Abteilung III b

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Die Sektion III b / Abteilung III b war der militärische Nachrichtendienst der preußischen/deutschen Armee bis kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.

Entstehung und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nachrichtendienst wurde 1889 als Sektion im Großen Generalstab begründet. Erstmalig verblieb diese Aufgabenstellung auch zu Friedenszeiten als ständige Organisationsform im Großen Generalstab. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Sektion zu einer Abteilung aufgewertet. Zunächst umfasste das Aufgabengebiet der Sektion III b die nachrichtendienstliche Informationsbeschaffung und die Spionageabwehr. Eine Auslandsaufklärung war nur begrenzt vorhanden. Die Zielsetzung des Nachrichtendienstes richtete sich anfangs gegen Frankreich, ab 1893 zunehmend gegen Russland und ab Sommer 1914 auch, in Abstimmung mit dem Nachrichtendienst des Admiralstabes, gegen England. So wurden beispielsweise zwischen 1891 und 1893 zur „Russlandaufklärung“ Nachrichtensammelstellen an den Grenzen des Reichs eingerichtet, so in Gumbinnen, Jarotschin, Kempen, Lublinitz, Lyck, Soldau und Thorn. Ab 1906 erfolgte der Einsatz nachrichtendienstlich geschulter Offiziere (N.O.) in den einzelnen Armeekorps in Richtung Frankreich (West) und Russland (Ost).

Chefs der A III b[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegelmarke Kriegspresseamt Berlin

In den Aufbaujahren bis 1908 waren in der Sektion III b lediglich 3 Offiziere mit den nachrichtendienstlichen Aufgaben betraut.

Seit 1910 bestand eine enge Zusammenarbeit mit dem k.u.k. Evidenzbüro in Wien.[1]

Die Friedenspräsenzstärke der Abteilung III b betrug 1914: 5 Generalstabsoffiziere und war gegliedert in 4 Sektionen. Es bestand zu dieser Zeit eine enge Zusammenarbeit mit dem italienischen Nachrichtendienst.[2]

Mit Kriegsausbruch im August 1914 wurde die Arbeit der Abt. III b geteilt. Der Chef der III b rückte mit der Obersten Heeresleitung ins Feld - Westfront. An seiner Seite agierte der Mobile Nachrichtendienst, die "mob III b". Die in Berlin verbliebene Gliederung wurde dem stellv. III b im Stellvertretenden Generalstab zugeteilt. Nur der N.O. beim 1. Armeekorps blieb auf seinem Posten in Königsberg.

Während des Ersten Weltkrieges erfolgte 1915 eine Vergrößerung der Abteilung III b und Aufgliederung der Bereiche Presse, Propaganda, Nachrichtendienst und Abwehr. Es entstanden drei Hauptabteilungen, die unter dem Dach des „Chef III b“ zusammengefasst waren:

Struktur Mitte 1915

  • Chef III b
    • Mobile Abteilung III b (OHL)
    • Stellvertretende Abteilung III b (Berlin)
      • Politik
      • Nachrichtendienst
      • Spionageabwehr in Deutschland
      • Presse
    • Kriegspresseamt
      • Auskunftsstelle
      • Oberzensurstelle
      • Auslandsstelle
      • Inlandstelle

Kriegsjahre und Auflösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Notwendigkeit zur Intensivierung des deutschen Nachrichtendienstes ergab sich aus der Tätigkeit des War Propaganda Bureau (WPB), das bereits im August 1914 gegründet wurde. Das WPB legte sehr schnell in seiner Kriegspropaganda den Schwerpunkt auf die Dämonisierung des Gegners, um die Kampfmoral der eigenen Soldaten zu stärken, die glauben sollten, sie würden die Zivilisation gegen die Barbaren verteidigen.[3] Die deutsche Gegenpropaganda konnte bei weitem keine vergleichbaren Erfolge erzielen. Bekannte Mitarbeiter der A III b waren Georg Foertsch, der Chefredakteur der Kreuzzeitung,[4] oder Elsbeth Schragmüller, die Leiterin der Kriegsnachrichtstelle Antwerpen.

