Abgeordnetenhauswahl in Tschechien 2017

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(in %, Wahlbeteiligung 60,84 %)[1]
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Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2013
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-3,05
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Vergleichswert 2013: Úsvit
i 2013 zusammen mit TOP 09 angetreten
Sitzverteilung
         
Von 200 Sitzen entfallen auf:

Die Abgeordnetenhauswahl in Tschechien 2017 fand am 20. und 21. Oktober 2017 statt.

Die Partei ANO um den Agrochemie- und Medienunternehmer Andrej Babiš gewann in sämtlichen Wahlkreisen und wurde mit Abstand stärkste Partei. Insgesamt gewannen rechtspopulistische und EU-skeptische Parteien stark an Stimmen, während linke oder eine tiefere EU-Integration unterstützende Parteien mit massiven Stimmenverlusten rechnen mussten, darunter auch die bisher stärkste Partei ČSSD. Letztere konnte vom Wirtschaftsboom sowie niedriger Arbeitslosenzahlen in ihrer Amtszeit nicht profitieren und fiel auf ihr schlechtestes Ergebnis seit 1992 zurück.[2][3]

Wahlsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Abgeordnetenhaus wird nach dem Verhältniswahlverfahren gewählt. Es gibt eine Sperrklausel von 5 %. Die Dauer der Legislaturperiode beträgt 4 Jahre.

Teilnehmende Parteien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Parteien waren im Abgeordnetenhaus vertreten oder wurden in den Umfragen vor den Wahlen regelmäßig mit über fünf Prozent der Stimmen gesehen:

Partei Spitzenkandidat/-in Politische Ausrichtung Europäische Partei/Fraktion
Logo Politické hnutí ANO 2011 (ANO)
Politische Bewegung ANO 2011
Foto
Andrej Babiš
Populisten, Zentristen ALDE
Logo Občanská demokratická strana (ODS)
Demokratische Bürgerpartei
Foto
Petr Fiala
Konservative, Wirtschaftsliberale, EU-Skeptiker ACRE
Logo Česká pirátská strana (ČPS)
Tschechische Piratenpartei
Foto
Ivan Bartoš
Piratenpolitik PPEU
Logo Svoboda a přímá demokracie (SPD)
Freiheit und direkte Demokratie
Foto
Tomio Okamura
Rechtspopulisten, EU-Skeptiker MENL
Logo Komunistická strana Čech a Moravy (KSČM)
Kommunistische Partei Böhmens und Mährens
Foto
Vojtěch Filip
Kommunisten, Marxisten, EU-Skeptiker EL
Logo Česká strana sociálně demokratická (ČSSD)
Tschechische Sozialdemokratische Partei
Foto
Lubomír Zaorálek[4]
Sozialdemokraten SPE
Logo Křesťanská a demokratická unie – Československá strana lidová (KDU-ČSL)
Christliche und Demokratische Union – Tschechoslowakische Volkspartei
Foto
Pavel Bělobrádek
Christdemokraten EVP
Logo TOP 09
TOP 09
Foto
Miroslav Kalousek
Liberal-konservative, Wirtschaftsliberale, Pro-Europäismus EVP
Logo Starostové a nezávislí (STAN)
Bürgermeister und Unabhängige
Petr Gazdík Liberal-konservative, Dezentralisierung EVP

Umfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umfragenverlauf seit der Wahl 2013

Die Umfragen im Vorfeld der Wahl sahen ANO klar auf Platz eins zwischen 25 und 30 Prozent liegend. Demzufolge würde die Partei ihr Ergebnis im Vergleich zu 2013 deutlich verbessern. Der ČSSD wurden Verluste vorhergesagt; die meisten Demoskopen sahen die Sozialdemokraten dabei allerdings knapp vor der kommunistischen KSČM im unteren zweistelligen Bereich. Der ODS wurden leichte Gewinne prognostiziert, ein zweistelliges Ergebnis schien dabei im Rahmen des Möglichen. In den letzten Umfragen vor der Wahl konnten vor allem die Piraten und die SPD, die Partei Tomio Okamuras, deutlich zulegen. Für beide galt der erstmalige Einzug ins tschechische Abgeordnetenhaus als wahrscheinlich. KDU-ČSL, TOP 09 und STAN lagen kurz vor der Wahl bei knapp über oder unter fünf Prozent, sodass ein Einziehen der Parteien unsicher war. Die Erstgenannten würden dabei Verluste hinnehmen müssen. Den Grünen, die von 2006 bis 2010 im Abgeordnetenhaus vertreten waren, sowie der Partei Svobodní, die seit 2014 einen EU-Parlamentarier stellt, wurden keine Chancen auf einen Parlamentseinzug eingeräumt.

