Bauartbezeichnung von Triebfahrzeugen

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Die Bauartbezeichnung von Triebfahrzeugen ist der Überbegriff verschiedener Benennungssysteme der diversen Schienentriebfahrzeugbauarten. Am weitesten verbreitet sind die auf der Achsfolge (nach DIN: Radsatzfolge) aufbauenden Systeme. Damit können die sehr unterschiedlichen Achs- bzw. Radsatzanordnungen von Lokomotiven und Triebwagen in kurzer Form alphanumerisch dargestellt werden.

Es haben sich verschiedene Systeme zur Codierung der Achsfolge herausgebildet. Zum heutigen internationalen Standard hat sich das erstmals 1908 vom Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen definierte System entwickelt, welches vom Internationalen Eisenbahnverband UIC im UIC-Kodex 612, ab 1. Januar 1983 im UIC-Kodex 650[1] festgehalten wird.

VDEV/VMEV/UIC-System[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch dieses System werden fast alle heute im Einsatz befindlichen Bauarten abgedeckt.

Systematik und Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anzahl und Reihenfolge der Achsen wird von vorn nach hinten angegeben. Nicht angetriebene Achsen, sogenannte Laufradsätze, werden durch arabische Ziffern bezeichnet, Triebradsätze erhalten lateinische Großbuchstaben. Daher ergibt sich:

1, 2, 3, …
Anzahl der vorlaufenden und/oder nachlaufenden Laufachsen
A, B, C, …
ohne Zusatz
Anzahl von gekuppelten bzw. gemeinsam angetriebenen Achsen in einem Rahmen oder Drehgestell entsprechend der Alphabet-Stelle (A=1, B=2, C=3, …)
mit Zusatz 0 (A0, B0, C0, …)
Anzahl von einzeln angetriebenen Achsen entsprechend der Alphabet-Stelle. Jede Achsen verfügt über einen eigenen Fahrmotor
ein Apostroph kennzeichnet beweglich gelagerte Achsen beziehungsweise Achsgruppen von Lauf- oder Kuppelachsen.
( )
wenn Lauf- und Kuppelachsen sich zusammen in einem gemeinsamen Rahmen bzw. Drehgestell separat von weiteren vorhandenen Achsgruppen befinden, werden sie in Klammern gesetzt.
+
ein Pluszeichen markiert die Trennstelle in der Achsfolge bei betriebsmäßig ständig zusammengehörigen Einzelfahrzeugen
ein Halbgeviertstrich wurde früher verwendet um auf eine vorhandene Kurzkupplung zwischen den Drehgestellen hinzuweisen.[2]

Eine Dampflokomotive mit vorauslaufendem Zweiachs-Drehgestell, gefolgt von drei gekuppelten Treibachsen und zum Schluss mit einer beweglich gelagerten Laufachse ist demgemäß eine 2’C1’-Lokomotive.

Die Krokodillokomotive Ce 6/8 II der SBB wurde früher mit 1'CC1' bezeichnet um auf die Kurzkupplung zwischen den beiden Triebgestellen hinzuweisen und anzugeben, dass keine Zugkräfte durch den Lokkasten geleitet werden. Später hat sich für diese Bauart die Bezeichnung (1'C)(C1') durchgesetzt.

Zusatzkommentare zu 0[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht gekuppelte Antriebsachsen mit eigenem Fahrmotor werden durch eine Null („0“) gekennzeichnet. Da Schreibmaschinen früher über keine Type für die Null verfügten, wurde dieses durch den Kleinbuchstaben o ersetzt, was sich auch im Sprachgebrauch durchgesetzt hat. Die meisten neueren Elektrolokomotiven verfügen über einen Einzelachsantrieb. Bei den Elektroloks der Baureihen 150, 151, 155, 156, 171 und der ehemaligen 103 lautet die Achsfolge C0'C0' (sprich offiziell: „Zeh-Null-Strich Zeh-Null-Strich“, umgangssprachlich meist ohne Erwähnung der Apostrophe „Zeh-O Zeh-O“). Diese Lokomotiven haben also

  • zwei Drehgestelle () …
    • … mit je drei Antriebsachsen (C) …
    • … mit eigenem Fahrmotor je Antriebsachse (0).

