Abi Ofarim

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Abi Ofarim (1968)

Abi Ofarim (hebräisch אבי עופרים‎; * 5. Oktober 1937 als Abraham Reichstadt in Tel Aviv[1]; † 4. Mai 2018 in München-Schwabing) war ein israelischer Sänger, Gitarrist, Musikproduzent, Tänzer und Choreograph, der zwischen 1959 und 1969 zusammen mit seiner damaligen Frau Esther als Teil des Gesangsduos Esther & Abi Ofarim international bekannt wurde. Er erhielt im Laufe seiner Karriere 59 Goldene Schallplatten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abi Ofarim mit Esther Ofarim und Nancy Wilson (1968)

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Ofarim unter unsteten, teils kargen Bedingungen. Sein Großvater stammte aus Österreich. Sein Vater starb früh, und er entwickelte er eine enge Bindung zu seiner Mutter.[2] Bereits als Jugendlicher forcierte er eine künstlerische Karriere: Mit zwölf besuchte er eine Ballettschule; mit fünfzehn stand er in Haifa das erste Mal auf der Bühne. Mit siebzehn arbeitete er als Choreograph; im Alter von achtzehn unterhielt er ein eigenes Tanzstudio. Hinzu kamen Jobs als Fabrikarbeiter sowie zwei kleinere Filmrollen.[3] Seinen Militärdienst bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften absolvierte er als Mitglied einer Theatergruppe, in der er unter anderem Akkordeon spielte, um, so Ofarim, die zuhörenden Soldaten „moralisch zu unterstützen“.[2]

Esther & Abi Ofarim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1959 wurde das Gesangsduo Esther & Abi Ofarim im Anschluss an die gemeinsam verbrachte Militärzeit gegründet.[4] Der erste Auftritt des Duos fand im Hebrew Theatre Club statt, dem israelischen Nationaltheater. Hier war Abi Ofarim als Tänzer und Esther Zaided als Sängerin engagiert; die beiden waren zu dieser Zeit bereits ein Paar.[3] Das Duo begann mit folkloristischen Titeln, wobei sie früh die Arbeitsteilung etablierten, dass sie den Gesangspart übernahm, während er Gitarre spielte und als Zweitstimme für den dunklen Background zu ihrer hellen Stimme sorgte.[4] Ab Mitte der 1960er waren sie stetig in den Hitparaden präsent. Das Repertoire reichte von anspruchsvollen Schlagern über Chansons bis hin zu folkloristischen Stücken sowie Coverversionen international bekannter Folksongs.[5] Das letzte gemeinsame Konzert des Duos fand im März 1969 in Köln statt. Im selben Jahr trennte sich das Paar, 1970 ließ es sich scheiden.[3]

Solo-Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 1960er Jahre war Abi Ofarim mit der Schauspielerin Iris Berben liiert – eine Beziehung, die seitens der Boulevardmedien ausgiebig ausgeschlachtet wurde.[5] Nach der Trennung von Esther Ofarim zog er nach London und versuchte, im dortigen Musikgeschäft Fuß zu fassen. Ofarim selbst charakterisierte die Epoche Anfang der 1970er als relativ sorglose Zeit: Sie hätten aus den Vollen gelebt – so, als würde das Geld nie ausgehen und die Liebe nie enden.[6] 1972 zog er nach München. Dort betätigte er sich weiter als Manager, Komponist, Produzent und Schauspieler. Die Managerrolle für die Kölner Rockformation Can, die Ofarim zeitweilig betreute, erwies sich als von Konflikten geprägt: Die Gruppe kündigte das Vertragsverhältnis mit ihm auf aufgrund Nichterfüllung von Leistungen.[5]

Dauerhaftere Präsenz im Metier gelang Ofarim mit dem von ihm gegründeten Label PROM. In den 1970ern produzierte es eine Reihe Künstler aus den Metiers Schlager, Popmusik und Chanson – darunter Mike Brant, Tom Winter, Alf Berger, Andy Stark, Vivi Bach, Myriam Kent sowie die Komödiantin Ingrid Steeger, die 1975 mit Unterstützung von Ofarim eine Platte mit Songs aus der Comedy-Sendung Klimbim aufnahm.[7] Als Produzentinnen bei PROM tätig waren die Sängerin und Liedtexterin Anja Hauptmann sowie die Sängerin Suzanne Doucet. Darüber hinaus förderte Ofarim die Karriere der Balletttänzerin und Sängerin Margot Werner.[3] Im Januar 1979 wurde Ofarim wegen Drogenbesitzes und des Verdachts auf Steuerhinterziehung verhaftet. Er verbrachte vier Wochen in der JVA Stadelheim in Untersuchungshaft und wurde später zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt.[5]

