Abrollcontainer-Transportsystem

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ACTS-Verladung
ACTS-Tragwagen mit ausgeschwenktem Drehrahmen

Das Abrollcontainer-Transportsystem (ACTS) nimmt im Kombinierten Verkehr Straße–Schiene einen wichtigen Platz ein.

Das ACTS kombiniert den auf der Straße gängigen Abrollcontainertransport mit dem Bahntransport. Das einfach zu handhabende System ermöglicht den schnellen Umschlag von Abrollcontainern zwischen Lkw und Bahn und benötigt dabei keine stationäre Ladehilfen (Stapler, Kran). Lasten mit einer höchstzulässigen Gesamtmasse von bis zu 17,8 t können damit bewegt werden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Abrollcontainer ist ein Ladebehälter auf Rollen, dessen Unterrahmen genormt ist. Sein Aufbau kann je nach Verwendungszweck (innerhalb der Normmaße) sehr unterschiedlich sein. Die ACTS-Container sind in offener oder gedeckter Ausführung, mit Flügeltüren oder mit RID-geprüfter, dichter Klappe sowie als Presscontainer, Bauschuttcontainer usw. erhältlich.

Für den Straßentransport des Abrollcontainers wird ein Lastwagen mit bahngeprüftem Ketten- oder Hakengerät benötigt (auch „Abroller“ genannt), welches das Auf-, Ab- und Umladen gestattet. Die Bahnunternehmen stellen den ACTS-Güterwagen mit Drehrahmen zur Verfügung. Schwenkbare Führungsschienen auf dem Waggon ermöglichen ein einfaches Umladen der ACTS-Container.

Solche Container werden oft als Müllsammelcontainer beispielsweise für Altglas, Altpapier, Bauschutt und Industrieabfall verwendet. Dabei werden diese Container direkt bei dem Mülllieferanten aufgestellt und bei Bedarf ausgetauscht. Bei den Altpapiercontainern gibt es auch solche, die mit einer Presse verbunden sind, so dass der Container bei erheblich höherem Leergewicht dennoch mehr Abfall fasst.

Vorläufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Behältertragwagen mit abnahmbaren Kesseln und abnehmbarem „von Haus zu Haus“-Behälter vom Typ Eooskrt[1]

Die ersten intermodalen Ladebehälter wurden ab 1934 in den Niederlanden eingesetzt. Diese „Laadkisten“ hatten die Maße 2,5 m × 2 m × 2 m und waren für ein Gewicht bis 3000 kg spezifiziert. Das Aufladen vom Eisenbahnwagen erfolgte dabei mit einer Seilwinde.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren diese Ladebehälter auch in die Schweiz. Dort wurde im März 1951 eine internationale Konferenz in Zürich-Tiefenbrunn ausgerichtet, um eine Standardisierung anzustoßen. Durch das Verkehrshaus der Schweiz und das Bureau International des Containers (BIC) konnte dabei verschiedene Lösungen von Vertretern aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz, Schweden, Großbritannien, Italien und den USA begutachtet werden. Im Ergebnis entstand der Standard UIC 590 der europäischen Eisenbahnunternehmen, auch bekannt als Pa-Behälter (porteur-aménagé-Behälter).[2] Diese wurden hernach von Dänemark, Benelux, Westdeutschland, Schweiz und Schweden eingesetzt, wofür es angepasste Behälter-Tragwagen (BT) gab. In Deutschland wurde es unter der Marke haus zu haus als Großbehältertransport vermarktet, der verschiedene Typen von Transportaufsätzen beinhaltete.[3]

Mit der steigenden Popularität von ISO-Containern (erstmalig 1966 in Europa) fielen die Pa-Behälter in den 1970er Jahren außer Gebrauch (keine Neuproduktion nach 1975, verschrottet in den 2000ern). Müllcontainer wurden zunehmend allein auf der Straße transportiert. Der haus zu haus-Typ Eoskrt war vorher als offener Mittelcontainer für den Mülltransport verbreitet. Dieser fuhr auf vier Rollen in vergleichsweise schmalen Führungen auf dem Flachwagen. Diese ersten Rollcontainer nutzen Stahlräder mit 200 mm Durchmesser und einer Laufbreite von 75 mm. Die Spurweite quer betrug 1400 mm und der Achsstand längs 1950 mm. An den Radkästen sind Zurrösen zum Bewegen und Festmachen angebracht.[4]

Standardisierung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abrollbehälter sind in DIN 30722 durch den Normenausschuss Kommunale Technik (NKT) standardisiert. Die ersten Teile sind nach verschiedenen Gewichtsklassen organisiert (Teil 1 bis 26 t, Teil 2 bis 32 t, Teil 3 bis 16 t), sie wurden erstmals im April 1993 herausgegeben und in der aktuellen Ausgabe vom Februar 2007 überarbeitet.[5] Der Teil 4 behandelt den intermodalen Verkehr auf Straße und Schiene, in der noch aktuellen Ausgabe von Juli 1994.[6]

Abrollbehälter haben einen um 45° nach oben zeigenden Haken mit Querstrebe auf Höhe 1570 mm. Die Rollen haben einen Innenabstand von 1560 und einen Außenabstand von 2160 mm. Die Breite der Container richtet sich gewöhnlich nach den ISO-Containern, es gibt auch Gestelle zum Aufladen von Seecontainern für den weiteren Transport als Abrollcontainer. Die Länge der DIN-Abrollbehälter folgt einem 250-mm-Raster von 4000 mm bis 7000 mm. Die Höhe ist nicht standardisiert, eine Stapelung wie bei Seecontainern ist regelmäßig nicht vorgesehen.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: ACTS (Containerization) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Typ Eooskrt ist etwas höher als der Eoskrt
  2. a b Krzysztof Lewandowski: Organizational requirements use the acts system. In: Pojazdy Szynowe. Vol. 2, 2014, ISSN 0138-0370 (englisch, researchgate.net [PDF; abgerufen am 27. März 2019] polnisch: Wymagania Organizacyjne Stosowania Systemu Acts.).
  3. Bahn Gütertransport im Film von Haus zu Haus auf YouTube, abgerufen am 27. März 2019.
  4. pa-Container - Mittel-Container und ihre Beförderung : Baugrundsätze für pa-Container. Mist-4. S. 6. 5. Mai 2013.
  5. Veröffentlichung von DIN 30722-1, DIN 30722-2 und DIN 30722-3. 1. Februar 2007. Abgerufen am 22. März 2013.
  6. DIN 30722-4 Abrollkipperfahrzeuge; Wechsellader-Einrichtung; Abrollbehälter; Teil 4: Abrollbehälter für die Beförderung auf Straße und Schiene. Juli 1994. Abgerufen am 22. März 2013.
  7. AbroIlbehälter nach DIN 30722-1. Containerbau und Umwelttechnik Lübben GmbH. 18. Oktober 2011. Abgerufen am 22. März 2013.