Achtung Baby

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Achtung Baby
Studioalbum von U2

Veröffent-
lichung(en)

1991

Label(s) Island Records

Format(e)

CD

Genre(s)

Rock

Titel (Anzahl)

12

Laufzeit

55:27 min

Produktion

Daniel Lanois, Brian Eno, Flood

Studio(s)

Chronologie
Rattle and Hum
(1988)
Achtung Baby Zooropa
(1993)

Achtung Baby ist das siebte Studioalbum von U2 und wurde am 18. beziehungsweise 19. November 1991 veröffentlicht.[1]

Es erhielt sehr wohlwollende Kritiken und erreichte weltweit hohe Verkaufszahlen (13 Millionen verkaufte Tonträger bis 2012)[2], nachdem die Band nach ihren großen Erfolgen in den späten Achtzigern überraschend vollkommen neue Einflüsse in ihre Musik eingebaut, mit der Instrumentierung experimentiert und einen Stilwechsel eingeläutet hatte.[3] Da eher erwartet worden war, dass U2 sich an ihre Bestseller der vergangenen Jahre halten und ein weiteres Album im Stil von The Joshua Tree und Rattle and Hum herausbringen würde, erkannte man zunächst vor allem den Mut dieses Schrittes an. Viele Fans zeigten sich zwar irritiert; da U2 zugleich aber neue Hörer gewann, erwies sich Achtung Baby, insbesondere dank der Single One, letztlich als kommerziell erfolgreich.

Die zwölf Titel des Albums erzeugen eine insgesamt düsterere Stimmung, als man sie bisher von der Band gewohnt war, wurden aber mit einem bemerkenswert frischen Sound und eingängigen Strukturen präsentiert. Folgt man den oberflächlichen Bedeutungen und Stimmungen der einzelnen Songs, veranschaulicht ihr Verlauf den Bruch einer Beziehung zweier Menschen von starker Euphorie am Beginn (Zoo Station, der erste Titel) über Zerwürfnis und Vorwürfe (So Cruel, der sechste Titel) bis hin zu tiefer Depression (Love Is Blindness, der Schluss-Titel).[3]

Dem Album folgte die multimedial bis dahin beispiellose und technisch absichtlich übertriebene Zoo TV Tour, bei der U2 ebenfalls ganz neue, ungewohnte Wege ging[4] und gewöhnlich mit mehreren neuen Songs begann, bevor ein altes Stück gespielt wurde. Insbesondere Sänger Bono gab sich in diesem Zusammenhang ein neues Image und trat nun in Gestalt eines zynischen, stets Sonnenbrille tragenden Rockstars auf.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Aufnahmen fanden im Meistersaal der Hansa-Tonstudios in Berlin statt

Zur Jahreswende 1989/1990 beendete U2 die damalige Lovetown-Tour zum Album Rattle and Hum. Im Rahmen der letzten Konzerte dieser Tour hatte Bono den Rückzug der Band für längere Zeit angekündigt, denn die Band zeigte damals Zerfallserscheinungen und stand kurz vor der Auflösung. Mit dem Aufkommen von elektronischer Musik und der anarchischen Madchester-Bewegung fühlten sich U2 mit ihrer sozialkritischen Rockmusik wie in einer Sackgasse. Zudem musste Gitarrist The Edge die Trennung von seiner Frau Aislinn und ihren drei Kindern verkraften, und Bassist Adam Clayton hatte schwere Alkoholprobleme, die seine Beziehung zu Supermodel Naomi Campbell belasteten.[5][6]

Erste Anzeichen der neuen Musikrichtung zeigten sich dann schon bei U2s Coverversion zu Night and Day vom Cole-Porter-Tribute-Album Red Hot + Blue. Zum ersten Mal tauchten Drumcomputer und damals moderner Synthesizer-Sound in einem U2-Song auf.[7]

Die Arbeiten zu Achtung Baby liefen schleppend an. Produzent Brian Eno boykottierte konsequent alles, was sich „nach dem alten U2 anhörte“, und ermutigte die Band, neue Wege zu gehen. Während Sänger Bono und Gitarrist Edge ihre Musik in Richtung Industrial Rock wie My Bloody Valentine, KMFDM und Nine Inch Nails lenken wollten, wollten Bassist Clayton und Drummer Larry Mullen eher in Richtung Blues Rock gehen. U2 stagnierten wochenlang, ohne sich auf etwas einigen zu können, ehe mit dem Lied One ein Durchbruch erzielt wurde. Die Ballade, die zwei Menschen inmitten eines bitteren Streits thematisiert, die sich am Ende nicht versöhnen, aber wenigstens ertragen, wandelte die kreativen und persönlichen Barrieren in eine ergiebige, albenfüllende Thematik. Im Laufe der Aufnahmen „verschmolzen Trashbeats mit federnden Basslinien und führten simple Melodien in komplexe Arrangements.“[5]