Nach der Beendigung seines Drogenkonsums (den er im Nachhinein dezidiert selbstkritisch bewertete) versuchte Ofarim weiter, sich im Musikgeschäft zu halten. 1982 erschien das Album Much Too Much. Single-Auskoppelung daraus war das Stück Mama, Oh Mama. Als B-Seite fungierte der Song Viva la feria – ein Stück, dass noch aus der Ära des Duos Esther & Abi Ofarim stammte. Im gleichen Jahr erschien eine erste Autobiografie mit dem Titel Der Preis der wilden Jahre. In den Folgejahren beschränkte sich Ofarim zunehmend auf die Produzentenrolle. 1988 produzierte er die Maxi-Single Langsam (wird alles besser) des Berliner Schauspielers Rolf Zacher. Darüber hinaus engagierte er sich für die Musikerkarriere seines Sohns Gil Ofarim. 2009 erschien nach 27 Jahren Pause ein neues Album unter dem Titel Too Much of Something. Aufgenommen wurde das Album in Israel; die Produktion sowie das Engagement von Musiker in Tel Aviv finanzierte Ofarim selbst. Seine Söhne Gil und Tal waren an der Einspielung ebenfalls beteiligt. Gil, der zu der Zeit dabei war, eine eigene Musikkarriere aufzubauen, trug zu dem Album den Titel Goodbye bei.[4]

Späteres Leben und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 veröffentlichte Ofarim ein weiteres autobiografisch geprägtes Buch mit dem Titel Licht & Schatten. In Medienberichten – so auch einem Künstlerportrait 2010 in der Süddeutschen Zeitung – äußerte er sich gegenüber seinem zeitweiligen künstlerischen Erfolg eher abgeklärt. Zum Thema Religion äußerte er 2014 gegenüber der Jüdischen Allgemeinen, dass er sich als zwar gläubig betrachte – allerdings nicht im dogmatischen, orthodoxen Sinn.[2] Im April 2014 eröffnete er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Kirsten Schmidt eine soziale Begegnungsstätte für Senioren. Die Schirmherrschaft für das Projekt, das als „Jugendzentrum für Senioren“ konzipiert ist, übernahm der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude.[8] Abi Ofarim starb nach langer schwerer Krankheit am 4. Mai 2018 im Alter von achtzig Jahren in seiner Wohnung in München-Schwabing.[9] Er wurde auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München-Freimann beigesetzt.[10][11]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Esther & Abi Ofarim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fiobles & Fables (1962; Israphon)
  • Songs der Welt (1963; Philips)
  • Neue Songs der Welt (1965; Philips, Stern Musik)
  • Melodie einer Nacht (1965; Philips)
  • Das neue Esther & Abi Ofarim Album (1966; Philips, Stern Musik)
  • Sing! (1966; Philips)
  • Songs From Israel (1966; Philips)
  • Shalom Israeli Songs By Esther & Abi Ofarim (1966; Philips)
  • Noch einen Tanz (1966; Philips)
  • Sing Hallelujah! (1966; Litratone)
  • 2 in 3 (1967; Philips)
  • Cinderella Rockefella (1967; Philips)
  • Up To Date (1968; Philips)
  • Look At Me (1968; Philips)
  • Ofarim Concert – Live 1969 (1969; Philips)

Abi Ofarim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Much Too Much (1982; RCA)
  • Mama, Oh Mama / Viva la feria (2007; White Records, Single)
  • Too Much Of Something (2009; Sony)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abi Ofarim und Eberhard Fuchs: Der Preis der wilden Jahre. Moewig, Rastatt 1982, ISBN 978-3-8118-6623-2
  • Abi Ofarim: Licht & Schatten. Autobiografie; aufgezeichnet von Shirley Seul. Langen Müller, München 2010, ISBN 978-3-7844-3218-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abi Ofarim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abi Ofarim: Licht & Schatten. München 2012
  2. a b c Schwabing: Morning of my Life. Katrin Diehl, Jüdische Allgemeine, 29. April 2014
  3. a b c d Esther und Abi Ofarim - Biographie in deutsch. esther-ofarim.de, aufgerufen am 14. Mai 2018
  4. a b c Abi Ofarim: „Man muss unten sein, um Schwung zu holen“. Stephan Handel, Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010
  5. a b c d Abi Ofarim ist tot. Spiegel Online, 4. Mai 2018
  6. Abi Ofarim (80†) verlor den Kampf - Freitag früh musste seine Kirsten ihn loslassen. tz München, 4. Mai 2018
  7. PROM. Label-Profil und Veröffentlichungen bei discogs.com, aufgerufen am 14. Mai 2018
  8. 66. Kulturstammtisch mit Ruth Eder: Gast ist der Musiker Abi Ofarim. Münchner Wochenanzeiger, 20. Juni 2016
  9. Abi Ofarim (†80): Trauer um den Musiker: Seine Söhne waren bis zuletzt bei ihm. Anja Reichelt, Bunte, 4. Mai 2018
  10. Trauerfeier: Weggefährten und Freunde nehmen Abschied von Abi Ofarim. Philipp Crone, Süddeutsche Zeitung, 8. Mai 2018
  11. knerger.de: Das Grab von Abi Ofarim