Zusatzkommentare zu ’ und ()[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manchmal werden die Apostrophe weggelassen, was jedoch zu Unklarheiten führen kann: Bei einer 2D1 ist aufgrund der konstruktiven Grenzen in der Regel davon auszugehen, dass es sich um eine 2’D1’ handelt, bei einer 1B oder auch einer 2B1 kann es sich auch um eine 1’B bzw. eine 2’B1, 2B1’ oder 2’B1’ handeln, bei der eine oder alle Laufachsen im selben Rahmen wie die beiden Antriebsachsen liegen.
  • Eine Klammer für eine gemischte Gruppe aus Lauf- und Kuppelachsen kann technisch dasselbe bedeuten wie ein Apostroph für eine „reine“ Gruppe von Lauf- oder Kuppelachsen. So wurde die Baureihe NoHAB AA16 in den Varianten C0'C0' und (A1A)(A1A) gebaut, die sich lediglich darin unterscheiden, ob die mittlere Achse der beiden Drehgestelle angetrieben ist oder nicht.
  • Andererseits können Klammern und Apostrophe auch kombiniert werden, wobei dann ein Apostroph für eine bewegliche Achse innerhalb eines gemeinsamen Rahmens bezeichnet, beispielsweise (1’C)(C1’).
  • Hinter einer Klammergruppe ist kein Apostroph nötig, obwohl man es häufig sieht – das letzte Beispiel würde somit fälschlich (1’C)’(C1’)’ geschrieben.

Triebwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Triebwagen bestehen häufig aus zwar fest miteinander verbundenen, aber dennoch theoretisch trennbaren Wagen. Sind diese Einheiten im normalen Betrieb getrennt nicht sinnvoll einsetzbar, wird die Grenze zwischen zwei einzeln verfahrbaren Teilen einer Lok oder eines Triebwagens durch ein Pluszeichen kenntlich gemacht. Sind Triebwagen in einem Triebwagenzug aber auch einzeln einsetzbar, bevorzugt man häufig die Betrachtung als einzelne Fahrzeuge. Sind die Einheiten nur unter Einsatz technischer Hilfsmittel trennbar, z. B. wenn sie sich auf gemeinsame Jakobs-Drehgestelle abstützen oder „schwebende“ Mittelteile besitzen, werden sie als ganzes Fahrzeug betrachtet. Die Verwendung eines Querstriches über der Achsbezeichnung des Jakobs-Drehgestelles, wie er vom UIC-Kodex 650 vorgesehen war, hat sich nicht durchgesetzt. Wenn in einem Drehgestell sowohl angetriebene als auch nicht angetriebene Achsen vorkommen, werden die Angaben mit Klammern umschlossen.

Hierzu zwei Beispiele:

  • Die Achsfolge des Neigetechnik-Triebwagens Baureihe 610 ist 2’(A1)+(1A)(A1)
    • Der Triebwagen besteht aus zwei Teilen (das Pluszeichen)
    • Im ersten Wagenteil gibt es ein Drehgestell mit zwei Laufachsen …
    • … und ein Drehgestell mit einer angetriebenen und einer nicht angetriebenen Achse.
    • Im zweiten Wagenteil finden wir zwei Drehgestelle mit je einer angetriebenen und einer nicht angetriebenen Achse.
  • Die Reichsbahn-Schnelltriebwagen der Bauart Leipzig (137 153, 154, 233, 234) hatten, je nach Antriebstechnik, die Achsfolge B’2’2’B’ bzw. 2’B0’B0’2’. Der Triebwagenzug besitzt an den äußeren Enden normale Drehgestelle, während sich die Wagenenden im Inneren jeweils auf ein gemeinsames Drehgestell abstützen, wobei sich bei hydraulischer Kraftübertragung die angetriebenen Achsen im Motordrehgestell befinden, während die vier Elektromotoren wegen der besseren Massenverteilung in den Jakobs-Drehgestellen saßen. Einige weitere Fahrzeugkombinationen führen allerdings zur selben Darstellung! Sie kann unter anderem auch ein Fahrzeug bezeichnen, bei dem zwischen zwei normalen Drehgestellwagen ein dritter Wagenkasten ohne eigene Achsen aufgehängt ist, wie es bei Straßenbahnen nicht ungewöhnlich ist.

