Ad Vitam

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Serie
Deutscher TitelAd Vitam
OriginaltitelAd Vitam
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Jahr 2018
Länge 60 Minuten
Episoden 6 in 1 Staffel
Genre Science-Fiction
Musik HiTnRuN (Musikerkollektiv)
Kamera Yves Cape
Erstveröffentlichung 2. November 2018 auf Arte
Deutschsprachige
Erstveröffentlichung
8. November 2018 auf Arte
Besetzung
Synchronisation

Ad Vitam ist eine französische dystopische Fernsehserie aus dem Jahr 2018. Die Erstausstrahlung erfolge auf Arte zunächst in der Mediathek, bevor sie im regulären Programm und später in das Angebot von Netflix übernommen wurde. Sie umfasst eine in sich abgeschlossene Staffel mit sechs Folgen zu je einer Stunde Spielzeit. Der Titel ist der lateinischen Sprache entnommen und bedeutet soviel wie zum Leben.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem nicht näher bezeichneten französisch sprachigen mediterranen Land in naher Zukunft startet gerade eine Abstimmung zur Geburtenkontrolle. Durch die genetische Besonderheit von Quallen sich quasi ständig zu regenerieren, ist es der Wissenschaft gelungen, durch eine Regenerationskur das Leben der Menschen unendlich zu verlängern. Das Verfahren kann ab dem 30. Lebensjahr angewendet werden. Daher sind die wenigen noch gezeugten Kinder erst ab diesem Zeitpunkt volljährig. Allerdings haben nicht alle Menschen die nötige genetische Disposition für eine erfolgreiche Verjüngung. Politik und Gesellschaft fordern von jedem Bürger die Pflicht ein, sich gesund und konform zu verhalten, damit die Verjüngung immer effizient ist. Nutztierhaltung gibt es daher nicht mehr. Auch Haustiere – bis auf Quallen – sind ebenso tabuisiert wie das Rauchen oder der Konsum von Alkohol. Subtile Überwachung mittels Smartphone und Drohnen ist allgegenwärtig. Die Selbstverwirklichung, Raum zum Leben wie es die Regenerierten nennen, ist das gesellschaftlich akzeptierte Ziel.

Als die Welt den Geburtstag der ältesten Frau der Welt mit 169 Jahren feiert, werden am Strand die Leichen von einigen Jugendlichen angespült. Alle sind durch einen Kopfschuss gestorben und haben eine Tätowierung in Form von zwei Punkten. Alles deutet auf eine Massenselbstmord hin, wie er bereits zehn Jahre zuvor von Jugendlichen verübt wurde: Die Gesellschaft drängte die Jugendlichen immer mehr zurück, was Revolten und Aufstände zur Folge hatte. Der junge, frustrierte Caron hatte eine radikale Lösung vor Augen. Seine Vision war ein ultimatives Zeichen durch einen kollektiven Suizid zu setzen. Er bildete die Gruppe SAUL und rekrutierte ein Dutzend Jugendliche, unter ihnen auch Christa Novak. Sie tauchte jedoch nicht bei dem vereinbarten Treffen auf, an dem Gruppe Massensuizid beging. Caron fand jedoch nicht den Mut sich selber zu töten und der Kopfschuss von seinem Freund Linus misslang. Caron brachte ihn in ein nahes Krankenhaus. Seitdem ist Linus geistig verwirrt. Er führt Jahre später dennoch eine Kommune an, die sich dem System verweigert und alle Konventionen bricht. Etwa züchten sie Ratten im großen Stil, um deren Fleisch zu essen und stellen synthetische Drogen her.

Darius Asram, der damals die Ermittlungen leitete, wird erneut mit dem Fall beauftragt. Er nimmt Kontakt zu Christa auf. Die heute 24-Jährige ist seit dem Vorfall in einer psychiatrischen Einrichtung zur Umerziehung. Es wird Darius letzter Fall werden: eine Regelung besagt, dass Polizisten maximal 99 Jahre Dienst tun dürfen. Andernfalls könnten die psychischen Belastungen zu groß werden. Mit diesem Fakt hadert Darius. Er sperrt sich gegen die psychologischen Beratungen bezüglich seiner nächsten Berufswahl. Christa steht Darius zunächst sehr ablehnend gegenüber, willigt aber dennoch in eine Zusammenarbeit ein, um die Anstalt verlassen zu können. Christas Eltern lehnen ihre Tochter immer mehr ab. Sie sind mit ihren 160 Jahren unfähig, eine Beziehung zur ihr aufzubauen. Sie fürchten sich sogar vor Christa und ihren Ansichten. Christa konfrontiert ihre Eltern mit der Aussage, sie sollten besser ihre Qualle, die sie als Haustier halten, als Tochter nehmen. Es kommt zum endgültigen Bruch und Darius nimmt Christa in seinen Haushalt auf. Es kommt zu einer Annäherung zwischen dem Mädchen und Darius Ehefrau Béat, was deren langgehegten Kinderwunsch verstärkt. Doch Darius, traumatisiert durch den Tod seines Sohnes vor 80 Jahren, geht der Frage des Kinderwunsch systematisch aus dem Weg. Im Zuge der Ermittlungen stoßen Christa und Darius auf rund 200 verschwundene Minderjährige.

