Abgeschnitten (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Filmdaten
OriginaltitelAbgeschnitten
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2018
Länge132 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegieChristian Alvart
DrehbuchChristian Alvart
MusikMaurus Ronner,
Christoph Schauer
KameraJakub Bejnarowicz
SchnittMarc Hofmeister
Besetzung

Abgeschnitten ist ein deutscher Thriller aus dem Jahr 2018. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman, den Sebastian Fitzek mit dem Rechtsmediziner Michael Tsokos verfasste.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund um Helgoland tobt gerade ein heftiger Sturm, sodass die Insel von der Außenwelt abgeschnitten ist. Dort hält sich gerade die junge Comiczeichnerin Linda auf. Sie wird von ihrem Ex-Freund bedroht, der sie als Stalker verfolgt. Als sie gerade wieder vor ihm flieht, sieht sie am Strand eine Leiche.

Der Rechtsmediziner Paul Herzfeld ist an der Charité in Berlin gerade mit einer Obduktion beschäftigt. Im Kopf einer weiblichen Leiche, deren Kiefer fehlt, findet er eine Kapsel. Darin steckt ein kleiner Zettel, auf dem die Handynummer seiner vor dem Abitur stehenden Tochter Hannah, die er nur selten sieht, notiert ist. Er ruft die Nummer an und hört, dass seine Tochter von einem Mann namens Erik entführt wurde. Der Rechtsmediziner darf die Polizei nicht informieren.

Etwas später klingelt das Handy des Toten auf Helgoland, als Linda gerade neben der Leiche steht. Linda nimmt das Gespräch an und spricht mit Herzfeld. Sie erklärt ihm, dass er wegen des Unwetters nicht nach Helgoland kommen kann. Daraufhin weist er sie an, Ender Müller, den Hausmeister der Insel-Klinik, zu suchen und mit seiner Hilfe die Leiche in den Obduktionsraum zu bringen. Zugleich macht er sich mit seinem neuen Praktikanten Ingolf von Appen, der sich gerade als unfähig erwiesen hat, aber sehr reich ist, auf den Weg Richtung Cuxhaven. Während der Fahrt drängt er Linda dazu, die Leiche vom Strand zu untersuchen.

Linda, die Vegetarierin ist und sich ekelt, stimmt nur einer äußeren Leichenschau zu, die sie nach Herzfelds Anweisungen durchführt, während Ender mit Scherzen die Stimmung lockert. Als sie jedoch im Hals des Toten einen Gegenstand sieht, soll sie den Hals aufschneiden. Sie wehrt sich, stimmt dann jedoch zu, nachdem sie Herzfeld von Danny erzählt hat. Der Gegenstand erweist sich als Überraschungsei. Darin steckt ein Foto. Es zeigt die Richterin Friederike Töven, mit der Herzfeld schon mal Probleme hatte.

Linda und Ender dringen in Tövens Haus auf Helgoland ein und finden dort die Leiche der Frau, die sie ebenfalls in den Obduktionsraum bringen. Herzfeld und sein Praktikant haben währenddessen das Haus seines Kollegen Jens Marinek erreicht. Dort finden sie neben einem toten Schwein Hinweise auf den Sadisten Jan Erik Sadler, den Mann, der Hannah gefangen hält. Bei der Spurensuche bricht Ingolf in einem zugefrorenen See neben dem Haus ein, wird aber von Herzfeld gerettet.

In Tövens After steckt ein Holzstock. Herzfeld hat entsprechende Bilder in einem Video gesehen. Auf dem Stock stehen Zahlen, die Linda telefonisch übermittelt. Es sind Geokoordinaten, die Herzfeld mit dem Praktikanten in einen Wald führen. Dort wird er von Marinek überwältigt. Dieser schluckt eine Speicherkarte, bevor er sich erschießt. Herzfeld holt die Speicherkarte heraus und sieht in einem Video den Umzugsunternehmer Philipp Schwintowski.

Marineks Tochter Lily und Schwintowskis Tochter Rebecca wurden von Sadler entführt und nahmen sich in ihrer Verzweiflung das Leben. Daraufhin entschieden sich die beiden Männer zur Selbstjustiz. Sie werfen Herzfeld juristische Fehler vor und veranlassten deshalb Hannahs Entführung.

In der Klinik auf Helgoland will Ender die Stromversorgung sichern und kommt mit einem Messer in der Schulter zurück in den Obduktionsraum, in dem Linda sich eingeschlossen hat. Herzfeld verursacht absichtlich einen Autounfall im Wald, um über das automatische Notrufsystem des Autos einen Rettungshubschrauber zu holen. Mit dem Hubschrauber fliegen er und Ingolf nach Helgoland. Dort rettet Herzfeld Linda und Ender, nachdem diese von Sadler angegriffen worden waren. Er erkennt außerdem, dass Schwintowski der Tote vom Strand ist. Eine Anspielung auf Alcatraz führt die Gruppe zu einem Bunkersystem, das die Nazis einst auf Helgoland anlegten. Dort findet Herzfeld Hannah.