Grenzen und Sondervarianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seitenverschiebbare Achsen und spezielle Anordnungen wie das Krauss-Helmholtz-Gestell lassen sich nicht darstellen, auch nicht die bei modernen Triebwagenzügen oft verwendeten Jakobsdrehgestelle. Der „Normalfall“ in der heutigen Bahntechnik sind Achsfolgen wie B’B’ oder C’C’ bei dieselhydraulischen Lokomotiven und B0’B0’ oder C0’C0’ bei Elektrolokomotiven und dieselelektrischen Lokomotiven. Bei Triebwagen können allerdings, wie man sieht, leicht recht komplizierte Achsfolgen zustande kommen. Aber auch die mittlerweile auch in Deutschland eingesetzten NoHAB-Diesellokomotiven der ehemals dänischen Baureihe Reihe My haben eine interessante Achsfolge: (A1A)(A1A), da nur vier der sechs Achsen angetrieben werden.

Kennzeichnungen für Hilfsantriebe und Zahnradlokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinzelt gab es Dampflokomotiven, die für einzelne Achsen zuschaltbare Hilfsantriebe hatten (so genannte Booster; als Anfahrhilfe). Solche Achsen mit Hilfsantrieb werden manchmal mit Kleinbuchstaben gekennzeichnet, Beispiel: 2’Ba’. Da sich diese Zusatzantriebe nicht durchsetzten, blieb ihre Kennzeichnung in der Achsformel weitgehend unbekannt.

Zahnradantriebe werden mit z gekennzeichnet. Entweder schreibt man für jedes Zahnrad ein z oder man zählt die Zahnräder mit Kleinbuchstaben (b = 2), allenfalls mit nachgestelltem z. Eine laufachslose, dreifach gekuppelte Dampflok mit zwei Zahnrädern wird demnach als Czz oder Cbz oder Cb bezeichnet.

Zusätze zur Achsfolge für Dampflokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Dampflokomotiven haben sich hauptsächlich im deutschen Sprachraum einige Erweiterungen des VMEV-Systems durchgesetzt, die die Bauart einer Lokomotive näher beschreiben. Diese Zusätze werden durch Leerzeichen oder Bindestrich an die Achsfolge angehängt. Diese und ähnliche Zusätze waren zwar auch in anderen Ländern üblich, da sie sich aber an der Landessprache orientierten, konnten sie nicht allgemein gültig sein.

  • Dampfart:
    • h = Heißdampf (in Österreich fallweise auch t für Trockendampf)
    • n = Nassdampf
    • die Zahl hinter der Dampfart gibt die Zylinder-Zahl an.
  • ein v hinter der Zylinderzahl kennzeichnet Verbundmaschinen

Beispiel: 2’C1’-n4v ist eine Nassdampf-Vierzylinder-Verbundlokomotive, 1’E-h3 ein Heißdampf-Drilling.

Manchmal wird eine Tenderlokomotive durch ein angehängtes t (vor oder hinter der Dampfmaschinen-Bauart) gekennzeichnet (z. B. 1’C1’t-h2 oder 1’C1’ h2t).

Ein möglicherweise mitgeführter Schlepptender zählt streng genommen nicht mehr zur Lokomotive. Hierfür werden jedoch oft Angaben angefügt, etwa nach dem Muster „+ 2’3 T38 Öl“, was im Klartext bedeutet: „mit Tender, Achsfolge 2 Laufachsen im Drehgestell und 3 feste Laufachsen, Tankinhalt 38 Kubikmeter Wasser, Brennstofftank für Öl. Die Brennstoffmenge wird meist nicht angegeben.

Die vollständige Bezeichnung für die DR-Baureihe 02 mit Vierzylinder-Verbundtriebwerk und dem 4-achsigen 32-Kubikmeter-Einheitstender wäre demnach „2’C1’ h4v + 2’2’ T32“.

