Avi Loeb

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Abraham Loeb)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Avi Loeb im Jahr 2006 fotografiert von Ruth Bazinet, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics

Avi (Abraham) Loeb (geb. 1962 in Israel) ist ein israelischer theoretischer Physiker, der sich vor allem mit Astrophysik und Kosmologie beschäftigt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist seit 1997 Professor für Astrophysik an der Harvard University, seit 2007 Direktor des Institutes for Theory & Computation (ITC) im Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, seit 2011 Vorsitzender des Fachbereiches Astronomie der der Harvard University und seit 2012 dort Inhaber der Frank B. Baird, Jr. Professur of Science.[1][2] 2012 wurde Loeb in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Avi Loeb ist Vorsitzender des Beratungskommittes des Forschungs- und Entrwicklungsprojektes Breakthrough Starshot, das als Endziel eine Entsendung von Forschungssatelliten in das der Sonne nächste Nachbarsternsystem Alpha Centauri anstrebt.[3]

Avi Loeb ist seit 1999[4] verheiratet mit Ofrit Loeb, mit der er zwei Töchter Klil und Lotem hat.[5]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Loeb untersuchte zu Anfang seiner Karriere theoretisch die Entstehung der ersten Sterne am Ende des Dunklen Zeitalters in der Reionisierungsepoche. Sie setzte nach seinen Forschungen rund 100 Millionen Jahre nach dem Urknall ein. Anschließend war er an der Suche nach Hinweisen darauf mit Hilfe der Radioastronomie beteiligt (21 cm Linie des neutralen Wasserstoffs). Das Signal ist aufgrund der Rotverschiebung im Lauf der Expansion des Universums statt bei 1420 MHz in ganz anderen Bereichen (für den Übergang zur Reionisierungsepoche bei 50 bis 100 Mhz). Die Edges Kollaboration (Experiment to Detect the Global Epoch of Reionization Signature) [6][7] gab Anfang 2018 die Beobachtung eines Absorptionsprofils bei 78 MHz bekannt, die auf die Reionisierungsepoche deutet. Außerdem gibt es aus dem Profil der Absorptionslinie Hinweise, die möglicherweise auf Dunkle Materie deuten (stärkere Abkühlung des Wasserstoffgases als durch die Expansion des Universums allein zu erwarten wäre). Das Signal war sehr schwierig zu beobachten, da es irdischen Quellen, der galaktischen Strahlung und anderen Quellen stark überdeckt ist. Bessere Daten erhofft man sich vom geplanten Square Kilometre Array. Die 21 cm Wellenlängen-Astronomie kann auch für die Erforschung der weiteren Entwicklung des frühen Universums in anderen Epochen genutzt werden.

2006 schlug er mit Avery Broderick vor, wie Radiowellenastronomie hochauflösende Bilder vom supermassiven schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße liefern könnte mit Phänomenen wie einem Schatten des schwarzen Lochs und Hot spots von Materie, die ins schwarze Loch fließt.

Ideen für die Suche nach außerirdischen Zivilisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 schlugen Avi Loeb und Matias Zaldarriaga vor, bei der Suche nach außerirdischen Zivilisationen mit Radioteleskopen auf mögliche elektromagnetische Wellen im Frequenzbereich von Radio- und Fernsehsendungen zu achten, wie sie ja auch die Menschen von der Erde aussenden.[8][9]

2014 veröffentlichten Abraham Loeb, Gonzalo Gonzalez Abad vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics sowie Henry W. Lin einen Aufsatz über eine weitere Möglichkeit nach außerirdischen Zivilisationen zu suchen: Nämlich die Idee in den Atmosphären erdähnlicher Exoplaneten nach künstlichen Schadstoffen, insbesondere FCKW, zu suchen, die von einer hochtechnisierten extraterrestrischen Industrie stammen.[10]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A. Loeb, A. Ferrara, R. S. Ellis: First Light in the Universe. SAAS-Fee winter school, New York 2008, Springer
  • Abraham Loeb: How Did the First Stars and Galaxies Form?, Princeton University Press 2012, ISBN 978-0-691-14516-7
  • Abraham Loeb, Steven R. Furlanetto: The First Galaxies in the Universe, Princeton University Press 2013, ISBN 978-0-691-14491-7
  • Abraham Loeb (Autor), Dror Burstein (Herausgeber), Todd Hasak-Lowy (Übersetzer): From the First Star to Milkomeda, Kindle Edition. Amazon Digital Services LLC, 24. August 2014
  • Abraham Loeb: Dark ages of the universe, Scientific American, November 2006
  • Abraham Loeb, Avery Broderick: Portrait of a black hole, Scientific American, Mai 2013
  • Abraham Loeb, Anna Ijjas, Paul Steinhardt: Cosmic Inflation Theory Faces Challenges, Scientific American, Februar 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.cfa.harvard.edu/~loeb/Brief_CV.pdf ; abgerufen am 19. April 2016
  2. https://www.cfa.harvard.edu/~loeb/Bio/bio_sketch.html abgerufen am 19. April 2016
  3. http://www.breakthroughinitiatives.org/Leaders/3/ abgerufen am 19. April 2016
  4. https://www.cfa.harvard.edu/~loeb/Photos/wedding.html ; abgerufen am 19. April 2016
  5. https://www.cfa.harvard.edu/~loeb/Photos/p1.html ; abgerufen am 19. April 2016
  6. Joshua Kerrigan, First Detection of the 21cm Cosmic Dawn Signal, Astrobites, 14. März 2018
  7. Johann Grolle, Die ersten Sonnen, Der Spiegel, Nr. 13, 24. März 2018, S. 114ff. Der Artikel beruht auf einem Interview mit Loeb.
  8. Abraham Loeb, Matias Zaldarriaga: Eavesdropping on Radio Broadcasts from Galactic Civilizations with Upcoming Observatories for Redshifted 21cm Radiation. auf arxiv.org vom 12 Oct 2006, zuletzt geändert am 19. Oktober 2006; abgerufen am 19. April 2016
  9. Harald Zaun: Fernsehen mit ET. Harvard-Astronomen regen an: SETI soll zusätzlich nach außerirdischen Radio- und Fernseh-Emissionen suchen, die uns zufällig erreichen. auf heise.de vom 6. Oktober 2008; abgerufen am 19. April 2016
  10. Harald Zaun: Spurensuche nach Technosignaturen in außerirdischen Atmosphären. auf heise.de vom 17. August 2014; abgerufen am 24. April 2016