Datum Agentur Befragte ČSSD ANO KSČM TOP 09 ODS Úsvit KDU-ČSL SZ Pirati SPD STAN Andere Vorsprung
Wahl 2013 4.969.984 20,5 % 18,7 % 14,9 % 12,0 % 7,7 % 6,9 % 6,8 % 3,2 % 2,7 % nicht existent mit TOP09 9,3 % 1,8 %
5. - 25. Juni TNS Kantar 10,0 % 33,5 % 10,5 % 7,5 % 11,0 % N/A 7,5 % 2,0 % 4,0 % 7,5 % mit KDU-ČSL 6,5 % 22,5 %
13. Jun. Médea Research 11,4 % 35,6 % 7,3 % 6,9 % 9,8 % N/A 11,2 % N/A 6,2 % 5,7 % mit KDU-ČSL N/A 24,2 %
9. - 29. Mai TNS Kantar 10,0 % 31,5 % 10,5 % 9,0 % 11,5 % N/A 8,5 % 2,0 % 4,0 % 6,0 % 2,0 % 5,0 % 20,0 %
6. Feb. Médea Research 14,6 % 28,0 % 9,6 % 4,7 % 7,8 % 7,8 % 4,7 % 6,3 % 7,5 % 13,4 %
1. Jan.–2. Feb. Median 1064 19,5 % 28,5 % 15,0 % 6,5 % 8,0 % 6,5 % 2,0 % 3,5 % 4,5 % 6,0 % 9,0 %
26. Jan. STEM 14,5 % 29,9 % 12,6 % 4,6 % 9,8 % 1,4 % 7,8 % 2,1 % 4,1 % 4,9 % 2,9 % 5,3 % 15,4 %
5.–11. Jan. SANEP 2805 15,8 % 28,6 % 11,9 % 6,1 % 10,2 % 1,0 % 6,7 % 2,0 % 3,5 % 6,3 % 3,1 % 12,8 %
1.–10. Jan. Phoenix Research 15,9 % 23,7 % 11,1 % 5,2 % 7,4 % 1,2 % 5,5 % 2,0 % 2.6 % 3,9 % 4,4 % 7,8 %
16. Dez. Median 18,0 % 27,0 % 14,5 % 7,0 % 9,5 % 6,5 % 2,5 % 4,0 % 3,5 % 2,0 % 9,0 %
30. Nov.–12. Dez. STEM 16,3 % 29,7 % 13,8 % 5,2 % 7,5 % 2,1 % 6,9 % 1,9 % 3,3 % 4,7 % 4,1 % 13,4 %
28. Nov.–12. Dez. CVVM 1028 20,0 % 32,0 % 12,0 % 5,5 % 8,5 % 1,0 % 8,5 % 1,0 % 3,0 % 4,5 % 1,0 % 12,0 %
5.–25. Nov. TNS Aisa 868 14,0 % 33,5 % 8,5 % 6,0 % 9,0 % 7,5 % 6,0 % 19,5 %
7.–16. Nov. CVVM 1019 22,5 % 32,5 % 14,5 % 5,0 % 9,0 % 1,0 % 6,0 % 2,0 % 1,5 % 3,5 % 1,5 % 1,0 % 10,0 %
29. Sept.–29. Okt. Median 1032 18,0 % 24,5 % 13,5 % 8,5 % 9,5 % 7,0 % 3,0 % 4,0 % 4,0 % 2,0 % 6,5 %
8.–27. Okt. TNS Aisa 856 15,0 % 34,0 % 7,5 % 7,5 % 8,5 % 6,5 % 6,5 % 19,0 %
13.–21. Okt. STEM 1054 14,4 % 29,7 % 14,6 % 7,1 % 9,0 % 6,7 % 1,7 % 4,7 % 5,2 % 15,1 %
10.–17. Okt. CVVM 982 19,5 % 34,5 % 10,0 % 6,0 % 8,0 % 9,0 % 1,5 % 3,0 % 4,0 % 4,5 % 15,0 %

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ŽIVĚ: ANO jednoznačně vyhrálo volby. Babiš nabídl jednání všem stranám - LIVE: ANO hat eindeutig die Wahl gewonnen. Babiš bietet Gespräche mit allen Parteien an
  2. Tschechien rückt nach rechts, tagesschau.de vom 21. Oktober 2017
  3. Volby do Poslanecké sněmovny Parlamentu České republiky konané ve dnech 20.10. – 21.10.2017, Angaben des Tschechischen statistischen Amtes ČSÚ, online auf: volby.cz/pls/
  4. Tschechiens Premier Sobotka tritt als Parteichef zurück. In: Süddeutsche Zeitung (online, dpa-Newskanal). 14. Juni 2017, abgerufen am 15. Juni 2017.