Auch in der Aufklärung waren die Ergebnisse des deutschen Geheimdienstes gering. Das Agentennetz in den Feindländern brach kurz nach Kriegsbeginn zusammen, weil die Mehrzahl der Agenten enttarnt und verhaftet wurde.[5] So war es fast unmöglich, aussagefähige Daten über gegnerische Operationsabsichten und Aufmarschpläne zu beschaffen. Die Abteilung III b arbeitete der Nachrichtenabteilung des Großen Generalstabs (ab 1917 Abteilung Fremde Heere) jedoch nur zu, die dort eine Gesamtlage erstellte. Häufig erwiesen sich die Meldungen der noch aktiven Geheimdienstmitarbeiter als nicht zutreffend. Als großes Problem stellte sich die nicht vorhandene Trennung von Nachrichtenbeschaffung und Auswertung heraus, zumal die Mitarbeiter des Generalstabs nur schriftlich mit den Agenten kommunizierten. Damit lagen kaum objektive Kenntnisse über die Seriosität der Quellen vor, was zu Fehlinterpretationen führte. Zusätzlich stand die A III b in Konkurrenz mit dem Marinenachrichtendienst und den geheimdienstlichen Operationen des Auswärtigen Amtes. 1917 erhielt die Abteilung III b eine Ermächtigung zur Inlandsaufklärung. Ein eigenständiges Ressort sollte ähnliche Aufgaben wie das britische WPB ausführen, es konnte aber innerhalb nur eines Jahres bis Kriegsende kaum effizient aktiv sein.[5]

Die Abteilung III b beendete Ende 1918 mit der Auflösung des Großen Generalstabes ebenfalls ihre Arbeit. Der Abteilung-Chef III b Walter Nicolai wurde am 12. November 1918, vor allem um den immer massiver werdenden Kritiken in der Öffentlichkeit und im Reichstag zu entgehen, in den "Urlaub" entlassen. Als Übergangslösung wurde der frühere Leiter der III b West, Major Paul Stotten (verstorben 1956), dessen Image in der Öffentlichkeit weniger belastet war, 1919 als Chef der III b in Berlin eingesetzt. Mit Bildung des Reichswehrministeriums im Sommer 1919 unter Gustav Noske wurden dann mit dem Neuaufbau eines militärischen Nachrichtendienstes begonnen. Aus Teilen und unter Hinzuziehung geeigneter Offiziere wurde ab Mitte 1919 die Struktur und fachliche Zuständigkeit der Abteilung Abwehr innerhalb des Reichswehrministeriums herausgebildet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Florian Altenhöner: Total War – Total Control? German Military Intelligence on the Home Front, 1914–1918. In: The Journal of Intelligence History. Bd. 5, Nr. 2, 2005, S. 55–72, doi:10.1080/16161262.2005.10555117.
  • Robert T. Foley: Easy Target or Invincible Enemy? German Intelligence Assessments of France Before the Great War. In: The Journal of Intelligence History. Bd. 5, Nr. 2, 2005, S. 1–24, doi:10.1080/16161262.2005.10555115.
  • Hanne Hieber: „Mademoiselle Docteur“: The Life and Service of Imperial Germany’s Only Female Intelligence Officer. In: The Journal of Intelligence History. Bd. 5, Nr. 2, 2005, S. 81–108, doi:10.1080/16161262.2005.10555119.
  • Heinz Höhne: Canaris. Patriot im Zwielicht. Sonderausgabe. Bertelsmann, München 1984, ISBN 3-570-01608-0.
  • Markus Pöhlmann: German Intelligence at War, 1914–1918. In: The Journal of Intelligence History. Bd. 5, Nr. 2, 2005, S. 25–54, doi:10.1080/16161262.2005.10555116.
  • Jürgen W. Schmidt: Against Russia: Department IIIb of the Deputy General Staff, Berlin, and Intelligence, Counterintelligence and Newspaper Research, 1914–1918. In: The Journal of Intelligence History. Bd. 5, Nr. 2, 2005, S. 73–89, doi:10.1080/16161262.2005.10555118.
  • Jürgen W. Schmidt: Gegen Russland und Frankreich. Der deutsche militärische Geheimdienst 1890–1914 (= Geheimdienstgeschichte. 1). 3. Auflage. Ludwigsfelder Verlags-Haus, Ludwigsfelde 2009, ISBN 978-3-933022-44-8 (Zugleich: Hagen, Fernuniversität, Dissertation, 2005).
  • Jürgen W. Schmidt (Hrsg.): Geheimdienste, Militär und Politik in Deutschland (= Geheimdienstgeschichte. 2). 2. Auflage. Ludwigsfelder Verlags-Haus, Ludwigsfelde 2010, ISBN 978-3-933022-55-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Ronge: Kriegs- und Industriespionage. Zwölf Jahre Kundschafterdienst. Amalthea, Zürich u. a. 1930.
  2. Walter Nicolai: Geheime Mächte. Internationale Spionage und ihre Bekämpfung im Weltkrieg und heute. Koehler, Leipzig 1923.
  3. Martin Schramm: Das Deutschlandbild in der britischen Presse 1912–1919. Akademie Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-05-004422-4, S. 11 ff.
  4. Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik. 1919–1933. Bundesarchiv. online.
  5. a b Florian Altenhöner: Kommunikation und Kontrolle. Gerüchte und städtische Öffentlichkeiten in Berlin und London 1914/1918 (= Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London. 62). Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-58183-6, S. 96 ff.