Abschuss einer Suchoi Su-24 der russischen Luftwaffe 2015

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Abschuss einer Suchoi Su-24 der russischen Luftwaffe 2015
Боевые вылеты российской авиации с аэродрома «Хмеймим» для нанесения ударов по объектам террористов в Сирии (9).jpg

Die später abgeschossene Su-24 bei der Landung auf der Basis Ḫumaymīm am 7. November 2015

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart Abschuss
Ort SyrienSyrien Syrien (Gouvernement Latakia)
Datum 24. November 2015
Todesopfer 1
Überlebende 1
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Suchoi Su-24
Betreiber Russische Luftstreitkräfte
Kennzeichen 83
Abflughafen SyrienSyrien Flughafen Latakia
Zielflughafen SyrienSyrien Flughafen Latakia
Besatzung 2
Listen von Flugunfällen

Beim Abschuss einer Suchoi Su-24 der russischen Luftwaffe am 24. November 2015 im türkisch-syrischen Grenzgebiet über der syrischen Provinz Latakia wurde die Su-24 mit der taktischen Nummer „weiße 83“[1] der russischen Luftstreitkräfte von den türkischen Luftstreitkräften mit einer Luft-Luft-Rakete abgeschossen. Nach türkischen Angaben verletzte diese und eine weitere von Latakia gestartete Maschine den türkischen Luftraum beim Angriff auf Ziele nahe der türkischen Grenze und wurde nach zahlreichen Warnungen von einer türkischen F-16 abgeschossen. Nach russischen Angaben befand sich die Su-24 im syrischen Luftraum und es gab keine Vorwarnung. Die Maschine stürzte auf syrischen Boden ab, rund vier Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.[2]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die russischen Streitkräfte verlegten im September 2015 unter anderem Jagdflugzeuge des Typs Suchoi Su-30, Su-24- und Su-34-Jagdbomber und Su-25-Erdkampfflugzeuge sowie unbemannte Aufklärungsdrohnen nach Latakia. Am 30. September 2015 griffen sie erstmals auf Seiten der syrischen Regierung in den syrischen Bürgerkrieg ein. Am 3. Oktober 2015 kam es zu einem unbeabsichtigten Einflug eines russischen Kampfflugzeugs in den türkischen Luftraum. Die türkische Regierung protestierte gegen diese Luftraumverletzung; das russische Verteidigungsministerium entschuldigte sich für die „einige Sekunden“ dauernde Verletzung des Luftraums[3] und machte ungünstige Wetterverhältnisse dafür verantwortlich.[4]

Am 20. November 2015 bestellte die Türkei den russischen Botschafter Andrei Karlow ein, da sich die russischen Luftangriffe in der Region Bayirbucak – nach türkischen Aussagen – gegen turkmenische Siedlungen nordöstlich der Hafenstadt Latakia richteten, bei denen keine Terroristen, sondern nur Zivilisten getroffen würden. Das türkische Außenministerium forderte einen „sofortigen Stopp der Operation“ und drohte widrigenfalls mit „ernsthaften Konsequenzen“.[5][6][7][8]

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schematische Darstellung des Ereignisses in der türkischen und der russischen Version kurz nach dem Abschuss. Von türkischer Seite wurde von zwei Flugzeugen gesprochen, die den türkischen Luftraum verletzt hätten.[9][10]
Erste russische Darstellung der Flugverläufe (Angaben des russischen Verteidigungsministeriums)
Zweite, unterschiedliche russische Darstellung der Flugverläufe (Angaben des russischen Verteidigungsministeriums)

