Abgasentschwefelung in der Seeschifffahrt

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Schematische Darstellung eines einfachen Systems zur Schwefelreinigung
Schematische Darstellung eines Hybridsystems zur Abgasentschwefelung
Schematische Darstellung eines Abgaswäschers zur Schwefelreinigung (Naßwäscher)

Abgasentschwefelung in der Seeschifffahrt bezeichnet die Entschwefelung der bei der Verbrennung von Treibstoffen an Bord von Schiffen entstehenden Abgase. Hierfür werden neuerdings Entschwefelungsanlagen eingebaut. Dabei wird zwischen der „trockenen“ und „nassen“ Entschwefelung unterschieden. Die trockenen Entschwefelungsanlagen binden die Schwefelverbindungen in Kalksubstraten, dabei entsteht Gips. Die als Gaswäscher bezeichneten nassen Entschwefelungsanlagen (sog. Schwefelscrubber) nutzen Salzwasser oder Süßwasser mit Natronlauge.

Reduzierung des Schwefelemissionen in der Seeschifffahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuellen Entwicklungen in der internationalen Schifffahrt haben aufgrund der zunehmenden globalen Umweltprobleme zu verschärften Vorschriften auch beim zulässigen Schwefelgehalt in den Brennstoffen geführt. Daher wurde im Überseeverkehr der maximal zulässige Schwefelgehalt im Brennstoff im ersten Schritt von 5 % auf 4,5 % gesenkt, im zweiten Schritt ab 2012 auf 3,5 % und ab 2020 bzw. 2025 soll er auf 0,5 % sinken. Für die Häfen der Europäischen Union gilt die EU-Richtlinie 2005/33/EG, die besagt, dass Brennstoffe mit weniger als 0,1 % Schwefel zu verwenden sind. Für die Ost- und Nordsee als ECA-Gebiete gilt der Grenzwert von 1 % Schwefel, ab 2015 0,1 % Schwefel.

Diese Maßnahmen nach MARPOL Anlage VI lauten „Regeln zur Verhütung der Luftverunreinigung durch Seeschiffe“, sie bedeuten für den Schiffsbetrieb erhebliche Veränderungen und deutlich erhöhte Treibstoffkosten. Statt Schweröl ist in den ECA-Fahrtgebieten schwefelarmes Schweröl und ab 2015 Gasöl oder schwefelarmes Marinedieselöl (MDO) zu bunkern. Als Alternative zum schwefelreduzierten Brennstoff erlauben die IMO und die EU auch eine Entschwefelung der Abgase, wenn diese ebenso wirksam ist. Mit der Abgasentschwefelung müssen die gleichen Schwefeloxid-Konzentrationen wie im Betrieb mit schwefelreduziertem Brennstoff erreicht werden (MEPC.184(59)). Die Schiffbauzulieferindustrie hat bereits reagiert und zurzeit befinden sich auf Seeschiffen einiger umweltbewusster Reeder Verfahren zur Trocken- und die Nassentschwefelung in der Erprobungsphase.

Einbau eines Flüssigscrubbers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ficaria Seaways, ein RoRo-Schiff der DFDS Seaways, wurde 2009 im Schwimmdock der Bremerhavener MWB-Werft trocken gestellt, um 30 Meter verlängert zu werden. Dabei wurde sie unter anderem mit einem Schwefelscrubber, dem Wäscher-System „PureSOX“ von Alfa Laval ausgerüstet, um damit Schwefelsäure aus dem Abgas zu entfernen. Die Anlage wurde von MWB mit Unterstützung der Ingenieure von DFDS, Alfa Laval und MAN Diesel & Turbo geplant, eingebaut und später erprobt. Damit zählt diese Anlage zu den weltweit größten Flüssig-Schwefelscrubbern an Bord eines Schiffes. Die Scrubberanlage wird als Hybridsystem bezeichnet, da sie sowohl mit Salzwasser als auch mit Süßwasser betrieben werden kann.[1]

Trockenentschwefelung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachträglicher Einbau der Entschwefelungsanlage auf der Timbus

Das Prinzip der trockenen Entschwefelungsanlagen ist aus den Landkraftwerken entstanden. Dort werden die Schwefelverbindungen in Kalkmilch gebunden. Da sich das Verfahren aus Platzgründen auf Schiffen nicht realisieren lässt, wird Kalkgranulat mit riesiger „innerer“ Oberfläche genutzt. Das Kalkgranulat bindet die Schwefelverbindungen SO2 und SO3, wobei Wasser freigesetzt wird. Auf der Timbus wurde eine erste Versuchsanlage realisiert. Es ist eine zweistufige Anlage mit Silo und Reststoffbehälter.

Als ersten Neubau mit einer trockenen Entschwefelungsanlage konstruiert und baut die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft ein neuartiges und umweltfreundliches ConRo-Schiff für die Oceanex Inc, das 2014 abgeliefert werden soll.[veraltet] Das 200 Meter lange Schiff mit einer Tragfähigkeit von 19.500 Tonnen hat Eisklasse, ist für weltweite Fahrt ausgelegt und zählt aufgrund der Entschwefelung zu den umweltfreundlichsten ConRo-Fähren der Welt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ficaria Seaways, Alfa Laval.