Ablösesumme

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Die Ablösesumme, im Mietrecht auch Abstand, ist ein Geldbetrag, der bei einem Rechtsgeschäft als Ausgleichszahlung geleistet wird.

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Kaufsumme für diesen Sachverhalt ist nicht korrekt, da kein Kauf als Rechtsgeschäft stattfindet. Insbesondere findet die Ablösezahlung oft nicht zwischen den Vertragspartnern des eigentlichen Geschäfts statt.

Abschlagszahlung und Ablöse im Mietrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Mieten (insbesondere einer Wohnung) wird als Abstand, Ablösesumme oder Abschlagszahlung (Deutschland) eine vom Vormieter oder Eigentümer verlangte Einmalzahlung bezeichnet. Zu unterscheiden ist der Investitionsersatz (Österreich[1]), die der Vermieter dem Mieter nur für wesentliche Verbesserungen als Vergütung zu leisten hat, und der Ablöse, die zwischen Nachmieter und Vormieter für zu übernehmende Einrichtungsgegenstände, festes Mobiliar oder ähnliches getätigt wird. Seltener wird dieser Begriff beim Kauf einer Immobilie verwendet.

In Deutschland ist die Ablösung von Einrichtungsgegenständen ein von den Behörden kritisch beäugtes Thema, weil dadurch oft versucht wird, weniger Grunderwerbsteuer zu zahlen.

Ablösen im Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei diversen Sportarten (z. B. Fußball) wird als Ablösesumme der Geldbetrag bezeichnet, der vom neuen an den alten Verein für den Vereinswechsel – den Transfer – eines Spielers gezahlt wird. Dieses Vorgehen wird von den Sportverbänden seit vielen Jahren gestützt. Wenn die Zahlung einer Ablösesumme nicht dazu dient, einen Spieler mit seiner Zustimmung aus einem laufenden Vertrag vorzeitig „herauszukaufen“, stellt dies eine Behinderung der freien Wahl des Arbeitsplatzes dar und verstößt somit gegen das EU-Recht. Auf Klage des Fußballspielers Jean-Marc Bosman musste diese Praxis für Vereinswechsel nach Vertragsablauf innerhalb der EU fallen gelassen werden (Bosman-Entscheidung).

Das Ablösesystem geriet durch eine Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS vom 1. Februar 2008 durcheinander:[2] Im Falle des schottischen Fußballspielers Andy Webster, der im Jahre 2006 trotz eines bestehenden Vertrages vom schottischen Fußballverein Heart of Midlothian zum englischen Premier League Team Wigan Athletic gewechselt war, wurde entschieden, dass Fußballprofis nach zwei bis drei Jahren ihren Verein ins Ausland verlassen können (nach Artikel 17 Absatz 1 der FIFA Transferordnung). Der aufnehmende Verein muss dabei dem abgebenden Verein nicht den höheren Marktwert des Spielers, sondern lediglich die noch ausstehenden Gehaltszahlungen erstatten. Die FIFA rechnet damit, dass dadurch die Transfersummen gedrückt und die Spielergehälter noch schneller steigen werden.

Die bisher höchste Summe für einen Fußballspieler wurde 2017 durch den Transfer von Neymar da Silva Santos Júnior vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain erreicht; für den Transfer wurden rund 222 Millionen Euro bezahlt. Er löste damit Paul Pogba mit seinem Wechsel von Juventus Turin zu Manchester United für eine Ablösesumme von 105 Millionen Euro als den bisherigen Rekordhalter für die höchste Transfersumme ab.[3][4]

Kreditablösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kreditgeschäft ist die Ablösesumme der Betrag, der bei der Kreditablösung an die bisherige Bank gezahlt werden muss, damit der Kredit vollständig bezahlt ist.

Ablösen im Kontext Ehe und Prostitution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ablösesumme[5] ist auch das Brautgeld zu sehen, in Europa historisch, aber weltweit noch verbreitet. Dabei vergütet die Familie des Bräutigams der Brautfamilie das Aufziehen der Tochter oder die für jene verlorene Arbeitskraft, oder die Brautfamilie der Familie des Bräutigams den Erhalt und sozialen Status der Tochter, beide Formen sind verbreitet – echte Brautkäufe, bei denen ein Eigentumswechsel (an der Braut) stattfindet, waren selbst in historischen Zeiten wenig üblich. Zahlungen durch den Meistbietenden bei Zwangsverheiratung sind hierorts unzulässig.

Weitere Formen sind die Morgengabe, die Ablöse der Jungfernschaft vom Bräutigam an die Braut, oder das historische Gassengeld, die Ablöse eines ortsfremden Bräutigams an die einheimischen Junggesellen für die verlorene Chance.

Verbreitet[6] sind Ablösen auch im Dunstkreis der Prostitution, etwa als Abstecke für Übernahme oder Ausstieg einer Prostituierten zwischen Zuhältern oder von der Prostituierten ihrem Zuhälter für den Ausstieg zu leisten – diese Zahlung fällt unter Menschenhandel und ist strafbar; oder als Bar Fine von der Prostituierten an die Lokalität, in der sie Kontakte knüpft – in Ostasien verbreitet und dort erlaubt oder zumindest toleriert.

Ausgedinge und Anerbenrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ablösezahlungen waren außerdem in der historischen Landwirtschaft verbreitet, wo der Jungbauer dem Altbauern einen Abschlag zahlt, den Austrag/Ausgedinge, sowie dem bäuerlichen Alleinerben (meist erstgeborenen) im Falle seines Verzichts, das Anerbgeld (Abwichsgeld, Astantengeld).[7]

Weitere Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in anderen Zusammenhängen wird der Begriff Ablösesumme verwendet:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bauliche Veränderungen. In: wien.arbeiterkammer.at, abgerufen am 16. August 2016
  2. Siehe etwa:
  3. Rekordablöse für Pogba. In: zeit.de, 9. September 2016
  4. Fußball-Transferticker: Barça lässt Neymar für 222 Millionen Euro ziehen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. August 2017, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 2. August 2017]).
  5. Eintrag Brautgeld. In: Gerhard Merk: Finanzlexikon. (PDF; 7,6 MB) (Stand: 21. Mai 2008)
  6. Marcel Feige: Das Lexikon der Prostitution: Das ganze ABC der Ware Lust – die käufliche Liebe in Kultur, Gesellschaft und Politik. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2003, nach Eintrag Zuhälter. In: Krimpedia. Institut für Kriminologische Sozialforschung, Universität Hamburg, abgerufen am 21. Mai 2008.
  7. Eintrag Abwichsgeld. In: Merk: Finanzlexikon
  8. https://www.gesetze-im-internet.de/abbv/
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