Achalm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Achalm (Begriffsklärung) aufgeführt.
Achalm
Blick auf die Achalm von den südwestlich gelegenen Streuobstwiesen oberhalb von Pfullingen

Blick auf die Achalm von den südwestlich gelegenen Streuobstwiesen oberhalb von Pfullingen

Höhe 707 m ü. NHN
Lage Reutlingen, Baden-Württemberg
Gebirge Schwäbische Alb
Koordinaten 48° 29′ 39″ N, 9° 14′ 38″ OKoordinaten: 48° 29′ 39″ N, 9° 14′ 38″ O
Achalm (Baden-Württemberg)
Achalm
Typ Zeugenberg
Gestein Weißer Jura

Die Achalm (707,1 m ü. NHN),[1] der „Hausberg“ der Stadt Reutlingen, Baden-Württemberg ist ein Zeugenberg des nördlichen Vorlandes der mittleren Schwäbischen Alb in Südwestdeutschland. Auf dessen Gipfel befinden sich spärliche Reste der Fundamentgemäuer der gleichnamigen mittelalterlichen Burg Achalm, dem ehemaligen Herrensitz des ausgestorbenen Adelsgeschlechts der Grafen von Achalm. Der 1838 als nachgebauter Bergfried errichtete Aussichtsturm bietet einen Rundblick über Reutlingen, Eningen, Pfullingen, das nördliche Albvorland und den Nordrand der mittleren Schwäbischen Alb, den Albtrauf. Man sieht ferner Tübingen, den Schönbuch und – bei klarer Sicht – bis zur Hornisgrinde im nördlichen Schwarzwald.

Die Ostflanke der Achalm liegt auf der Gemarkung von Eningen unter Achalm, einer unmittelbaren Nachbargemeinde Reutlingens.

Als sogenannter Zeugenberg (geologisches Zeugnis/Beleg über die vorgeschichtliche Ausdehnung des Weißjura ablegend) mutet die Achalm mit ihrer charakteristischen Kegelform ähnlich wie der 105 m niedrigere, etwa 2,5 km südwestlich gelegene Georgenberg an wie ein erloschener Vulkan. Anders als der Georgenberg ist die Achalm jedoch nicht vulkanischen Ursprungs, sondern besteht wie die etwa 4 km entfernten östlich gelegenen Ausläufer der Schwäbischen Alb aus braunem und weißem Jura.

Namensherkunft und -Ableitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Legende nach soll der Name des Berges bzw. der vormaligen Burg auf die letzten Worte des infolge eines Mordanschlags tödlich getroffenen Burgherrn Graf Egino zurückgehen. In seinem Todeskampf seien dessen letzte Worte „Ach Allm…“ gewesen, wobei er den gemeinten Ausruf „Ach Allmächtiger!“ aufgrund des eintretenden Todes nicht mehr habe aussprechen können. Diese Legende wurde vom Romantikdichter Ludwig Uhland in der elften Strophe der Ballade Die Schlacht bei Reutlingen[2] aufgegriffen, wobei Uhland im Hauptkontext seiner Ballade den etwa 200 Jahre später – Mitte des 13. Jahrhunderts – erfolgten Überfall auf die Reichsstadt Reutlingen durch das Ritterheer Graf Ulrichs von Württemberg beschrieb.

Wahrscheinlicher dürfte allerdings die Annahme sein, dass der Name vom altdeutschen Begriff Ache (Bach) an der Alm (Bergweide) herrührt.[3] Dagegen vermutete der Germanist Hermann Fischer einen vorgermanischen Ursprung des Namens.[4]

Geschichte der Burg und der Domäne Achalm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Achalm (Bildmitte im Hintergrund, von Süden gesehen) auf einer Stadtansicht Reutlingens aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts (Kupferstich von Matthäus Merian)
Gemälde von Alice Haarburger mit der Achalm als Hintergrundmotiv: „Ansicht von Reutlingen“ (um 1930)

Von der im 11. Jahrhundert auf dem Gipfel der Achalm erbauten Burg der Grafen Egino und Rudolf sind nur noch wenige Mauerreste und der um 1838 wiederaufgebaute Bergfried erhalten. Die Burg zerfiel bereits im 15. Jahrhundert, aber bis zum 17. Jahrhundert wurden noch einzelne Gebäude bewohnt.

Während des Dreißigjährigen Krieges berief sich Erzherzogin Claudia von Tirol (Claudia de’ Medici) auf ihre Rechte an der Pfandschaft Achalm und beanspruchte etwa 30 württembergische Dörfer. Vom Schloss Pfullingen aus ließ sie diese Besitzungen verwalten. Im Auftrag der erzherzoglichen Regierung in Innsbruck demolierte der Pfullinger Verwalter Andreas Hildebrand im Mai 1645 die Burg Achalm, um eine Eroberung durch gegnerische Soldaten zu verhindern. Das einzige erhaltene Gebäude, ein Wohnbau über dem Tor, wurde durch Brandstiftung im August 1646 völlig zerstört. Erst im Westfälischen Frieden erhielt Herzog Eberhard III. von Württemberg das Gebiet der Pfandschaft Achalm zurück. Nach dem Ende des Krieges kam es zur endgültigen Schleifung der Burggemäuer; zudem wurden sehr viele Steine als Baumaterial für Stadthäuser verwendet.

Am Abhang der Achalm blieb ein Hof bestehen, der von Herzog Eberhard III. 1650 als Melkerei eingerichtet wurde. Im 18. Jahrhundert kam die Achalm in den Besitz von Privatleuten.