Die Maschine war auf der russischen Basis in Latakia gestartet und wurde, nachdem sie zusammen mit einer anderen Maschine mutmaßlich türkischen Luftraum durchquert hatte, abgeschossen.[11] Die USA bestätigten dabei die türkischen Angaben[12], während Russland behauptete, der türkische Luftraum sei nicht verletzt worden. Nach russischen Angaben handelte es sich bei der Rakete um eine Sidewinder AIM-9X, andere Quellen sprachen von einer AIM-120 AMRAAM.[13] Beide Besatzungsmitglieder, Pilot Oleg Peschkow und Waffensystemoffizier Konstantin Murahtin, katapultierten sich aus dem getroffenen Flugzeug. Während sie am Fallschirm niedergingen, wurde Peschkow von örtlichen Kämpfern mit Handfeuerwaffen beschossen und getötet. Der Beschuss verstieß gegen Artikel 42 des Ersten Zusatzprotokolls der Genfer Konventionen.[14][15] Eine Einheit der Syrischen Turkmenenbrigade, die einem Bündnis von „moderaten Rebellen“ zugerechnet wird, übernahm die Verantwortung für die Tötung des Piloten. Rebellen veröffentlichten ein Video, das die beiden russischen Piloten nach dem Absturz der Maschine an Fallschirmen hängend zeigt, die von Kämpfern am Boden beschossen werden. Es waren auf dem Video aber auch Stimmen zu hören, die dazu aufforderten, nicht auf die Männer zu schießen.[16] Der Vizekommandant der Turkmenen, Alparslan Çelik, ist ein Türke aus Keban, der osttürkischen Provinz Elazığ und Mitglied der Grauen Wölfe. Im Jahr 2014 berichteten mehrere türkische Zeitungen, Çelik sei in den Irak gereist und habe sich Turkmenen im Kampf gegen den IS angeschlossen.[17][18][19][20]

Dem amerikanischen Flugzeugexperten Pierre Sprey zufolge war der Abschuss des Flugzeugs ein Hinterhalt.[21][22]

Eine direkt nach dem Abschuss gestartete Rettungsaktion mit Mi-8-Hubschraubern wurde ebenfalls beschossen, wobei ein weiterer russischer Soldat ums Leben kam.[23] Einer der Hubschrauber wurde dabei mit einer amerikanischen TOW-Lenkrakete von den Rebellen zerstört. Diese veröffentlichten ein Video des Angriffs auf einer Internetplattform.[24]

Der verletzte Waffensystemoffizier des Jets konnte durch die syrische Armee gerettet werden und wurde zur russischen Basis Hmeimim gebracht.[25] Er wies Informationen aus Ankara zurück, das türkische Militär habe den russischen Kampfjet mehrmals vorgewarnt.[26] Er sagte: „Es hat keine Vorwarnungen gegeben, weder per Funk noch visuell. Es hat überhaupt keinen Kontakt gegeben“. Die türkische Rakete habe das Flugzeug „völlig unerwartet“ am Heck getroffen: „Wir haben sie nicht einmal gesehen und deshalb kein Ausweichmanöver eingeleitet.“ Die F-16 sei schneller als ein Bomber und hätte sich für eine Vorwarnung sichtbar positionieren können.[27]

Nach Angaben russischer Spezialisten benötigt das Funkgerät der Su-24M ein zusätzliches Modul, um die Frequenzen des internationalen Not- und Anrufkanals empfangen zu können. Das Fehlen eines solchen Moduls könne erklären, warum die russische Besatzung keine Warnungen gehört habe.[28]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Repatriierung des Piloten nach Russland
Ernennungsurkunde zum Helden der Russischen Föderation (postum)
Übergabe des Flugschreibers durch Schoigu an Putin

Die syrische Regierung warf der Türkei wegen des Abschusses eine Verletzung ihrer Souveränität vor, weil die Türkei über syrischem Boden ein befreundetes russisches Flugzeug abgeschossen habe, das von einem Einsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückkehrte. Der türkische Präsident Erdoğan betonte das Recht seines Landes, die nationale Sicherheit und die „unserer Brüder“ zu verteidigen. Damit ist die turkmenische türkischsprachige Minderheit in Syrien gemeint, als deren Schutzherr sich Erdoğan versteht.[23]

Die Türkei initiierte eine Sondersitzung der NATO am 24. November 2015, die Botschafter der 28 NATO-Staaten berieten auf Antrag der Türkei in Brüssel, auf den Einbezug des Artikels 4 des Verteidigungsbündnisses wurde verzichtet.

