Abwasserrohr

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Schmutzwasser-Hauptsammler
für das Abwasser der Stadt Kiel

Abwasserrohre werden in der Regel zur Entwässerung von Gebäuden oder bebauten Flächen eingesetzt. Die dabei verwendeten Rohre werden je nach Zweck nicht nur unterschiedlich bezeichnet, sondern setzen sich auch aus verschiedenen Materialien zusammen.

öffentliche Kanalisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Leitungsnetz ist das Kanalnetz einer Stadt oder Gemeinde zur Entwässerung von Siedlungsräumen im Misch- oder Trennverfahren. Beim Mischverfahren gibt es einen gemeinsamen Kanal für Regen- und Abwasser, beim Trennverfahren getrennte Kanäle für Regen- und Abwasser.

Ein Anschlusskanal ist eine Leitung vom öffentlichen Straßenkanal bis zur Grundstücksgrenze oder bis zum ersten Reinigungsschacht im Grundstück. Die Nennweite DNmin (= Rohrdurchmesser) beträgt mindestens 15 cm.

Gebäudeentwässerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anschlussleitungen (Einzelanschlussleitungen) sind Abwasserleitungen vom Geruchsverschluss (Siphon) eines einzelnen Entwässerungsgegenstandes (z. B.: Waschtisch, Badewanne etc.) bis zum ersten T-Stück, an dem sich zwei Anschlußleitungen treffen oder an dem die Anschlußleitung auf eine Fall-, Grund- oder Sammelleitung trifft. Im Gegensatz zu den anderen Leitungstypen können Anschlussleitungen auch für Vollfüllung ausgelegt und betrieben werden, sie dürfen jedoch nicht mehr als drei 90° Bögen enthalten. Eine nicht belüftete Anschlussleitung darf maximal 4 m lang sein und muss ein Gefälle von wenigstens 1 % aufweisen. Die Höhe zwischen dem Geruchsverschluß und der Mündung in die Fallleitung darf nicht mehr als 1 m betragen. Lassen sich diese Bedingungen nicht erfüllen, muss unmittelbar hinter dem Geruchsverschluss ein Rohrbelüfter vorgesehen werden. Eine belüftete Anschlussleitung darf bis 10 m lang sein und muss in einem Gefälle von wenigstens 0,5 % verlegt werden. Die Höhe zwischen dem Geruchsverschluß und der Mündung in die Fallleitung darf nicht mehr als 3 m betragen.

Eine Anschlussleitung wird in der Regel durch ein T-Stück mit 45°-Abzweig an eine Sammelleitung angeschlossen. Das T-Stück sollte hierbei weder flach liegen, noch sollte der Abzweig genau nach oben stehen; vorzuziehen ist ein im Winkel von 30° bis 45° schräg stehender Abzweig. Senkrecht nach oben stehen darf der Abzweig nur bei einer Sammelleitung mit einem Durchmesser von wenigstens 100 mm und einer Entwässerung aus der Anschlussleitung von weniger als 1 l/s. Soll der Abzweig flach liegen, so ist ein spezielles T-Stück mit exzentrischem Abzweig zu verwenden, damit sich die Sohle aller Rohrleitungen auf der gleichen Höhe befindet.[1]

Eine Sammelleitung ist eine freiliegende, horizontale Leitung zur Aufnahme des Abwassers aus Anschluss- oder Fallleitungen. Sie ist mit einem Gefälle von mindestens 0,5 % (0,5 cm/m) bei belüfteten und 1 % (1 cm/m) bei unbelüfteten Leitungen zu verlegen. Um Grundleitungen innerhalb des Gebäudes zu vermeiden, werden bei unterkellerten Gebäuden stattdessen oft Sammelleitungen entlang der Kellerdecke geführt.

Fallleitungen (Fallrohre) sind senkrecht oder bis zu einer Neigung von 45° verlegte Leitungen, die durch ein oder mehrere Geschosse (innerhalb oder außerhalb eines Gebäudes) führen, über Dach belüftet werden und das Abwasser einer Grund- oder Sammelleitung zuführen. Beim Übergang von der Fall- zur Grund- oder Sammelleitung sollten anstelle eines 90° Bogens, zwei 45° Bögen verwendet werden, um Verstopfungen und starke Schallbelastung zu vermeiden. Bei einer über 10 m langen Fallleitung fordert die DIN 1986-100 in Kapitel 6.2.2 zwei 45° Bögen mit einem 250 mm langen, geraden Zwischenstück.

