia Kallirhoe (Edessa).[10] Damit aber wäre Abgar nach Eisenman selbst einer der siebzig Jünger.

Es wird behauptet, dass Abgar V. einer der ersten christlichen Könige in der Geschichte war, der durch Thaddeus von Edessa, einem der siebzig Jünger, zum Glauben bekehrt worden sei.[11][12] Dieser Thaddeus war Bischof von Edessa und wird mitunter mit dem Apostel Judas Thaddäus identifiziert.[13]

Der Brief von König Abgar an Jesus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Legende nach erkrankte Abgar und ließ über seinen Sekretär Hannan einen Brief an Jesus Christus schreiben. Dieser soll ihm zur Heilung ein Abbild (Mandylion) von sich selbst und eine Antwort geschickt haben. Allerdings wird zu Beginn der Legende nur das Abbild erwähnt.

Der Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea berichtet, dass die edessanischen Archive eine Kopie eines Briefwechsels zwischen Abgar und Jesus enthielten.[14] Die Korrespondenz bestand aus einem Brief Abgars und der Antwort, die Jesus diktierte. Am 15. August 944 erhielt die Kirche St. Maria von Blacherna in Konstantinopel den Brief und das Mandylion. Beide Reliquien wurden dann in die Pharos-Palastkapelle verlegt.[15]

Dieser Briefwechsel erfreute sich sowohl im Osten als auch im Westen des Mittelalters großer Beliebtheit: Jesu Brief wurde auf Pergament kopiert, in Marmor und Metall eingerahmt und als Talisman oder Amulett verwendet. Von dieser Korrespondenz gibt es nicht nur einen syrischen Text, sondern auch eine armenische Übersetzung, zwei unabhängige griechische Versionen, kürzer als die syrische, und mehrere Inschriften auf Stein. Damalige Gelehrte stritten untereinander, ob Abgar an Gicht oder an Lepra litt und ob die Briefe auf Pergament oder Papyrus geschrieben worden waren.

Die Pilgerin Egeria erwähnte diesen Brief, als sie sich in Edessa aufhielt. Sie las dort den Brief und merkte an, dass der Brief ausführlicher sei als die Kopien, die sie in ihrer Heimat (wahrscheinlich Frankreich) gesehen hatte.[16]

Allerdings sieht Bart D. Ehrman basierend auf anderen Forschern wie Han Drijver den Briefwechsel als ein Konstrukt und Fälschung aus dem 3. Jahrhundert an, der von orthodoxen Christen als Propaganda gegen den Manichäismus erfunden wurde.[17]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vailhé, Siméon: Edessa. In: Catholic Encyclopedia, Robert Appleton Company, New York 1913.
  2. Steven Ring: History of Syriac texts and Syrian Christianity – Table 1.
  3. Vrej Nersessian: Treasures from the Ark: 1700 Years of Armenian Christian Art. Oxford University Press, 2001, ISBN 978-0892366392, S. 224.
  4. Richard G. Hovannisian: Armenian Van/Vaspurakan, S. 68, Dezember 2000
  5. Alan Bowman, Peter Garnsey, Averil Cameron: The Cambridge Ancient History: Volume 12, The Crisis of Empire, AD 193-337. Cambridge University Press, 2005, ISBN 9780521301992.
  6. Abgar V. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. (englisch, iranicaonline.org – inkl. Literaturangaben).
  7. Sigfried J. de Laet, Joachim Herrmann: History of Humanity: From the seventh century B.C. to the seventh century A.D.. UNESCO, 1996, ISBN 9789231028120.
  8. Syriac Historiography and Identity Formation, Muriel Debié, Church History and Religious Culture, Vol. 89, No. 1/3, Religious Origins of Nations? The Christian Communities of the Middle East (2009), S. 100.
  9. Eisenman (1992); S. 8
  10. Eisenman (1992); S. 1
  11. Chapman: Doctrine of Addai
  12. Adrian Fortescue: Lesser Eastern Churches. 2001, ISBN 978-0-9715986-2-1 (google.com).
  13. Judas, Thaddeus, Addai: possible connections with the vicissitudes of the Edessan and Constantinopolitan Mandylion and any research perspectives
  14. Eusebius in seiner Kirchengeschichte I, xiii
  15. Raymond Janin: La Géographie ecclésiastique de l'Empire byzantin. 1. Part: Le Siège de Constantinople et le Patriarcat Oecuménique. 3rd Vol.: Les Églises et les Monastères. Institut Français d'Etudes Byzantines, Paris 1953, S. 172 (französisch).
  16. John Bernard: The Pilgrimage of Egeria. Palestine Pilgrims' Text Society.
  17. Bart D. Ehrman: Forgery and Counterforgery. The Use of Literary Deceit in Early Christian Polemics, New York 2013, ISBN, S. 455–458

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Bauer: Orthodoxy and Heresy in Earliest Christianity. Fortress Press, Philadelphia, PA 1971. (German original published in 1934)
  • Alberto Camplani: Traditions of Christian foundation in Edessa: Between myth and history. In: Studi e materiali di storia delle religioni (SMSR). 75, Nr. 1, 2009, S. 251–278. Abgerufen am 25. Januar 2017.
  • Henry Palmer Chapman: Doctrine of Addai. In: Catholic Encyclopedia, Robert Appleton Company, New York 1913.
  • Robert Eisenman: The sociology of MMT and the conversions of King Agbarus and Queen Helen of Adiabene. 1992 (roberteisenman.com [PDF]).
  • Robert Eisenman: James the Brother of Jesus. 1997.
  • Frederick George Holweck: A biographical dictionary of the saints. B. Herder Book Co., St. Louis, MO 1924.
  • Alexander Mirkovic: Prelude to Constantine: The Abgar tradition in early Christianity (= Arbeiten zur Religion und Geschichte des Urchristentums). Peter Lang, Frankfurt am Main 2004.
  • Constantin von Tischendorf: Acta Thaddei (Acts of Thaddeus). In: Acta apostolorum apocr. S. 261 ff.
  • Ian Wilson: Holy faces, secret places. 1991.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]