Präsident Wladimir Putin warf der Türkei Komplizenschaft mit der Terrormiliz IS vor: „Es handle sich um einen Dolchstoß durch Verbündete von Terroristen“.[29][30] Putin kündigte zum Schutz der russischen Basis die Verlegung des Flugabwehrraketensystems S-400 nach Ḫumaymīm an.

Der ehemalige Vize-Stabschef der US-Luftwaffe, Generalleutnant Tom McInerney, sagte am 24. November 2015, mit dem Abschuss der russischen Su-24 habe die Türkei einen „sehr ernsthaften Fehler“ begangen. Die Radardaten deuteten darauf hin, dass das Flugzeug den entlegensten Punkt des türkischen Staatsgebietes überflogen und sich dabei nur 20 bis 40 Sekunden im türkischen Luftraum befunden habe. Er betonte, dass dieses Flugzeug kein Angriffsmanöver auf das Territorium vorgenommen habe.[31] Während einer Pressekonferenz mit dem französischen Präsidenten François Hollande am 26. November 2015 bestätige Präsidenten Putin diese Aussage: „Wir informierten unsere amerikanischen Partner stets im voraus, wo, wann und in welchen Höhen unsere Piloten operieren werden. Die US-geführte Koalition, der auch die Türkei angehört, wusste also zu jeder Zeit, wo unsere Flugzeuge waren. Und das sind genau Ort und Zeitpunkt des Angriffs auf uns.“[32]

Die türkische Regierung versuchte sich in Schadensbegrenzung: Erdoğan sagte am 25. November 2015 in einer Fernsehansprache: „Wir haben nicht die Absicht, diesen Zwischenfall eskalieren zu lassen. Wir verteidigen nur unsere Sicherheit und die Rechte unserer Brüder.“ Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu versicherte, Russland sei ein „Freund und Partner“ der Türkei und Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu telefonierte mit seinem russischen Amtskollegen, um sein Beileid auszudrücken.[17]

Fünf Tage nach dem Abschuss nahm die Türkei in der Nacht zum 29. November die Leiche des Piloten, Oberstleutnant Oleg Peschkow, an der syrischen Grenze in Empfang.[33] Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu gab bekannt, der Tote sei durch türkische Initiative[34] aus Syrien in die an der Grenze liegende Provinz Hatay gebracht worden und die russische Botschaft in Ankara bestätigte, dass die Leiche Peschkows aus Hatay nach Ankara gebracht wurde.[35][36] Der Transport traf am 30. November 2015 auf dem Militärflugplatz Tschkalowski bei Moskau ein.

Alparslan Çelik wurde 2017 in der Türkei wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu fünf Jahren Haft verurteilt.[37]

Untersuchung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugschreiber der Su-24 wurde von syrischen Spezialeinheiten an der Absturzstelle sichergestellt und am 8. Dezember 2015 nach Moskau gebracht. Präsident Putin ordnete an, dass er nur im Beisein internationaler Experten geöffnet werden dürfe.[38][39]

Nachdem es am 9. Dezember 2015 zunächst hieß, Putin habe Cameron während eines Telefongesprächs um die Entsendung britischer Spezialisten zur Untersuchung des Flugschreibers gebeten und Großbritannien würde sich die Anfrage überlegen,[40][41] lud Russland internationale Experten aus 14 Ländern ein, an der Untersuchung teilzunehmen.[42] Von diesen 14 Ländern entsandte China einen Experten nach Moskau.[43]

Das Öffnen des Flugschreiber-Gehäuses in Anwesenheit eines chinesischen Experten und eines inoffiziell anwesenden Flugsicherheits-Experten mit britischer Staatsbürgerschaft[44][45][43] wurde während eines Briefings des russischen Verteidigungsministeriums live übertragen. Neben Journalisten beobachteten auch die Militärattachés Chinas, Indiens und Großbritanniens die Live-Übertragung der Prozedur in einem Presseraum.[46] Die Untersuchung selbst wird durch Spezialisten der Herstellerfirmen Ismeritel und Topas durchgeführt.[47]

Die Untersuchung der Daten verzögerte sich jedoch aufgrund der Beschädigungen der Speicher.[48]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politische Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der russische Präsident Wladimir Putin nannte den Abschuss ein Verbrechen und drohte der Türkei mit Konsequenzen.