Zusätze zur Achsfolge für Triebfahrzeuge mit Verbrennungsmotor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Lokomotiven und Triebwagen mit Verbrennungsmotor findet man manchmal folgende Zusatzbezeichnungen:

  • Treibstoff: d = Diesel, b = Benzin
  • Kraftübertragung: m = mechanisch, e = elektrisch, h = hydraulisch

Beispiele: A1-bm, B’B’-dh, B0’B0’-de

Werden Drehgestelle gemeinsam angetrieben, kann die Achsfolge unterstrichen sein. Hiervon am häufigsten: B’B’ = Zwei zweiachsige Drehgestelle, die zusammen angetrieben werden, beispielsweise durch Gelenkwellen von einem gemeinsamen Getriebe aus.

Zusätze zur Achsfolge für Elektro-Triebfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaum gebräuchlich sind die Zusatzbezeichnungen für Elektro-Triebfahrzeuge:

  • Stromart: g = Gleichstrom, w = Wechselstrom, d = Drehstrom
  • die Zahl hinter der Stromart gibt die Motorzahl an
  • Antriebsart: k = Kurbelantrieb ohne Vorgelege, u = Kurbelantrieb mit Vorgelege (übersetzt), e = Einzelachsantrieb mit im Rahmen gelagerten Motoren, t = Tatzlagerantrieb, gf = Einzelachsantrieb mit im Drehgestell gelagerten Motoren mit gefedertem Antrieb.

Beispiele: 1’D01’-w4e, B0’B0’-w4gf

Der praktische Wert dieser Zusatzangaben ist gering. Bei der Stromart ist nicht klar, ob die der Fahrleitung oder die der Motoren gemeint ist (diese Unterscheidung spielte zum Zeitpunkt, als sich dieses System etablierte, keine Rolle, da es kaum Umrichterfahrzeuge gab).

Weitere Bezeichnungssysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweizer System[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schweizer System, das bis 1924 auch in Bayern verwendet wurde, beruht auf dem Kupplungsverhältnis. Dabei handelt es sich nicht um ein System zur Beschreibung der Achsfolge. Es wird nur in Form eines Bruches das Verhältnis der angetriebenen Achsen zur Gesamt-Achszahl angegeben. Eine 3/6-gekuppelte Lokomotive könnte eine 2'C1' oder eine 1'C2' oder theoretisch jede beliebige 6-achsige Lok mit 3 Treibachsen sein.

In Bayern und der Schweiz wurde das Kupplungsverhältnis als Bestandteil der Baureihenbezeichnung verwendet. Die bayerische S 3/6 war eine Schnellzuglok mit der Achsfolge 2'C1', bei der schweizerischen Ce 6/8 II handelte es sich um das berühmte Schweizer Krokodil mit der Achsfolge (1’C)(C1’).

Amerikanisches Namenssystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für bestimmte Achsfolgen haben sich im nordamerikanischen Eisenbahnwesen bereits im 19. Jahrhundert Namen eingebürgert. Diese Namen fanden aus Nordamerika kommend auch in Europa Verwendung, wenn auch nicht als formelles System oder offizielle Bezeichnungen. Eine Lok mit der Achsfolge 1’D heißt beispielsweise Consolidation. Den höchsten Bekanntheitsgrad, auch außerhalb von Eisenbahner-Kreisen, hat die Bezeichnung Pacific für die Achsfolge 2’C1’, die zum Beispiel auch im Titel Pacific 231 des Orchesterwerk von Arthur Honeggers vorkommt. Weitere bekannte Bezeichnungen sind Atlantic für Lokomotiven mit der Achsfolge 2'B1 oder 2'B1' sowie Prairie mit der Achsfolge 1’C1’, im deutschen Sprachraum manchmal auch als Prärie bezeichnet.

Laufachslose Lokomotiven werden nach der Räderzahl mit dem Zusatz switcher bezeichnet, zum Beispiel Six wheel switcher für eine Lokomotive mit der Achsfolge C. Lokomotiven ohne Vorlaufachsen, die über eine Schleppacchse oder Nachlaufachse verfügen und somit die Achsfolge B1’, C1’ und so weiter haben, erhalten die Bezeichnungen Four coupled and trailer, Six coupled and trailer und so weiter. Die Achsfolgen B2’, C2’ und andere ähnliche Achsfolgen mit Schleppdrehgestell heißen Forney four coupled, Forney six coupled und so weiter.

