Acker-Ochsenzunge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Acker-Ochsenzunge
Acker-Ochsenzunge (Lycopsis arvensis)

Acker-Ochsenzunge (Lycopsis arvensis)

Systematik
Euasteriden I
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Unterfamilie: Boraginoideae
Tribus: Boragineae
Gattung: Ochsenzungen (Anchusa)
Art: Acker-Ochsenzunge
Wissenschaftlicher Name
Anchusa arvensis
L.

Die Acker-Ochsenzunge (Lycopsis arvensis), auch als Acker-Krummhals oder Wolfsauge bezeichnet, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Behaarter Stängel und behaartes oberes Stängelblatt
Illustration aus Otto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz, Gera-Untermhaus, 1885
Ausschnitt eines Blütenstandes und Blüte
Klausen

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Acker-Ochsenzunge ist eine einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 40 Zentimetern. Es wird eine Pfahlwurzel gebildet.[1][2][3]

Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet. Die dicht borstig behaarten Blattspreiten sind 10 bis 15 Zentimeter lang und 1 bis 2 Zentimeter breit. Der wellige Blattrand ist ausgeschweift gezähnt. Die oberen Stängelblätter sind sitzend, die unteren stielartig verschmälert.[1][2][3]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Mai bis September. In zusammengesetzt-scheinrispigen Blütenständen stehen zahlreiche Blüten zusammen. Die zwittrige Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die hellblauen Blütenkronen weisen einen Durchmesser von etwa 7 Millimetern auf und haben eine weiße, gekrümmte Kronröhre. Am Schlund befinden sich weiße Schuppen, welche die Staubblätter bedecken.[1][2][3]

Die Früchte sind in aufrecht stehenden Fruchtständen angeordnet. Die Klausenfrüchte zerfallen in vier ungleiche und raue Klausen.[1][2][3]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 48.[4]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bestäubung erfolgt durch Bienen oder durch Selbstbestäubung. Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Klausen, erfolgt durch Ameisen (Myrmekochorie) oder durch Klettausbreitung (Epichorie), da die oberirdischen Pflanzenteile durch starre Borstenhaare an Tierfell haften bleiben kann.[1][2][3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Acker-Ochsenzunge erstreckt sich über ganz Europa, im Süden von Spanien, Italien und Griechenland bis in den Norden nach Norwegen, Finnland und Großbritannien und in den Osten in den europäischen Teil von Russland.[5]

Die Acker-Ochsenzunge gedeiht auf Äcker und Ödland und liebt stickstoffsalzhaltige, kalk- und basenarme Böden. Man findet sie zerstreut im Tiefland und in Sandgebieten des Berglands.[1] In Mitteleuropa ist die Acker-Ochsenzunge ein Archäophyt.[3] Lycopsis arvensis ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Lycopsietum aus dem Unterverband Polygono-Chenopodienion.[4]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Lycopsis arvensis erfolgte 1753 durch Carl von Linné. Synonyme von Lycopsis arvensis L. sind: Anchusa arvensis (L.) M.Bieb., Anchusa arvensis subsp. occidentalis (Kusn.) Nordh., Lycopsis arvensis subsp. occidentalis Kusn., Anchusa guçuleaci Sennen, Anchusa rigolei Sennen.[6]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Acker-Ochsenzunge enthält möglicherweise Pyrrolizidinalkaloide, die Krebs verursachen und als Lebergifte gelten. Vergiftungen sind keine bekannt.[1]

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Acker-Ochsenzunge sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen falsche Hundszunge, Krummhals (Schlesien), Liebäugelein (Schlesien), wild Ochsenzung, Schafzung und Wolfsgesicht gebräuchlich.[7]

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 52-53.
  •  Dietmar Aichele, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da?. 57. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-440-10212-1, S. 344.
  •  Thomas Schauer, Claus Caspari: Der BLV Pflanzenführer für unterwegs. 2., durchgesehene Auflage. BLV, München 2008, ISBN 978-3-8354-0354-3, S. 290.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g  Dietmar Aichele, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da?. 57. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-440-10212-1, S. 344.
  2. a b c d e  Thomas Schauer, Claus Caspari: Der BLV Pflanzenführer für unterwegs. 2., durchgesehene Auflage. BLV, München 2008, ISBN 978-3-8354-0354-3, S. 290.
  3. a b c d e f  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 52-53.
  4. a b  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 784-785.
  5. Anchusa arvensis im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 9. Januar 2010.
  6. Benito Valdés, 2011: Boraginaceae.: Datenblatt Lycopsis arvensis In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  7. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 26, online.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Acker-Ochsenzunge (Lycopsis arvensis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!