Auf der politischen Seite reagierte Russland mit der Wiedereinführung der Visumspflicht für türkische Staatsbürger, verschärften Kontrollen für türkische Lebensmittelimporte in die Russische Föderation und dem Stopp des Pipelineprojektes Turkish Stream.[49] Ein von Präsident Erdoğan erbetenes Gespräch mit Wladimir Putin wurde von diesem abgesagt.[50][51] Das russische Außenministerium gab eine Reisewarnung für die Türkei heraus. Die russische staatliche Tourismusagentur Rostourismus untersagte daraufhin russischen Reisebüros, Reisen in die Türkei zu verkaufen. Bisher hatten jährlich etwa 4,4 Mio. Russen die Türkei besucht; der finanzielle Umfang dieser Reisen wird mit etwa 10 Milliarden US-Dollar veranschlagt.[52][53][54] Ein für den 25. November 2015 geplanter Türkeibesuch des russischen Außenministers Lawrow wurde abgesagt.[55][56] Das türkische Kernkraftwerk Akkuyu, welches derzeit von Rosatom gebaut und später auch betrieben werden soll, ist vorerst nicht betroffen.[57]

Am 2. Dezember 2015 sagte der russische Vizeverteidigungsminister Anatoli Antonow vor ausländischen Journalisten in Moskau, dass die Türkei Hauptabnehmer des vom IS in Syrien und im Irak gestohlenen Erdöls sei und beschuldigte den türkischen Staatschef Erdoğan und dessen Familie, in Ölgeschäfte mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verwickelt zu sein.[58] Dass die Türkei in den behaupteten Ölhandel zumindest verwickelt ist, ist auch im Westen unstrittig.[59][60]

Am 30. Dezember 2015 forderte das russische Außenministerium die türkische Regierung auf, Sofortmaßnahmen zur Ergreifung des mutmaßlichen Mörders von Pilot Peschkow einzuleiten, dies als Reaktion auf ein Interview Çeliks, das die Zeitung Hürriyet aus Istanbul drei Tage zuvor gedruckt hatte.[61] Am 30. März 2016 wurde Alparslan Çelik in Izmir festgenommen.[62][63][64][65]

Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ministerpräsident Davutoğlu verteidigte den Abschuss und warnte Russland vor weiteren Grenzverletzungen. Infolge des Abschusses der Su-24 setzte die türkische Luftwaffe alle Flüge im syrischen Luftraum auf unbestimmte Zeit aus.[66]

Am 27. Juni 2016 teilte das russische Präsidialamt mit, dass sich der türkische Präsident Erdoğan brieflich beim russischen Präsidenten Wladimir Putin entschuldigt und den Angehörigen des getöteten Piloten Peschkow sein Beileid kundgetan hat.[67]

Andere Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer Russland und der Türkei veröffentlichten mehrere am Syrien-Konflikt beteiligten Parteien Statements zum Abschuss:[30][68][69]