Im Laufe der Zeit wurde das System immer unübersichtlicher, und man ging zur Whyte-Notation über. Einige Namen wie Soviet für die sowjetische 2’G2’-Lokomotive oder Adriatic für die österreichischen 1’C2’ sind Nachschöpfungen.

Whyte-Notation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezeichnungsbeispiele nach der Whyte-Notation

Die nicht nur in den USA und Großbritannien, sondern auch allgemein im englischen und im gesamten spanischen Sprachraum sowie in Kanada und Brasilien gebräuchliche Whyte-Notation (nach dem Ingenieur Frederick Methvan Whyte der New York Central Railroad) zählt bei einer Lokomotive die aufeinanderfolgenden Laufräder und Treibräder (nicht die Achsen!) unterschiedslos mit arabischen Ziffern in der Reihenfolge von vorn nach hinten mit Trennstrichen zwischen den Radsatzgruppen.

Die 1900 vorgeschlagene Whyte-Notation wird nur für Dampflokomotiven angewendet; für elektrische thermische Lokomotiven wird auf dem amerikanischen Kontinent (mit Ausnahme einiger argentinischer Eisenbahnunternehmen) die AAR-Klassifizierung verwendet. Brasilien verwendet sowohl die AAR- sowie die UIC-Klassifizierung; normalerweise kommt ein nicht offizielles, aber allgemein übliches auf der britischen Vereinfachung der UIC-Klassifizierung beruhendes Mischsystem zwischen AAR und UIC zur Anwendung.

Beispiele:

  • Eine Dampflokomotive nach der UIC-Achsfolge 2’D1’ h2 wäre nach dem Whyte-System eine 4-8-2 (Schema: ooOOOOo)
  • Eine (1’D)D2’ h4 Mallet-Lok ist eine amerikanische 2-8-8-4 (Schema: oOOOO OOOOoo)

Das Whyte-System berücksichtigt, dass bei Dampflokomotiven vor und hinter den Treibrädern noch Laufräder vorhanden sein können. Falls dies nicht gegeben ist, wird hier eine „0“ gesetzt. Eine Dampflokomotive nach der UIC-Schreibweise 2’C wäre nach dem amerikanischen System eine 4-6-0, einer E entspricht 0-10-0.

Bei Garratt-Lokomotiven hat man das System auf beide Triebwerksgruppen getrennt angewandt und sie durch ein + verbunden. Die bekannte Klasse GMA/GMAM der südafrikanischen SAR trägt nach UIC die Bezeichnung (2’D1’)(1’D2’), die Whyte-Notation lautete 4-8-2 + 2-8-4 (Schema: ooOOOOo  oOOOOoo).

Französisches System[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das französische Achsformel-System ist ähnlich wie das englisch-amerikanische (Whyte), zählt jedoch die Achsen anstatt der Räder und verwendet keine Trennstriche. Eine 2'D1'-Lokomotive wäre nach dem französischen System eine „241“. Nach diesem System hat die SNCF auch ihre Baureihen bezeichnet, z. B. 221 A oder 240 P. Das französische System ist auch in Spanien und Russland gebräuchlich.