König Wilhelm I. von Württemberg kaufte 1822 das Gut von den privaten Eigentümern und ließ auf der Achalm eine Schaf- und Ziegenzucht aufbauen. Später wurde die Hofdomänenkammer, die als Behörde für die Verwaltung des Privatvermögens der königlichen Familie zuständig war, mit der Verwaltung der Domäne Achalm beauftragt und ließ sie durch einen angestellten Verwalter bewirtschaften. Auf der Achalm wurde hochwertige Wolle erzeugt. Seit 1909 wurde die Domäne an einen Pächter verpachtet, aber die Ertragslage auf dem kargen Berg gestaltete sich schwierig, obwohl der Pächter auch eine Gaststätte betrieb.[5]

Blick vom Albtrauf nach Norden über Pfullingen auf die Achalm (knapp unterhalb des rechten Horizonts), vom südwestlich gelegenen Schönbergturm aus gesehen. In der linken Bildhälfte der etwas niedrigere Georgenberg (Fotografie Mai 2013)
Blick vom Restaurant Achalm auf die Reutlinger Altstadt (April 2012)

Nach dem Zweiten Weltkrieg entschloss sich Philipp II. Albrecht Herzog von Württemberg zum Verkauf der Domäne. Da Verhandlungen mit der Stadt Reutlingen scheiterten, veräußerte die Hofkammer des Hauses Württemberg die Achalm im Jahr 1950 an den Schafhalter Theo Hausch. Es gelang jedoch der Stadt, den neuen Besitzer zur Abtretung des etwas unterhalb des Bergfrieds gelegenen Scheibengipfels zusammen mit der Burgruine zu bewegen. Heute wird auf dem Scheibengipfel vor dem eigentlichen Bergkegel der Achalm auch ein Hotel betrieben. Der größte Teil der Achalm gehörte jahrzehntelang der Familie Hausch. Im Juni 2009 kaufte die Stadt Reutlingen deren Grundstücksflächen vollständig auf. Damit befindet sich (abgesehen vom Eninger Teil und vom Hotel- und Gaststättenbetrieb) der gesamte Berg – der schon lange, wie die Marienkirche oder das Tübinger Tor, als Wahrzeichen Reutlingens gilt – im Besitz der Stadt.

Projekt Scheibengipfeltunnel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. August 2009, 42 Jahre nach den ersten Überlegungen einer entsprechenden Stadtumgehungsstraße, wurde mit den Bauarbeiten zum Scheibengipfeltunnel quer durch die Achalm begonnen, nachdem es über lange Zeit teilweise heftige kommunalpolitische Kontroversen zu diesem Projekt gegeben hatte.

Die Vorbereitungsarbeiten setzen vor dem Südportal (Gemarkungsgrenze zu Pfullingen) an der Zufahrt für die Tunnelbohrung an. Der Tunnelbau selbst wird seit 2011 in bergmännischer Arbeitsweise durchgeführt.

Die Tunneltrasse soll die Verkehrsknoten Efeu (im Norden des Bezirks Reutlingen-Mitte) und Südbahnhof (im Südosten) miteinander verbinden. Sie hätte damit Anschluss an die Bundesstraßen in Richtung Tübingen (B 28), Neckartal/Böblingen/Stuttgart (B 464) und Metzingen/Ermstal (B 312 / B 313) im Norden, sowie Pfullingen bzw. im weiteren Verlauf das Echaztal nach Süden (B 312/B 313) und Eningen nach Osten (Landesstraße 380).

Nach der Fertigstellung (voraussichtlich 2016) soll der Tunnel den Durchgangsverkehr durch Reutlingens Stadtzentrum um etwa 20.000–25.000 Fahrzeuge pro Tag entlasten. Die dann befürchtete Verkehrsdichte durch das Tal der Echaz unmittelbar südlich von Reutlingen − insbesondere an der engsten Stelle des Tals in Lichtenstein (Teilorte Unterhausen und Honau), wo die Bundesstraße vor dem Albaufstieg mitten durch die Kerngemeinde führt und wo Planungen einer Ortsumgehung bislang nicht realisierbar schienen – ist dabei weiterhin ein regional- und kommunalpolitischer Streitpunkt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Finckh, Schriftsteller und Dichter, wurde 1964 auf halber Höhe zum Gipfel beigesetzt.
  • HAP Grieshaber, bildender Künstler, expressionistischer Grafiker und Holzschneider, lebte ab 1947 bis zu seinem Tode 1981 am Südhang der Achalm.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Christian Gratianus: Geschichte der Achalm und der Stadt Reutlingen in Verbindung mit der vaterländischen Geschichte (2 Bände). Tübingen 1831.
  • Eberhard Fritz: Die „Pfandschaft Achalm“ im Besitz der Tiroler Linie des Hauses Habsburg. Expansionsbestrebungen in Vorderösterreich während des Dreißigjährigen Krieges. In: Reutlinger Geschichtsblätter. Band 49, 2010, S. 239–348.
  • Eberhard Fritz: Das Hofgut Achalm im Besitz des Hauses Württemberg. In: Reutlinger Geschichtsblätter. Band 45, 2006, S. 139–172.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Achalm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Achalm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Ludwig Uhland: Schlacht bei Reutlingen. Wernerfrueh.de. Abgerufen am 5. Juli 2010.
  3. offizielle Homepage der Stadt Reutlingen über die Achalm
  4. Schwäbisches Wörterbuch / auf Grund der von Adelbert v. Keller begonnenen Sammlungen und mit Unterstützung des Württembergischen Staates bearb. von Hermann Fischer, 7 Bände, Laupp, Tübingen 1904-1936: Band 1, 89.
  5. Pächter: 1909–1921 Ernst Geiger, Schafhalter, Reutlingen; 1921–1926 Albert Münst, Korvettenkapitän a. D., Tübingen; 1926–1950 Jakob Mayer, Hülbenhof, Gemeinde Anhausen, Oberamt Münsingen.