  • SyrienSyrien Syrien: verurteilte den Abschuss ebenso als Verbrechen und beschuldigte namentlich die Türkei, Saudi-Arabien und Katar, die Gegner Syriens zu unterstützen. Außerdem warf Syrien der Türkei vor, die syrische Souveränität verletzt zu haben, indem ein „befreundetes russisches Flugzeug“ über syrischem Territorium abgeschossen wurde.[55]
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten: Präsident Barack Obama bekräftigte, dass die Türkei das Recht habe, ihr Territorium zu verteidigen und warnte gleichzeitig vor einer Eskalation. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten waren nach eigenen Angaben nicht am Abschuss der russischen Maschine beteiligt.
  • NATONATO NATO: NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mahnte beide Seiten zu Zurückhaltung. Bereits am Abend des 24. November 2015 waren Vertreter der Mitgliedsstaaten auf Drängen der Türkei zu ersten Konsultationen zusammengekommen, allerdings ohne diese Sitzung nach Artikel 4 des Nordatlantikvertrages – einer Eskalationsstufe vor dem Ausrufen des Bündnisfalles – beantragt zu haben.
  • DeutschlandDeutschland Deutschland: Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte beide Seiten zur Deeskalation. Die Türkei habe das Recht, ihren Luftraum zu verteidigen. Andererseits müsse auch immer die angespannte Lage in der Region beachtet werden, die sich durch den Vorfall nochmals verschärft habe. Sie habe deswegen noch am Tag des Ereignisses mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu telefoniert.[70]
  • TschechienTschechien Tschechien: Miloš Zeman, Staatspräsident der Tschechischen Republik sagte: Türkei hat mit dem Abschuss des russischen Kampfflugzeugs einen Fehler gemacht.
  • IrakIrak Irak: Vize-Premierminister Nuri al-Maliki warf Präsident Erdoğan vor, die Welt an den Rand eines Weltkrieges gebracht zu haben und beschuldigte die Türkei, ihrerseits den Luftraum Syriens und des Irak täglich zu verletzen.[71]
  • IranIran Iran: Der iranische Präsident Hassan Rouhani rief Russland und die Türkei zur Mäßigung auf. Er nannte Aktionen wie den jetzigen Abschuss „extrem gefährlich“ und „provokativ“.[72]
  • IsraelIsrael Israel: Ein Sprecher der israelischen Luftwaffe erklärte, dass Israel ein versehentlich in seinen Luftraum eingedrungenes russisches Kampfflugzeug nicht abschießen würde. Russland sei „kein Feind“.[73] Ein russisches Flugzeug über den Golanhöhen hatte auch sofort auf die Aufforderung, abzudrehen, reagiert.[74]

Militärische Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zum Selbstschutz der russischen Truppen wurde ein mobiles allwetterfähiges Langstrecken-Boden-Luft-Raketen-System zur Bekämpfung von Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern in allen Flughöhen – S-400 Triumf – in der Region Latakia stationiert.
  • Jagdbomber wie die abgeschossene Suchoi Su-24 werden bei ihren Einsätzen zusätzlich durch Jagdflugzeuge begleitet.
  • Jagdbomber Su-34 führten bei ihren Missionen zusätzliche Bewaffnung in Form von Luft-Luft-Raketen mit.[75]
  • Der Lenkwaffenkreuzer Moskwa wurde zur Verteidigung der russischen Luftwaffe vor die syrische Mittelmeerküste verlegt.
  • Alle militärischen Kontakte mit der Türkei wurden abgebrochen.
  • Rebellen im syrischen Turkmenengebiet gaben an, dass russische Kampfflugzeuge seit dem Zwischenfall ihre Angriffe auf sie verstärkt hätten.[76]
  • Russland verlegt Mil Mi-8 und Mil Mi-24 nach Armenien. Russland besitzt im nördlichen Nachbarland der Türkei zwei Basen und hat dort seit 1998 Mikojan-Gurewitsch MiG-29 stationiert.[77]

Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Türkei gab an, mehr Kampfflugzeuge in die Grenzregion zu verlegen und stationierte dort Panzer.[78]

NATO[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Dezember 2015 kündigte die NATO an, die Flugabwehr der Türkei angesichts der zunehmenden russischen Militärpräsenz in der Region zu stärken. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg betonte, die Stärkung der türkischen Flugabwehr habe nichts mit dem Abschuss des russischen Jets zu tun. Die Planungen seien älter. Obama rechnete nicht mit einem Kurswechsel Putins im Syrien-Konflikt, aber auf längere Sicht werde Russland möglicherweise mit der von den USA geführten Anti-IS-Allianz kämpfen.[79]

