Act of Settlement

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Act of Settlement (Begriffsklärung) aufgeführt.
Act of Settlement (Kopie)

Mit dem Act of Settlement schuf das englische Parlament 1701 die neue Grundlage der protestantischen Thronfolge im Königreich England. Als Thronfolgeregelung ist der Act of Settlement bis heute im Vereinigten Königreich gültig, aber seit 2015 durch das sogenannte Perth Agreement grundlegend verändert..

Der Langtitel des Gesetzes lautet An Act for the further Limitation of the Crown and better securing the Rights and Liberties of the Subject (wörtlich etwa: „Ein Gesetz zur weiteren Beschränkung der Krone und zur besseren Sicherung der Rechte und Freiheiten des Untertanen“).

Beschreibung und Geschichte[Bearbeiten]

Der Act of Settlement schreibt fest, dass nach dem Tod Annes, der letzten protestantischen Thronfolgerin im Haus Stuart (und späteren Königin von 1702 bis 1714), das Recht der Thronfolge – unter Umgehung der bis dahin gültigen Erbfolgelinie – auf Sophie von der Pfalz bzw. deren protestantische Nachkommen übergehen sollte. Sophie von der Pfalz war eine Tochter der Elisabeth Stuart und die nächste lebende protestantische Verwandte des Königshauses. Außerdem wurde geregelt, dass auch alle jene ihrer Nachkommen ihr Anrecht auf den englischen (bzw. heute britischen) Thron verlieren, die einen katholischen Partner heiraten. Hierdurch wurden sämtliche Katholiken aus der englischen bzw. später britischen Thronfolge ausgeschlossen, was nach Jahrzehnten politischer Krisen und Unruhen das Hauptziel des Gesetzes war.

Die Bestimmungen waren direkt an die Person Sophies geknüpft, jedoch ging mit diesem Parlamentsgesetz die Königswürde in der Folge an die Welfen über, in die Sophie eingeheiratet hatte, so dass damit für die englische Monarchie das Haus Hannover begründet wurde. Da Sophie im Jahre 1714 kurz vor dem Ableben Königin Annes verstorben war, bestieg deren Sohn Georg Ludwig als Georg I. den Thron Großbritanniens. Da Georg und dessen Nachfolger ihre deutschen Titel und Territorien weiter behielten, bestand bis zum Jahre 1837 auch eine Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover.

Der Royal Marriages Act von 1772 ergänzte diese Bestimmungen später: Dieser legt fest, dass die Mitglieder der königlichen Familie für eine Heirat die Zustimmung des Monarchen benötigen.

Das Originaldokument des Act of Settlement (siehe Bild) befindet sich heute unter der Signatur "Cal. Or. 63, 1" im Hauptstaatsarchiv Hannover innerhalb des Niedersächsischen Landesarchivs.

Veränderungen: Perth Agreement[Bearbeiten]

Seit 2008 wurde, angestoßen durch die damalige Labour-Regierung unter Gordon Brown, über eine Änderung des Act of Settlement verhandelt. Am 27. Oktober 2011 einigten sich die Commonwealth Realms in Perth (Australien), diesen zu reformieren.[1] Die Veränderung der Thronfolge benötigte gemäß dem Statut von Westminster eine entsprechende gleichlautende Gesetzgebung aller 16 Commonwealth-Staaten, in denen die britische Königin bzw. der britische König Staatsoberhaupt ist, soweit die nationale Gesetzgebung nicht einfach auf die Thronfolgeregelung des Vereinigten Königreichs verweist. Während sonst alle Commonwealth Realms die Neuregelung bis Ende 2013 ratifiziert hatten, verzögerte sich die Umsetzung in Australien, wo zuerst alle Bundesstaaten einzeln und dann der Bundesstaat die neue Thronfolgeregelung beschließen mussten.[2] Erst am 3. März 2015 stimmte das Parlament von Western Australia zu[3], am 19. März dann das australische Parlament, am 24. März wurde der Royal Consent erteilt.[4] Zwei Tage später teilte der stellvertretende britische Ministerpräsident Nick Clegg dem Parlament mit, dass die Neuregelung der Thronfolge am 26. März 2015 in Kraft getreten sei.[5]

