Adalbert Friedrich Marcus

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Adalbert Friedrich Marcus. Kupferstich von Johann Jakob Lips nach einer Vorlage von Franziska Schöpfer.

Adalbert Friedrich Marcus (* am 21. November 1753 in Arolsen; † 26. April[1] 1816 in Bamberg) war ein deutscher Arzt, Leibarzt von Franz Ludwig von Erthal und Förderer der Kunst und Wohlfahrt der Stadt Bamberg.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adalbert Friedrich Marcus, der auch die Beinamen Benjamin und Israel trug, wurde als erster Sohn des Händlers und waldeckischen Hofagenten Moritz Marc(us) und dessen Frau Esther in Arolsen nahe Kassel geboren.[2] Im Jahr 1781 konvertierte der Jude Marcus zur katholischen Konfession.

1801 erwarb Adalbert Friedrich Marcus die Altenburg, die verfallene ehemalige Residenz der Bamberger Bischöfe, und widmete sich der Erhaltung der Burg. Zu seinen Gästen und Freunden gehörten der Dichter E. T. A. Hoffmann, der Naturphilosoph Friedrich Schelling[3] und der Bamberger Weinhändler und Verleger Carl Friedrich Kunz, in dessen Verlag Marcus einige medizinische Schriften veröffentlichte.

Die Säkularisation des einstigen Hochstifts und Fürstbistums Bamberg nutzte er, um die medizinische und soziale Versorgung der Bürger zu verbessern. 1803 ließ er die Bewohner des nicht mehr zeitgemäßen Altenstifts Katharinenspital in das aufgelöste Kloster Michelsberg bringen. 1805 wurde auf sein Betreiben hin St. Getreu, die Propstei des säkularisierten Bamberger Klosters Michaelsberg, zur Kreisirrenanstalt umgewandelt. Diese Krankenhaus leitete[4] Marcus auch.

Sein Adoptivsohn ist der 1802 geborene Würzburger Medizinprofessor und Psychiater Carl Friedrich von Marcus,[5] welcher die erste ständige psychiatrische Klinik Deutschlands gründete.[6]

Marcus wurde seinem Wunsch gemäß[7] am Fuße der von ihm bewahrten Altenburg begraben. Das Grab ist am dortigen Nordhang unterhalb der Kreuzigungsgruppe zu finden.

Hinterlassenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Jahre nach Marcus’ Tod gründete Postmeister Anton von Grafenstein den Altenburgverein, der sich bis heute um den Unterhalt der Burg kümmert.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bamberg sind die Markusstraße, der Markusplatz, die Markusbrücke und das Marcus-Haus (ehemalige Frauenklinik und heute Teil der Universität Bamberg) nach ihm benannt.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

* Gerhard Aumüller: Adalbert Friedrich Marcus. Der waldeckische Reformer des fränkischen Medizinalwesens und seine Familie (=Waldeckisches Historische Hefte 11). Bad Arolsen 2016. ISBN 978-3-631-74124-5
  • Gerhard Aumüller / Christoph Schindler: Adalbert Friedrich Marcus - Johann Lucas Schönlein: 100 Jahre Bamberger Medizingeschichte. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7917-2783-7.
  • Gerhard Aumüller: Adalbert Friedrich Marcus und die Ärzte in seiner Verwandtschaft ̶ Familiärer Hintergrund, schulische und universitäre Ausbildung, wissenschaftliche Orientierung. In: Gerhard Aumüller, Irmtraut Sahmland (Hg.): Karrierestrategien jüdischer Ärzte im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Symposium mit Rundtisch-Gespräch zum 200. Todestag von Adalbert Friedrich Marcus (1753–1816). Beiträge zur Wissenschafts- und Medizingeschichte. Marburger Schriftenreihe 4. Peter Lang, Berlin 2018, S. 17–58. ISBN 978-3-932468-15-5.
  • Werner E. Gerabek: Marcus, Adalbert Friedrich. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner (Hrsg.) Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2005, S. 891 f.
  • Wolfgang Grünbeck: Der Bamberger Arzt Dr. Adalbert Friedrich Markus. 1971 (medizinische Dissertation, Universität Erlangen–Nürnberg, 1971).
  • Mark Häberlein, Michaela Schmölz-Häberlein: Adalbert Friedrich Marcus (1753–1816). Ein Bamberger Arzt zwischen aufgeklärten Reformen und Romantischer Medizin (= Stadt und Region in der Vormoderne. Bd. 5). Ergon, Würzburg 2016, ISBN 978-3-95650-134-0.
  • August HirschMarcus, Adalbert Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 20, Duncker & Humblot, Leipzig 1884, S. 306 f.
  • Erhart Kahle: Marcus, Adalbert Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 134 f. (Digitalisat).
  • Alexander Nogaller: Doktor Adalbert Friedrich Markus (1753–1816): Arzt, Organisator des Gesundheitswesens, Philosoph, Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens (zum 250. Geburtstag). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 24, 2005, S. 546–551.
  • Michaela Schmölz-Häberlein, Mark Häberlein: Die medizinische Bibliothek des Adalbert Friedrich Marcus. Privater Buchbesitz und ärztliches Wissen in Bamberg um 1800 (= Bamberger Historische Studien. Bd. 15). University of Bamberg Press, Bamberg 2016, ISBN 978-3-86309-429-4.
  • Karl Friedrich Speyer: Dr. A. F. Marcus nach seinem Leben und Wirken geschildert. Nebst Krankheits-Geschichte, Leichenöffnung, neun Beilagen und dem vollkommen ähnlichen Bildnisse des Verstorbenen. Von seinen Neffen Dr. [Karl Friedrich] Speyer und Dr. Marc. Mit einer Vorrede von G[eorg] M[ichael] Klein. Kunz, Bamberg 1817

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Adalbert Friedrich Marcus – Quellen und Volltexte
Commons: Adalbert Friedrich Marcus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alexander Nogaller: Doktor Adalbert Friedrich Markus (1753–1816): Arzt, Organisator des Gesundheitswesens, Philosoph, Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens (zum 250. Geburtstag). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 24, 2005, S. 546–551, hier: S. 546 (laut Grabstein: „[...] Denatus 26. April 1816“)
  2. Alexander Nogaller: Doktor Adalbert Friedrich Markus (1753–1816): Arzt, Organisator des Gesundheitswesens, Philosoph, Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens (zum 250. Geburtstag). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 24, 2005, S. 546–551, hier: S. 546 f.
  3. Robert Herrlinger: Die Entwicklung des medizinhistorischen Unterrichts an der Julius-Maximilians-Universität. Mitteilungen aus dem Georg Sticker-Institut für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg, Heft 1 (März 1957), S. 1–8; S. 2
  4. Konrad Rieger: Aus dem Julius-Spital und der ältesten psychiatrischen Klinik. In: Hundert Jahre bayerisch. Ein Festbuch, herausgegeben von der Stadt Würzburg. Würzburg 1914, S. 303–334, hier: S. 315.
  5. Erhart Kahle: Marcus, Carl Friedrich von. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. Hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005, S. 892
  6. Andreas H. Mahnken und Axel W.-O. Schmidt: Dr. med. Ernst Schmidt (1830–1900) - Revolutionär und Arzt. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 20, 2001, S. 311–318, hier: S. 312.
  7. Allgemeine deutsche Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände (Conversations-Lexikon). 12 Bände, Band 7 (M – N), 7. Auflage. F. A. Brockhaus, Leipzig 1830, S. 118.
  8. Verena Sinn: Adalbert Friedrich Marcus, Website der Universität Bamberg, abgerufen am 18. Oktober 2020.