Grundleitungen sind auf einem Grundstück oder im Baukörper im Erdreich verlegte, horizontale Leitungen, die das Abwasser dem Anschlusskanal zuführen. DNmin beziffert sich auf 10 cm, empfohlen werden 15 cm. DIN 1986-100 5.7: „Aus Gründen der Inspizierbarkeit und der einfachen Sanierungsmöglichkeit sollten Grundleitungen innerhalb von Gebäuden vermieden und stattdessen als Sammelleitungen verlegt werden. Dies gilt nicht nur für Gebäude ohne Keller; hier sollten die Grundleitungen möglichst kurz und geradlinig aus dem Gebäudebereich herausgeführt werden. Bei unterhalb der Rückstauebene liegenden Entwässerungsanlagen mit Anschluss an eine Abwasserhebeanlage oder einen Rückstauverschluss sollten Grundleitungen nur hergestellt werden, wenn der Anschluss an eine Sammelleitung nicht möglich ist (z. B.: Fußbodenabläufe, Duschen, Badewannen).“ Grundleitungen außerhalb von Gebäuden sollten in unseren Breitengraden in einer Tiefe von mindestens 80 cm befinden, da diese Tiefe als frostfrei gilt.

Sammel- und Grundleitungen sollen nach EN 752 nicht mit einem Sohlgefälle zwischen 5 % und 100 % (entspricht 45°) verlegt werden, da bei den in diesem Bereich auftretenden Fließgeschwindigkeiten die Gefahr besteht, dass sich Feststoffe im Rohr ablagern, statt vom Abwasser mitgeschwemmt zu werden. Alternativ können Höhenunterschiede auch durch einen Absturz überbrückt werden.

Rohrbezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • GJS-Rohr (Sphärogussrohr) früher GGG-Rohre (globulare Grauguss-Rohre): Sie werden meist braun gefärbt; hauptsächlich werden sie erdverlegt als Druckrohr oder Freispiegelkanal zur Entsorgung von Brauchwasser eingesetzt. Sie sind meist verzinkt und besitzen eine Zementmörtel-(ZM)-Auskleidung.
    Verbindungstechnik: Muffen mit einfachen Lippendichtungen, Krallendichtungen und einer Kombination aus Lippendichtung und Keilen für die Zugfestigkeit.
  • HT-Rohre (Hochtemperatur-Rohre): Sie sind meist grau gefärbt; hauptsächlich werden sie innerhalb eines Gebäudes eingesetzt und dienen der Abführung des Abwassers.
  • PE-Rohre: Diese schwarzen Rohre werden bzw. können innerhalb eines Gebäudes sowie als Grundleitungen eingesetzt werden.
    Verbindungstechnik: Spiegelschweißen, Schweiß- oder Steckmuffen.
  • KG-Rohre (Kanal-Grund-Rohre): Sie sind in der Regel aus PVC hergestellt, meist orange gefärbt, stabiler als HT-Rohre und werden als Grund- oder Sammelleitungen eingesetzt.
  • Steinzeug-Rohre: Hergestellt aus mineralischen Stoffen, außen- und innenseitig glasiert, dunkelbraun und wesentlich schwerer und teurer als Kunststoffrohre. Sie waren lange Zeit, mindestens bis in die 1960er Jahre, der Standard bei Grundleitungen. Heute werden sie wegen ihrer hohen statischen Belastbarkeit bevorzugt bei hohem Bodendruck (wie unter Straßen) eingesetzt.
    Heute besitzen die Spitzenden der Rohre meist angeformte Gummiringe. Früher wurden massive oder profilierte Dichtungsringe in die Muffen eingelegt. Bis in die 1960er Jahre wurden geteerte Hanfpackungen in die Muffenspalten gestopft, die anschließend mit Zementmörtel verstrichen wurden.
  • KG2000-Rohre (Kanalgrundrohr 2000): Sie sind in der Regel aus PP, oft grün oder weiß gefärbt, stabiler als KG-Rohre und werden als Grundleitungen eingesetzt.
  • SML-Rohre (Super-Metallit-Lieferprogramm): Rohre aus Grauguss; sie besitzen außen eine rötliche Beschichtung und werden normalerweise als muffenlose Rohre in Gebäuden eingesetzt. Das rote SML-Rohr muss zur Verlegung im Erdreich mit einem Korossionsschutz versehen werden. Die Verbindung der stumpfen Rohrenden erfolgt durch Klemmringe oder Krallen.
  • GFK-Rohre (Glasfaser-Kunststoff-Rohre): Diese Rohre besitzen i. d. R. eine hohe Stabilität und können auch in chemischen Bereichen eingesetzt werden.
  • Edelstahlrohre: Sie sind alternativ zu Gussrohren verwendbar; diese sind im Innen- und Außenbereich einsetzbar, leichter zu verlegen und mit Kunststoffrohren kompatibel.
  • Betonrohre: Armiert oder unarmiert, Einsatz als Grundleitung, kostengünstige Rohrbettung in Kies 0/32 mm oder Betonsohle.
    Verbindungstechnik: Muffen mit Gummidichtung (Dichtungsring).

Rohre aus folgenden Werkstoffen sind nach DIN 1986-4 gegenüber saurem Kondensat uneingeschränkt beständig, welches insbesondere beim Betrieb von mit Gas oder Erdöl betriebenen Brennwertkesseln entsteht und abgeführt werden muss: Steinzeug, Glas, Polyvinylchlorid (PVC), Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Styrol-Copolymerisate (ABS/ASA), Polyesterharz (UP) und nichtrostender Stahl. Bei planmäßiger Verdünnung durch andere Abwässer können auch Rohre aus Faserzement, Gusseisen oder Stahl verwendet werden. [2]

DIN- und EN-Normen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Europäische Normen (EN) bzw. DIN-Normen stehen im Zusammenhang mit Entwässerungen:

  • DIN EN 1610: Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen; Deutsche Fassung EN 1610:1997
  • DIN EN 1610 - Beiblatt 1: Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen - Verzeichnis einschlägiger Normen und Richtlinien (Stand vom Februar 1997)
  • DIN 1986-3, -4, -30 sowie -100: Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke.
    • DIN 1986-3 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke - Teil 3: Regeln für Betrieb und Wartung
    • DIN 1986-4 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke - Teil 4: Verwendungsbereiche von Abwasserrohren und -formstücken verschiedener Werkstoffe
    • DIN 1986-30 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke - Teil 30: Instandhaltung
    • DIN 1986-100 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke - Teil 100: Zusätzliche Bestimmungen zu DIN EN 752 und DIN EN 12056
  • EN 752: Entwässerungsanlagen außerhalb von Gebäuden
    • DIN EN 752-1 Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden - Teil 1: Allgemeines und Definitionen; Deutsche Fassung EN 752-1:199
    • DIN EN 752-2 Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden - Teil 2: Anforderungen; Deutsche Fassung EN 752-2:199
    • DIN EN 752-3 Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden - Teil 3: Planung; Deutsche Fassung EN 752-3:1996
    • DIN EN 752-4 Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden - Teil 4: Hydraulische Berechnung und Umweltschutzaspekte; Deutsche Fassung EN 752-4:1997
    • DIN EN 752-5 Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden - Teil 5: Sanierung; Deutsche Fassung EN 752-5:1997
    • DIN EN 752-6 Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden - Teil 6: Pumpanlagen; Deutsche Fassung EN 752-6:1998
    • DIN EN 752-7 Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden - Teil 7: Betrieb und Unterhalt; Deutsche Fassung EN 752-7:1998
  • EN 12056-1 bis -5: Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden:
    • DIN EN 12056-1 Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden - Teil 1: Allgemeine und Ausführungsanforderungen; Deutsche Fassung EN 12056-1:2000
    • DIN EN 12056-2 Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden - Teil 2: Schmutzwasseranlagen, Planung und Berechnung; Deutsche Fassung EN 12056-2:2000
    • DIN EN 12056-3 Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden - Teil 3: Dachentwässerung, Planung und Bemessung; Deutsche Fassung EN 12056-3:2000
    • DIN EN 12056-4 Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden - Teil 4: Abwasserhebeanlagen; Planung und Bemessung; Deutsche Fassung EN 12056-4:200
    • DIN EN 12056-5 Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden - Teil 5: Installation und Prüfung, Anleitung für Betrieb, Wartung und Gebrauch; Deutsche Fassung EN 12056-5:2000

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zu Abwassersystemen, Akatherm; abgerufen im Februar 2017
  2. Dipl.-Ing. (FH), BSc Frank Sprenger: Kondenswasser aus Heizkesseln und dessen Neutralisation, Sonderdruck Buderus Heiztechnik