Für die Thronfolge gilt nun, dass sie unabhängig vom Geschlecht nach Reihenfolge der Geburt erfolgt; diese Regelung gilt für alle nach dem 28. Oktober 2011 geborenen potentiellen Thronfolger.[6] Beim Inkrafttreten wirkte sich diese Regelung erstmals auf den damaligen Plätzen 28 und 29 der Thronfolge aus, wo Senna Lewis (* 2010) vor ihren Bruder Tāne Lewis (* 2012) rückte.[7]

Zweitens führt die Heirat mit einem Katholiken nun nicht mehr zu einem Ausschluss von der Thronfolge, ein Herrscher selbst muss aber der anglikanischen Kirche angehören.[6] Diese Regelung gilt rückwirkend für alle lebenden möglichen Thronfolger und betraf bei Inkrafttreten als erstes den Platz 34 der Thronfolge, den Georg Windsor, Earl of St. Andrews, zurückerhielt;[7] seine beiden ältesten Kinder blieben dagegen von der Thronfolge ausgeschlossen, weil sie der katholischen Kirche angehören.

Als drittes benötigen nun nur noch die sechs nächsten Thronfolger eine Zustimmung des aktuellen Herrschers zu ihrer Heirat, der Royal Marriages Act von 1772 tritt damit außer Kraft.[6] Anders als unter dem Royal Marriages Act sind ohne Einwilligung geschlossene Ehen auch nicht mehr nichtig, sondern führen lediglich zum Ausschluss der betroffenen Person und ihrer Nachkommen von der Thronfolge.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrew Browning (Hrsg.): English Historical Documents, 1660-1714, London: Eyre & Spottiswoode, 1953, S. 129-134.
  • Georg Schnath: Geschichte Hannovers im Zeitalter der neunten Kur und der englischen Sukzession, Bd. 4, 1982, S. 3ff.
  • Waldemar R. Röhrbein, Alheidis von Rohr: Hannover im Glanz und Schatten des britischen Weltreichs. Beiträge zur Ausstellung des Historischen Museums Hannover, 1977
  • 300. Jahrestag „Act of Settlement“ ( = Schriftenreihe des Niedersächsischen Landtages, Heft 44 (2001)
  • A.-K. Härtrich: Georg Ludwig und die Sukzessionsfrage, in: H. Barmeyer (Hrsg.): Hannover und die englische Thronfolge, 2005, S. 87–111
  • Klaus Mlynek: Sukzesszionsakt(e), in: Stadtlexikon Hannover, S. 613

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Koydl: Königstöchter an die Macht. Die Commonwealth-Staaten wollen die britische Thronfolge-Regelung ändern – zugunsten der Frauen. In: Süddeutsche Zeitung vom 29. Oktober 2011, S. 12.
  2. Australia holds up changes to royal succession laws. The Guardian, 27. Februar 2014, abgerufen am 12. August 2014 (englisch).
  3. Progress of Bills: Succession to the Crown Bill 2014. Parliament of Westerns Australia, abgerufen am 12. Juni 2015 (englisch).
  4. Succession to the Crown Bill 2015. Parliament of Australia, abgerufen am 12. Juni 2015 (englisch).
  5. Commencement of Succession to the Crown Act 2013. UK Parliament, 26. März 2015, abgerufen am 12. Juni 2015 (englisch).
  6. a b c Succession to the Crown Act 2013. The National Archives, 25. April 2013, abgerufen am 12. August 2014 (englisch).
  7. a b What do the new royal succession changes mean? Royal Central, 26. März 2015, abgerufen am 12. Juni 2015 (englisch).