Acker-Winde

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Acker-Winde
Acker-Winde (Convolvulus arvensis)

Acker-Winde (Convolvulus arvensis)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Windengewächse (Convolvulaceae)
Gattung: Winden (Convolvulus)
Art: Acker-Winde
Wissenschaftlicher Name
Convolvulus arvensis
L.

Die Acker-Winde (Convolvulus arvensis) ist eine in Europa weit verbreitete Pflanze aus der Familie der Windengewächse (Convolvulaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist eine windende, mehrjährige, krautige Pflanze. Sie bildet im Boden ein dichtes Netzwerk von knotig verdickten „Wurzelsträngen“ aus, die immer wieder neue Sprossen hervor treiben, selbst wenn man die Pflanze oberflächlich gejätet hat.

Von der sehr ähnlich aussehenden Echten Zaunwinde (Calystegia sepium) unterscheidet sich die Acker-Winde durch die Blüten, die bei der Zaunwinde gut doppelt so groß wie bei der Acker-Winde werden können. Bei der Zaunwinde sind sie durchgehend strahlend weiß, während sie bei der Acker-Winde zartrosa oder bläulich getönt sein können und außen an den Nahtstellen der zusammengewachsenen Blütenblätter dunkle, keilförmig auf dem Blütenrand zulaufende Streifen besitzen. Die Blüte der Zaunwinde hat außen zwei deutlich ausgeprägte grüne Vorblätter, die bei der Acker-Winde fehlen. Die Blütezeit ist zwischen April und Oktober.

Auch die Blätter unterscheiden sich bei beiden Arten: Bei der Zaunwinde sind sie eher rundlich, während sie bei der Acker-Winde länglich mit einer Spitze und zwei spitzen Ecken sind.

Blütezeit ist von Juni bis September.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 48 oder 50.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapselfrucht und Samen

Die Acker-Winde ist ein Rhizom- und Wurzelknospengeophyt, dessen Wurzeln zur Sprossbildung fähig sind. Sie ist eine linkswindende Kletterstaude und eine typische Trockenheitspflanze. Ihr Wurzelwerk reicht bis zwei Meter tief.[1] Abgeschnitten verwelkt sie jedoch rasch, weil ihre Wurzeln mit hoher Saugkraft für das Überleben unentbehrlich sind.

Die Blüten der Acker-Winde sind homogame „Große Trichterblumen“, die nur einen Tag geöffnet sind (Eintagsblumen). Bei kühlem Wetter kommt es zu Schließbewegungen (Thermonastie). Bei Regenwetter bleiben die Blüten geschlossen und gelten daher auch als Wetterpropheten. Der Nektar wird am Grunde des Fruchtknotens gebildet und ist von der Basis der Staubfäden bedeckt; deshalb führen nur fünf enge Spalten zum Nektar hin. Bestäuber sind Insekten aller Art, aber besonders treten Spiralhornbienen (Systropha) auf, die auf Windengewächse spezialisiert sind. Sie wälzen sich in den Blüten. Es findet aber auch Selbstbestäubung statt.

Während des Wachstums führt die Spitze des Triebes windentypische kreisende Bewegungen (Nutation) aus, wobei für einen Kreis nur wenige Stunden benötigt werden.

Die Früchte sind unauffällige, zur Reife nach unten hängende, 2-klappige Kapseln mit 4–5 Samen. Der Samenansatz ist meist gering. Hauptausbreitung erfolgt durch den Menschen über Ackergeräte usw. Außerdem tritt Schwerkraftausbreitung, Zufallsausbreitung durch Weidetiere und Ausbreitung der Rollsamen als Bodenroller auf. Fruchtreife ist von August bis Oktober.

Die Vegetative Vermehrung erfolgt durch Ausläufer und Wurzelsprosse. Bei der Bodenbearbeitung wachsen kleinste unterirdische Teile zu ganzen Pflanzen heran. Obwohl sie hübsche, zarte, rund 4–5 cm große Trichterblüten besitzt, ist sie in Gärten, auf Feldern und Weinbergen nicht gerne gesehen, weil sie sich an Kultur- und Zierpflanzen emporrankt und mit ihrem eigenen raschen Wachstum deren Entwicklung hemmt. Sie ist ein lästiges Acker- und Gartenunkraut.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Variante der Ackerwinde mit kräftiger Färbung

Außer auf Äckern findet man die Acker-Winde auf Wegen, Wiesen und Schuttplätzen. Sie gedeiht auch an trockenen Standorten. Die Acker-Winde ist eine Charakterart des Convolvulo-Agropyretum aus dem Verband der Quecken-Halbtrockenrasen (Convolvulo-Agropyrion repentis).[1]

Ursprünglich in Europa beheimatet, kommt sie heute fast weltweit in den gemäßigten bis subtropischen Zonen vor.

Unterarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann folgende Unterarten und Varietäten unterscheiden[2]:

  • Convolvulus arvensis subsp. arvensis
  • Convolvulus arvensis subsp. crispatus Franco: Sie kommt nur auf den Azoren und in Portugal vor.[2]
  • Convolvulus arvensis var. linearifolius Choisy: Sie kommt auf Madeira, von Deutschland bis zum Mittelmeergebiet und in Zentralasien vor. [2]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Acker-Winde enthält in ihren Blättern Herz-Kreislauf-Glykoside und ist deshalb eine altbekannte Heilpflanze. Außerdem enthält die Pflanze psychoaktive Alkaloide, wie sie früher beispielsweise in „Hexensalben“ verwendet wurden.

Die Blüten bieten reichlich Nektar und Pollen für Bienen, Käfer und Schmetterlinge, insbesondere für den Windenschwärmer (Agrius convolvuli). Auch vom Vieh werden die Pflanzen als Bestandteil von Heu gerne gefressen. Die beiden heimischen Spiralhornbienen leben oligolektisch von der Acker-Winde.

Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer Kinderlegende der Brüder Grimm nach trank die Mutter Gottes aus der Blüte ein „Glas“ Wein. Daher auch der Name Muttergottesgläschen.

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Acker-Winde bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Ackerwinde (Schlesien, Schweiz), Bedewinde (Schlesien), Erdwinde (Schlesien), Hergottkedelcher (Siebenbürgen), Kornwinde (Schlesien, Schweiz), Mittelwind, Pädewinde (Potsdam), Pathenwinde (Tübingen), Snerrkrut (Holstein, Fallersleben), Snirrkrut (Holstein, Fallersleben), Strumpfe (Österreich), Strupfe (Österreich), Teufelsdarm (Schlesien), Omspunnen Tüch (Helgoland), Wäwinde (Altmark), Waidach (Kärnten), Waen (Eifel bei Nürnburg), Kleu Wedewinde (mittelniederdeutsch), Klen Wedewindeblom (mittelniederdeutsch), Klen Wedewindeglocken (mittelniederdeutsch), Weegbinn (Holstein), Wegewinne (Mecklenburg), Wewinne (Göttingen, Fallersleben), Wewinneke (Göttingen), Winda, Windel (Oberhessen), Kleine Winde (Schlesien), Weiß Winde und Windglöckchen (Schlesien).[3] Sie wird auch Windling oder Feldwinde genannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 772.
  2. a b c Rafaël Govaerts (Hrsg.): – Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 2. Februar 2016.
  3. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 109. (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ackerwinde – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien