Achaiischer Bund
Der Achaiische Bund war ein Bündnis (Koinon) des nordpeloponnesischen Stammes der Achaier im antiken Griechenland, zu dem später zwölf Poleis gehörten.
Der Städtebund umfasste die zwölf achaiischen Städte Aigai, Aigeira, Aigion, Bura, Dyme, Helike, Olenos, Patrai, Phara, Pellene, Rhypes und Tritaia. Später kamen Keryneia und Leontion dazu.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der erste Achaiische Bund entstand nach Einführung der demokratischen Verfassungen im 5. Jahrhundert v. Chr., zentriert um den Kult des Zeus Homagyrios. 373 v. Chr. wurde die führende Polis Helike durch eine Flutwelle völlig zerstört. Aigai, Olenos und Rhypes wurden wegen ihres desolaten Zustands von der Bevölkerung aufgegeben und verlassen. Keryneia und Leontion blühten auf und wurden an deren Stelle in den Bund aufgenommen. Die Hauptquelle für die Geschichte des Bundes ist Polybios (besonders 2,38-44), der das koinon allerdings idealisiert darstellt und vor allem die teils aggressive Expansion der Achaier herunterspielt.
Opposition gegen Makedonien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der Bund beteiligte sich an der Opposition gegen König Philipp II. Nach der Unterwerfung Griechenlands durch Makedonien verschwand der Bund, und die einstigen Mitglieder führten ab ca. 300 v. Chr. teilweise Krieg gegeneinander. Doch um 280 v. Chr. wurde er unter der Führung von Aigion neu gegründet, mit dem Ziel, „die Makedonen zu vertreiben“ (Polybios). Im Chremonideischen Krieg kämpfte man an der Seite Athens und Spartas gegen die Makedonen, unterlag aber. Auch dem Stamm nicht angehörende Gebiete wurden in den Bund integriert. Sie erhielten das Bürgerrecht und eine Beteiligung an der Regierung. Der Bund verfügte über eine Volksversammlung, einen Rat und Beamte, die zunächst von zwei, wohl ab 255 v. Chr. von einem Strategen geführt wurden.
Feindschaft mit Sparta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Unter Aratos von Sikyon kämpfte der Bund recht erfolgreich gegen die Makedonen. Gegen deren König Demetrios II. schloss man um 239 sogar ein Bündnis mit den alten Rivalen, den Aitolern. Das Bündnis mit Sparta allerdings kehrte sich im Laufe der Zeit, auf Grund von Expansionsdrang auf beiden Seiten, in Feindschaft um. Der Spartanerkönig Kleomenes III. konnte viele Städte des Bundes auf seine Seite ziehen (ein Zeichen dafür, dass viele Poleis dem Bund, anders als Polybios suggeriert, nicht freiwillig angehörten) und drohte den Bund vollständig zu vernichten bzw. unter seine Kontrolle zu bringen. Die Achaier änderten daraufhin 225 v. Chr. ihre bisher antimakedonische Politik grundsätzlich und riefen die Makedonen unter König Antigonos III. Doson gegen Sparta zu Hilfe.
Bündnis mit Makedonien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Im Bündnis mit Doson gewannen die Achaier große Teile der Peloponnes, unter anderem in der Argolis und am Isthmus von Korinth, aber auch in Arkadien. 222 wurde Sparta in der Schlacht von Sellasia entscheidend geschlagen. Während des Zweiten Makedonischen Krieges wechselten die Achaier 198 v. Chr. von der Seite Makedoniens unter Philipp V. auf die Seite Roms, woraufhin der Bund in den folgenden Jahren seine größte Ausdehnung erreichte.
Partner der Römer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Als Partner der Römer erweiterten die Achaier ihr Bundesgebiet und konnten 188 v. Chr. die gesamte Peloponnes unter ihrer Herrschaft vereinigen, da die Aitoler, die gegen Rom gekämpft hatten, nun völlig entmachtet wurden. Vor allem immer wieder aufflammende innere Konflikte mit dem inzwischen zwangsweise in den Bund eingegliederten Sparta belasteten aber das Verhältnis zu den Römern. Im Krieg Roms gegen König Perseus von Makedonien bemühte sich der Bund um eine unabhängige Politik; zur Strafe musste man 168 v. Chr. 1000 Mitglieder der Oberschicht als Geiseln nach Rom entsenden, darunter Polybios. Zum endgültigen Bruch kam es jedoch erst 147 v. Chr., als offener Krieg mit Rom ausbrach. Nach der Niederlage der Achaier und der Zerstörung Korinths 146 musste der Bund aufgelöst werden. Er wurde etwas später neu gegründet, allerdings stark verkleinert und politisch unbedeutend. Südgriechenland wurde schließlich 27 v. Chr. zur römischen Provinz Achaea.
Liste der Strategen des Achaiischen Bundes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
| Jahr | Name |
|---|---|
| 256/255 | Margos aus Keryneia |
| -- | |
| 245/244 | Aratos aus Sikyon I |
| 243/242 | Aratos aus Sikyon II |
| 241/240 | Aratos aus Sikyon III |
| 239/238 | Aratos aus Sikyon IV |
| 238/237 | Aigialeus (?) |
| 237/236 | Aratos aus Sikyon V |
| 236/235 | Dioitas |
| 235/234 | Aratos von Sikyon VI |
| 234/233 | Lydiadas aus Megalopolis I |
| 233/232 | Aratos aus Sikyon VII |
| 232/231 | Lydiadas aus Megalopolis II |
| 231/230 | Aratos aus Sikyon VIII |
| 230/229 | Lydiadas aus Megalopolis III |
| 229/228 | Aratos aus Sikyon IX |
| 228/227 | Aristomachos aus Argos |
| 227/226 | Aratos aus Sikyon X |
| 226/225 | Hyperbatas |
| 225/224 | Timoxenos I |
| 224/223 | Aratos aus Sikyon XI |
| 223/222 | Timoxenos II (?) |
| 222/221 | Aratos aus Sikyon XII |
| 221/220 | Timoxenos III (II) |
| 220/219 | Aratos aus Sikyon XIII |
| 219/218 | Aratos aus Sikyon (der Sohn) |
| 218/217 | Eperatos aus Pharai |
| 217/216 | Aratos aus Sikyon XIV |
| 216/215 | Timoxenos IV (III) |
| 215/214 | Aratos aus Sikyon XV |
| 213/212 | Aratos aus Sikyon XVI |
| 209/208 | Kykliadas I |
| 208/207 | Philopoimen aus Megalopolis I |
| 206/205 | Philopoimen aus Megalopolis II |
| 201/200 | Philopoimen aus Megalopolis III |
| 200/199 | Kykliadas II |
| 199/198 | Aristainos aus Megalopolis I |
| 198/197 | Nikostratos |
| 195/194 | Aristainos aus Megalopolis II |
| 193/192 | Philopoimen aus Megalopolis IV |
| 192/191 | Diophanes aus Megalopolis |
| 190/189 | Philopoimen aus Megalopolis V |
| 189/188 | Philopoimen aus Megalopolis VI |
| 188/187 | |
| 187/186 | Philopoimen aus Megalopolis VII |
| 186/185 | Aristainos aus Megalopolis III |
| 185/184 | Lykortas aus Megalopolis I |
| 184/183 | Archon aus Megalopolis I |
| 183/182 | Philopoimen aus Megalopolis VIII |
| 182/181 | Lykortas aus Megalopolis II |
| 181/180 | Hyperbatos |
| 180/179 | Kallikrates |
| 175/174 | Xenarchos aus Megalopolis |
| 172/171 | Archon aus Megalopolis II |
| 170/169 | Archon aus Megalopolis III |
| 168/167 | Xenon aus Megalopolis |
| -- | |
| 151/150 | Menalkidas aus Sparta |
| 150/149 | Diaios aus Megalopolis I |
| 149/148 | Damokritos aus Megalopolis |
| 148/147 | Diaios aus Megalopolis II |
| 147/146 | Kritolaos aus Megalopolis |
| 146 | Diaios aus Megalopolis II |
Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Attischer Bund
- Böotischer Bund
- Aitolischer Bund
- Peloponnesischer Bund
- Symmachie
- Antikes Griechenland
- Kleomenischer Krieg
Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Andreas Bastini: Der achäische Bund als hellenische Mittelmacht. Geschichte des achäischen Koinon in der Symmachie mit Rom. (= Europäische Hochschulschriften. Reihe 3: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften. Bd. 335). Lang, Frankfurt am Main u. a. 1987, ISBN 3-8204-9193-7 (Zugleich: Köln, Univ., Diss., 1982).
- Jörg-Dieter Gauger: Achäer(bund). In: Hatto H. Schmitt, Ernst Vogt (Hrsg.): Kleines Lexikon Hellenismus. Harrassowitz, Wiesbaden 2003, S. 9–16.