Folgen im November 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hunderte von Lastwagen mit Obst, Gemüse und anderen Waren aus der Türkei stauten sich an der georgisch-russischen Grenze, weil Russland wegen angeblichen Terrorismusverdachts deren Abfertigung verschleppe.[76]
  • Die Visa-Freiheit für türkische Bürger wurde von Russland abgeschafft.
  • Russische Behörden nahmen 39 türkische Geschäftsleute in Gewahrsam, die als Touristen - und nicht mit Geschäftsvisa zu einer Wirtschaftsmesse eingereist waren und leiteten deren Abschiebung ein.[76]
  • Im Schwarzen Meer und der Ägäis kam es in den folgenden Wochen zu mehreren Zwischenfällen zwischen türkischen und russischen Schiffen.[80]
  • Ein für 2016 geplanter kultureller Austausch mit der Türkei wurde von russischer Seite abgesagt.[76]
  • Die russische Regierung erließ ein Flugverbot für russische Pauschalreisen und Charterflüge in die Türkei, welches im Juli 2016 aufgehoben wurde.[81]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Su-24M „weiße 83“ – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Commander-in-Chief of the Russian Aerospace Forces presents facts of the attack on the Russian Su-24M aircraft carried out by the Turkish F-16 fighter in the sky over Syria on November 24. In: eng.mil.ru. Ministry of Defence of the Russian Federation, 27. November 2015, abgerufen am 28. November 2015 (englisch).
  2. Warum die Türkei einen russischen Jet abschoss. ARD Mediathek, 17. Dezember 2015, abgerufen am 18. Januar 2016 (audio, deutsch).
  3. Abschuss von SU-24. Putin droht der Türkei. In: Frankfurter Rundschau. 25. November 2015, abgerufen am 3. Dezember 2015.
  4. Syrien kündigt Bodenoffensive an. ntv.de, 6. Oktober 2015, abgerufen am 6. Oktober 2015.
  5. Ankara bestellt Botschafter ein. In: badische-zeitung.de. 21. November 2015, abgerufen am 3. Dezember 2015.
  6. Turkey summons Russian envoy over bombing of Turkmens in Syria. Reuters, 20. November 2015, abgerufen am 26. November 2015 (englisch).
  7. Neil MacFarquhar, Steven Erlanger: NATO-Russia Tensions Rise After Turkey Downs Jet. New York Times, 24. November 2015, abgerufen am 26. November 2015 (englisch).
  8. Türkei bestellt erneut russischen Botschafter ein, dpa-Meldung auf rp-online.de vom 6. Oktober 2015, abgerufen am 2. Dezember 2015.
  9. Sorting Out What Russia and Turkey Say Happened in the Sky. The New York Times, 24. November 2015, abgerufen am 1. Dezember 2015 (englisch).
  10. Ankara sucht Moskau zu besänftigen, NZZ, 26. November 2015
  11. Turkey shoots down Russian jet near Syrian border. In: business-standard.com. Business Standard, 24. November 2015, abgerufen am 25. November 2015 (englisch).
  12. U.S. Confirms That Downed Russian Plane Entered Turkish Airspace, NBC, 1. Dezember 2015
  13. Here’s the alleged Audio of the Turkish Air Force warning the Russian Su-24 before downing it (englisch), abgerufen am 1. Dezember 2015
  14. Turkey downs Russian plane for 'violating airspace'. In: middleeasteye.net. 24. November 2015, abgerufen am 29. November 2015 (englisch).
  15. Shaun Walker, Kareem Shaheen: Turkish military releases recording of warning to Russian jet. In: theguardian.com. The Guardian, 25. November 2015, abgerufen am 25. November 2015.
  16. New video shows Russian plane crashing after shot down, CNN, 24. November 2015