Als Themen von Achtung Baby kristallisierten sich „düstere Themen wie... Unschuldsverlust, Verrat, Abkehr von Gott [und] Allmachtsfantasien“ heraus. Neben dem Lied One ragten u. a. das nihilistische, am Rave orientierte The Fly sowie das vom Funk inspirierte Mysterious Ways hervor. Betont wird auch Bonos Entwicklung „vom Jungen mit Unschuldsstimme zu einem zynischen Schauspieler, der sich als Popanz nur scheinbar wohl fühlt“.[8]

Während der Arbeiten wurden sieben CDs mit noch unfertigen Songs aus dem Studio gestohlen. Dieses unter Fans heißbegehrte Material wurde sehr schnell in Form von Bootlegs zugänglich. Das Beste der sieben CDs wurde auf einem drei CDs umfassenden Box-Bootleg unter dem Namen Salome unter die Fans gebracht.[9]

Für The Edge endete Achtung Baby mit einem Happy End, da er während der Dreharbeiten zum Video von Mysterious Ways seine heutige Ehefrau Morleigh Steinberg kennenlernte.[10]

Zum Titel des Albums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Titel des Albums Achtung Baby erklärt sich dadurch, dass das Album zum größten Teil in den Berliner Hansa-Studios entstanden ist. Die Band ließ sich von der Stimmung in der Stadt in den Monaten nach dem Mauerfall inspirieren. Hier soll der Tontechniker Joe O’Herlihy diese Warnung oft während der Arbeit am Album ausgerufen haben.[11] Es handelt sich dabei um ein Zitat aus dem populären Musical Frühling für Hitler von Mel Brooks (The Producers, 1968). Im Song The Fly wird die Warnung auch ausgesprochen.[12]

Titelliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zoo Station − 4:36
  2. Even Better Than the Real Thing − 3:41
  3. One − 4:36
  4. Until the End of the World − 4:39
  5. Who’s Gonna Ride Your Wild Horses − 5:16
  6. So Cruel − 5:49
  7. The Fly − 4:29
  8. Mysterious Ways − 4:04
  9. Tryin’ to Throw Your Arms Around the World − 3:53
  10. Ultra Violet (Light My Way) − 5:31
  11. Acrobat − 4:30
  12. Love Is Blindness − 4:23

The Fly, Mysterious Ways, One, Even Better Than the Real Thing, und Who’s Gonna Ride Your Wild Horses wurden als Singles veröffentlicht. Der Song One wurde 2000 von Johnny Cash im Rahmen seiner American Recordings für das Album American III: Solitary Man gecovert. 2006 wurde er als Duett mit Mary J. Blige neu eingespielt.[13]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Musikmagazin Rolling Stone hat das Album auf Platz 63 der 500 besten Alben aller Zeiten gewählt.[14]

Verkaufszahlen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Land/Region Auszeichnung Verkäufe
ArgentinienArgentinien Argentinien (CAPIF) Platinum record icon.svg Platin 60.000
AustralienAustralien Australien (ARIA) Quintuple platinum record icon.svg 5× Platin 350.000
BrasilienBrasilien Brasilien (PMB) Gold record icon.svg Gold 100.000
DanemarkDänemark Dänemark (IFPI) Double platinum record icon.svg 2× Platin 40.000
DeutschlandDeutschland Deutschland (BVMI) Platinum record icon.svg Platin 500.000
FinnlandFinnland Finnland (IFPI) Gold record icon.svg Gold 34.938
FrankreichFrankreich Frankreich (SNEP) Double platinum record icon.svg 2× Platin 600.000
ItalienItalien Italien (FIMI) Gold record icon.svg Gold 50.000
KanadaKanada Kanada (MC) Diamond record icon.svg Diamant 1.000.000
NeuseelandNeuseeland Neuseeland (RMNZ) Quintuple platinum record icon.svg 5× Platin 75.000
NiederlandeNiederlande Niederlande (NVPI) Platinum record icon.svg Platin 100.000
OsterreichÖsterreich Österreich (IFPI) Platinum record icon.svg Platin 50.000
SchwedenSchweden Schweden (IFPI) Platinum record icon.svg Platin 100.000
SchweizSchweiz Schweiz (IFPI) Gold record icon.svg Gold 25.000
SpanienSpanien Spanien (Promusicae) Platinum record icon.svg Platin 100.000
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten (RIAA) Octuple platinum record icon.svg 8× Platin 8.000.000
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich (BPI) Quadruple platinum record icon.svg 4× Platin 1.200.000
Insgesamt Gold record icon.svg 4× Gold
Platinum record icon.svg 32× Platin
Diamond record icon.svg 1× Diamant
12.194.938

Hauptartikel: U2 (Band)/Auszeichnungen für Musikverkäufe

20. Jubiläum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich des 20. Jubiläums der Veröffentlichung von Achtung Baby wurde die Dokumentation From the Sky Down des Regisseurs Davis Guggenheim zur Entstehungsgeschichte der Platte präsentiert.[15] Gleichzeitig erschien am 28. Oktober 2011 eine CD-Wiederveröffentlichung mit zum Teil bisher unveröffentlichtem Bonusmaterial.

