Abū Yazīd Machlad ibn Kaidād

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Abū Yazīd Machlad ibn Kaidād (arabisch ‏أبو يزيد مخلد بن كيداد‎, DMG Abū Yazīd Maḫlad b. Kaidād, * 873; † 19. August 947) war der Führer der letzten großen Revolte der Ibaditen in Ifriqiya (943–947) gegen die Fatimiden.

Abū Yazīd wurde in Gao am Niger geboren, wo sein Vater Handel trieb. Er war ein Zanata-Berber und wuchs in der Oasenregion des Chott el Djerid, die damals noch den antiken Namen Qastiliya trug,[1] in der Nähe von Tozeur auf, wo er sich der Lehre der Ibaditen anschloss. Nach Studien in der Rustamiden-Hauptstadt Tahert kehrte er 908 nach Tozeur zurück, wo er bald, vor allem unter den Hawwāra-Berbern, als Wanderprediger gegen die ismailitischen Fatimiden bekannt wurde. Nach Inhaftierung und Befreiung zog er mit einem Esel (deshalb auch „der Mann auf dem Esel“, ṣāḥib al-ḥimār) unter den Berberstämmen im mittleren Maghreb umher und gewann vor allem unter den Stämmen der Zanata, wie den Banu Ifran und den Hawwara,[2] dem Volk seiner Mutter, eine große Anhängerschaft. Er nannte sich „Scheich der Muslime/Gläubigen“.

943 eröffnete Abū Yazīd den Aufstand gegen die Fatimiden. Er nahm Tabissa und Marmādschanna ein, al-Urbus (8. August 944), Bādscha (5. September 944) und eroberte am 15. Oktober 944 Kairouan, wo er den fatimidischen Kommandeur Chalīl ibn Ishāq und den ismailitischen Qādī der Stadt Ahmad ibn Bahr hinrichten ließ.[3] Anschließend belagerte er den Kalifen Abu l-Qasim al-Qaim in al-Mahdiya. Dieser konnte sich aber mit Hilfe der Flotte in seiner Hauptstadt behaupten.

Kairuan wurde für zwei Jahre die Residenz von Abu Yazid. Gleichzeitig erfolgte die Aufnahme von Kontakten zu den Umayyaden von Córdoba. Allerdings gab Abu Yazid, von den eigenen Erfolgen berauscht, sein asketisches Leben auf, mit dem er die Führerschaft unter den Ibaditen errungen hatte. Dies führte zum Abfall der arabischen Truppen und einiger Stämme, sodass die Belagerung von al-Mahdiya nach acht Monaten schwerer Kämpfe im September 945 aufgegeben werden musste. Durch die ständigen Übergriffe der Aufständischen gegenüber den Städten unterstützten diese nun wieder die Fatimiden, die Abu Yazid als den Daddschal darstellten. Nun konnte Ismail al-Mansur die Berber unter Abu Yazid bei Kairuan entscheidend schlagen (13. August 946).

Abu Yazid zog sich mit seinen letzten Anhängern in die Hodna-Berge zurück, wo er sich einen heftigen Abwehrkampf mit Ismail lieferte, bis er 947 während eines Gefechtes verwundet wurde und am 19. August in Gefangenschaft starb.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Haarmann: Geschichte der arabischen Welt. C.H. Beck München, 2001, S.170 und 286
  • Heinz Halm: Das Reich des Mahdi. C.H. Beck, München, 1991. ISBN 3-406-35497-1 S. 266-288.
  • Heinz Halm: "Der Mann auf dem Esel. Der Aufstand des Abū Yazīd gegen die Fatimiden nach einem Augenzeugenbericht" in Die Welt des Orients 15 (1984) 144-204.
  • S.M. Stern: Art. "Abū Yazīd al-Nukkārī" in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. I, S. 163a-164a.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Encyclopaedia of Islam. New Edition, Bd. 4, S. 739
  2. The Encyclopaedia of Islam. New Edition, Bd. 3. S. 295
  3. Vgl. Stern: Art. "Abū Yazīd al-Nukkārī" in EI² Bd. I, S. 163 und Halm: Das Reich des Mahdi. S. 280.