  17. a b Abschuss eines russischen Flugzeugs. Ankara sucht Moskau zu besänftigen. 26. November 2015, abgerufen am 26. November 2015.
  18. Türkmen Komutan Elazığlı Ülkücü Çıktı. Alparslan Çelik Kimdir? – Seri Haber. In: serihaber.net. Abgerufen am 28. November 2015 (türkisch).
  19. Türkmen Cephesinde Bir Elazığlı – Harput TV – Elazığ Haberleri. In: harputtv.com.tr. 9. November 2015, abgerufen am 28. November 2015 (türkisch).
  20. Найти и уничтожить – НТВ. In: ntv.livejournal.com. 25. November 2015, abgerufen am 28. November 2015 (russisch).
  21. Andrew Cockburn: Mountain Ambush. In: Harper’s Magazine Foundation. informationclearinghouse.info, 10. Dezember 2015, abgerufen am 19. Dezember 2015 (englisch).
  22. Joey Millar: Russian jet shot down by Turkey was AMBUSHED, says defence expert. In: Daily Express. express.co.uk, 14. Dezember 2015, abgerufen am 20. Dezember 2015 (englisch).
  23. a b Benjamin Bidder: Abschuss von russischem Kampfjet: Die Chronologie der Eskalation. In: spiegel.de. Spiegel Online, 15. November 2015, abgerufen am 25. November 2015.
  24. Tom Perry, Mariam Karouny: Syria insurgents destroy Russian helicopter with missile. In: Reuters. 24. November 2015, abgerufen am 30. November 201.
  25. tagesanzeiger.ch: Deutschland plant offenbar Militäreinsatz in Syrien, abgerufen am 30. November 2015
  26. Julia Smirnova: Überlebender russischer Pilot bestreitet Warnungen. In: welt.de. Welt Online, 25. November 2015, abgerufen am 25. November 2015.
  27. Geretteter Su-24-Pilot. Keine Vorwarnungen von Türkei bekommen. Sputnik, 25. November 2015, abgerufen am 26. November 2015.
  28. Reuben F. Johnson: Russian Su-24M communications equipment blamed for shootdown, Jane's Defence Weekly, 26. November 2015, abgerufen am 2. Dezember 2015 (englisch).
  29. Putin bezeichnet Flugzeugabschuss durch Türkei als „Dolchstoß“, Zeit Online, 24. November 2015.
  30. a b Marco Kauffmann Bossart: Türkei und Russland beharren auf unterschiedlichen Versionen. In: nzz.ch. Neue Zürcher Zeitung, 25. November 2015, abgerufen am 25. November 2015.
  31. McInerney: Turkey Shooting Down Russian Plane Was a 'Very Bad Mistake'. In: foxnews.com. Fox News, 24. November 2015, abgerufen am 26. November 2015.
  32. Ehrliche Haut des Tages: Tom McInerney. In: junge Welt. 30.11.2015, abgerufen am 1.1.2016.
  33. http://de.sputniknews.com/politik/20151129/306018701/tuerkei-pilot-leiche.html
  34. https://www.welt.de/politik/ausland/article149400822/Tuerkei-bemueht-sich-um-Versoehnung-mit-Russland.html
  35. http://de.sputniknews.com/politik/20151129/306018701/tuerkei-pilot-leiche.html#ixzz3w1L1wWB7
  36. Davutoglu: Leiche des getöteten russischen Piloten in der Türkei. In: Westdeutsche Zeitung. wz-newsline.de, abgerufen am 29. November 2015.
  37. Türkei: Mörder des russischen Su24-Piloten bekommt fünf Jahre. In: de.sputniknews.com. 22. Mai 2017, abgerufen am 22. Mai 2017.
  38. Blackbox der Su-24 Putin vorgestellt. In: de.sputniknews.com. 8. Dezember 2015, abgerufen am 8. Dezember 2015.
  39. Tom Porter: Vladimir Putin invites UK experts to examine black box from SU-24 downed by Turkey. In: International Business Times. ibtimes.co.uk, 9. Dezember 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015 (englisch).
  40. UK expects progress on Syria issues before talks. In: CNS News. cnsnews.com, 9. Dezember 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015 (englisch).