Achtung Baby (20th Anniversary)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Edition beinhaltet das komplette Album sowie ein 24-seitiges Booklet.

Achtung Baby 20th Anniversary – Remastered (Deluxe Edition)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Edition beinhaltet das komplette Album sowie die nachfolgenden Bonustracks auf zwei CDs. Auch ein 24-seitiges Booklet ist enthalten.

  1. Lady With The Spinning Head (Uv1)
  2. Blow Your House Down
  3. Salomé
  4. Even Better Than The Real Thing (Single Version)
  5. Satellite Of Love
  6. Who's Gonna Ride Your Wild Horses (Temple Bar Remix)
  7. Paint It Black
  8. Even Better Than The Real Thing (Fish Out Of Water Remix)
  9. Mysterious Ways (The Perfecto Mix)
  10. Night And Day (Steel String Remix)
  11. The Lounge Fly Mix
  12. Fortunate Son
  13. Alex Descends Into Hell For A Bottle Of Milk / Korova 1
  14. Where Did It All Go Wrong?

Achtung Baby 20th Anniversary − Remastered (Limited Super Deluxe Edition)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese limitierte Edition enthält 6 CDs inklusive des Original-Achtung-Baby-Albums, des Nachfolge-Albums Zooropa, B-Seiten und Überarbeitungen von bisher unveröffentlichtem Material aus den Achtung-Baby-Sessions, vier DVDs inklusive der Dokumentation From The Sky Down, die Live-DVD Zoo TV: Live From Sydney, alle Videos von Achtung Baby sowie Bonus-Material. Zudem ein 92-seitiges Hardcoverbuch und 16 Kunstdrucke.

Achtung Baby 20th Anniversary − Remastered (limitierte + nummerierte Über-Deluxe-Edition)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese streng limitierte und nummerierte Über-Deluxe-Edition ist eine mit magnetischen Puzzleteilen bestückte Box, die folgendes beinhaltet: sechs CDs inklusive des Original-Achtung-Baby-Albums, des Nachfolge-Album Zooropa, B-Seiten und Überarbeitungen von bisher unveröffentlichtem Material aus den Achtung-Baby-Sessions. Vier DVDs inklusive der Dokumentation From The Sky Down, der Live-DVD Zoo TV: Live From Sydney, alle Videos von Achtung Baby sowie Bonus-Material. Zudem sind fünf durchsichtige 7"-Vinyl-Singles in ihrer Original-Verpackung, 16 Kunstdrucke aus dem Original-Album-Cover, ein 84-seitiges Hardcover-Buch, eine Ausgabe des Propaganda-Magazins, vier Badges, ein Stickerbogen und die The-Fly-Sonnenbrille enthalten.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Achtung Baby by U2. classicrockreview.com. Abgerufen am 26. Mai 2012.
  2. Tour Archiv 1991. u2tour.de. Abgerufen am 26. Mai 2012.
  3. a b U2 Richtung Zoo: So entstand „Achtung Baby“. rollingstone.de. Abgerufen am 26. Mai 2012.
  4. Zoo TV Tour. BBC.co.uk. Abgerufen am 26. Mai 2012.
  5. a b U2 - Achtung Baby, laut.de
  6. U2 Richtung Zoo: So entstand “Achtung Baby”, Rolling Stone
  7. Brian Eno: Bringing Up Baby. In: Rolling Stone. Nr. 618, 28. November 1991.
  8. [1], musikexpress.de
  9. What is Salomé?. u2faqs.com. Archiviert vom Original am 17. April 2008. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.u2faqs.com Abgerufen am 26. Mai 2012.
  10. Biographie: The Edge, u2tour.de
  11. U2 Achtung Baby! Bestes Album der letzten 25 Jahre. motor.de. Abgerufen am 26. Mai 2012.@1@2Vorlage:Toter Link/www.motor.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  12. www.u2faqs.com (Memento des Originals vom 17. April 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.u2faqs.com
  13. Annals of Music: U2 Song “One” 1992. PopHistoryDig.com. Abgerufen am 26. Mai 2012.
  14. 500 Greatest Albums of All Time – Platz 62. rollingstone.com. Abgerufen am 18. Juni 2012.
  15. U2 Documentary Shows Band’s Early Struggles With „Achtung Baby“ Time. rollingstone.com. Abgerufen am 26. Mai 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]