In einem Jugendclub erkennt Christa Linus und Caron wieder. Caron hat nach dem Massensuizid landesweit Zentren für offene Jugendarbeit gegründet, in der sich die Minderjährigen ohne Überwachung, aber dennoch Staatskonform, treffen und tanzen können oder Workshops abhalten. Zur Finanzierung ist er eine Public Private Partnerschaft mit einem Konsortium unter Führung von Odessas Handlanger eingegangen. Linus verabreicht Christa einen Drogencocktail. Im Rausch erlebt sie eine Sterbezeremonie: Ein alter Priester, Mentor und Fürsprecher von Caron, lässt der Natur ihren Lauf und stirbt eines natürlichen Todes. Auf einer Party mit hunderten von Jugendlichen mischt sich Darius mit seinem Team unter die Feiernden, um Erkenntnisse über das Verschwinden der Minderjährigen zu erhalten. Ein Mitglied von Linus' Gruppe erkennt die Ermittler und flüchtet. Er wird von Darius zu Fuß verfolgt. Als der Junge nicht mehr entkommen kann, springt er von einer Klippe in den Tod. Ein Suizid ist in der Gesellschaft der ewig Lebenden moralisch das verwerflichste und daher schließt die Regierung sofort alle Zentren von Caron.

Christa entziffert für die Polizei Schriften, die in Linus Wohnung gefunden wurden. Lesky und Darius befragen den Onkel des toten Jungen, der weder Anteilnahme zeigt noch eine große Hilfe ist. Seiner Meinung nach ist es unnötig, den Tod einer Minderjährigen aufzuklären, da Kinder wegen der Überbevölkerung sowieso eine Belastung darstellten. Linus wird im Krankenhaus ausfindig gemacht, wird verhaftet und verrät aber bei der Befragung kein Wort. Dank einer der Skizzen aus Linus Wohnung finden Darius und Christa ein verlassenes Sanatorium, dass als Übergangsquartier für Jugendliche, die sich der Bewegung anschließen wollen, diente.

Darius wird aus dem Polizeidienst entlassen, da er die maximale Dienstzeit bei der Polizei erreicht hat, derweil vechwindet Christa und taucht unter. Er ermittelt jedoch weiter und stößt auf den Leiter des Museums Stern, Charles Vanghen, und dessen Verbindungen zu der Unternehmerin Odessa. Er bittet seinen Exkollegen – allen voran Elias – eine Überwachung einzuleiten, doch dieser versucht statt zu helfen Darius aus den Weg zu räumen. Darius findet durch die Überwachung der Mitarbeitenden des Museums Christa. Sie und andere Jugendliche werden in einem geheimen Zirkel rund um Odessa präsentiert: Der Prozess der Verjüngung wird umgekehrt. Vor den Augen einer illustren Gesellschaft altern die Jugendlichen in wenigen Minuten und sterben. Die unsterblichen Erwachsenen ergötzen sich an diesem Prozess, von dem sie befreit sind, und feiern so ihre eigene Unantastbarkeit. Sie sind vom Prozess des Alterns und Sterben fasziniert. Die Körper der Jugendlichen sind zum Ende deformiert und werden im Meer entsorgt. Darius kann mit Waffengewalt Christa befreien, wird dabei jedoch tödlich verwundet. Christa macht sich daraufhin mit weiteren Jugendlichen in einem Boot auf. Denn vor der Küste soll es eine Insel geben, auf der Menschen leben, die ganz normal altern.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Kritik wurde die Serie sehr positiv aufgenommen. Torsten Zarges vom Online-Magazin DWDL.de legt den Blick auf die Gesellschaftskritik: Der kritische Aspekt sei hier im Genre SciFi, das vom Morgen erzählt, um das Heute zu hinterfragen, sehr gut umgesetzt. Der Zuschauer werde ständig animiert, sich mit den ethischen und moralischen Fragen des Plot zu befassen.[1]