Gegenüberstellung wichtiger Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VDEV/VMEV/UIC-System Whyte-Notation Amerikanischer Name Bildschema
A1 0-2-2 Oo
1A 2-2-0 Planet oO
1A1 2-2-2 Patentee oOo
2’A 4-2-0 Jervis[3], Crampton, Norris ooO
3A 6-2-0 Crampton oooO
B 0-4-0 Four-Wheel-Switcher OO
1’B 2-4-0 Hanscom oOO
1'B1' 2-4-2 Columbia oOOo
2’B 4-4-0 American, Eight-Wheeler ooOO
2’B1’ 4-4-2 Atlantic ooOOo
2’B2’ 4-4-4 Jubilee ooOOoo
C 0-6-0 Six-Wheel-Switcher, Bourbonnais, Sixcoupler OOO
1’C 2-6-0 Mogul oOOO
2’C 4-6-0 Ten-Wheeler ooOOO
1’C1’ 2-6-2 Prairie oOOOo
2’C1’ 4-6-2 Pacific ooOOOo
1’C2’ 2-6-4 Adriatic oOOOoo
2’C2’ 4-6-4 Hudson, Baltic ooOOOoo
D 0-8-0 Eight-Wheel-Switcher OOOO
1’D 2-8-0 Consolidation oOOOO
1’D1’ 2-8-2 Mikado, Mac Arthur oOOOOo
1’D2’ 2-8-4 Berkshire oOOOOoo
2’D 4-8-0 Twelve-Wheeler, Mastodon ooOOOO
2’D1’ 4-8-2 Mountain, Mohawk (NYC) ooOOOOo
2’D2’ 4-8-4 Northern, Niagara (NYC), Wyoming ooOOOOoo
E 0-10-0 Ten-Wheel Switcher OOOOO
E1’ 0-10-2 Union OOOOOo
1’E 2-10-0 Decapod oOOOOO
2'E 4-10-0 Mastodon ooOOOOO
1’E1’ 2-10-2 Santa Fe oOOOOOo
1’E2’ 2-10-4 Texas oOOOOOoo
2’E1’ 4-10-2 Texas, Southern Pacific, Overland ooOOOOOo
1’F 2-12-0 Centipede oOOOOOO
1’F1’ 2-12-2 Javanic oOOOOOOo
2’F1’ 4-12-2 Union Pacific ooOOOOOOo
C’C 0-6-6-0 Erie (Gelenk-Lok) OOO OOO
(1’C)C 2-6-6-0 namenlos (Gelenk-Lok) oOOO OOO
(1’C)C1’ 2-6-6-2 Gelenk Mogul (SP), Prairie Articulated (ATSF) oOOO OOOo
(1’C)C2’ 2-6-6-4 namenlos (Gelenk-Lok) oOOO OOOoo
(2’C)C2’ 4-6-6-4 Challenger (Gelenk-Lok) ooOOO OOOoo
(1’C)C3’ 2-6-6-6 Allegheny (Gelenk-Lok) oOOO OOOooo
D’D 0-8-8-0 namenlos (Gelenk-Lok) OOOO OOOO
(1’D)D1’ 2-8-8-2 Chesapeake (Gelenk-Lok) oOOOO OOOOo
(1’D)D2’ 2-8-8-4 Yellowstone (Gelenk-Lok) oOOOO OOOOoo
(2’D)D2’ 4-8-8-4 Big Boy (Gelenk-Lok) ooOOOO OOOOoo
(1’E)E1’ 2-10-10-2 Virginian (Gelenk-Lok) oOOOOO OOOOOo
(2’C1’)(1’C2’) 4-6-2 + 2-6-4 Double Pacific (Garratt-Lok) ooOOOo oOOOoo
(2’D1’)(1’D2’) 4-8-2 + 2-8-4 Double Mountain (Garratt-Lok) ooOOOOo oOOOOoo

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nicht alle Details des hier beschriebenen Systems sind im UIC-Kodex 612 enthalten. Besonders bei den Zusatzkennzeichnungen gibt es einige nicht-offizielle Erweiterungen. Weiterhin regelt DIN 30052 die Kennzeichnung der Radsatzfolge bei Schienenfahrzeugen.
  2.  Karl Sachs: Elektrische Vollbahnlokomotiven: Ein Handbuch für die Praxis sowie für Studierende. Springer-Verlag, 2013-07-29, ISBN 9783642518478, Der mechanische Teil (Wagenteil): Einleitung, S. 37–39 (Google Buch, abgerufen am 28. März 2016).
  3.  A History of the American Locomotive: Its Development, 1830-1880. Courier Corporation, 1979, ISBN 978-0-486-23818-0, The 4-2-0, S. 33–46 (Google Books, abgerufen am 26. Mai 2015).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Griebl, Friedrich Schadow: Verzeichnis der deutschen Lokomotiven 1923–1965. Mit einer Übersicht über die Lokomotivbezeichnungssysteme Europas. Slezak, Wien 1967 (enthält eine ausführliche Beschreibung der Achsformel-Kennzeichnung)
  • DIN 30052 Schienenfahrzeuge – Kennzeichnung der Radsatzfolge.
  • UIC-Kodex 650 Zugförderung – Einheitliche Bezeichnung der Radsatzfolge bei Lokomotiven und Triebzügen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]