Der Rechtsmediziner dankt Linda und Ingolf für ihre Hilfe, bevor er mit Hannah und den Leichen im Hubschrauber zurückfliegt. Als der Hubschrauber gerade mitten über der Nordsee ist, sticht ein Messer durch einen Leichensack. Sadler greift die Gruppe an, bevor Herzfeld ihn aus dem Hubschrauber stößt.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgeschnitten ist die dritte Verfilmung eines Fitzek-Romans nach Das Kind und Das Joshua-Profil. Viele Szenen des Films wurden am Originalschauplatz auf Helgoland gedreht.[2] Mitarbeiter der Paracelsus-Nordseeklinik traten als Komparsen auf.[3] Andere Szenen entstanden in Berlin, unter anderem in einem verlassenen Fabrikgebäude im Stadtteil Schöneweide[4] und im Hörsaal des Universitätsklinikums Benjamin Franklin.[5]

Michael Tsokos war als Berater dabei und einige seiner echten Kollegen wirkten im Film mit.[6] Einen Pressetermin zur Vorstellung des Films gab es an Tsokos' Arbeitsplatz in der Charité.[7] Der Rechtsmediziner beschrieb die Darstellung der Obduktion im Film als realistisch. Dass auch ein Laie eine Obduktion unter Anleitung eines Experten vornehmen könne, hält er für möglich: „Das könnte auch jeder andere Nicht-Experte unter meiner Anleitung schaffen.“[8] Der Regisseur Christian Alvart beschrieb den Film als „Sektionsthriller“. Für ihn war es wichtig, den Zuschauer langsam an die Bilder der Obduktionen heranzuführen: „Das war natürlich extrem schwierig für ein visuelles Medium zu finden, was macht man, wie viel zeigt man, was ist nicht nur zumutbar, sondern wie gewöhnt man auch die Zuschauer, wie führt man in die Welt ein.“[9]

Tsokos und Fitzek haben Cameo-Auftritte als Professor bei einer Vorlesung und als Anwalt des Rechtsmediziners.[8]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Petersen beschreibt den Film bei filmstarts.de als „großbebildertes und temporeiches Genrekino der düstereren Sorte. [Alvart] ist tatsächlich eine dem Geist der Vorlage absolut entsprechende Verfilmung gelungen – mit allen Vor- und Nachteilen, die die oft erprobte Fitzek-Masche eben so mit sich bringt.“[10] Er lobt die Hauptdarsteller Bleibtreu und Bauer, meint aber, dass die Verfilmung hauptsächlich Fitzek-Fans gefalle.

Kaspar Heinrich schreibt bei Zeit Online: „Die überfrachtete Story ist der Vorwand für eine mehr als zweistündige Gewalt- und Obduktionsorgie. [...] Man muss wirklich recht hartgesotten sein, um Abgeschnitten zu ertragen.“ Er spricht von einer „hanebüchenen Geschichte“ und sieht den Film im Zusammenhang mit dem „generell miesen Ruf deutscher Thriller“.[11]

Antje Wessels beschreibt die Geschichte bei Quotenmeter.de als hanebüchen, aber spannend und geht auf die Struktur ein: „Das Publikum ist der Hauptfigur dadurch immer ein paar Schritte voraus [...]. Diese besondere Erzählform, unter die sich mit der Zeit auch noch eine Art „Schnitzeljagd-Struktur“ mischt […], wird um die Idee ergänzt, die eigentliche Hauptfigur schnell zur Nebenfigur zu degradieren.“[12]

Philipp Schwarz von Spiegel Online sieht in dem Film einen „seltsam blutleere[n] Thriller. [... Im] Widerspruch zwischen dem romanhaften Prinzip der eskalierenden Theoriebildung und dem filmischen Prinzip der sinnlichen Intensität wird Alvarts Film zunehmend aufgerieben.“[13]

Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW in Wiesbaden verlieh dem Film das Prädikat wertvoll.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Abgeschnitten. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. So hart ist die Fitzek-Verfilmung "Abgeschnitten" wirklich. Goldene Kamera, 5. September 2018, abgerufen am 12. Oktober 2018.
  3. Horror auf Helgoland: Der Film "Abgeschnitten". NDR, 9. Oktober 2018, abgerufen am 12. Oktober 2018.
  4. "Die Leichen rochen nach Plastik". n-tv, 11. Oktober 2018, abgerufen am 12. Oktober 2018.
  5. Abgeschnitten – FanAktion. Sebastian Fitzek, 4. März 2017, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  6. Prof. Dr. Michael Tsokos über seinen und Sebastian Fitzeks Thriller „Abgeschnitten“, der ins Kino kommt. Buchszene, 9. Oktober 2018, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  7. Fitzek und Tsokos erklären ihren Film-Schocker im Leichenkeller. t-online.de, 9. Oktober 2018, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  8. a b So authentisch sind die Obduktionsszenen. Stern, 10. Oktober 2018, abgerufen am 12. Oktober 2018.
  9. Unter Leichen. Deutschlandfunk, 6. Oktober 2018, abgerufen am 16. Oktober 2018.
  10. Kritik der FILMSTARTS-Redaktion. Filmstarts.de, abgerufen am 12. Oktober 2018.
  11. Kommt das Gruseln zurück? Zeit Online, 11. Oktober 2018, abgerufen am 12. Oktober 2018.
  12. «Abgeschnitten» - Groß gedachtes deutsches Genrekino. Quotenmeter.de, 11. Oktober 2018, abgerufen am 12. Oktober 2018.
  13. Wir schlachten einen Bestseller. Spiegel Online, 11. Oktober 2018, abgerufen am 12. Oktober 2018.