„Wenn man die ersten zwei Folgen des Sechsteilers anschaut, ist man zunächst damit beschäftigt, diese seltsame Welt einordnen zu wollen, die zwar äußerlich so vertraut scheint, jedoch in grundlegenden Fragen des menschlichen Miteinanders so vollkommen anders tickt.“

DWDL

Ähnlich sieht es Heike Hupertz im Feuilleton der FAZ: Der Traum vom ewige Leben werde in Ad vitam zum Albtraum und die Zuschauenden würden immer wieder gefordert, sich eigene Gedanken zu machen:[2]

„Diese französische Serie stellt die brisante Frage mit einer auch sinnlich-praktisch ansprechenden Ernsthaftigkeit auf, die man hierzulande vom Fernsehen kaum gewohnt ist.“

FAZ

Christian Buß lobt in seiner Rezension für den Spiegel die filmische Umsetzung, die minimalistisch daherkomme. Er sieht Anleihen beim Film Noir oder Meisterwerken wie Blade Runner, um das triste Leben in der Endlosschleife zu zeigen:[3]

„So sieht risikofreudiges europäisches Serienfernsehen aus, das sich selbstbewusst den Themen der Zeit stellt.“

Der Bayerischen Rundfunk geht in seiner Kritik im Jugendkanal Puls besonders auf den dargestellten Konflikt einer Generation in der Warteschleife, in der die eignen Eltern nicht mehr sterben und junge Menschen eher stören, ein:[4]

„Die Welt, die „Ad Vitam“ zeigt, ist eigentlich unsere eigene: Eine Welt nämlich, in der die Jungen immer länger von den Älteren abhängig sind. In der Politiker über ihre Köpfe und Interessen hinweg regieren und den Jüngeren Chancen nehmen.“

Puls

Die internationale Kritiker-Jury des Festivals Séries Mania im Mai 2018 zeichnete Ad Vitam als beste französische Serie aus.[1] Die Serie nahm 2018 am kanadischen Toronto Film Festival und am israelischen Utopia Festival teil, wurde lobend von der Kritik erwähnt aber erhielt keine Prämierungen.[5][6] Eine außereuropäiosche größere Beachtung kam der Serie nicht zu. So findet sich auch keine Wertung auf Rotten Tomatoes.[7]

Besetzung und Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rollenname Rolle Schauspieler Synchronsprecher
Darius Asram Polizist Yvan Attal Thomas Schmuckert
Christa Novak Mitglied des Widerstands Garance Marillier Lydia Morgenstern
Béat Asram Ehefrau von Darius Anne Azoulay Dana Friedrich
Odessas Handlanger skrupellose Unternehmerin Alex Martin
Léonard Ader genannt Linus Ehemaliges Mitglied des Widerstands Rod Paradot
Namenlose Priesterin Priesterin Hanna Schygulla
Virgil Berti genannt Caron Mitglied des Widerstands Niels Schneider Jannik Endemann
Elias Azuelo Korrupter Kollege von Darius Adel Bencherif Simon Derksen
Colonel Han Vorgesetzte von Darius und Elias Aurélia Petit
Théo Lesky Polizist und Aufpasser von Christa Victor Assié Julius Jellinek

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ewiges Leben löst Generationenkonflikt aus. DWDL.de Online-Magazin zur deutschen Medienwirtschaft. 29. Juli 2018, abgerufen am 16. März 2021.
  2. Geburt und Tod sind verboten. FAZ. 8. November 2018, abgerufen am 16. März 2021.
  3. Sterben ist ja so was von gestern. Der Spiegel. 1. November 2018, abgerufen am 16. März 2021.
  4. Was tun, wenn die Eltern ewig leben? Puls/Bayrischer Rundfunk. 30. Oktober 2018, abgerufen am 16. März 2021.
  5. Ad vitam brings French series into the primetime spotlight at TIFF‘18! Merlin Productions. 22. August 2018, abgerufen am 16. März 2021 (englisch).
  6. Ad vitam. Utopia Festival. 4. Dezember 2018, abgerufen am 16. März 2021 (englisch).
  7. Ad vitam. Rotten Tomatoes. Abgerufen am 16. März 2021 (englisch).

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]