Achtsamkeit (care)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Achtsamkeit (Substantivierung des Adjektivs achtsam, englisch attentiveness, care, regardfulness, lateinisch affectio, attentio) ist eine Form der Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse und Belange anderer Menschen, eine interaktive Praxis mit einer ethisch-politischen Dimension. Der Begriff steht zwischen Achtung und menschlicher Zuwendung. Er ist von der Autonomie einerseits und von dem Geisteszustand Achtsamkeit (mindfulness) andererseits abzugrenzen.

Der care-ethische Begriff der Achtsamkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Ethik der Achtsamkeit wird „Achtsamkeit“[1] als eine interaktive Praxis verstanden.[2] Achtsamkeit ist etwas, das zwischen Menschen in der Zuwendung entsteht und von diesen gemeinsam erfahren wird.[3] Von achtsamer Zuwendung durchzogene Interaktionen werden als gelingend bewertet, Berücksichtigung findet dabei auch die ethico-politische Dimension des Handelns.[4] So werden etwa auch „organisatorisch-institutionelle, strukturelle und politische Rahmenbedingungen sozialer Interaktionen in die Reflexion“ einbezogen.[5] Elisabeth Conradi zufolge bedeutet „achtsame Zuwendung“ u. a. „sich auf die [gegenwärtige] Situation einzulassen und die eigene Aufmerksamkeit mindestens einem (anderen) Menschen zu widmen“. „Menschen beziehen sich sorgend auf andere, lassen sich tatsächlich aufeinander ein, pflegen Beziehungen und eine gewisse Verbindlichkeit im Miteinander. In diesem Sinne ist die „Praxis der Achtsamkeit“ mehr als eine Haltung der Empathie, sie spielt sich auch nicht bloß in der Innenwelt einer Person ab. Schließlich bedeutet Achtsamkeit auch, die Antwort auf Unterstützung abzuwarten: zu hören, wie die Zuwendung angekommen ist und daraus praktische Konsequenzen zu ziehen.“[6]

Im Unterschied zur Bedeutung 'mindfulness' geht es bei der Bedeutung 'care' darum zu bewerten: Gelingendes Handeln wird von misslingendem Handeln unterschieden.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisabeth Conradi, Frans Vosman (Hrsg.): Praxis der Achtsamkeit. Schlüsselbegriffe der Care-Ethik. Campus Verlag, Frankfurt am Main, New York 2016, ISBN 978-3593506333.
  • Elisabeth Conradi: Take Care. Grundlagen einer Ethik der Achtsamkeit. Campus, Frankfurt am Main 2001, ISBN 978-3593367606.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eintrag achtsamkeit im Grimmschen Wörterbuch

Commons: Health care – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Achtsamkeit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag im Grimmschen Wörterbuch. Dabei hat die Bedeutung 1 den Aspekt der Zuwendung und nicht die Bedeutung eines Geisteszustands: „hat er mir doch die liebe vnd achtsamkeit gegen jhme … nit entzogen Fickler: Hosius 405“.
  2. Dem Begriff der Achtsamkeit, der sich seit 2001 etabliert hat, kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu: „Mit dem Begriff ‚Achtsamkeit‘ wird der starke Impetus von ‚Achtung‘ aufgegriffen […] ohne daß dies implizit mit Autonomie verknüpft ist.“ Elisabeth Conradi: Take Care. Grundlagen einer Ethik der Achtsamkeit 2001, S. 55f.
  3. Gerald Posselt: Die Sorge um sich und die anderen. Selbstsorge und Wahrsprechen als ethisch - politische Praxis. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 2022, Jg. 70 (Nr. 1): S. 116 – 138, hier: S. 118.
  4. Christiane Gödecke, Maria Peters und Helen Kohlen: Care Ethik und Pflege als Praxis. Theoretische Ansätze und empirische Befunde. In: A. Riedel, S. Lehmeyer (Hrsg.): Ethik im New Roman, Gesundheitswesen. Springer Reference Pflege – Therapie – Gesundheit
  5. Frans Vosman, Elisabeth Conradi: Einleitung – Schlüsselbegriffe der Care-Ethik. In: Elisabeth Conradi, Frans Vosman (Hrsg.): Praxis der Achtsamkeit. Schlüsselbegriffe der Care-Ethik. Campus Verlag, Frankfurt am Main, New York 2016, S. 14.
  6. Frans Vosman, Elisabeth Conradi: Einleitung – Schlüsselbegriffe der Care-Ethik. S. 16.
  7. Frans Vosman, Elisabeth Conradi: Einleitung – Schlüsselbegriffe der Care-Ethik. S. 15.