AdBlue

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
AdBlue
Besitzer/Verwender 146 Handelspartner vom VDA[1]
Inhaber Verband der Automobilindustrie e. V. (VDA)
AdBlue-Tank (Lkw)
AdBlue-Tank in der Reserveradmulde (Pkw)
AdBlue-Tankstutzen (Pkw)

AdBlue (auch AUS 32 für aqueous urea solution oder Arla 32) ist eine wässrige Harnstofflösung, bestehend aus 32,5 Prozent Harnstoff und 67,5 Prozent demineralisiertem Wasser. Mit dieser Lösung wird der Ausstoß von Stickoxiden (NOx) bei Dieselmotoren um bis zu 90 Prozent reduziert.[2] Der deutsche Verband der Automobilindustrie e. V. hat die Marke schützen lassen; in Nordamerika wird Diesel Exhaust Fluid (DEF) als Name verwendet. Lizenznehmer der Marke AdBlue verpflichten sich, die Qualitätskriterien des ISO 22241-1 Standards einzuhalten.[3]

Die wasserklare Lösung wird in den Abgasstrom eingespritzt und führt zu einer selektiven katalytischen Reduktion (SCR). Stickoxide und Ammoniak reagieren dabei zu Wasser und Stickstoff.[4] Neben der Verwendung von AdBlue in SCR-Katalysatoren kommen auch NOx-Speicherkatalysatoren ohne Zusatzstoffe zum Einsatz, um im PKW-Bereich die Euro-6-Abgasnorm zu erfüllen.[5]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgasstrang des Dieselmotors mit Katalysatoren und Harnstoffeinspritzung, schematische Darstellung

Das SCR-Verfahren nutzt Ammoniak, welches an Bord des Fahrzeugs aus Harnstoff gewonnen wird. Die in einem separaten Tank liegende 32,5-prozentige Harnstofflösung wird durch einen Injektor dosiert in den Abgasstrom mit einem Systemdruck von 4,5 bis 8,5 bar eingespritzt. Das Ammoniak reduziert im titanbeschichteten SCR-Katalysator ab einer Abgastemperatur von 170 Grad Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid in Stickstoff und Wasserdampf.[6]

Thermolyse und Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thermolyse des Harnstoffs zu Ammoniak und Isocyansäure

anschließende Hydrolyse:

Selektive Katalytische Reduktion (Standard-SCR, Temperatur über 250 Grad):

schnelle SCR (Temperatur über 170 bis 300 Grad)

Innenansicht eines Adblue-Tanks mit Tauchpumpe und Heizung (rot)
Eigenschaft Wert Einheit
Harnstoffgehalt 31,8–33,2 Gew.-%
Kristallisationsbeginn −11,5 °C
Brechungsindex 1,3817–1,3843
Wärmeleitfähigkeit 0,57 W/(m·K)
Spezifische Wärmekapazität 3,51 J/(g·K)
Schmelzenthalpie 270 J/g
Dichte bei 20 °C 1,087–1,093 g/cm³
Dynamische Viskosität 1,4 mPa·s

Der Gefrierpunkt von AdBlue liegt bei −11,5 °C, daher ist in Ländern der gemäßigten Zone mit winterlichen Minusgraden eine zusätzliche Beheizung notwendig. Der Vorratstank ist beheizt und das Leitungssystem ist entleerbar. Der Entleervorgang wird zum Beispiel über ein Reversieren der Tauchpumpe im Vorratstank realisiert. Die Lösung im Leitungssystem wird nach dem Abschalten der Zündung in den beheizbaren Vorratstank zurückgefördert.

Von AdBlue geht keine besondere Gefährdung im Sinne des europäischen Chemikalienrechts aus. Auch gemäß dem Transportrecht ist AdBlue kein Gefahrgut. Hautkontakt sollte vermieden werden; eventuelle Reste kann man mit Wasser abwaschen.

Verbrauch und Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diesel exhaust fluid (DEF) für den nordamerikanischen Markt
Tankstelle (links AdBlue; rechts Diesel)

Der Verbrauch von AdBlue wird unterschiedlich angegeben. Die Robert Bosch GmbH gibt 5 Prozent der Menge des eingesetzten Dieselkraftstoffs an,[2] 7 Prozent wird in der Landwirtschaft bei Traktoren angenommen.[7] Der Verband der Automobilindustrie gibt 1,5 Liter bei Pkw auf 1000 km an,[8] andere Quellen sprechen von bis zu 4 Liter auf 1000 km für eine angemessene Reinigung.[9]

Die Tankgröße der Hersteller variiert von 12 bis 25 Liter bei Pkw und 50 bis 100 Liter bei Lkw. Nach einer Studie der TNO ist der AdBlue-Tank bei Euro-6-Pkw zwischen 45 bis 80 Prozent zu klein, wenn eine Nachfüllung zwischen den Wartungsintervallen vermieden werden soll.[10] Bei Nutzfahrzeugen wird durch die Verwendung von AdBlue der Einspritzbeginn früher möglich und dadurch der Kraftstoffverbrauch um etwa 6 % reduziert.[11]

AdBlue wird in Deutschland von BASF, den SKW Stickstoffwerken Piesteritz und dem Finke Mineralölwerk, in Nordeuropa primär von den Unternehmen AMI und Yara produziert. Mittlerweile wird AdBlue von vielen Tankstellenunternehmen, unter anderem Aral, Raiffeisen-Tankstellen, Westfalen AG, Total, Agip, Tank & Rast, Shell, Avia, Classic, Hoyer GmbH und Co. KG entweder an Zapfsäulen oder im Kanister angeboten. Die Verfügbarkeit liegt aktuell bei 6.717 Tankstellen und 10.902 Kanisterstandorten in Europa.[12] Auch in vielen Baumärkten kann AdBlue mittlerweile erworben werden.

Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Preis von AdBlue wird durch den Preis von Harnstoff beeinflusst, Ende 2015 lag er laut Weltbank bei 220 EUR pro Tonne, das sind ca. 7 Eurocent pro Liter AdBlue ().[13] An Tankstellen kostet der Liter AdBlue ca. 50 Eurocent (Stand 2017).

Finanzielle Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die technische Ausstattung fallen zusätzliche Kosten sowie Gewichts- und Platzbedarf für Tank, Leitungen, Sensorik, Elektronik etc. an. Die Preise von Dieselfahrzeugen mit SCR-Katalysator und AdBlue sind 2015 daher noch deutlich höher als von Fahrzeugen mit Ottomotoren. So kostet beispielsweise ein Neuwagen des Typs Peugeot 208 mit Dieselmotor und SCR-Abgasreinigung mit 17.950 Euro gegenüber der Ausführung mit Ottomotor mit 14.950 Euro 3000 Euro mehr in der Anschaffung.[14] Da die Verwendung von AdBlue Mehrkosten verursacht, verwenden betrügerische Betreiber von Lkw-Dieselfahrzeugen elektronische Abschaltvorrichtungen. Diese sogenannten AdBlue-Emulatoren sind gesetzlich verboten.[15][16] Mit der verbotenen Veränderung des Schadstoffausstoßes sind in Deutschland mehrere Bußgeldtatbestände betroffen, z. B. im Bereich des Straßenverkehrs- und Kraftfahrzeugsteuerrechts; zusätzlich und unabhängig zu Bußgeldern wird bei mautpflichtigen Lkw, der nicht in der erforderlichen Höhe entrichtete Mautbetrag durch das Bundesamt für Güterverkehr nachträglich erhoben. Gegen Audi wird wegen Betrugsverdacht im Abgasskandal ermittelt.[17][18]

Pkw-Hersteller, die AdBlue verwenden (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahnfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch bei Dieselmotoren der Eisenbahn kommt AdBlue zur Anwendung, beispielsweise beim Stadler Regio-Shuttle RS1.[29]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuell (Stand Februar 2016) sind weltweit 146 Lizenznehmer registriert. Vgl. Liste auf VDA.de (PDF). Abgerufen am 8. Januar 2017.
  2. a b Robert Bosch GmbH: Kraftfahrtechnisches Taschenbuch. 28. Aufl., Springer Vieweg, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-03800-7, S. 719.
  3. Vorschau ISO 22241-1, abgerufen 2017-06-25.
  4. ISO 22241, Diesel engines -- NOx reduction agent AUS 32, (abgerufen am 11. Oktober 2015).
  5. bosch-presse.de: Abgas-System Denoxtronic (abgerufen am 9. Oktober 2015).
  6. Stickoxidminderung auf exomission.de (abgerufen am 29. September 2015).
  7. DLG e. V. - Pressemeldungen. Abgerufen am 18. März 2017 (deutsch).
  8. AdBlue (PDF), vda.de, S. 9.
  9. Harnstoff als Gradmesser, zeit.de vom 10. November 2015 (abgerufen am 25. August 2017)
  10. TNO Report 2015 R10838 Emissions of nitrogen oxides and particulates of diesel vehicles (PDF), TNO.nl (abgerufen am 27. August 2017)
  11. Rolf Gscheidle et al: Fachkunde Kraftfahrzeugtechnik. 30. Aufl., Europa-Lehrmittel, Haan-Gruiten 2013, ISBN 978-3-8085-2240-0, S. 745.
  12. FindAdBlue.com, abgerufen am 31. Mai 2016.
  13. Urea Monthly Price — Euro per Metric Ton, abgerufen am 24. Januar 2016.
  14. zeit.de Abgas-Skandal (abgerufen am 16. Oktober 2015).
  15. TradersCity.com: Adblue Scr Emulation Module Emulation Nox Original, Not Chinesse Copy Not Fake | SpecialDiagnostic | TradersCity. Abgerufen am 16. Mai 2017.
  16. Alpen-Initiative - Der Bundesrat muss handeln. Abgerufen am 16. Mai 2017 (deutsch).
  17. FOCUS Online: Wundermittel „Adblue“: Warum jetzt Staatsanwälte ermitteln. In: FOCUS Online. (focus.de [abgerufen am 18. März 2017]).
  18. Abgasskandal: Razzia in der Audi-Zentrale. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 15. März 2017, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 18. März 2017]).
  19. TDI clean diesel (Memento vom 5. Mai 2016 im Internet Archive) audi.de
  20. BMW BluePerformance (Memento vom 14. Dezember 2016 im Internet Archive) bmw.com
  21. Cruze Diesel (Memento vom 7. November 2016 im Internet Archive) chevrolet.com
  22. BlueHDi citroen.de (abgerufen am 16. Oktober 2015).
  23. Ford Transit ford.de (abgerufen am 23. August 2017)
  24. AdBlue® mercedes-benz.com (abgerufen am 24. Juli 2017).
  25. Christoph M. Schwarzer: Opels sauberster Kinderwagen zeit.de, 25. September 2013 (abgerufen am 16. Oktober 2015).
  26. Patrick Broich Im Fahrbericht: Opel Insignia mit neuem 170-PS-Diesel: heise.de, 27. Februar 2015 (abgerufen am 18. Mai 2016).
  27. All Cayenne Models: porsche.com (abgerufen am 17. Oktober 2015).
  28. Christoph M. Schwarzer: Abgasreinigung mit Harnstoff geht in Serie zeit.de, 9. Juli 2013 (abgerufen am 16. Oktober 2015).
  29. Der STADLER-Regioshuttle RS1 auf Bahnseite.de (abgerufen am 9. September 2015).