  41. Blackbox des Kampfjets gefunden. Putin bittet Cameron um Hilfe bei Auswertung. In: n-tv.de. Abgerufen am 10. Dezember 2015.
  42. Su-24-Abschuss: Putin lädt Briten zu Auswertung der Blackbox ein. In: de.sputniknews.com. 9. Dezember 2015, abgerufen am 20. Dezember 2015.
  43. a b Wladimir Isatschenkow (The Associated Press): Russia calls on foreign experts to examine downed warplane’s blackbox — insisting it never entered Turkey. In: National Post. news.nationalpost.com, 18. Dezember 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015 (englisch).
  44. Su-24-Blackbox stark beschädigt - Auswertung vorerst unmöglich, Sputnik, 25 Dezember 2015; „mit keiner britischen Regierungsorganisation verbunden“
  45. Russia experts examine black box of jet downed by Turkey. In: Hürriyet Daily News. hurriyetdailynews.com, 18. Dezember 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015 (englisch).
  46. Will this black box prove Russian fighter jet did NOT enter Turkish air space before it was shot down? British and Chinese experts observe unveiling of flight data. In: Daily Mail Online. dailymail.co.uk, 18. Dezember 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015 (englisch): „British, Chinese and Indian military attaches watched alongside journalists from nearby over a live TV link.“
  47. Specialists of Izmeritel and Topaz enterprises to examine Su-24 black box. In: rbth.com. Abgerufen am 18. Dezember 2015.
  48. Su-24-Blackbox stark beschädigt - Auswertung vorerst unmöglich. Sputnik, 22. Dezember 2015, abgerufen am 23. Dezember 2015.
  49. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Gasprojekt Turkish Stream wegen russisch-türkischem Streit auf Eis, abgerufen am 3. Dezember 2015
  50. Russland und Türkei streiten weiter. Putin lässt Erdogan abblitzen. In: t-online.de. 28. November 2015, abgerufen am 28. November 2015.
  51. Streit nach Abschuss. Erdogan bittet Putin um Gespräch. In: rp-online.de. 28. November 2015, abgerufen am 28. November 2015.
  52. Milliardenverluste für Ankara. Rostourism bricht Zusammenarbeit mit Türkei ab. In: de.sputniknews.com. Abgerufen am 28. November 2015.
  53. Michael Kuntz: Tourismus in der Türkei. Der Rubel grollt. In: sueddeutsche.de. 25. November 2015, abgerufen am 28. November 2015.
  54. Russische Reise-Veranstalter boykottieren die Türkei. In: deutsch-tuerkische-nachrichten.de. 26. November 2015, abgerufen am 28. November 2015.
  55. a b Türkei schießt russischen Kampfjet an syrischer Grenze ab. In: morgenpost.de. 24. November 2015, abgerufen am 28. November 2015.
  56. Bomber-Abschuss: Putin verfügt „Sondermaßnahmen“ gegen Türkei. Sputnik, 29. November 2015, abgerufen am 29. November 2015.
  57. Die Welt: So sieht Putins Strafliste für die Türkei aus, abgerufen am 3. Dezember 2015
  58. Syria conflict: Russia accuses Erdogan of trading oil with IS. In: bbc. 2. Dezember 2015. Abgerufen am 3. Dezember 2015.
  59. Schmuggel in die Türkei floriert. IS verkauft Öl für 50 Millionen im Monat. In: n-tv.de. Abgerufen am 11. Dezember 2015.
  60. US-Regierung: „IS verkauft massenhaft Öl an Assad-Regime“. In: Deutschlandfunk. 12. Dezember 2015, abgerufen am 11. Dezember 2015: „Szubin fügte hinzu, ein Teil des Öls gehe auch in die Türkei.“
  61. Moskau verlangt Festnahme von mutmaßlichem Piloten-Mörder. In: Der Standard. 30. Dezember 2015, abgerufen am 1. Januar 2016.
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