Abulie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Abulie (griechisch ἀβουλία aboulia ‚Willenlosigkeit‘) steht für eine krankhafte Willensschwäche oder Unentschlossenheit mit fehlendem Willensantrieb. Eugen Bleuler zählte die Abulie zu den Grundsymptomen bei Schizophrenie, sie kann aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten (siehe Negativsymptomatik). Der Begriff wurde von Max Nordau geprägt.[1]

Charakteristika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betroffene Personen möchten gerne eine Tätigkeit oder Handlung durchführen, können aber keinen diesbezüglichen Beschluss fassen oder sind unfähig, diesen auszuführen. Eine Abulie ist oftmals verbunden mit einer übermäßigen Steigerung von Automatismen und einer Schwäche der Sensibilität.[2]

Das Symptom kommt hauptsächlich vor bei Stirnhirnerkrankungen (z. B. Frontalhirnsyndrom, Tumor oder Kopfverletzungen), bei Depressionen und anderen Stimmungsstörungen, Neurosen (wie Persönlichkeitsstörungen) und im Rahmen von Psychosen. Sie geht oft mit Melancholie einher. Hinzu kommen können Stummheit (Mutismus) oder wortkarge Sprache mit langen Pausen und der Unfähigkeit zu längeren Monologen (Alogie).[1][3]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gute Vorsätze kommen nicht zur Ausführung. Es wird verschoben und verschoben; eine Konzentration auf das eigentliche Vorhaben oder auf eine einzelne Tätigkeit ist nicht mehr möglich. Es kann in der Folge zum völligen Verlust der Willenskraft und damit einhergehend erheblichen Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung und zu sozialer Isolation kommen.[4]

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abulie ist keine eigenständige und somit behandelbare Krankheit, sondern stellt stets ein Symptom einer anderen Erkrankung dar. Die Behandlung der Grunderkrankung, z. B. einer Depression, steht demnach im Vordergrund.

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unvermögen zu sprechen infolge eines Verlustes der phonischen Innervation wird ebenfalls als Abulie bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Abulie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Uwe Henrik Peters (2007): Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie. 6. Neuauflage Fischer bei Elsevier ISBN 978-3-437-15061-6. Siehe Stw. Abulie (Seite 4).
  2. Friedrich Kirchner (1907): Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe. ISBN 9783849617639. Siehe Eintrag zu Abulie.
  3. Christian Müller (1973): Lexikon der Psychiatrie: Gesammelte Abhandlungen der gebräuchlichsten psychopathologischen Begriffe. Springer-Verlag. ISBN 978-3-642-96154-0. Siehe ausführlichen Eintrag zu Abulie (Seite 1).
  4. medhost (medizinisches Lexikon): Abulie
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diesen Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!